Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 173 (30.4.1931)
- Date
- 1931-04-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3053752-3053911-3053927--2321-3057740- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nf. 173 — 30. April 1931 DIE STIMME Seite 11 Jius aUet Welt Dl* Lilie der Juden In Japan Die New Yorker jiddische Tageszeitung «Der Tog» veröffentlicht ein Interview ihres 'Mitarbeiters Joel Slonim mit dem Bruder des Mikado Prinz Takamatsu, der sich derzeit mit seiner Gattin ln New York aufhält. Prinz Takamatsu äußerte sich im Verlauf des Gespräches folgendermaßen über die Lage der Juden in Japan: Die Juden haben in Japan dieselben Rechte wie die übrige Bevölkerung, wenn sie auch nicht Staatsbürger sind und keine öffentlichen Aemter bekleiden. Das japanische Volk macht keinen Unterschied in der Behandlung der einzelnen Rassen. Allerdings werden alle Personen nichtjapanischer Abstammung, Juden ebensowohl wie andere Europäer, als Ausländer betrachtet, jedoch werden alle Ausländer, so lange sie sich den Gesetzen des Landes fügen, in gleicher Weise behandelt wie die japanischen Bürger. Auf die Frage, ob die Zahl der Juden in Japan wachse tmd ob sich im Lande ein Widerstand gegen eine jüdische Einwanderung bemerkbar mache, antwortete Prinz Takamatsu: Leute, die zu uns kommen, um uns beim Aufbau unseres Landes zu helfen, sind stets willkommen. Dem japanischen Volk sind nur solche Einwanderer unerwünscht, die uns feindlich gesinnt sind. Nach dem Weltkrieg haben sich Juden aus Rußland und anderen Ländern ln Japan niedergelassen. Die meisten von ihnen waren Kaufleute, es gab aber auch Arbeiter unter ihnen. Eine Wirtschaftskrise im eigentlichen Sinn dieses Wortes gibt es bei uns nicht; die Erscheinung, daß Leute aus Mangel an Mitteln hungern, ist uns unbekannt. Es gibt keinen Grund für eine unfreundliche Haltung der japanischen Regierung gegenüber jüdischen Einwanderern, ■ die nach Japan zu kommen und sich dort niederzulassen wünschen, vorausgesetzt, daß sie uns nicht feindlich gesinnt sind. 9 785 000 Juden In Europa J. Koralnik vetöffentlfcht soeben in der von ihm und Dr. Jacob Segall geleiteten «Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden* (Berlin) eine eingehende Untersuchung über die Zahl der Juden ln Europa zu Beginn des Jahres ,1931, in der er auf die Zahl von Insgesamt 9,785.000 Juden kommt. Der Stärke ihrer jüdischen Bevölkerung nach lassen sich die Länder wie folgt ordnen: Polen 3,125.000 Juden, .europäischer- Teil derSowjetunton 2,970.000 Juden; Rumänien nicht über 800000 Juden, Deutschland 585.000, Ungarn 473.000, Tschechoslowakei 380 000, England und Irland 300:000, Oesterreich 22Ö.00Ö, Litauen 167.000, Frankreich nicht über 160.000, Holland 120.000, Lettland 96.000, Griechenland 73.000, Jugoslawien 67.000, europiäsche Türkei 50.000/ Bulgarien 50.000, Belgien 45.000, Italien 45.000, Schweiz 18.000, Danzig 9000, Schweden 6000, Dänemark 5500, Estland 5000, Saargebiet 4500, Spanien 3000, Portugal 20ÜO, Finnland 1800, Luxemburg 1750 und Norwegen 1450. Jüdisches Blut Im „arischen4* Adel In der Zeitschrift der Gesellschaft für jüdische Familienforschung (Heft 25) üntei sucht Mat Markrelch, Bremen, den Einschlag jüdischen Blutes im heutigen «arischen» Adel und nennt es kurios, wenn sich Nachkommen jüdisch gemischter adeliger Familien im Ueberschwang der Gefühle Antisemitischen Verbänden anschließen und unbewußt ihr «(genes Biut verleugnend «Hell Hitler!» und «Juda verrecke!» rufen! So enthält z. B. der «Stammbaunr der Samsonschen Familie», dritte Auflage, Hannover 1912, folgende Adelige: Von der Becke-KIüchtzner, Comte de Beelescize, Ritter von Boschan, August von Büren, Gustav v. Carnap, Gottfried von Collas, Eugen von Deutsch, * Freiherr W. von Drahtschmidt von Bruckhelm, Fritz von Duhn, Freiherr Friedrich W»lb. von Feury, Heinrich von Froreich, Baron Leopo’d von Götzen, Adolf von Karbon, Freiherr Friedr. von Heintze- Weißenröde, Eduard von Heildorf, Victor von Heyden, Carl von Holten, Albert von Kaulla, Dodun de Keroman, Heinrich von Kummer, Carl von Lengerke, Heinrich Edler von Mises, Graf Egon zu Münster; Günther von Oetinger, Heinrich von Paweksz, Clöuet des Perruches, Albrecht Pfeiffer, Karl Freiherr von Preuschen, Marquis de Remode St. Bresson, Waldemar von Roon, Maurice de St. Pierre, Jules Conte de la Salle. Michael von Schöneberg, Gustav Schulte-Mönting, Hermann von Seydlitz, Albrecht von Stosch, von Tepper- Fergusson, Franz Freiherr von Tliielmann, Otto Tortilowicz von Batockl-Frlebe, August von Tschirschnitz, Francois de Vinage, Kurt von Weber. Max Markreich schließt seine Betrachtung wie folgt: «Wenn vorstehend aus einem einzigen, leider schon vor 20 Jahretj abgeschlossenen jüdischen Stammbaum eine Reihe solcher Adelsfamilien genannt wird, die Abkömmlinge der betreffenden jüdischen Familien sind, so soll keinesfalls ihrer aller Zugehörigkeit zu den Judengegnern behauptet sein; Immerhin möge diese Zusammenstellung zur Selbstbesinnung dieser deutsch-jüdischen Adelskaste Anlaß geben, anderseits aber auch allen nichtadeligen Deutschen eine Warnung sein, sich nicht blindlings vom haßerfüllten Antisemitismus treiben zu lassen und vieüaeh unbewußt das eigene Fleisch und Blut zu verleugnen, wie es die Theorie von der edelblütigen. reinerischen Rasse verlangt,» Dl« Juden In d* Türke! Die - türkische Regierung in Angora veröffentlichte vor einiger Zeit die Endergebnisse der im Oktober-1927 in der Türkei stattgefundeneri Volkszählung. Diese Ergebnisse sind folgende: Es sind in der gesamten Türkei 13,648.270 Seelen jezählt worden, darunter 81.872 (0.6 Prozent) jüdischen Religionsbekenntnisses. Die 81:872 Juden setzen sich aus 38.103 Mämtern und 43,769 Frauen zusammen. Bei der jüdischen Bevölkerung sind die Frauen prozentual in höherem Maße vertreten als bei der Gesamtbevölkerung: auf 100 Männer fallen 107.9 Frauen bei der Gesamtbevölkerung, 114.9 Frauen bei der jüdischen Bevölkerung. Drei Viertel der jüdischen Bevölkerung der Türkei leben in Konstantinopel (46.698) und Smyrna (16.215). Ueberhaupt sind die luden der Türkei nur in 6 Wilajets (Stambul, Smyrna, Edirne, Breusse, Canakkale, Tekirdag) konzentriert; in diesen Wilajets leben fast 94 Prozent der gesamten jüdischen Bevölkerung der Türkei, sie machen hier 3,5 Prozent der Oesamtbevölkerung aus. Im Wilajet Stambul (mit der Stadt Konstantinopel) ist der Prozentsatz der Juden noch höher: 5.9 Prozent der Gesamtbevölkerung; dort lebt Über die Hälfte der gesamten jüdischen Bevölkerung der Türkei. Der Smyrnaer Wilajet beherbergt fast ein Viertel sämtlicher türkischer Juden. Ueber die Sprache der türkischen Juden ist zu berichten: Von den 81.872 Juden haben 68.000 (84.2 Prozent) Jüdisch (d. h. Spamolisch) als ihre Muttersprache angegeben. Die Juden der Türkei sind sprachlich nur wenig assimiliert; nur etwa ein Siebentel der türkischen Juden bedienen sich einer nichtspaniölischen Sprache, hauptsächlich des Französischen und des Türkischen. Den größten Prozentsatz spaniolisch Sprechender unter den Juden der Türkei weist der Wilajet Edirne auf (96.3 Prozent), dann folgt die Stadt Smyrna mit 94.1 Prozent; in Konstantinopel fällt dieser Prozentsatz auf 83.3 Prozent, den geringsten Prozentsatz weist der Wilajet Canakkale auf (70.6 Prozent). Die Berliner jüdische Bevölkerung*- Ziffer Auf Grund der Volkszählung vöm 16. Juni 1925 hat das Statistische Amt der Stadt Berlin die jüdische Wohnbevölkerung in der Reichshauptstadt mit 172.672 Personen beziffert, ln der jüdischen Oeffentlichkeit aber behauptete man, daß in Berlin mindestens 200.000, möglicherweise gar 250.000 Juden leben. Man führt ins Treffen, daß eine große Anzahl von Juden sich gescheut habe, die Frage nach der Konfession auszufüllen, ferner seien viele Juden nicht mitgezählt worden, weil sie polizeilich nicht gemeldet wären. Dr. Hubert Pollack hält in einem im Gemeindeblatt der Jüdischen Gemeinde Berlin-ej^hieqenen-Aufsatz-.die,^Aij-. nähme einer höheren all der Statistisch erfaßten jüdischen Bevölkerungsziffer für abwegig und die erwähnten beiden Argumente für falsch. Insgesamt haben von den 4,024.165 Bewohnern Groß-Berlins nur 21.483 ihr Religionsbekenntnis nicht angegeben. Selbst die Annahme, daß ein Viertel von ihnen jüdisch ist, dürfte zu hoch greifen. Noch erheblich geringer ist die Zahl der polizeilich: nicht gemeldeten Juden; sie betrüg nach Angaben des Arbeitsamtes der Jüdischen Gemeinde im Durchschnitt der letzten fünf Jahre keinesfalls mehr als 500 Personen. Auch bei Weitgehendster Berücksichtigung der von den Kritikern der amtlichen Ziffer erhobenen Einwfinde kann man die Zahl der Juden, die am letzten Volkszählungstag ln Berlin wohnten, höchstens mit 179.000 ansetzen. Durch die natürliche Bevölkerungsbewegung hat sich diese Zahl seitdem etwas verringert. Alles in allem hat die Jüdische Gemeinde Berlin am 30. September 1930 etwa 174.600 Mitglieder gehabt. Neue archäologische funde in Palästina Der Archäologe der Hebräischen Universität-Jerusalem Dr. Sukenik hat einen Stein mit einer aramäischen Inschrift gefunden, die Angaben über den Ort der Beisetzung des jüdischen Königs Usia, des Sohnes Amazias (8. Jahrhundert vor Christi) enthält. Der Fund, bei dem es sich wahrscheinlich unreine Grabplatte handelt, ist von größter Wichtig- .ke.lt, . weil , man damit zum erstenmal Angaben über die Lage der Gräber der altjüdischen Könige erhalten hat Die in Raniat Rachel vorgenbmmenen' Ausgrabungen .der jüdischen Gesellschaft zur Erforschung Palästinas und seiner Altertümer haben zur Entdeckung einer alten Grabstätte geführt. Sie besteht aus einem 3.20 Meter langen und 2.80 Meter breiten, in den weichen Felsen gehauenen Raum mit Nischen in den vier Wänden. Auf dem Boden und ln den Nischen würden acht menschliche Skelette gefunden. Neben ihnen lagen Tongeräte, Oellampen, Bronzestücke und auch ein ausgezeichnet erhaltener Glaskrug. Außerdem befanden sich in dem Zimtner elf Össuarlen, ln deren Wände zwölfblättrige Rosen und andere Verzierungen eingemeißelt sind. Die Tongeräte stammen aus der Makkabäerzeit. In einer Vertiefung am Westende des , Raumes lagen drei weitere Skelette. Hinter einer schön behauenen steinernen Tür öffnet sich ein Hof, auf dem hellenistische und noch ältere Ton- und Bronzegeräte und auch ein Gegenstand aus Knochen gefunden wurden. Ein viereckiger Stein, an dessen Seiten mit Kapitalen geschmückte Säulen zur Verzierung sichtbar sind, stammt vermutlich aus dem ersten Jahrtausend vor Christi, Die Ausgrabungen werden von dem bekannten Archäologen Dr. Waislar geleitet. |3aOIOBOtOIOIOIOIOIOIOBCH 0 Wenn nen unser " ®iati äefättt, empfehlen Sie es. bttte, bei redet Gelegenheit allen Ihren Freunden Q und Bekannten i Geben Sie ans g Adressen an, an die wir Probe• 0 nummern unserer Zeitung ab' senden können. ■ flsioioieiöioaoioioioioiari CCHMEINs rAMIUEft-PtNSION 8MiOD, ll8M.ll! täglich 5-Uhr-Tee SEMMERING TELEPHON 11 Hochstraße 43 neben Hotei Panhans Mäßige Preise, vorzügliche Küche, ^immei m. Pens on S 12.— aufwärts. Zentralheizung. Hebendes Warm- und Kaitwassei in iedem Zimmer Auskunft unter Telephon U-27-6-24 Sonderangebot: Mucnie Der Geist der jüdischen Kultur und das Abendland, 660 Seiten. Großformat. Leinen jetzt a 4*50 Mieses Der Ursprung des Judenhasses. 590 Seiten. Großformat letzt & 5*— JOSBP BELF Buchhandlung WIEN. 1. Rabersteig 3 slüdistfi-akadem. Verbindung «iSprla«, Wien Unser Ueber ist Dor wenigen Tagen nadi langer und schwerer Krnk hält, verschieden. Sr w r ein rufer dundesbruder und ein reuer Kümpler lür unsere gemelnsa e zionistische Sdee Wir werden Ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Fiducitl 3Üdlsdi»ohadeinIsche Verbindung »Sorla* Ld. Bit-5irren.Verband l.d. Hktlvltas Dr. Her . ann üöw dzt. Präsident cand. ir.ed» Hermunn Himberg dit. Perfol - x IKicht ansdrficlrlicli ahbestetlte Abonnements gelten als Verlängert! Jüdisdter Malender April 1931 | Ijjar 5691 1 Freitag 16* 2 Samstag 17* 3 Sonntag 18. 4 Montag 19. 5 Dienstag 20, 0 Mittwoch 21« 7 Donnerstag 22. Jeder Zionist verlangt im Kaffeeiiaus sein Parteiorgan „Oie Stimme“ oioioiobi