Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 173 (30.4.1931)
- Date
- 1931-04-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3053752-3053911-3053927--2316-3057735- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite ft Dlfc Nr. 173 — 30. April 1931 ulo und Santo« ln Brasilien, Buenos Aires und Rosario Argentinien und der Hauptstadt von Uruguay Montevideo davon überzeugen können, daß sich die Verhältnisse bezüglich de« Mädchenhandels seit dem Jahre 1913, in dem er 9um letztenmal in Südamerika weilte, bedeutend gebessert haben. Dies ist auf die fortschreitende Aufklärung der öffentlichen Meinung, sowie auf die Einwanderungsbeschränkungen zurückzuführen. Eine weitere Besserung der Verhältnisse wäre nach der Meinung des Referenten zu erwarten, wenn die Oeffentlichkeit Südamerikas über die Tätigkeit des Völkerbundes auf dem Gebiete der Bekämpfung des Mädchenhandels besser informiert werden würde. Bei der Bekämpfung der argentinischen Mädchenhändlerorganisationen. die zur Auflösung dieser Vereinigungen führte, hat sich Richter Ocampo besondere Verdienste erworben. Seitdem ein großer Teil der Mitglieder dieser Gesellschaften sich durch Flucht aus Argentinien der ihnen drohenden Verhaftung entzogen hat, sind auch die Fälle von Entführung jüdischer Mädchen aus Osteuropa seltener geworden. Die Londoner jüdische Vereinigung für den Schutz von Frauen und Mädchen wird sich auch weiterhin an den Arbeiten der ständigen Internationalen Konferenz intensiv beteiligen. Das Londoner Zentralbüro hatte sich im Jahre 1930 mit 210 internationalen Fällen zu beschäftigen, die eine umfangreiche Korrespondenz mit europäischen Ländern, den Vereinigten Staaten, Zentral- und Südamerika erforderten. Insgesamt wurden in London 1673 Fälle, darunter 776 neue Fälle behandelt, von denen 77 vermißte Mädchen oder Fälle von Schändung und Verleitung zu unsittlichem Lebenswandel, 22 Mädchen und Frauen unter polizeilicher Kontrolle und 12 Strafentlassene betrafen. Hierzu kamen 79 Kinderfälle. In 333 Fällen handelte es sich um Hilfeleistung in Eheangelegenheiten (darunter verlassene Frauen), bei den übrigen Fällen um allgemeine Anfragen und um Fragen betreffend Durchwanderer und Mädchen, die den verschiedenen Heimen der Vereinigung übergeben wurden. Otto Abeies: Zehn lüdinnen (Erschienen Im Verlag R. Löwlt, Wien) Aus Chroniken, Memoirenwerken und Briefen hat Otto Abeies sein Material genommen; dennoch zeigen diese Sittenbilder und Geschichten aus dem Leben Jüdischer Frauen seinen eigenen, schöpferischen Geist, aus dem heraus er sie gestaltete. Ergreifend ist die Märtyrergeschichte vom Weib des reichen Juden aus Enns; frisch und lebendig muten die Erzählungen von den drei Prager Jüdinnen an. Sie sind die Porträts dreier kluger Frauen, die in der Zeit schwerster Bedrängnis den Mut nicht sinken lassen. Bei den «kleinen Geschichten von der großen Glückei» aber spürt man aus jeder Zeile die Liebe und Hingabe des Verfassers, mit der er dieses Bildnis einer jüdischen Frau skizzierte. Dieser Teil seines Werkes ist ihm wohl auch am besten gelungen. Am schwächsten ist der Abschnitt «La Fanny»; wohl ist Fanny von Arnstein in scharf umrlssenen Zügen gut geschildert, aber man versteht es nicht recht, warum der Dichter ln das Werk, das zehn große Jüdinnen, zehn Vorbilder für die jüdischen Frauen, wiedergeben sollte, gerade diese Frau aufnimmt, eine Assimilantin, die nichts für die Angehörigen Ihres Volkes tut, obwohl sie die Macht dazu hätte. Ein wenig anders ist es schon mit Rahel Lewin, die, obwohl getauft und zeitlebens an ihrem Judentum leidend, es dennoch niemals verleugnete. Alles in allem aber sind die Schilderungen all dieser zehn Jüdinnen packend, humorvoll und hinreißend lebendig gegeben. Das überaus geschmackvoll ausgestattete Buch — Ganzleinenband — Ist gewiß würdig, auf den Gabentisch jeder jüdischen Frau gelegt zu werden. b. g. Zionistische Frauengruppe XX., Jägerstraße 30. Vortrag der Präsidentin der «wizo», Frau Dr. Sophie Löwenherz, Mittwoch, den 6. Mai 1931, um halb 8 Uhr abends. Festlicher Empfang der WIZO. Im Bericht über diesen Empfang (siehe die letzte Nummer der «Stimme») ist versehentlich der Name der Verfasserin Ottilie Gröbl weggefallen. Den Wiener Juden zur Nachahmung empfohlen V*,. J-.t'i ■?> 1 firiv Minister des Aeußern, Dr. Vojislav Marinkovic, für ihre Sym» pathien und großen Verdienste um das jüdische Aufbauwerk in Palästina in das goldene Buch des K. K. L. einzutragen. Dr. Albala wies darauf hin, daß die ehemalige königlich serbische Regierung im Juli 1917, als Serbien von fremden Truppen besetzt und seine Regierung außerhalb des Landes auf Korfu war, also zu einer Zeit, als das serbische Volk die schwersten seelischen Leiden zu erdulden hatte, über Anregung des inzwischen verstorbenen serbischen Staatsmannes Milenko Vesnic, die erste war, welche die Balfourdeklaration und damit das Recht des jüdischen Volkes auf ein eigenes Nationalheim in aller Form anerkannte. Von den gleichen Sympathien für das nationale Streben der Juden und für den Aufbau des jüdischen Nationalheimes in Palästina seien sowohl König Alexander als auch die bisherigen Regierungen des Königreiches Jugoslawien beseelt. Doktor Albala hob auch besonders das mannhafte Eintreten des Ministers des Aeußern, Dr. Marinkovic in Genf für die berechtigten Wünsche und Forderungen des jüdischen Volkes hervor. Dies sei umso höher einzuschätzen, als Jugoslawien naturgemäß kein politisches Interesse damit verfolge noch verfolgen könne, sondern sich hiebei von rein menschlichen und kulturellen Gesichtspunkten leiten lasse. Die Rede Dr. Albalas wurde wiederholt von stürmischen Beifallskundgebungen unterbrochen. Im Namen der Regierung dankte Oberinspektor Nikolic ln kurzen prägnanten Worten, die von den Anwesenden mit lang anhaltendem Applaus und Hochofen auf König Alexander und Jugoslawien quittiert wurden. Ministerpräsident Prof. Jorga warnt die antisemitischen Hetzer Bukarest. (J. T. A.) Der neue rumänische Ministerpräsident, Prof. Jorga, hat bei dem am 20. April abends stattgetundenen Empfang der ausländischen Pressevertreter sich auch über das Verhältnis der neuen Regierung zu der jüdischen Bevölkerung des Landes geäußert. Ministerpräsident Prof. Jorga sagte im Verlauf seiner Ausführungen» Die Juden sind Menschen genau so wie wir. Wir wet'- den uns ihnen gegenüber menschlich benehmen, wenn sie sich uns gegenüber menschlich benehmen werden. Gerade im heutigen Ministerrat haben wir Maßnahmen getroffen zur Unterdrückung jedweder anarchischen Manifestation gegen irgendeine Bevölkerungsschichte. Alle jene, die solche Bewegungen inszenieren, werden auf die strengste Weise bestraft werden, In aller Kürze Der lettiändische Sejm hat im diesjährigen Staatsbudget 50.000 Dollar für das jüdische Schulwesen eingesetzt. ‘ ' . Im Aufträge des Erzbischofs von Canterbury besuchte der Domherr der St. Georgs-Kathedrale Danby den aschkenasischen Oberrabbiner Kook, den sephardischen Oberrabbiner Meir und Rabbi Sonnenfeld, das Oberhaupt der palästinensischen Agudah. Der berühmte jüdische Mathematiker Prof. Frederico Enriques (Rom) wurde zunr Ehrenmitglied der Wissenschaftlichen Akademie in Stockholm ernannt. # Bürgermeister Dizengoff von Tel-Aviv hat zwecks Erwerbung von Kunstgegenständen für das Tel-Aviver Museum eine Europareise an getreten. * Eine scharfe Protestkundgebung gegen Jegliche Kalenderreform wurde vom Verband der Rabbiner Altrumäniens und vom Bukarester Rabbinat veröffentlicht, Da* «Jüdische Haus» der aschkenasischen Gemeinde In Belgrad Viele Städte mit einer weitaus geringeren Zahl jüdischer Bevölkerung als Wien besitzen ihre «Jüdischen Häuser». In Belgrad gibt es sogar deren zwei, das der aschkenasischen und das der sephardischen Gemeinde. Das Haus der aschkenasischen Gemeinde zeigen wir oben Im Bilde. Es enthält den Tempel, die Mensa academica judaica, einen Turnsaal, das Rabbinat usw. Die aschkenasische Gemeinde in Belgrad zählt derzeit mehr als 2000 Seelen und wächst ständig. Nicht nur ihr Haus ist bemerkenswert. Interessanter ist noch, daß die Gemeindemitglieder einer Organisation angehören: Sie sind alle Zionisten, angefangen vom Kulturvorsteher Dr. Friedrich Popp, dessen verdienstvolles zionistisches Wirken auch In Wien wohlbekannt ist, dem Rabbiner Ignaz Schlang, dem Oberkantor Arnold Grußmann bis zur Jugend. Am 1. Dezember 1930 wurde anläßlich des jugoslawischen Staatsfeiertages der Gottesdienst im aschkenasischen Tempel durch die Belgrader Radiostation übertragen. Während der letzten zwei Jahre sang der Oberkantor Orußmann fünfmal im Belgrader Radio hebräische und jüdische Lieder. Wir empfehlen unserer Wiener Ravag die Uebertragung synagogaler und moderner jüdischer Musik und wünschen, daß die Wiener Juden bald den Belgrader Juden durch die Gründung eines «Beth Haam» nacheifern mögen. Wie wir hören, soll die jüdische Oeffentlichkeit bald mit einem derartigen Projekt befaßt werden. Große Feier im »Jüdischen Haus41 in Belgrad Belgrad, 26. April. Die gegenwärtige jugoslawische Regierung ist bemüht, das Unrecht, das den nationalen Minderheiten seitens der früheren Regierungen wiederholt zugefügt worden war, wieder gutzumachen und so ein ersprießliches und friedliches Verhältnis zwischen der Staatsnation und den anderssprachigen Einwohnern des Landes herbeizuführen. Im Verfolge dieses Zieles hat die Regierung Zivkovic erst vor kurzem den kulturellen Forderungen der Deutschen in vollem Maße stattgegeben und vor wenigen Tagen haben die Vertreter der ungarischen Minderheit eine Versammlung abgehalten, In der alle Redner ihre absolute Loyalität dem jugoslawischen Vaterlande gegenüber betonten und ausdrücklich erklärten, daß die Ungarn in Jugoslawien sich der vollsten Gleichberechtigung erfreuen und von einer ungarischen Irredenta in Jugoslawien gar keine Rede sein dürfe. Im Zuge dieser Politik ist auch das Verhalten der jugoslawischen Regierung gegen ihre jüdischen Staatsbürger zu bezeichnen. Heute vormittags fand im großen Saal des «Jüdischen Hauses» in Belgrad eine außerordentliche Sitzung der jugoslawischen Sektion des K. K. L. statt, an welcher die Vertreter aller zionistischen Organisationen wie auch der ganzen Judenheit Jugoslawiens im Beisein de6 Landesoberrabbiners Dr. Isaak Alkalay teilnahmen. Namens der Regierung war Oberinspektor beim Ministerratspräsidium Milan Nikolic, der Gemeinde Vizebürgermeister Krstic sowie die Vorsteher zahlreicher kultureller, sozialer und humanitärer Vereine aus allen Teilen des Landes anwesend. Als erster Redner ergriff der Präsident des jugoslawischen K. K. L. Dr. David Albala das Wort und erklärte, daß der Vorstand des K. K. L. Jugoslawiens beschlossen habe, den Ministerpräsidenten^ General Petar Zivkovic und den Die United Synagogue Amerikas hat dieser Tage den ersten Sefer Thora nach Hawal gesandt. Im Jahre 1930 sind 1374 Juden nach Kuba etagewandert. Nahezu die Hälfte von ihnen stammt aus Polen. * Auf der diesjährigen Hygieneausstellung in Dresden wird eine besondere Abteilung die Arbeit der Juden auf dem Gebiete der Hygiene und der Volksgesundheit aufzeigen. * Josef Leblanc, der sich besondere Verdienste um das jüdische Erziehungs- und Wohlfahrtswesen erworben hat, ist 52jährig in New York gestorben. In Wilna Ist Im Alter von 62 Jahren Herr Schneur Salnran Seligsohn, ein großer jüdischer Pührer, der in der ge- samten orthodoxen jüdischen Welt großes Ansehen genoß, gestorben. GroßNeischhauerei SIEGM. KORNMEHL Zentrale »X, Berggasse IV, Pei. A U-a-Uüu, A 16-9-34 Lieferant tür Heilanstalten Abteilungen für Igr^-Flelsch unter Auflicht des Ehrwürdigen Kabbiuats der lirteiitischeu Kuitusgemeinde Wien 4utoau«t*litin0 Hostenio» IX, Berrgasse is XVIII Wthrtngeratrafia 97