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Die Stimme · 1931-04-30 · Heft 173 (30.4.1931) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 173 (30.4.1931)
Date
1931-04-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 173 — 30. April 1931 f)|F STIMM-. Seite 7 Literatur /Kunst /Theater Das jUdische Volkslied Von Marko Rothmüller. Anläßlich des bevorstehenden Volksliederabends, den der Wiener JUdische Gesangsverein unter Leitung seines Dirigenten H. Marko Rothmüller veranstaltet, bringen wir aus der Feder des auch als Sänger jüdischer Kunstmusik erfolgreich aufgetretenen jungen Künstlers folgenden Artikel, der den Zweck dieser Aufführung auseinandersetzt. Das Volkslied Ist unter den Kulturleistungen einer Nation jenes Gut, das ln des Wortes voller Bedeutung den Geist der, Volksgesamtheit atmet, der Seele des Volkes den treuesten Ausdruck verleiht. Seine Entstehung dem Zufall verdankend, seine Verbreitung dem gelegentlichen Gesang vieler Ungenannter, unterliegt es auf seinem Eroberungszug mancher Veränderung, erfährt mannigfache Variationen. » Und gerade diese seine Anpassungsfähigkeit macht das Volkslied so beliebt und heimisch in jedem Herzen; es entspricht jedem, weil es zu jedem zu sprechen versteht und in jeder neuen Lebenslage eine neue Gefühlsfärbung annimmt. Aus diesem Grunde haben so viele Musiker, insbesondere die Romantiker immer wieder in ihrem Schaffen auf das Volkslied zurückgegriffen. Bei uns Juden aber hat das Volkslied noch eine Sondereigenschaft und Bedeutung: Es ist heute die einzige Ausprägung des jüdischen musikalischen Schaffens, ganz alleinstehend in der musikalischen Sphäre unseres Volkslebens. Die anderen Völker besitzen schon eine reich entwickelte Kunstmusik (unter die selbstredend auch künstlerische Bearbeitungen der Volksmelodien fallen), wir haben einzig und allein unser Volkslied. Eine Kunstmusik des Judentums Ist heute noch bloßer Wunschtraum, der nur auf der Grundlage unserer Volksliedermelodien in die Wirklichkeit zu überführen ist. Während bei anderen Völkern die Künstler unabhängig vom Volkslied, höchstens mit ihm parallel schufen, entstehen bei uns alle nationalen Werke auf dem Unterbau der Volksmelodie. Danach ist es klar, welche Wichtigkeit die Pflege des Volksliedes, als der maßgebende Weg zu künstlerischen jüdischen Leistungen, auch für die in Entstehung begriffene . Kürtstmusik des Judentums besitzt. Hinzu kommt, daß die Volkslieder an sich ein reiches Aufführungsmaterlal: darbieten, das bei dem Mangel an guter jüdischer Kunstmusik von größter Bedeutung ist. Für die Aufführung kommt vieles in Betracht, von den primitivsten Harmonisationen bis zu den kompliziertesten Bearbeitungen und Variationen (Tema con variazione, wobei das Thema von einem Volkslied gebildet wird). Allerdings unter einer nicht leichten Bedingung: Das Volkslied muß sowohl charakteristisch als auch originell sein. Es ist nicht einfach, dieser doppelten Bedingung zu genügen. Das charakteristische zwar kann auf Grund einer soliden musikalischen Ausbildung un- . schwer festgestellt werden. Die Originalität aber bildet in der jüdischen Volksmusik ein durchaus schwieriges Problem. Bedeutende Musiker und Musikforscher behaupten sogar, es gäbe überhaupt keine einzige original-jüdische Melodie. Der Rahmen dieser Zeilen verbietet es, auf diese so umstrittene Frage näher einzugehen. Unglaublich jedoch und unvorstellbar bleibt die Annahme, ein so von der Umwelt - abgeschlossenes und abgesondert lebendes, dabei so musikliebendes Volk wie es das jüdische unbestritten ist, hätte zu keiner Zeit irgendein Lied geschaffen, das unsere Gedanken ausdrückt, unsere Gefühle wiedergibt, unsere Charakteristik trägt. Ist jene alte Fassung des Kaddisch, die von M. Rawel bearbeitet und auch von Sulzer zitiert wurde, nicht alt und ursprünglich? Kann man ihr und so mancher religiösen Melodie (z. B. dem Kol Nidre) einen eigentümlichen, orientalischen, jüdischen Charakter absprechen? Und das weltliche Volkslied? Haben unsere Schlaf-, Kinder-, Liebes-Lieder, ja unsere «Horra»-Melodien nicht etwas eigenes, allen gemeinsames, das auch durch die Hülle fremder Einwirkungen hervorbricht! Selbstverständlich hat die Wiedergeburt des Judentums dem Volksied neue Möglichkeiten eröffnet —> ZU einer Zeit, da andere Völker scheinbar längst die Hochblüte des Volksliedes überschritten haben. Die Verwirklichung der Zionssehnsucht, die Oeburtswehen der neuen Jüdischen Gemeinschaft bieten auch dem Volkslied Anregung und Nahrung. Als Erbe alter Musikkultur, Bewahrer ursprünglichen Schaffens, wie auch als Unterlage einer neuen jüdischen Musik besitzt das Volkslied ln der gegenwärtigen Uebergangszelt eine außerordentliche Bedeutung. Dieser Umstand hat den Wiener Jüdischen Oesangsverein bewogen, ein Konzert zu veranstalten, das nur charakteristisches und originelles jüdisches Volksgut zur Aufführung bringen soll. Es wurde eine gewissenhafte Auswahl unter den Uedem mehrerer jüdischer Gemeinden getroffen, um die Unterschiede sowohl wie das Gemeinsame der verschiedenen Milieus besser hervortreten zu lassen. Sephardische, ostjüdische, palästinensische usw. Melodien sollen einen Ueberbllck über den GesamtBchatz des jüdischen Volksliedes ermöglichen und eine weitere Pflege dieses Nationalreichtums veranlassen. Wir zweifeln nicht daran, daß die Wiener Judenhelt ihr Interesse für die Jüdische Musik auch bei dieser Aufführung erweisen und so den Gesangsverein in seinen selbstlosen Bemühungen um die Pflege der jüdischen Volksmusik ermutigen wird. Bei Wilhelm Wachtel Wien ist eine Stadt, in der nur schwer Herzenstönc großer Künstler sich Geltung verschaffen können, Oft aber werden die heißen Bemühungen Gottbegnadeter überhört, übersehen. Ihre in wahrer Liebe geschaffenen Werke können sie nicht wie Kommerzware dem Publikum anbieten und keine Lichtreklame kann ln den Dienst seelischer Bekenntnisse gestellt werden. Die Kunst blüht im Verborgenen. Und so geschieht es, daß man aus dem verbitterten Munde manch eines Künstlers die Bemerkung hören kann: Ich werde wohl, wie die meisten, erst nach meinem Tode Anerkennung und Würdigung finden! Und dennoch gehört die wahre Kunst zum Lebensglück — schenkt sie uns doch Freude, läßt sie uns doch unsere Alltagssorgen vergessen! Ungeachtet der materiellen Schwierigkeiten macht sich jetzt auch die jüdische Kunst auf allen Gebieten stark bemerkbar: leider aber findet sie zu wenig Beachtung. Unter anderen großen Künstlern wirkt in Wien der bekannte Maler Wilhelm Wachtel. Sein Atelier befindet sich im 4. Bezirk, Linke Wienzeile 36. Wilhelm Wachtel wurde ln Lemberg geboren, absolvierte dortselbst die Realschule und besuchte nachher die berühmte Akademie in Krakau, wo Jan Matejko, Siemiradski, Falat und Kossak lehrten. — üfldlscher Uugendbund 1 Hasdiomer Hazair, Blau-Welf* 1 Unser lieber Chawer Schimon Bläh fsf am 27. April nach kurzem beiden Der« schieden. 6r war ein treuer Chawer unseres Bundes, Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Die Hanhagah rasdiith Die Phigah TeNChai Nach Beendigung seiner Studien vervollkommnete er sich in München und Paris; dann kehrte er ln seine Geburtsstadt zurück. Mit einer reichhaltigen Serie wunderschöner Schöpfungen trat er in einer Expositur der Galerie der Schönen Künste vor die Oeffentlichkeit und fand allenthalben die beste Kritik. Aus der Fülle jener Werke verdient sein faszinierender «Chopin, die Noctumos komponierend* und «Margarethe* besonders hervorgehoben zu werden. Diese Bilder wurden sofort von einem Kunstmäzen angekauft. Bis zum Kriege lebte er abwechselnd in allen großen europäischen Zentren, um sich dann dauernd in Wien niederzulassen. Zur Umsturzzeit wurde der Künstler von der zionistischen Weile mächtig erfaßt, reiste zweimal nach Palästina, blieb längere Zeit im Lande und ließ die dortige Atmosphäre befruchtend auf sich einwirken. In Wachtels Atelier und Im leuchtenden Blick des Künstlers gibt es keine Diaspora mehr. Wir sehen die in wunderbarer Aeth er bläue schimmernden Hafen, sonnige Städte, fruchtbare Kolonien und regsame Kwuzoth. Herrlich sind «Jerusalem, von der jaffastraße aus gesehen» und «Die Mädchenfarm in NahaJal». «Die tanzende Jemeniterin», «Die Wandergruppe von Tel-Aviv» und ein Bild, das den Horatanz darstellt, bieten dem Beschauer lebendig festgehaltene Momente fröhlichen Treibens erlöster Menschen. Die diversen in Bildern festgehaltenen jüdischen Volkstypen und der «Sabbath-Vorahcnd in der jüdischen Gasse» sind bildliche Epen. Von packender Wirkung ist ein Zyklus, «Das Hohe Lied» betitelt. Ausgezeichnet das meisterhafte Selbstbildnis des Künstlers. Es muß hier gesagt werden, daß Wachtel zu unseren bedeutendsten Pionieren gezählt werden darf, denn er hat seine Kunst seit einer Reihe von Jahren in den Dienst seines Volkes gestellt, und es liegt jetzt an uns, dem Künstler gebührenden Dank zu erstatten. Ottilie Gröbl. Ernste Warnungszeichen gibt die Natur durch Schwindelgefühl, Atemnot, vorzeitige Ermüdung, Benommenheit, Schlaflosigkeit, Ohrensausen usw. Diese Beschwerden zeigen zumeist den Beginn der gefährlichen Adernverkalkung an. Bekämpfen Sie diese, ehe es zu spät wird, durch Radio« sklerin, die seit Jahren ärztlich empfohlenen, frei verkäuflichen Tabletten, welche die Blutzirkulation in den Schlag- und Pulsadern fördern, geistige und körperliche Arbeitsfähigkeit erhöhen. Radiumgehait amtlich geprüft. Depot Apotheke Bayer, Wien, 1., Wollzeile 13. Prospekte gratis und franko. SPEZIALGESCHÄFT Neue Rackets u. Bälle in großer Auswahl besonders preiswert Afs werden b. Zusahluttg gegen neue um^etausenf. Wenig gespielte „Duniop“-Bälle S 3*— und. 6 - pro Kanon (G5fück) [WIEN, VII. i KIRCHSNGASSE 28 Reparaturen raich u. gewissenhaft „Tausch4* von E. Alexander in der Komödie Eine in der Zukunft spielende Groteske — warum sollte sie nicht einmal wahr werden können? Warum sollte die medizinische Wissenschaft, die schon so viel Unwahrscheinliches erreicht hat, es nicht einmal so weit bringen, daß ein Chirurg eine einfache Gehirntransplantation zustande brächte? Die Komplikationen, die sich in E. Alexanders Stück aus dieser Operation ergeben, liegen aber nicht auf medizinischem Gebiet. Die Frage lautet: Wer ist nun Teddy Banker, der Mann mit Bankers Gehirn und Greeners Körper, oder der mit Bankers Körper und Greeners Gehirn? Denn plötzlich wollen sie alle beide Banker, der reiche Bankier sein. Dank dem guten Einfall eines Außenstehenden kommt es aber doch zu einem Kompromiß und zu einer glücklichen Lösung. Das Sujet ist originell, die Handlung spannend und außerordentlich humorvoll. Dem Stück unseres Gesinnungsgenossen Dr. Samstag, der sich hinter dem Pseudonym E. Alexander verbirgt, ist ein durchschlagender Erfolg zu prophezeien. b. g. Konzertabend Prof. Zimbler Prof. Josef Zimbler gab Samstag, den 25. d. M., Inr Saale des Ingenieur- und Architektenvereines unter Mitwirkung von Frl. Paula Wecker ein Konzert und brachte u. a. die Vioünsonate von Grieg und Solostücke von Goldmark, Mozart-Kreisler, Vieuxtemps, Sarasate und Smetana zum Vortrage. Prof. Zimbler brachte in gewohnter Weise das zahlreich anwesende Publikum durch sein meisterhaftes und seelenvolles Spiel zum anhaltenden Beifall, der eine Zugabe erzwang. Besonderen Anteil erwarb sich Frl. Paula Wecker durch die präzise, ausdrucksvolle und dabei diskrete Begleitung. Nicht unerwähnt sollen die Leistungen der begabten jungen Damen Frl. Eily Bock und Frl. Franzi Josefi S i nger sein, die in exaktem Zusammenspiel mit Frl. Wecker auf zwei Klavieren moderne Musik darboten. Der Film „Dawid Oolder* ‘kommt nach Wien Vor Jahresfrist etwa, hat Irene Nemirowskys Roman «Dawid Golder» die gesamte kulturelle Welt aufhorchen lassen. Er behandelt die Geschichte eines jüdischen Mannes, dessen einziger Lebenszweck Gold ist und dem Gold sein Lebensglück zerstört. Von seiner Frau bis aufs Blut gepeinigt, von seiner lebenslustigen, abgöttisch geliebten Tochter mißverstanden, bricht er physisch, moralisch und materiell zusammen; unter den Seinen, den armen Ostjuden, findet er schließlich Ruhe in der Stunde des Todes. Dieses Buch, das mit unerhörter Kraft geschrieben worden ist, hat ein französischer Regisseur verfilmt, ln Paris und auch in Berlin, wo der Film gelaufen ist, wurde er allgemein als eines der größten Filmkunstwerke anerkannt. Wie wir erfahren, soll diese Spitzenleistung der französischen Filmkunst demnächst auch in Wien gezeigt werden. Autorenschicksal «Eli! Eli!» ist ein Lied, das in der ganzen Welt in Millionen von Exemplaren und Grammophonplatten verbreitet ist. Der Textdichter dieses schönen Liedes und zugleich dessen Komponist hieß Jakob Koppel Sandler. Der Autor war vor 43 Jahren nach Amerika gekommen, wo er sich als Musiklehrer und Chordirigent fortbrachte. Er schrieb ein jiddisches Stück «Die Söhne des Moses», das aber kompletten Durchfall erlebte, ln diesem Stück kam i. «et «EHf Eli!» vor, das später ungeheure Popularität und verschiedenen Veriegern und Gramtnophonfabr.i^u :Millionen einbrachte. Sandler indessen ging leer aus, denn er hatte sein Autorenrecht nicht schützen lassen. Erst im Jahre 1025 versuchte er sein Autorrecht im Klagewege durchzusetzen, wobei er das Lied mit einer halben Million Dollars bewertete; er drang aber mit seinen Ansprüchen nicht durch. Nun starb er kürzlich in New York, 74jührig, in voller Vergessenheit. J. b. A. Zionisten? 4. Jftai Indtermin der fcflekelaßrecftnnnjj. Weiner versäume rechtzeitig den 'ithekel zu entrichten?

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