Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1931-04-30 · Heft 173 (30.4.1931) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 173 (30.4.1931)
Date
1931-04-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3053752-3053911-3053927--2312-3057731
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 2 DIfc STIMME Nr. 173 — 30. April 1931 Sonntage 31. Mai 1931, Gang der Wiener Zionisten zum Grabe Theodor Herzts. — Treffpunkt halb 10 Uhr vorm. Hochschule für Bodenkultur auch weder jetzt noch später eine Verantwortung für We)2tnanns persönliche Sicherheit in Transjordanien übernehmen. Weiters wird in dem Artikel ausgeführt, auch aus anderen Tatsachen sei zu ersehen, daß der High Commissioner Sir John Chancellor den Weg zu jüdisch-arabischen Besprechungen verrammelt habe. Die Beratungen über den Land' entwicklungsnlan für Palästina London, 23. April. (J. T. A.) Die Beratungen über den auf der Basis der Vorschläge von Sir John Hope Simpson aufgestellten Landentwicklungsplan für Palästina haben am Mittwoch, den 22. April, gleichzeitig in London und in Jerusalem begonnen. Während an den Londoner Verhandlungen die Vertreter der Jewish Agency und ein interministerielles Komitee teilnehmen, dem ein Vertreter des Kolonialamtes, ein Vertreter des Schatzamtes und der Lordadvokat für Schottland Cralgie Aitchlson, jedoch kein Vertreter des Außenamtes angehören, werden die Parallelverhandlungen in Jerusalem zwischen dem High Commissioner und den Vertretern der Araber geführt. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, werden in diesen Verhandlungen zunächst bloß die allgemeinen Fragen des Landentwicklungsplanes behandelt werden, während die Frage des Landentwicklungsfonds erst beraten werden dürfte, wenn das Unterhaus die erforderlichen Mittel bewilligt haben wird. 1, Near Cast and India“ zu der Stellung« nähme der arabischen exekutive London, 24. April. (J. T. A.) Das Organ des Kolonialamtes «Near East and India» befaßt sich mit den am 15. April von der arabischen Exekutive gefaßten Beschlüssen bezüglich der Bedingungen, unter denen sie sich bereit erklärt hat, an Verhandlungen mit der Regierung über dm Landentwicklungsplan für Palästina teilzunehmen. In dem Artikel wird ausgeführt, es könnte vielleMit vorteilhaft sein, die Verhandlungen Tn Palästina statt' in London ztrführen. Es sei jedoch schwer möglich, daß die britische Regierung den beiden ersten von de* arahschen Exekutive gestellten Bedingungen zustimtnen werde. (Diese beiden Bedingungen lauten* 1. Die Teilnahme darf in keiner Welse die Anerkennung des JücTschen Nationalheimes voraussetzen. 2. Als Basis der Verhandlungen darf nicht der Mac Dona*d-Brlef oder ein anderes Dokument, das die zionistische Politik stützt, gelten.) Die opportunistische Politik der arabischen Exekutive unterscheide sich wesentlich von der Dr. Weizmanns, der zwar versichert hatte, das Weißbuch könne nicht die Basis für Verhandlungen mit der Regierung bilden, dem es aber doch gelungen sei, von MacDortald ein Dokument zu erhalten, durch das alle Aenderungen zugunsten des Standpunktes der jüdischen Führer bewirkt wurden. Das Blaft stellt an die arabische Exekutive die Frage, ob sie denn aus diesem historischen Beispiel nichts gelernt habe. Das paßt ihnen nicht Jerusalem, 24. April. (J. T. A.) Wie aus Amman berichtet wird, besteht in den Kreisen der transjordanischen Regierung die Neigung, eine Anzahl landloser Palästinenser in Transjordanien anzusiedeln. Hiezu erklären die arabischen Zeitungen «Al H&yat» und «Felestin», die gute Absicht der transjördanischen Nationalisten sei zwar an2uerkennen, die Ansiedlung palästinensischer Araber in Transjordanien würde aber den wichtigsten Interessen der Araber zuwiderlaufen, da hierdurch anerkannt würde, daß die von Dr. Weizmann vorgeschlagene* Lösung des Problems der palästinensischen Bodenknappheit den Arabern annehmbar erscheint. Der Lehrerstreik in Palästina beendet Jerusalem, 20. April. (J. T. A.) Nach elnwöchlger Dauer wurde der palästinensische Lehrerstreik beendet. Die Lehrerschaft hat auf Grund eines Versprechens des V/aad Leumi, die Förderungen der Lehrer in dem Ihm gerecht erscheinenden Ausmaße vor der Jewish Agency zu vertreten, der Uebernahme der Vermittlung zwischen Jewish Agency und Lehrerschaft durch den Waad Leumi zugestinunt. Alle von der Jewish Agency erhaltenen Schulen in Palästina wurden am Sonntag, den 19. April, wieder eröffnet. Heuschreckengefahr Ammen, 20. April (J, T. A.). In den östlichen Gebieten Transjordaniens sind Schwärme fliegender Heuschrecken aufgetreten. Es besteht die Gefahr, daß auch Teile Palästinas von der Heuschreckenplage heimgesucht werden. Wladimir Jabotinsky — Presseempfang Vor einigen Tagen empfing Wladimir Jabotinsky die Vertreter der Wiener Presse und führte etwa folgendes aus: Der Grundgedanke des offiziellen Zionismus, der seit Jahren die Bewegung beherrschte, war, daß das jüdische Nationalheim aus eigenen Jüdischen Kräften erbaut werden könne. Die politische Voraussetzung sei bereits dadurch gegeben, daß die englische Palästina-Verwaltung die Ansammlung und Verwertung jüdischer Energien im Lande nicht behindere. Die Aufgabe des jüdischen Volkes bestehe darin, Geld zu sammeln und Menschenmaterial für die Kolonisation auszubilden. Kurz: Der Zionismus sei nichts anderes, als das Ergebnis der jüdischen Energie. Allein diese Meinung wird von Jabotinsky als unrichtig bezeichnet, da sie den Umstand, welch großen Einfluß die Gesetzgebung und Administration eines Landes auf die ökonomische Entwicklung desselben hat, nicht in Betracht ziehe. Wolle man eine landwirtschaftliche Kolonisation, so brauche man vor allem Boden. Große Bodenflächen wären aber nur auf dem Wege der Gesetzgebung, nämlich durch eine Agrarreform, für die jüdische Kolonisation erreichbar. Die Bodenflächen, die auf dem Wege des Kaufes zu erwerben sind, könnten nie für eine Massenkolonisation genügen. Daher bestehe die wichtigste Aufgabe einer zionistischen Politik darin, eine aktive Hilfe der Mandatarmacht zu erreichen. Damit das jüdische Nationalheim errichtet werde, müsse man der tätigen Mithilfe der Mandatarmacht sicher sein. Ein Volk wie das englische würde aber auch dem moralischen Druck einer gerechten Forderung auf die Dauer nicht standhalten können. Die Stellenvermittlung Denket an die Krawalle an der Handelshooheohulel Daher Ständige unentgeltlich» der Hakoah Wer ausgeblldetee, tüchtige» und diszipliniertes Personal aller Art und aller Branohen braucht, wände sich-an die . „ ___ HAKOAH,!., WiesingOrstr, 11 / Tel, R-25-0-10 Reaktion der englischen Regierung auf den Entrüstungssturm, der der Veröffentlichung des Passfieldschen Weißbuches vom Oktober 1930 von jüdischer Seite gefolgt war, hätte zur Genüge gezeigt, wie viel ein moralischer Druck auszurichten vermöge, Herr Jabotinsky kommt nun auf den MacDonald- Brlef zu sprechen und meint, daß dieser Brief sich wohl im Ton vom Weißbuch unterscheide, Im übrigen aber keine Verbesserung der politischen Lage darstelle. Der Aufbau des jüdischeiTNationalheimes bestehe zwar, nach einem Ausspruch Max Nordatis, aus 90 Prozent wirtschaftlicher Energie und 10 Prozent Politik. Aber diese 10 Prozent Politik wären Voraussetzung für die 90 Prozent des wirtschaftlichen Aufbaues. Darin, daß die heutigen Führer der zionistischen Organisation alles Heil nur in der Ansammlung der wirtschaftlichen Energien erblicken und die politische Arbeit hintanstellen, bestehe der Gegensatz der revisionistischen Opposition zur heutigen Leitung. Aufgabe des bevorstehenden Zionistenkongresses müsse es sein, eine Entscheidung zu bringen, die diesen Zwiespalt im Zionismus aufhebt. Die Frage der Nachfolge Weizmanns Die hebräische Wochenschrift «Haolam v das offizielle Organ der Zionistischen Organisation, befaßt slcn im Leitartikel ihrer letzten Nummer mit der Frage des Wechsels in der zionistischen Leitung. Dr. Weizmann, schreibt das Blatt, würde es bedauern, wenn der Kongreß ohne einen vorbereiteten Plan einer Lösung der Frage des Präsidiums der nächsten Exekutive der Zion. Organisation zusammentreten sollte. Weizmanns wiederholt abgegebene bestimmte Erklärung, daß die neuerliche Uebernahme des Amtes eines Präsidenten der Zion. Organisation durch ihn nicht in Betracht gezogen werden könne, mache die Frage des Präsidiums der Zion. Organisation zum brennendsten Problem, das dem Kongreß gestellt sein wird. Daher sei es wichtig, daß die Vertreter der Zionisten nicht wie gewöhnlich ohne Plan zusammentreten, in der Hoffnung, daß die Angelegenheit auf dem Kongreß selbst durch Irgendeine Flickarbeit erledigt werden würde, sondern daß schon vorher eine Lösung vorbereitet werde. Ohne Namen von Kandidaten zu nennen, läßt slcn «Haolam» in Betrachtungen über die Führerfrag« «m, wobei das Blatt den Standpunkt einnimmt, daß eine Lösung nicht unmöglich ist, wenn eine KoaUtlonsexe* kutlve, ln der die bedeutendsten zionistischen Parteien durch Ihre hervorragendsten Führer vertreten sind, zu» standekommt» In diesem Falle würde sich die auf dem Präsidenten persönlich ruhende Last vermindern und es könnte zweifellos unter den ältesten und erfahrensten Zionisten ein geeigneter Kandidat zur Übernahme des Präsidiums gefunden werden, ohne daß sich die Not* wendigkeH von «Revolutionen» und eines Sprunges int Unbekannte ergibt. Palästina-Anfragen im Unterhaus Das System der «verborgenen Zeugen» beseitigt London (J. T. A.). Im Unterhause stellte der Abgeordnete P. Freeman an den Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. Drummond Shiels die Anfrage, ob er bereits in der Lage sei, dem Haus über das von palästinensischen Gerichten angewandte Verfahren, Zeugen hinter einem Wandschirm verborgen aussagen zu lassen, Mitteilungen zu machen. Dr. Shiels erwiderte, daß ein Bericht hierüber vom High Commissioner eingelaufen sei. Eine solche Vernehmung sei in drei Fällen erfolgt, in denen die Aussagen jedoch von keiner Bedeutung für die Entscheidung waren. Der Beamte, der die betreffenden Verhandlungen geleitet hat, wurde jedoch darauf aufmerksam gemacht, daß das von ihm angewandte Verfahren unzulässig war. Das Kolonialamt hat Weisungen gegen abermalige Anwendung eines solchen Verfahrens erteilt. Ule Verpflegung ln den Gefängnissen London (J. T. A.). Im Unterhause stellte der Abgeordnete der Labour-Party P. Freeman an den Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. Drummond Shiels die Anfrage, warum in den palästinensischen Gefängnissen für die Verpflegung der jüdischen politischen Oefangenen ein Tagesbetrag von 45 Milles, für die der arabischen politischen Gefangenen Jedoch nur ein solcher von 11 Milles festgesetzt Sei, ob auch andere Unterschiede in der Behandlung von Gefangenen Jüdischer, arabischer oder europäischer Nationalität bestehen, woraus die Verpflegung für europäische Gefangene bestehe und welche Maßnahmen ergriffen werden sollen, um in Zukunft eine unterschiedliche Behandlung def Gefangenen in den palästinensischen Gefängnissen zu Verhüten. In Beantwortung dieser Anfrage führte Dr. Shiels: aus, die Palästina-Regierung habe sich, soweit die Verhältnisse es erlauben, das Prinzip zu eigen gemacht, Gefangenen, die an einen höheren Lebensstandard gewöhnt sind, eine Sonderbehandlung zuteil werden zu lassen. * Die Frage des Abg. Colonel Howard Bury, ob die Verpflegung der Juden viermal so groß sei als die der Araber, sowie eine Frage des Abg. Mac Shane (Labour), Qb die gewohnte Diät eines halbverhungerten Menschen, der ins Gefängnis eingeliefert wird, dort fortgesetzt werden soll, blieben unbeantwortet. Die Prügelstrafe in Palästina Jerusalem, 24. April. (J. T. A.) ln jüdischen Kreisen Jerusalems herrscht lebhafte Empörung über ein Urteil des jüdischen Polizeirichters Zuckermann. Der aus Kurdistan stammende Israel Esra, der mit Frau, Tochter und einem 12jährigen Knaben auf Grund eines Touristenvisums nach Palästina gekommen war, hatte die ihm bewilligte dreimonatige Aufenthaltsfrist überschritten. Vor dem Polizeirichter verantwortete sich Israel Esra damit, daß er ein Gesuch um dauernde Aufenthaltsbewilligung und Registrierung als Einwanderer eingebracht habe. Der Richter verurteilte Israel Esra, seine Frau Zilba und seine Tochter zu Geldstrafen von je einem Pfund, den 12jährigen Knaben, dem nichts zur Last gelegt werden konnte, als daß er bei seinen Eltern verblieb, zu drei Stockstreichen. Außerdem wurde in dem Urteil dem High Commissioner nahegelegt, gegenüber der Familie von seinem Ausweisungsrecht Gebrauch zu machen. Verurteilungen von Personen, die die Aufenthalfsfrist überschreiten, sind in Palästina keine seltene- Erscheinung. Die Verhängung einer Prügelstrafe über den völlig unschuldigen Knaben aber hat, wie kaum ein anderes Ereignis ln den letzten Jahren, die Entrüstung der palästinensischen Judenheit hervorgerufen. Das Mitglied der Palästina-Exekutive der Jewish Agency, Colonel Kisch, hat beim High Commissioner Sir John Chanceller energischen Protest gegen dieses empörende Urteil eingelegt. Die Erkrankung Harry Sachers Jerusalem (J. T. A.). Der Zustand des Mitglieds der Exekutive der Jewish Agency Harry Sacher, der, wie bereits gemeldet, krankheitshalber verhindert war, seine in Verbindung mit dem Wiederbeginn der Verhandlungen zwischen Jewish Agency und englischer Regierung geplante Reise nach London anzutreten, ist ernst, aber nicht bedenklich. Harry Sacher ist an Lungen- und Rippenfellentzündung erkrankt. Mit Rücksicht auf die schwere Erkrankung Sachera hat auch dessen Schwager Israel ~i«ff seine Reise nach London verschoben, Zur Sicherung absoluter Ruhe für den Krankan wurde der Verkehr aus der Straße, in der Saoher wohnte abgelenkt. i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.