Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 173 (30.4.1931)
- Date
- 1931-04-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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V. b. b. BEZUGS. BEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 1'50, vierteljährl. S 4’20, ganzjährl . . S l6‘— Deutschld. vierteljährl. RM 3'— Tschechoslowakei viertel]. Kc 24'— Jugoslawien vierteljährl Din 40'— Polen Vierteljahr lieh Zlot^ 6-50 Ungern Vierteljahr lieh Pengö 4 20 Rumänien viertel jährl. Lei 120' — Uebrigcs Ausland vierteljehrl Schw Franken 4'50 4. Jahrgang Wien, Donnerstag, 30. April 1931 (13. Ijjar 5691) Preis 35 g Erschein! jecen Donners* kor Oestfm. D 113.546 Polen . . 19Uq9 'Isckccio Slowakei .500.230 Jugoslawien 40.879 Jüdisdte Zeitung Nummer 173 Prof. Weizmanns große Manchester-Rede Manchester, 21. April. (J. T. A.) Der Präsident der. Zionistischen Organisation und der Jewish Agency, Dr. Chaim Weizmann, weilte am Sonntag, den 19. April, in Manchester, wo er bekanntlich früher als Hochschullehrer lebte. Auf dem Bahnhof hatten sich über 3000 Personen eingefunden, die den Führer bei seinem Eintreffen begeistert begrüßten. Auf dem Bahnsteig war eine Ehrenwache aufgestellt, gebildet aus ehemaligen jüdischen Soldaten, von denen die meisten am Palästina-Feldzug teilgenommen hatten. Nachmittags fand ein Empfang zu Ehren Dr. Weizmanns statt, bei dem etwa 200 persönliche Freunde und Bekannte Dr. Weizmanns zugegen waren. Den Vorsitz führte der Präsident der Palästina-Kommission des Jewish Board of Deputies Nathan Lasky, der in einer Ansprache seine bereits anläßlich des Lloyd George- Banketts an Dr. Weizmann gerichtete Aufforderung, weiterhin an der Spitze der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency, zu bleiben, wiederholte. . Auch Herr D. Kostoris, der Dr. Weizmann ein Album überreichte, das die Unterschriften der Vertreter jener Synagogengemeinden, Institutionen, gesellschaftlichen Organisationen und literarischen Gesellschaften Manchesters und anderer Provinzstädte, sowie der Einzelpersönlichkeiten enthält, die Beiträge Im Rahmen einer zu Ehren Dr. Weizmanns eingeleiteten und mit einem Ergebnis von 5000 Pfund eben abgeschlossenen Sonderaktion für den Keren Hajessod geleistet haben, erklärte, er habe sich anläßlich seiner Sammelarbeit für den Keren Hajessod, die ihn von Haus zu Haus führte, vom uneingeschränkten Vertrauen, das allenthalben in die Führung Dr. Weizmanns gesetzt wird, überzeugen können. Abends sprach Dr. Weizmann in einer Massenversammlung im Paramount-Theater über die Rolle der englischen I^egierung beim Palästina-Aufbau und die Möglichkeit einer Ausdehnung der jüdischen Siedlung in Palästina. plötzlich zusammenschrumpfte. Palästina ist an sich ein kleines Land, und wenn sein Bodenaustnaß unter dem Einfluß dieser Berichte zusammenschrumpft, bleibt von ihm nach der Veröffentlichung von zwei bis drei Berichten kaum mehr etwas übrig. Ich spreche im Bewußtsein vollster Verantwortung, wenn ich erkläre, daß durch Ausgestaltung der Landwirtschaft des ganzen Landes, die zu einer Hebung des Lebensstandards der Gesamtbevölkerung führen würde, sehr viel getan werden kann. Ich glaube, daß in Palästina für eine beträchtliche Zahl von Landwirten Raum ist Wenn Palästina unter Zuhilfenahme moderner Methoden bearbeitet, wenn es bewässert und drainlert wird, bietet es noch für weitere 50.000 landwirtschaftliche Familien Platz und die Einwanderung dieser Familien würde keineswegs das Leben und die wirtschaftliche Lage der gegenwärtigen Bevölkerung beeinträchtigen. Die Augen der zivilisierten Welt, erklärte Doktor Weizmann zum Schluß, sind auf Palästina gerichtet. Was immer mit Palästina geschehen, wie groß imiher die endgültige Zahl der Menschen sein soll, die nach Palästina kommen werden, wir hegen nicht den Wunsch, zu herrschen, wir wollen aber auch nicht beherrscht werden. Wir gehen nicht nach Palästina als Kolonisatoren oder als Eroberer. Wir gehen dahin, um in Frieden und Gerechtigkeit zu leben. Was sagt „Manchester Guardian“ «Manchester Guardian» widmet dem Besuche Doktor Weizmanns in Manchester einen Leitartikel, in dem darauf hingewiesen wird, daß diejenigen, die in Palästina gelebt und gearbeitet haben, der Ueberzeugühg sind, daß das Land dank den Möglichkeiten intensiver Kultur reichlich Raum für die Ausdehnung der jüdischen Siedlung ohne Schädigung arabischer Interessen bietet Unglücklicherweise hätten Sachverständige der Regierung, die in der letzten Zeit zu kurzem Aufenthalt TELEFON■ B 24-S-2Q, E4RIE GROSSBlfRIEB FÜR HflUSUJÄSCHE nacnausa^iwtamiMuaKs nach Palästina gekommen waren, eine abweichende Meinung geäußert und Lord Passfield zu ihrem Standpunkt bekehrt. Daraufhin wurde die im Weißbuch vorgezeichnete Regierungspolitik angebahnt, die auf eine Verlangsamung der Durchführung des jüdischen Aufbauplanes abzielte, eine Verlangsamung, von der Dr. Weizmann behauptete, daß sie einer Einstellung gleichkäme. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, heißt es in dem Artikel weiter, daß die Regierung nur zögernd angesichts ihr unwiderleglich erscheinender Argumente zu ihren Entschlüssen kam. Ministerpräsident MacDoiiald und seine Kollegen hatten nicht den Wunsch, der Errichtung des Jüdischen Nationalfreims Einhalt zu tun, sie glaubten aber, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse ln Palästina es erfordern,, daß. die Aufbauarbeit in einem bescheideneren Umfang, als ihn die Zionisten erhofft hatten, vor sich gehe. Sie teilten die jüdischen Ansichten in jeder Beziehung mit Ausnahme der Beurteilung der Größe des für den Aufbau zur Verfügung, stehenden Bbdenausmaßes; dies ist jedoch keine grundsätzliche Meinungsverschiedenheit, sondern eine Differenz bezüglich feststellbarer Tatsachen. Die Regierung mag unrichtig informiert gewesen sein ’ und der das Weißbuch interpretierende Brief MacDonalds an Dr. Weizmann zeigt, daß sie einsieht, tatsächlich falsch informiert gewesen zu sein. Auf alle Fälle scheint die Regierung nunmehr positivere Anschauungen bezüglich der Möglichkeiten der jüdischen Kolonisation zu hegen. Dr. Weizmann hat gestern abend der Meinung Ausdruck gegeben, daß der Zionismus nunmehr am Ende jener schwierigen Epoche stehe, die vom Weißbuch und den Unruhen des Jahres 1929 ihren Ausgang genommen hat Wir wollen hoffen, daß er damit im Rechte ist. Die Verhandlungen zwischen englischer Regierung und Jewish Agency Die Mandatarmacht, erklärte Dr. Weizmann, hat bisher in Palästina eine passive Rolle gespielt. Sie hat sich damit begnügt, dem Wachstum des Jüdischen Nationaiheimes zuzusehen. Die Arbeit für den Aufbau dagegen hat sie zur Gänze den Juden überlassen und zum Teil auch die arabische Bevölkerung vernachlässigt. Die Folge davon war, daß die Araber mit der Entwicklung nicht Schritt halten konnten. Die Tatsache, daß das Nationalheim wuchs, erzeugte bei ihnen Furcht und Besorgnis, so daß sie der jüdischen Einwanderung hartnäckigen Widerstand entgegensetzten. Ich glaube, fuhr Dr. Weizmann fort, daß die Mandatarmacht nunmehr Im Begriffe steht, sich auf eine aktive Politik einzulassen. Meiner Ansicht nach muß von der Mandatarmacht die Erfüllung von zweierlei Verpflichtungen in Palästina erwartet werden. Zunächst ist es Pflicht der Regierung, die Lebensbedingungen der ihrer Obhut anvertrauten Bevölkerung soweit als möglich zu verbessern j sodann ist es Pflicht der Mandatarmacht, den Aufbau des Jüdischen Nationalheimes aktiv zu fördern. Diese Pflicht besteht nicht in bloßem Danebenstehen und Zusehen, wie andere ihre Arbeit tun. Trotz der jüngsten Berichte, trotz der durchgefiihrten Untersuchungen gibt uns eine rein vernunftmäßige Betrachtung der Gesamtlage hinreichend Mut und Ermutigung, unser Werk 2m Bewußtsein, daß ein großes Aufbauprogramm vor uns liegt, fortzusetzen. Wir wurden durch autoritative Erklärungen, daß ein Drittel der in Palästina lebenden jüdischen und arabischen landwirtschaftlichen Bevölkerung, vorwiegend der arabischen (fast 30.000 Menschen), landlos sei, alarmiert. Wir wurden weiters alarmiert durch ein anderes autoritativ erlassenes Statement, in dem festgestellt wurde, daß das Ausmaß an kulturfählgem Boden in Palästina weit geringer sei, als wir stets angenommen hatten^ so daß der Umfang Palästinas London, 26. April. (J. T. A.) Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur aus zuverlässiger Quelle erfährt, wurde die zweite Besprechung zwischen dem interministeriellen Regierungskomitee und den Vertretern der Jewish Agency für Mittwoch, den 29. April, festgesetzt Die Regierung hat der Jewish Agency ihre Vorschläge bezüglich des Landentwicklungsplanes für Palästina zukommen lassen, um ihr Gelegenheit zu geben, sich in der Zwischenzeit bis zur nächsten Sitzung mit dem Projekt zu befassen. Der Entwurf ist gleichzeitig auch der arabischen Exekutive zugegangen. Trotz der offiziellen Verlautbarung des Kolonialamtes, daß gleichzeitig mit den Verhandlungen zwischen Regierung und Jewish Agency'in London Besprechungen mit der arabischen Exekutive in Jerusalem aufgenommen wurden, erscheint es zweifelhaft, ob tatsächlich die Verhandlungen mit den Arabern bereits begonnen haben, da sich der High Commissioner Sir John Chancellor seit dem 22. April in Haifa aufhält. Es ist Hl HAI5BR5TR. 123 Alserstfl 6 I ebenso unwahrscheinlich, daß die Verhandlungen mit den Arabern in Haifa, als daß sie in Jerusalem ohne Teilnahme des High Commissioners begonnen haben sollten. In zionistischen Kreisen Londons ist man der Ansicht, daß einer Zustimmung der palästinensischen Regierung zur Eröffnung von Verhandlungen mit der arabischen Exekutive eine Modifizierung der Forderungen vorangehen müßte, die diese in ihren dem High Commissioner übermittelten Resolutionen aufgcstellt hat. Man hält es für höchst unwahrscheinlich, daß die Regierung dem arabischen Verlangen, den Brief Mac- Donalds bei den Verhandlungen unberücksichtigt zu lassen, entsprechen werde. Hat die Palästina-Regierung die jüdisch-arabische Verständigung sabotiert? Ittamar Ben Avi veröffentlicht im «Doar Hayom» unter dem Titel «J'accuse!» eine Serie von Artikeln, ln deren erstem er der Palästina-Regierung den Vorwurf macht, Dr. Weizmann genötigt zu haben, von seiner geplanten Zusammenkunft mit Emir Abdullah in Amman Abstand zu nehmen. Ben Avl zitiert in diesem Zusammenhang einen an Dr. Weizmann gerichteten Brief des Chefsekretärs der Palästina-Regierung Young, ln dem erklärt wird, der Zeitpunkt für einen Besuch in Amman sei ungeeignet. Die Regierung könne I Vf. fl; V? t JL