Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 173 (30.4.1931)
- Date
- 1931-04-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Satte 4 Nr. 173 — 30. April 1931 sehen Arbeiter auf den Lebensstandard des jüdischen zu bringen. Das ist womöglich noch schwieriger. Wie dem aber immer auch aei: der jüdische Arbeiter ist mit dem Schicksal des arabischen eng verknüpft, und Qründe der Selbsterhaltung zwingen ihn, einen Weg der Verständigung zu finden. Damit wäre schließlich auch ein gutes Stück Weges der allgemein notwendigen Verständigung gegangen. Das aber wollen die marxistischen Phraseotogen des Kibuz Haarzi (des Landeskibuz des Haschomer Hazair) nicht einsehen und nicht anerkennen; und seitdem dieser Kibuz sich in der Tat zur eigenen Partei deklariert hat — er kandidierte mit eigener Liste zur Assefath-Haniwcharim, zu den Instanzen der Histadruth usw. — ist jede seiner Erklärungen voll von schlechtverstandenen klassenkämpferischen Schlagworten und falsch angewandtem revolutionären Pathos. So lange es bei Schlagworten und Pathos bleibt, ist der Sache ja weiter keine Bedeutung beizumessen. Es grenzt aber schon an frivolen Leichtsinn, an Unverantwortlichkeit, wenn wir in der «Plattform des Haschomer Hazair zur vierten Landarbeiterkonferenz», Seite 7, wörtlich Folgendes lesen: «...Würden wir in den letzten Jahren alle unsere Energie aufgewendet haben zur Errichtung der solidarischen Front der Proletarier beider Völker, wer weiß, ob wir die Augustereignisse, das Weißbuch und eine neue Wirtschaftskrise erlebt hätten?* Die Stelle verdient aufmerksam gelesen zu werden, und sie wird wahrscheinlich insbesondere von den vierzehnjährigen jungen Leuten des Haschomer Hazair in den verschiedenen Ländern aufmerksam gelesen. Sie besagt nichts weiter, als daß die Histadruth durch ihr Nichtstun die Augustereignisse verschuldet hat. In Ern Israel lacht man wohl darüber, wenn man es nicht cm* pört zurßekweist — aber der vierzehnjährige Schomer in Qalizien und Polen zieht den konsequenten Schluß unu rettet sich aus den Krallen des Reformismus und Kompro* mißlertums in die absolute gerade Linie des Bolschewismus, Wenn Erez Israel trotzdem die Oberhand gewinnt, dann längt eben für uns, noch mehr aber für Ihn, das Problem an, Die viert« Landarbeiterkonferen* wird auch den Ha* schomer Hazair belehren müssen, sich als eine junge, gesunde Zelle ln den Bau einzufügen, ohne daneben die ungesunde Politik einer in ständiger Selbstverleugnung auftretenden Partei betreiben zu wollen.., Es wäre noch ein Wort Uber die neugeschaffene «Vereinigung der Landwirte* zu sagen, die eine 'ständige stille Hetze gegen die Landarbeiterorganisation betreibt, Hoffentlich wird die Konferenz eine kjare Stellung zu dieser «Vereinigung der Landwirte» gewinnen. Möge die vierte landarbeiterkonfereuz einen neuen Abschnitt in der Geschichte der Kolonisation Erez Israels eröffnen! Regime der Sachlichkeit Von Dr. Oskar Harbach, Wien Die zwei Jahre, die seit der Enquete der Exekutive vergangen sind, waren nicht nur für die zionistische Geschichte derart ereignisreich, daß man der zu Ehren Nahum Soko- Jowa jetzt angeregten Ueberprüfung ihrer Ergebnisse besondere Aktua’ltät zubilligen muß. Die Ideologie, das System der Werbung neuer Anhänger und die bestehenden Organisationsformen waren im großen und ganzen während des verf ossenen Menschenalters zionistischer Arbeit geeignet, um ihre Aufgabe zu erfüllen, nämlich eine starke Avantgarde des Palästinagedankens zu schaf en, diese als Träger nationaler Rechte zu präsentieren und durch sie die nötigen Gelder für das Aufbauwerk in aller Welt zu sammeln. Das ganze System basiert auf der Aktivierung gefüh’amäßig wirkender Kräfte und setzte das Vorhandensein oder die relativ rasche Wiedererweckung einer Verbundenheit mit dem Judentum, engere Beziehungen zur jüdischen Kultur, Zusammengehörigkeitsgefühl oder den Wunsch nach sozialer Betätigung voraus. Die Zahl derart eingestellter Menschen ist unter den Juden auch heute noch eine relativ große, und es gelang daher auch, aus ihr eine starke Minderheit der zionistischen Parole zu verpflichten und mit ihr den noch aus Herzla Zeiten stammenden Verfassungsrahmen aufzufülen, Das System hat sich also bewährt, jedoch beschränkt auf den oben skizzierten Kreis, der heute ziemlich zur Gänze erfaßt sein dürfte, Für diesen Aufgabenbereich ist es ohne wesentliche Aenderungen auch weiter nützlich und not« wendig, darüber hinaus jedoch ist «s ebenso unbrauchbar. Diese Feststellung, die wohl von grano« legender Wichtigkeit für den Streit über die Propaganda und Organisationsform ist, gründet sich auf die Tatsache, daß naturgemäß sehr starke jüdische Schichten dem nivellierenden gin-luö der Zeit unterlegen sind; diese besitzen weder ein inneres Verhältnis mm Judentum (haben wir doch in manchen Ländern eine mehr als hundertjährige assimilatorische Tradition) noch auch nur die seelische Fähigkeit, dies wünschen zu können; in der Hetzjagd des modernen Erwerbsiebens und der landläufigen Vergnügungen fehlt ihnen die Zeit zu sozialer Arbeit und sie verzichten auf Belehrung und Geselligkeit, Es ist verlorene Mühe, diesen jüdischen Massen im gegebenen Stadium ihres Zersetzungsprozesses mit dem auch noch so modernisierten alten System beikom« men zu wollen. Es ist von vornherein keineswegs ausgemacht, daß eine bedeutende Vergrößerung der zionistischen Anhängerschaft unter allen Umständen für die Bewegung vorteilhaft ist: wir haben schon festgestellt, daß sich die Zahl der im heutigen Sinne «aktiven» Zionisten in absehbarer Zeit schwerlich auf «In Vielfache« erhöhen kann, Etwa neu hinzutretende Massen kämen daher nur für zwei Punktionen ln Betracht: für die Verstärkung der Resonanz zionistischer Wünsche und Be« »ehwerden und für di« Aufbringung neuer Gelder für das Aulbauwerk. Was die erste betrifft, so ist festzuhalten, daß DIE STIMME der außenpolitische Einfluß einer Gruppe, uni den es sich hier allein handelt, keineswegs mit ihrem zahlenmäßigen Wachstum sich in mathematischer Progression vergrößern muß. Es ist vielmehr das Resultat einer geschickten Führung und einer von ihr richtig benützten Konstellation: wir haben die Balfour-Deklaration, die Minoritätsrechte, die Eroberung vieler Jüdischer Gemeinden u. s. f. jeweils einer kleinen aktiven Minderheit zu verdanken. Was die finanziellen Fragen betrifft, so ist für die nächste Zukunft übertriebener Optimismus nicht am Platze: selbst wenn wir von der gegenwärtigen extrem schlechten Weltwirtschaftslage absehen wollen, ist es ein schädliches und zum Mißerfo’g verurteiltes System, die neu gewonnenen Anhänger sogleich mit aller Schärfe in unsere Steuerschraube einzwängen zu wo len. Dies alles vorausgesetzt, bleibt die Tatsache, bestehen, daß eine Bewegung sich selbst das Todesurteil spricht, die resigniert und sich darauf einrichtet, auf die Erfassung der Majorität, zumindest in der Praxis, zu verzichten. Es gibt keine Zauberrezepte: das Rätselraten um den Trick, mit einem Schlage zur herrschenden Gruppe im zeitgenössischen Judentum zu werden, ist ein Gesellschaftsspiel von höchster Schädlichkeit für die Bewegung. Es gibt keine «sachliche» und «praktische* Arbeit, so lange wir in Tönen reden, die zu vernehmen den anderen nicht gegeben ist. Was durch Betonung oder Wiedererweckung gefühlsmäßiger Regungen zu uns herangezogen werden konnte, haben wir im großen und ganzen erfaßt, Je schonungsloser wir die Umstellung unserer zukünftigen Propagandaarbeit durch ühren, je radikaler wir das neue, zweite koordinierte System den Tatsachen der Gegenwart und der zu erwartenden Entwicklung ln den nächsten Jahren anpassen, desto erfolgreicher werden wir sein. Es gibt kein zweites spezifisch jüdisches System der Propaganda: es besteht vielmehr einfach darin, unter vollkommenem Verzicht auf jede gefühlsmäßige Beeinf'ussung die Ueberzeugung allgemein zu machen, daß sich die Entwlek'ung in unserer Linie bewegen wjrd. Sicher lastet die Wirtschaftskrise (und der hauptsächlich durch sie zu so mächtiger Entfaltung gebrachte Anti- Zionistische Bezlrkssefcllon lieopoldsfadt — Sugendrereln ■ -. »gm Israel« . ' * ITlonfag. 4, lila', halb $ Uhr abends im Saals dar »Volks!) bUothek Zion«, IL Kleina (Tlohrengasse 3b frag B’Omer.feier mff großem künstlerischen Programm. Gflsle Willkommen ————«9999»»»!*» -- -- semitismus) schwer auf unserer Bewegung, anderseits ist gerade wieder dieser Druck hervorragend , geeignet, die öffentliche Meinung und damit auch die gefühlsmäßig nicht zu erfassenden jüdischen Massen in raschem Tempo zum Umlernen über die Bedeutung und die Abhilfemögllchkeiten in der Judenfrage zu veranlassen. In einer Zeit der Not, die mit der krassen Ignoranz der Allgemeinheit in Wirtschaft ichen Fragen schnell aufgeräumt hat, ln einer Zelt, in der großzügige Auswanderungaprojekte selbst für die seit unvordenklichen Jahrhunderten mit ihrer Scholle verwachsenen europäischen Bauern in ent ernteste tropische Gebiete die Förderung des Staates genießen, hat das Palästina-Aufbauwerk jeden Schimmer gefährlicher Exotik verloren, der es früher manchen indiskutabel erscheinen ließ. Immer deutlicher zeichnet sich eine Entwicklung ab, die Wanderung und Wanderungsregelung zum Hauptpunkt und Hauptgrund jüdischer Gemeinschaftsarbeit machen mit der Erkenntnis ihrer Ursachen (Wirtschaftskrise, Wirtschaftsumbau, Aenderung der jüdischen Weltsiedlung nach dem Kriege, Antisemitismus), ihrer Möglichkeiten und Hindernisse (Einwanderungsverbote), ihres Einflusses auf die seßhaften jüdischen Gruppen (besonders als Quelle antisemitischer Reaktion) und der Notwendigkeit eines umfassenden jüdischen Eingreifens die naturgemäß niemals zu beendende Weftanschauungsdlskussion in eine Auseinandersetzung auf sachlicher Basis verwandeln wird. Es besteht — sehr vorsichtig ausgedrückt — kein Zweifel daran, daß man hier an Palästina nicht Vorbeigehen kann, das als einziges Land die dauernde Bindung der Ansiedler zu gewährleisten imstande ist; denn hier wird die wohl nicht wegauleugnende gefühlsmäßige Anhänglichkeit der Ansiedler zu einem Pölten' auch der sachlichsten Rechnung, Wer heut« eine jüdische Zeitung aufsehlägt, findet sie voll derartiger Qedankengänge, Unsere Aufgabe Ist es* diese zur Grundlage, nicht nur zum Aufputz eines neuen Parallel« Systems der Agitation zu machen, wobei das koordinierte, ideell konkurrierende System in seinem bewährten und erarbeiteten Bereiche weiterbestehen und damit uferlose intern« zionistische Debatten unnötig machen soll. Die wesentlichste Voraussetzung zur Erfüllung dieser Aufgabe ist es, das zionistische Aufbauwerk nicht bloß als die Befriedigung noch so berechtigter nationaler Aspirationen als einen vom spezifisch jüdischen Standpunkt aus zur Erhaltung des nationalen Besitzstandes unbedingt erforderlichen Regenerator erscheinen zu lassen, denn über eine lediglich derart motivierte Notwendigkeit, ihren Sinn und Zweck werden naturgemäß die Meinungen der Welt niemals völlig übereinstlnrmen können. Die* Verteilung der Juden über die Weit muß als ein, vielleicht als der entscheidende Faktor der jüdischen Zukunft erkannt werden: ideologisch betrachtet, kann da« nichts andere« bedeuten als der Anspruch auf das Recht« und die Anerkennung der Pflicht der jüdischen Gemeinschaft, die Veränderungen der Siedlung derjuden in ihrer Totalität zu r e* g e 1 n, d. h. auf sie Einfluß zu haben. Es ist nicht zu viel gesagt, daß der hier niedergelegte Gedanke mit allen seinen Konsequenzen eine g I e i c h b er e c h t i g t e E r g ä n t ti n g d e s B a s e 1 e r P r o g ramme s d a rs t e 111: er ist die realpoHtische Eechffertigung jeder interterritorial organisierten jüdischen Gemeinschaftsarbeit, durch den Soiidaritfitsgefühl und Rechtsschutz überhaupt erst ihren Sinn eThalten, die als Eintreten einer Gruppe für von dritter Seite ohne ihr Zutun gesetzte Taten bisher niemals volle praktische Bedeutung erhalten konnten. Wir dürfen nicht vergessen, daß es heute kein brauchbares vollständiges Programm der Behandlung der Judenfrage im nächsten Menschenalter gibt (eine hundertprozentige und dauernde Lösung ist für sie wie für jedes seku äre Problem niemals zu erwarten), weder ein bewußt-jüdisches noch ein assimilatorisches noch ein antisemitisches: sachlich liegt die Verurteilung des Antisemitismus in der Feststellung, daß sein Programm undurchführbar, unwirksam und dem Ablauf der Entwicklung gegenüber ohnmächtig bleiben muß, sobald man nicht nur ein Land, sondern den Erdball betrachtet, was bei unserem Problem Voraussetzung bleibt. In der vor uns liegenden Epoche werden die Wirtschaftsfragen dominieren: es beginnt allgemein verstanden zu werden, daß überall nur* ein geregeltes, planmäßiges Vorgehen Aussicht auf Erfolg haben kann. Wir müssen den Zusammenhang des Palästina-Aufbauwerkes mit dem A’ltagsleben des einzelnen klarstellen, um zwei gleich wichtige Resultate zu erzielen: die Förderung unserer Arbeit durch die heut« fernstehenden Jüdischen Massen aus ihrer vollkommen assimilierten Auffassung der Lage heraus in Gang zu bringen, ja sie hiefür selbst unter den moralischen Druck ihrer Umwelt zu setzen, und gleichzeitig dieser niehtjüdischen Umwelt unsere Möglichkeiten derart plausibel zu machen, daß sie jeden, durch welche Umstände immer verursachten Rückschlag In Palästina als eine dirqkte nachteilige Einwirkung aut die Länder der jüdischen Massensied'ung, nicht auf deren Juden aHeln, fühlt. Es erübrigt sich, dje ganze Größe eines derartigen Umschwunges klarzustellen ln einer Zeit, In der es täglich deutlicher wird, daß wir, am Ende einer Epoche stehend, einen Rückweg in die Vorkriegsverhältnisse nie mehr finden werden und eine vollständige Neuregelung des Verhältnisses der Juden zu ihrer Umgebung auf dem ganzen Erdball sich vorzubereiten scheint. Zwischen den Zeilen Plasma und Protoplasma Pas kömmt davon, wenn Hochschüler über ein politisches Problem theoretlsleren. Und wenn erst studierende Hakenkreuzler, für die die Wissenschaft ansonsten nur eine Atrappe ist, so mir nichts dir nichts mit edelst» herausrücken, dann kann man was erleben. In Nyon bei Genf, wo Juden und Nichtjuden aus alter Herren Ländern zusammenkamen, um über die Schmach des Antisemitismus zu beraten, wurde das Problem des Judenhasses «gelüst». Der Redakteur der deutschvölkischen Zeitschrift «Das deutsche Volkstum*, ein Herr Dr. Stapel, ließ dort seine umwälzende Theorie über das — Plasma vom Stapel. Nein, es Ist kein Druckfehler: Plasma. Herr Doktor Stapel behauptete nämlich, jedes Volk habe ein bestimmtes Plasma, Es gäbe Völker, deren Plasma mehr und solche, deren Plasma weniger differenziert sei. So habe das deutsche Volk ein differenzlerteres Plasma als das jüdische. Das Zusammenleben von plasmatisch gering differenzierten Völkern mit solchen von hoher plasmatlscher Differenzierung sei aber sehr schwer. Daher der Antisemitismus ... 7st das nicht sonnenklar? Jetzt wissen wir endlich, woran wir sind, worunter wir zu leiden haben. Wo fehlts? ltn Plasma. Houston Stewart Chamberlain gelang es nicht« in seinen «Grundlagen des XX. Jahrhunderts* über die Grundlagen des Rassenantisemitismus genügenden Aufschluß zu geben; auch Weininger konnten wir nicht glauben, daß wir zuviel W haben; aber der geniale deutsclmtkmhe Redakteur hat den Was es alles gibt, wovon uns armen Sterblichen nie träumtet In der Schute haben wir vom Plasma und Protoplasma zwar gehört, aber wir wußten nicht, daß dieser biologische Begriff sieh hitlerotegisch auswirken könne, Jetzt wissen wlr's, Jetzt wissen wir aber auch, daß bei der wissenschaftlernden Nazi-Jugend das Protoplasma der Vernunft verlomgegangen ist, Oder wurde es hakengekreuzigt? Sem. roraa»ca»cacacaeacac=icacit=tciCJn 'imw na rvwn Palästina-Orangen Palästina-Grape Fruit Palästina-Weine Palästina-Olivenöl (Schemen) Palästina-Honig liefert direkt ins Haus au billigen Preisen Samuel Halpern Wien, 3. Btiirk. Färstergasse Nr. 6 Telephon-Nummer A-46-4-12 cnpncmsnsstc9csnB!tcsiOQKsu5iBsiOBSioca