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Die Stimme · 1931-04-23 · Heft 172 (23.4.1931) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 172 (23.4.1931)
Date
1931-04-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIB STIMME Nr, 172 ~ 23. April 1931 und der Industrie, aber nur 6 Prozent d£r Landwirtschaft. Diese berufliche Konzentration ist ein historisches Faktum, für das die Juden nicht verantwortlich gemacht werden können. Doch müßten die Juden andere Berufe zu ergreifen und in den Fabriken zu arbeiten suchen. Und in der Tat stellen die Juden in einer Zeit allgemeiner Landflucht z. B. den größten Prozentsatz der Welt von Leuten, die zur Landwirtschaft zurückkehren. Das lehren die Beispiele aus Palästina und Rußland. Parkes findet harte Worte für die sogenannte Skrupellosigkeit der Juden in gewissen Berufszweigen, doch ist diese Tatsache gerade aus der beruflichen Konzentration zu erklären. Es mag sein, daß cs einen größeren Prozentsatz jüdischer Schwindler gibt; dafür ist der Prozentsatz anderer Delikte bei den Juden gewiß viel kleiner. Das hat auch Parkes, der ein außerordentlich objektiver Mensch ist, in der darauffolgenden Debatte zugegeben. Von den übrigen Vorträgen sind die Ausführungen von Dr. Goldmann besonders interessant gewesen. Die Juden, führte Dr. Goldmann aus, sind nicht wie die Deutschen und die Russen auf ein metaphysisches Jenseits eingestellt. Ihr Sinnen geht völlig im Diesseits auf. Diese ihre Haltung wurde oft zu Unrecht als Materialismus mißverstanden. Darum fehlt auch dem Juden der Begriff der Würde und das Geltungsbedürfnis. Diesen Mangel hat der deutsche Student dahin mißverstanden, daß er den Juden nicht für «satisfaktionsfähig» hält. Denn da sein Streben nur auf das Diesseits gerichtet ist, will er um jeden Preis existieren, auch wenn er in der babylonischen Gefangenschaft oder in der Diaspora zu leben gezwungen ist. Diese untergeordnete Existenz vermag der Jude nur deshalb zu ertragen, weil er seine persönliche Ehre geistig hoch hält Ein Volk, das tausendjährige Martyrien auf sich genommen hat, um zu existieren, kann nicht ehrlos sein. Der Gedankenaustausch in Nyon ist zweifellos von großer moralischer Bedeutung. Es ist zu hoffen, daß auch praktische Lösungen erzielt werden. S. R. Die Resolution In der Schlußsitzung der Stuuentenkonferenz in Nyon wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: Es bestehen heute in einer Anzahl von Hochschulen starke Spannungen zwischen jüdischen und nichtjüdlschen Studenten. Eine oberflächliche Betrachtung lediglich ihrer äußeren Erscheinungsformen, ohne ernsthafte Berücksichtung der zugrunde liegenden tieferen Ursachen, wird den Tatsachen nicht gerecht, Die für jeden Lösungsversuch notwendige klare Erkenntnis kann in jedem Lande nur auf dem Wege offener Erörterung in akademischen Formen gewonnen werden. Auf beiden Selten sind Gewalt und beleidigende Herabsetzung des Gegners als Mittel der Auseinandersetzung unbedingt abzulehnen. Außerdem wurde in der Konferenz beschlossen, ein Komitee von drei Juden und drei Nichtjuden zu schaffen, das sich mit der Frage des Antisemitismus in Verbindung mit der I. S. S. weiter zu beschäftigen hat. Wie wir erfahren, sprach im Namen der jüdischen Studentenschaft Wiens Herr Alexander Teich; seine Gegner in der Debatte waren zwei deutsche Studenten aus Wien. XVII. ZionistenkongreQ Das Bureau des XVU. Zionistenkongresses hat seine Arbeit unter der Leitung von Dr. Franz Kahn wieder aufgenommen. Es amtiert vorläufig ln Mährisch- Ostrau. Die Adresse lautet: Mor.-Ostrava, cechoslovakische Republik, Hviezdoslavova 20. lakob Landau, Präsident der L T. A. in Wien Wie wir erfahren, ist Mittwoch, den 22, d. M., der Präsident der Jüdischen Telegraphen-Agentur, Herr Jakob Landau, in Wien eingetroffen. Herr Landau wird einige Tage in Wien verbleiben. Die jüdische Nationalität bei der Volkszählung in Jugoslawien anerkannt Belgrad, 16. April. (J. T. A.) Bei der Volkszählung, die jetzt in ganz Jugoslawien durchgeführt wird, ist auch die jüdische Nationalität anerkannt. Das jüdische Blatt «Zidov» (Zagreb) fordert die Juden auf, die Rubrik «Nationalität» mit «jevrejska» (Jüdisch) auszufüllen. Die amtliche Weisung Uber diesen Punkt lautet: Jede Person kann frei erklären, welcher Nationalität und Muttersprache sie angehört. Die durchführenden Organe der Volkszählung dürfen in keiner Beziehung einen Druck ausüben. Pogrompropaganda im Fernen Osten Cbarbin. (J. T. A.) Seit einiger Zeit wird von einer geheimen Radlostation im Femen Osten, deren Standort in Shanghai vermutet wird, eine erbitterte Pogromhetze geführt Die Ueberfatletien von Ytdjur, Opfer einer Verwechslung? Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur mitteilt, dürfte das Geheimnis des Ueberfalls von Yadjuf ln wenigen Tagen seine Aufklärung finden. Die jüngsten polizeilichen Untersuchungen deuten darauf hin, daß das Verbrechen weder auf politische noch auf antisemitische Motive zurückzuführen ist, sondern daß die jüdischen Arbeiter durch Zufall die unschuldigen Opfer einer internen arabischen Fehde geworden sind. Ein Wiener Chaluz unter den Verwundeten von Jadjur Wie wir der palästinensischen Presse entnehmen, befindet sich unter den Verwundeten von Jadjur, die im Hadassahspital in Haifa untergebracht wurden, auch Israel E i s ikowitsch, ein Wiener Chaluz, der in den Jahren 1926 bis 1928 in Wien in Hachscharah gestanden ist und dann als tüchtig ausgebildeter Landwirt seine Aiijah angetreten hat. Er befand sich seither im Mcschek Jadjur, wo er dank seiner besonderen Fähigkeiten sich sehr beliebt machte und eine wichtige Position einnahm. Schon seit mehr als einem halben Jahr bemühte sich Eisikowitsch, in die Plugah des Kibbuz hameuchad in Kischon Lezion (auch der Meschek Jadjur gehört dem Kibbuz hameuchad) zu kommen, um zusammen mit den übrigen Wienern an dem Ausbau der Plugah mitxuwirken, doch konnte seinem Wunsche bisher nicht Rechnung getragen werden, da der Meschek ihn nicht entbehren kann. J-S. Besserung im Befinden der Verwundeten Jerusalem. 17. April. (J. T. A.) Von den bei dem Ueberfall bei Haifa verwundeten jüdischen Arbeitern und Arbeiterinnen sind Israel Eisikowitsch und Kreina Perszuk bereits so weit wiederhergestellt, daß sie aus dem Spital entlassen werden konnten. Auch der Zustand der beiden anderen Verwundeten, der Arbeiterinnen Braiia Hellman und Breina Halperin, bessert sich zusehends. Anfragen im Unterhaus über die Lage in Palästina London, 16. April. (J. V. A.) Im Unterhause fragte der Abgeordnete Colonel Howard Bury den Unterstaatssekretär für die Kolonien, Dr. Drummond Shiels, ob er eine Erklärung über die gegenwärtige Lage in Palästina und über den arabischen Boykott abgeben könne. Dr. Shiels erwiderte: Die Lage hat steh seit Ihrer vor etwa drei Wochen an mich gerichteten gleichen Frage nicht wesentlich verändert, ich freue mich, erklären zu können, daß, abgesehen von dem vereinzelten unglücklichen Zwischenfall in der Nähe von Haifa, die Dstertage, eine in Palästina immer gefährliche Zeit, ruhig vorübergegangen sind. Bezüglich des zweiten Teiles der Frage'bin icb rtfcht in' der Lage, meiner früheren Antwort etwas hinzuzufügen. Der palästinensische Lehrerstreik Jerusalem, 16. April. (J. 1, A.) Die Lehrerschaft Palästinas hat in einer Reihe von Städten Versammlungen abgehalten, um zur Streiklage Stellung zu nehmen, Vorläufig ist die Lehrerschaft noeh nicht entschlossen, der Forderung des Waad Leumi nach Wiedereröffnung der Schule zu entsprechen. In Jerusalem haben die Ejtern der Schulkinder ein Komitee gebildet, das in dem gegenwärtigen Konflikt zwischen der Lehrerschaft und der Exekutive der Jewish Agency vermitteln soll, ln Haifa und Kechoboth haben Versammlungen 8tattgeiunden, in denen gegen den Streik schärfster Protest erhoben wurde. Die Lehrerschaft von Jerusalem hat ln einer Versammlung den Standpunkt des Lehrerverbandes gebilligt und die Forderung nach einer weitgehenden Reduktion der Gehälter aller Angestellten der Jewish Agency autgestellt. Die Lehrerschaft von Haifa hat sich zwar dem Streik angeschlossen, jedoch ihr Bedsuern über den Streikbeschluß des Lehrerverbandes zum Ausdruck gebracht. Die Weltkonferenz des Brith Trumpeldor in Danzig Danzig (J. T. A.), Montag, den 13. April, wurde in Danzig die Weltkonferenz des Brith Trumpeldor eröffnet. In das Präsidium wurden gewählt: Köppel (Oesterreich), Adlri (Palästina), Kats (Litauen), Gold (Polen), Gläser (Danzig) und Vertreter aus Lemberg und Lettland. Das Mitglied der Exekutive Hoffmann erstattete den Bericht über die Tätigkeit und die Entwicklung des Weltverbandes. Delegierter Lubarski erstattete ein Referat über die Zukunftsaufgaben des Brith Trumpeldor, in dem er die Organisation als eine Verbindung von Schule und Armee bezeichncte, deren Ziel es sei, verantwortungsbewußte Bürger des Judenstaates heranzuziehen, die jederzeit zur Verteidigung ihres Landes bereit sind. Sodann erstattete der palästinensische Delegierte Schatz ein Referat über Fragen der Aiijah und Haganah. Der Redner kritisierte die Haltung der allgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation Palästinas, die die Politik der Zionistischen Exekutive unterstützt und so ein Zusammengehen mit dem revisionistischen Arbeiterverband unmöglich macht. Vladimir Jabotinsky hielt ein Referat Uber die Bedeutung der militärischen Hachscharah. Jabotinsky erinnerte daran, daß der palästinensische Brith Trumpeldor die ersten Instruktoren für die militärische Ausbildung gestellt hat. Gegenwärtig werde der Plan der Errichtung einer Zentralausbildungsstätte für Instruktoren durch den Keren Tel Chai erwogen. Wichtig sei die Erlernung aller Arten des Wehrsports. Im Betar erblickt der Referent die Avantgarde einer jüdischen Armee. Die Arbeit der erwachsenen Genossen müsse militärisch-erzieherischen Charakter tragen. Besondere Beachtung verdiene auch der Wassersport. Delegierter Katz (Litauen) hielt ein Referat über die Aufgabe des Tel Chai-Fonds als Instrument für den Schutz und die Verteidigung Erez Israels. Die von der Konferenz gefaßte politische Resolution hat folgenden Wortlaut: Die Brith Trumpeldor-Konferenz erblickt das Ziel des Zionismus in der Umwandlung Palästinas zu beiden Seiten des Jordan ln einen jüdischen Staat mit jüdischer Mehrheit. Die Aufgabe des Brith Trumpeldor besteht in der Organisierung der jüdischen Jugend und ihrer Erziehung zu Pionieren des Volkes beim Aufbau des Judenstaates in Palästina. Jedes Mitglied des Brith Trumpetdor ist verpflichtet, rieh jederzeit für eine Mobilisierung im Dienste des Aufbaues des Judenstaates und seines Schutzes den Befehlen des obersten Führers entsprechend bereit zu halten. Jedes männliche und weibliche Mitglied der Brith Trumpeidor-Bewegung hat sich zur Verteidigung des Palästina-Aufbaues und der jüdischen Niederlassungen in den Galuth-Ländern gegen jeden gewalttätigen judenfeindlichen Angriff bereit zu halten. Die Ole-Brith Trumpeldor haben sich in den ersten zwei Jahren nach ihrer Ankunft in Palästina als im Mobillsh ’gszustand befindlich zu betrat' und » zur Verfügung der ZentralWtung zu halten. Schließlich wufde die Gründung einer zentralen Schule fiir Sportinstruktoren beschlossen. Zum obersten Führer wurde einstimmig Vladimir Jabotinsky wiedergewäMt. Außerdem wurde eine aus neun Personen bestehende Exekutive mit dem Sitz in Paris eingesetzt. Nach einer Ansprache Vladimir Jabotinskys wurde die Konferenz am Mittwoch, den 15. April, spät abends geschlossen. In aller Kürze Im Untersuchungsgefängnis von Kaschau (C. 8. R.) sind 24 Jüdische Häftlinge mangels ritueller Verköstigung ln Hungerstreik getreten. Die üefängmsleitung will eine künstliche Ernährung der Häftlinge anordnen. Dem englischen Archäologen Garstang soll es gelungen sein, den Königspalast von Jericho aufzufinden. * In Trier wurde eine Kinderwandergruppe des jüdischen Jugendbundeg, die von einem Ausflug zurückkehrte, von Nationalsozialisten tätlich angegriffen. # Das Gericht von Dnjepropetrowsk hat nach zehntägiger Verhandlung zehn Mitglieder des ukrain^-hen Getreidetrusts, - darunter drei luden, wegen Veruntreuung von .Getreide zum Tode verurteilt. ln Suczaweni (Rumänien) ist ee zu antisemitischen Ausschreitungen cuzistischer Bauern gekommen. Zu Ehren Dr. Weizmanns veranstalteten die zionistischen Vereinigungen der englischen Provinz am 18. April in Manchester ein Bankett. Der kürzlich verstorbene New Yorker Kaufmann Colonel Michael Friedsam hat für jüdische und nichtjüdische Wohlfahrtszwecke je 60.000 Dollars hinterlassen. Das Rothschild-Bankhaus ln Frankfurt a. Main Ist in ein Museum für jüdische Altertümer umgewandelt worden. * Die Budgetkonimission des lettischen Parlaments hat beschlossen, die jüdischen Ackerbauschulen in Lettland mit 10.000 Lat zu subventionieren, ln Warschau wurde in der Kanzlei der Großen Synagoge ein Einbruchsdiebstahl verübt: die Diebe erbeuteten eine größere Summe Geldes, die Tempelgeräte Jedoch blieben unberührt. ln Berlin verstarb im Alter von 75 Jahren der Professor für alte Geschichte an der Berliner Universität, Prof. Hermann Dessau. - Das revisionistische Zentralkomitee hat allen palästinensischen Revisionisten aufgetragen, sich als Mitglieder der <nesseth Israel eintragen zu lassen, obwohl die Revisionisten im Waad Leumi nicht mehr vertreten sind. * Auf dem Berge Karmel soll demnächst eine Konferenz von 19 katholischen Bischöfen, die bereits ln Haifa eingetroffen sind, eröffnet werden. Am!ö. April hat der Erzbischof von Canterbury die Kirche des Heiligen Grabes in Jerusalem besucht. * Zum Protest dagegen, daß der Danzlger Senat eine Reihe von Gewalttaten gegen polnische Bürger und viele Hakenkreuzlerausschreitungen ungesühnt Heß, ist der polnische Generalkommissär Straßburger von seinem Posten zurückgetreten. ♦ Wegen kommunistischer Propaganda anläßlich der letzten Wahlen zur Assafath Haniwcharim wurden in Tel- Aviv zehn Juden zu Gefängnisstrafen von zwei bis sechs Monaten verurteilt.

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