Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 172 (23.4.1931)
- Date
- 1931-04-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite f> Olt STIMMt in r. 172 — 23. April 1931 Zionisten und Freunde des KEREN KAJEMETH werden gebeten, von allen FAMILIENFEIERLICHKEITEN in Ihrem Bekanntenkreise (HOCHZEITEN usw.) unveizüglich den Keren Kajerneth zu verständigen zubringen sind. Wir wissen diesen Menschen Dank für ihre Mitarbeit. Wir wollen aus den Geldunterstützungen herauskonimen, wollen nicht das Schnorrertum fördern, sondern die Bedürftigen unterstützen, u. zw. so wenig als möglich mit Geld. Diesen Winter haben wir eine Kohlenaktion durchgeführt, und vor wenigen Wochen eine Pessachaktion, bei der wir an die Bedürftigen Lebensmittel verteilt haben. Und nun zu den Angelegenheiten des Versorgtingshauses. Wir können Herrn Dr. Körner nicht genug Dank sagen für seine vorbildliche Arbeit, für die energische Art, mit der er die Unterkunft der Siechen durchgeführt, mit der er die Vorbereitungen für die Erweiterung des Versoigungshauses getroffen hat. Es besteht ein inniger Kontakt zwischen Versorgungshaus und Fürsorge, wofür wir ebenfalls Herrn Dr. Körner zu Dank verpflichtet sind. Unsere Arbeit ist fruchtbar und wir leisten sie für das jüdische Volk. Die anderen flunkern mit ihrer Religiosität herum. Wir Zionisten aber wollen den innigen Kontakt mit der Judenschaft. Für die Jugendfürsorge tun wir alles mögliche, in bezug auf Erziehung in physischem und psychischem Sinn, aber wir können nicht genug tun. Wir wollen noch weit mehr tun für Ferialaktionen und Subventionierung der Jugendorganisationen. Ueberall, wo wir können, wird die Fürsorge in dem Sinne bestritten, daß wir Erfolg zeitigen. Wir verzetteln das Geld nicht, sondern führen die bewußte Arbeit, die wir in diesem Jahre begonnen haben, auch weiter fort. Der Vizepräsident der isr, Kultusgemeinde Wien, Dr. Josef Löwenherz, führte als letzter Redner folgendes aus: In der letzten Budgetdebatte sagte ein Redner, daß wir Zionisten die oppositionelle Regierungspartei darstellen. Das stimmt auch. Wir sind in der Regierung, weil wir die Kultusgemeinde bejahen und uns dessen bewußt sind, daß die Kultusgemeinde die einzige Repräsentanz des Judentums darstellt. Wir bejahen die Kultusgemeinde und tragen gerne die Verantwortung. Nichtsdestoweniger stehen wir in prinzipiellen Fragen in Opposition zu den. anderen großen Gruppen in der Kultusgemeinde. Das Zentralproblem des jüdischen Volkes, nicht nur in unserem Lande, sondern überall, ist das Palästina-Problem. Es darf keine jüdische Organisation geben, die zu Palästina nicht positiv eingestellt wäre. Als zionistische Mandatare haben wir die Forderung aufgestellt, daß der Keren Hajessod und die Chaluzorganisation subventioniert werden. Die «Union» bildet den größten Klub in der Kultusgemeinde und dieser Klub ist in seiner Gesamtheit nicht positiv für Palästina eingestellt. Wir haben jedoch in den Verhandlungen mit diesem Klub den Standpunkt vertreten, daß, wenn 40 Prozent der jüdischen Wählerschaft das Palästina-Problem in den Vordergrund rücken, die Kultusgemeinde die Subventionierung des Palästina-Werkes auch in Zeiten großer wirtschaftlicher Not nicht versagen darf. Anerkennend muß ich hervorheben, daß die Herren der «Union» die Verhandlungen loyal geführt und unseren berechtigten Standpunkt anerkannt haben. Eine Diferenz prinzipieller Natur besteht auch in der Frage des allgemeinen und gleichen Wahlrechtes, für welches wir unentwegt eintreten. i)ie Leistungen der Gemeinde auf verschiedenen Gebieten sind ganz gewaltig. Sie kommen auch in Zahlen zum Ausdruck. Im Jahre 1924 hatte die Kultusgemeinde ein Jahresbudget von rund 3,500.000 S. Heute hat sie ein solches von rund 6,500.000 S. Im Jahre 1924 hatten wir an Kultussteuer 1,200.000 Schilling hereingebracht, im Jahre 1930 über 2,500.000 Schilling. Allerdings sind unsere Steuern verhältnismäßig so niedrig, daß sie sogar in der Zeit großer wirtschaftlicher Not nicht als drückend bezeichnet werden können. Im Jahre 1924 hatten wir 36.000 Steuerzahler. Im letzten Jahre haben wir rund 4000 Steuerzahler infolge der Todesfälle, Austritte und des wirtschaftlichen Niederganges der jüdischen Bevölkerung verloren. Und trotz.dem verzeichnen wir jetzt 60.000 Steuerzahler. ‘arw na mann Palästina-Orangen Palästina-Grape Fruit Palästina-Weine Palästina-Olivenöl (Scheuten) Palästina-Honig liefert direkt ins Haus zu billigen Preisen Samuel Halpern Wien, 2. Bezirk, Förstergasse Nr. 6 Telephon-Nummer A- 46- 4-12 IQQCIPPPOOPOOOCIB Diese 60.000 Steuerzahler stellen noch immer nicht die Höchstzahl dar und wir hoffen, noch weitere 10.000 Steuerzahler zu erfassen. In den Jahren 1929 und 1930 können wir merkwürdigerweise fast dieselbe Zahl der Eheschließungen verzeichnen; im Jahre 1929 1246, im Jahre 1930 1244 Eheschließungen. Man müßte nun annelimen, daß in diesen beiden Jahren auch ungefähr die gleiche Zahl lebend geborener Kinder zu verzeichnen wäre. Dem ist nicht sol 1929 wurden 1350 Kinder lebend geboren, im Jahre 1930 nur 1210; 1929 hatten wir 2710, 1930 2597 Todesfälle. 1929 waren 902, 1930 730 Austritte aus dem Judentum zu verzeichnen, allerdings 1930 auch 286 Eintritte. Der Effektivverlust an jüdischen Seelen beträgt somit ungefähr 1800. Dieser Zustand wird zumindest stabil bleiben, weil die Zuwanderung zur Gänze aufgehört hat und weil jüdische Gemeinden des Westens sich stets durch Zuwanderung und nicht durch natürlichen Zuwachs vergrößert haben. Diese Bevölkerungsstatistik muß zum Nachdenken veranlassen. Wir müssen daran denken, daß wir in kaum zehn Jahren um 20.000 Juden weniger haben werden. Im letzten Jahre haben wir einen Zuwachs der jüdischen lernenden Jugend zu verzeichnen. Es ist Pflicht der Kultusgemeinde, diese Jugend in jüdischem Geiste zu erziehen. Das Verständnis dafür ist allgemein, daß ohne Kenntnis der hebräischen Sprache der jüdische Religionsunterricht unmöglich ist. Wir müssen daher unserer Jugend vor allem die Kenntnis der hebräischen Sprache beibringen. Im Zusammenhänge damit will ich die große Bedeutung des Chajes-Realgymnasiums hervorheben und mit Nachdruck betonen, daß es Pflicht der Kultusgemeinde Ist, diese Anstalt entsprechend zu subventionieren. Es ist nicht maßgebend, wie sich einzelne Parteien im Kultusvorstande zu dieser Anstalt stellen; wenn 360 jüdische Familien ihre Kinder im jüdischen Geiste und in einer jüdischen Umgebung erziehen wollen, muß die Kultusgemeinde dem voll und ganz Rechnung tragen. Der Bundesbeitrag für die jüdische Gemeinde bietet uns die einzige Möglichkeit, das Gleichgewicht im Budget herzustellen, Das Präsidium bemüht sich unentwegt um diesen Beitrag und vertritt bei den Verhandiungen mit den maßgeben« den Ministerien den einzig berechtigten Standpunkt, daß es sich nicht uni Subventionierung notleidender Gemeinden handelt, sondern um die Pflicht der Regieruug der jüdischen Gemeinschaft gegenüber, im Sinne der Bundesverfassung und des Friedensvertrages, einen entsprechenden Beitrag zu leisten. Wir wollen keine Gnadengaben, sondern pochen auf unser Recht! Wir fordern einen Beitrag von 1 Million Schilling jährlich, im vollen Bewußtsein dessen, daß dieser Betrag der Zahl der Judenschaft und deren Steuerleistung entspricht. In Wirklichkeit hätten wir sogar das Recht, einen höheren Betrag in Anspruch zu nehmen; wir müssen jedoch auch mit der finanziellen Situation des Bundes rechnen und wollen nicht durch übermäßige Forderungen die positive Erledigung dieser Angelegenheit ererschweren oder hinausschieben. Wir verlangen auch, daß das Gesetz, das die Grundlage für die Bemessung dieses Beitrages bilden wird, uns zur Aeußerung vorgelegt werden soll. Den Beitrag brauchen wir für Zwecke des Kultus, des Unterrichtes und des Fürsorgewesens. Auf dem Gebiete des Kultus verkennen wir nicht die schlechte materielle Lage der Tempel- und Bethausvereine, machen jedoch prinzipiell keinen Unterschied zwischen großen Tempeln und kleinen Bethäusern. In den letzten sechs Jahren sind die Subventionen für Bethausvereine von 19.000 S auf 180.000 S jährlich erhöht worden, woraus zu ersehen ist, daß die Kultusgemeinde auch auf diesem Gebiet ihren großen Aufgaben gerecht zu werden bestrebt ist. Wir arbeiten für die Erhaltung und Ausgestaltung der Gemeinde und für die Erfüllung unseres Programmes. Es gibt keine großen und kleinen Programmpunkte: wir müssen uns bemühen, das ganze, den Wählern seinerzeit vorgelegte Programm zu verfechten und die Israelitische Kultusgemeinde zum Mittelpunkt des jüdischen Lebens auszugestalten. , , o Zum Schluß des Meetings nahm Herr Heller das Wort, um den Referenten für ihre aufschlußreichen und sachlichen Ausführungen zu danken. Die Budgetdebatte in der Wiener Kultusgemeinde Spezialdebatte über Fürsorge, Spital, Versorgungshaus Dr. Isklor Klaber führte als Referent des Fürsorgewesens folgendes aus: Die Reorganisation der Fürsorge, die wir im letzten Jahre durchgeführt haben, geschah nicht zufällig, sondern zielbewußt. Jahrelang habe ich im Auftrag meiner zionistischen Gesinnungsgenossen persönlich dafür gearbeitet. Durch die Uebernanme der Jugendfürsorge und die Auflösung der Zentralstelle war es möglich, eine wirkliche Fürsorgezentrale unserer Judengemeinde zu schaffen, eine Stelle, die die Leitung einer wahren Fürsorgetätigkeit darstellen soll und wird. Der Begriff der Fürsorgetätigkeit ist für uns vor allem Schutz und Sicherung der Jugend im Interesse der Zukunft, dann Förderung überall dort, wo Existenzstützung und Existenzgründung möglich ist, in weiterer Folge Erschließung von Heilungsmöglichkelten für die Kranken und schließlich, so weit die Mittel reichen, die Arbeit für die Unheilbaren. Während die Privatwohltätigkeit begreiflicherweise die Befürsorgung der Siechen betreibt, muß uns als Gemeinde das Gesamtwohl vor allem am Herzen liegen. Die Verpflichtung, die Bund und Gemeinde uns Juden gegenüber haben, müssen wir stets betonen. Es gibt häufig Fälle, daß versucht wird, die Befürsorgung auf uns zu überwälzen; wir können ergänzend helfen, aber wo ein rechtlicher Anspruch auf die Hilfe des Staates und der Gemeinde besteht, dürfen und können wir diesen nicht entlasten. Wir haben im abgelaufenen Jahre die Wanderfürsorge im Einvernehmen mit Deutschland, der Tschechoslowakei, der Schweiz und Jugoslawien organisiert. Die Leistungen der Altersfürsorge ersehen Sie aus den Zahlen im Rechnungsabschluß 1929. Ich gestatte mir, die Ausgaben für Fürsorgezwecke im Jahre 1930 kurz darzulegen und die Ueberschreitungen, die keineswegs allzu groß waren, zu nennen. Die Ausgaben für Fürsorgezwecke betrugen im Jahre 1930: Für geg. budg. Einmalige Unterstützungen . . 137.023 96.000 Periodische Unterstützungen . 74.677 75.000 Kohlenbeteilung.14.000 14.000 Ferienaktion an Parteien 9310 an tbc gef. Kdr. 11500 20.810 16.000 Kottingbrunn . . . 16.919 — durch Wijug (durchlaufend) . 5.595 — Verlassene Kinder ex. Kto. Unterstützung . . . 106.810 Subvent. 23.110 129.920 100.000 Subvention an Fürsorgevereine . 118.658 110.000 Verköstigung d. Lainzer Insassen 12.045 9.000 529.647 geg. budg. 420.000 Der Ueberschreitung von S 109.047 stehen folgende Einnahmen aus anderen Gememdemitteln gegenüber: Spenden von Einzelpersonen. „ Ueberschuß d. Mitteil.-Aktion . Aus amerik. Geldern: für Einzelunterstützungen ...... die Kohlenaktion ». * . , Kottingbrunn .* . . Vereine (ehern. Kriegswaisen) . * . . aus Stiftungszinsen .. . Verpflegsbeiträgen d. Parteien: für geschlossene Anstalten . . . . Ferialzwecke. Beiträge für Wanderfürsorge. des Wiener Jug.-HilfsWerkes für Ferialvereine . 34.679 11.834 46.513 9.900 2.000 7.000 17.902 36.802 1.628 7.023 1.539 8.562 1.478 6.472 Summe der Einnahen . . . S 101.455 Gegenüber der Ueberschreitung per S 109.047 ergibt sich ein Mehrzuschuß aus Geldmitteln per S 7.592 als Budgetüberschreitung. Eine wesentliche Aenderung der Arbeit bringt die Eli*- Stellung von zirka 400 ehrenamtlichen Fürsorgeräten in den Dienst unserer Jugendfürsorge. Wir, die wir heute die Leitung innehaben, müssen diese Frauen und Männer mit den Nöten unserer Gemeinde vertraut machen. Ich weiß, daß von gewisser Seite versucht wird, die Organisation unserer neugeschaffenen Fürsorgezentrale zu bespötteln. Ich bin aber überzeugt, daß erst nach Jahren die Wichtigkeit und Bedeutung dieser ersten Etappe erkannt wird. Die Not der Zeit zwingt zur Sparsamkeit. Die Einhaltung der budgetierten Summen in der Fürsorge ist ungemein schwierig. Dr. Friedmann betonte schon, daß unvorhergesehene Katastrophen das Budget ins Wanken bringen können. Unser Bemühen muß aber vor allem auch auf dem Gebiete der Subventionen zur Rationalisierung führen. Wir wollen nicht sparen in dem Sinne, daß eine Organisation vernichtet wird, aber gleichartige Organisationen müssen vereinigt, die Gebarung in den Vereinen aufs strengste kontrolliert werden. Die selbst aufgebrachten Summen sind oft bei Vereinen unverhältnismäßig klein im Verhältnis zu GroBfleischhauerei SIEGM. KORNMEHL Zentrale IX, Berggasse 19, fei. A 17-3-99 n. A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für ")ttf>Flelsch unter Aufsicht des Ehrwürdlgeu Rabbinats der Israelitischen Kultusgemeinde Wien \ulozu(teilung Koaleniot IX, Beregasse is XVIII. Währingerstraße 97