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Die Stimme · 1931-04-23 · Heft 172 (23.4.1931) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 172 (23.4.1931)
Date
1931-04-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seit# t DIE STIMME Nr. 172 — 23. April t&31 1. Der maßgebendste Teil der Exekutive der Jewish Agency — die Zionistische Exekutive — wurde auf dem 16. Kongreß gewählt, der seine Beratungen noch vor den im August 1029 in Palästina stattgefundenen Ereignissen abschloß. Diese Ereignisse.und die darauffolgenden Handlungen der Mandatarniacht haben in den zionistischen Massen eine neue Stimmung hervorgerufen, die von derjenigen des 16. Kongresses grundsätzlich verschieden ist. Unter solchen Umständen kann die gegenwärtige Zionistische Exekutive keinesfalls als Repräsentantin dieser veränderten Stimmung gelten. 2. Für die überwiegende Mehrheit der zionistischen Bewegung ist jede Verständigung mit der Regierung der Mandatarmacht auf der Basis des Weißbuches vom Oktober 1930, das von der Regierung nach wie vor als das «dominierende Dokument» bezeichnet wird, unannehmbar. 3. Der siebzehnte Zionistenkongreß, der im Juni dieses Jahres zusammentreten wird, ist einzig und allein berechtigt, die Politik zu bestimmen und die Richtlinien zu weisen, welche die zukünftige politische Aktivität der zionistischen Organisation zu verfolgen hat. 4. Die weiteren Verhandlungen zwischen der Regierung der Mandatarmacht und der Exekutive der Jewish Agency-in ihrem gegenwärtigen Bestände müssen deshalb bis zum Zusammentreten des 17. Zionistenkongresses als unwirksam, gegenstands- und zwecklos betrachtet werden. 5. Unter diesen Umständen erklärt das Exekutivkomitee der Weltunion der Zionisten-Revisionisten, daß Am 11. April fand im Savoy-Hotel zu London ein von der Zionistischen Organisation veranstalteter Festabend zu Ehren des Führers der liberalen Partei, David Lloyd George, der bekanntlich der Chef des Kabinetts war, das die Balfour-Deklaration erließ, statt, In dem großen Saal des Savoy-Hoteis hatten sich über 600 geladene Gäste versammelt, unter ihnen .die Führer des politischen und gesellschaft-. liehen Lebens Englands. Den Vorsitz führte Dr. Chaim W e i z m a n n. ln seiner Eröffnungsrede führte er aus: Im Verlauf der letzten zwei Jahre sind über Palästina und die zionistische Politik eine Reihe vielfarbiger Bücher herausgegeber worden. Wir wurden geprüft und analysiert, wie kaum jemals ein Volk geprüft und analysiert wurde. Ich komme soeben aus Palästina, wo ich mich davon überzeugen konnte, daß außerhalb des Landes die Probleme viel schwerer genommen werden als in Palästina selbst. Die nächste und wichtigste Aufgabe ist, die politischen Diskussionen auf ein geringes. Maß zu reduzieren und größeres Gewicht auf die praktische Arbeit zu iegen. Durch rastlose Arbeit am Aufbau Palästinas wird das jüdische Volk am besten seine Dankbarkeit für Lloyd George, dem es zu einem großen Teil die Möglichkeit der Wiedererrichtung einer nationalen Heimstätte verdankt, zum Ausdruck bringen. Eine zweite Rede hielt Sir Herbert Samuel, worin er Lloyd Georges Verdienste um den Zionismus würdigte. Lloyd Georges Rede Den Höhepunkt des Abends bildete die Rede des Ehrengastes Lloyd George, der unter —Hp-em ausführte: Ich kann die Dankbarkeit für die mir durch Verknüpfung meines Namens mit einer Kolonie im Tale Jezreel zuteil gewordene Ehrung kaum durch Worte ausdrücken. Vor elf Jahren wurde in San Remo das Palästina-Mandat England übertragen. Damals war Palästina kein Heim für irgendein Volk, sondern eine Ruine, bestenfalls war es der Platz für ein Helm. Ein Land, das einst fünf Millionen reichlich ernährt hatte, konnte nunmehr einer Bevölkerung von weniger "mwmwmmmwwmmwmwmmwwmwwwwmmmmwm Denket an die Krawalle an der Handelshochschule! unentgeltliche** Stellenvermittlung I der Hekoah Wer ausgebildete«. tüchtiges und diszipliniertes Personal aller Art und aller Branchen braucht, wende eich an die HAKOAH,!., Wleslngerstr. 11 / Tel. R.25«0-10 Mitteilungen der Redaktion In unserer letzten Nummer ist ein bedauern«:,ics Versehen vorgefallen. Im Kopf der Zeitung wurde das Datum falsch angegeben. Es sollte natürlich nicht 2. April — 15. Nissan — Nr. 170 —, sondern 16. April — 29. Nissan — Nr. 172 heißen, wie Im Innern des Blattes. Infolge einer Menge aktuellen Materials konnten wir ln diesem Monat bisher unsere gewöhnlichen Beilagen (Frau, Jugend, Technik und Wirtschaft) nicht erscheinen lassen. In unserer nächsten Nummer wird die Frauenbeilage erscheinen. sowohl die gegenwärtigen Verhandlungen als auch irgend welche darauf folgenden Vereinbarungen nicht als bindend und verpflichtend für die Zionistische Organisation oder für den Weltverband der Zionisten- Revisionisten, der einer ihrer Bestandteile ist, betrachtet werden können. Die Revisionisten gegen die' Verhandlungen London, 18. April (J. T. A.) Die Revisionistische Exekutive sendete an die Zionistische Exekutive und an die britische Regierung eine Resolution, in der sie gegen die Erneuerung der Verhandlungen mit der britischen Regierung protestiert. Die Revisionistische Exekutive behauptet, die Exekutive der Jewish Agency habe kein Recht, diese Verhandlungen zu führen. Weder der Kongreß, noch die Revisionisten werden diese Verhandlungen anerkennen. als einer Million kaum den ärmlichsten Unterhalt bieten. Der Zionismus, der in ein ruhmreiches, aber zugrundegerichtetes altes Land neuen Reichtum, neue Energie, neue Initiative, neue Intelligenz, eine neue Hingabe und eine neue Hoffnung gebracht hat, ist zwar weit davon entfernt, seine Aufgabe vollendet zu haben, aber er hat durch seine bisherigen Leistungen gezeigt, daß das Wort von dem Lande, das von Milch und Honig fließt, keine unbegründete Legende ist. Es hat auch Unruhen und Unheil gegeben. Wenn aber* das Judentum wegen der jüngsten Enttäuschungen aufhören sollte^ mit erneuter Kraft und Opferwilligkeit an seinem Werke zu bauen, wäre es unwürdig seiner großen Vergangenheit. Ein Volk, das mehr Verfolgungen als jedes andere erlitten und seine Zuversicht doch nicht verloren hat, macht wegen eines abscheulichen feigen Aufruhrs nicht kehrt. Auch die Mandatarmacht muß ihre Aufgaben treu und entschlossen erfüllen. Die infolge des Weißbuches entstandenen Zweifel wurden durch den Briefwechsel zwischen dem Ministerpräsidenten und Dr. Weizmann behoben. Das Mandat hat die Rechte aller Einwohner des Landes zu berücksichtigen, gleichzeitig aber jene von vierzig zivilisierten Nationen angenommene Politik zu verfolgen, durch die die Errichtung eines j Jüdischen Nationalheims in jeder Weise erleich- | tert werden soll. Oberste Pflicht einer Regierung 1 ist es, Leben und Eigentum aller Bürger ohne Unterschied von Rasse oder Glauben zu schützen. Versagt sie in der Erfüllung dieser elementaren Pflicht, so hat sie nicht das Recht, den Platz einer Regierung einzunehmen. Der Jude in Tel Aviv hat ebensoviel Anspruch auf Schutz wie der Mohammedaner in Cawnpore. Die Palästinaregierung hat sich anläßlich der letzten Unruhen damit entschuldigt, daß sie überrascht worden sei. Die größte Ueberraschung ist wohl die, daß eine solche Entschuldigung vorgebracht werden konnte. Das Ueberraschungsmoment darf nicht länger zur Entschuldigung für ein Versagen be* dieser primären Aufgabe einer Regierung herangezogen werden. Niemals war die Rede von einer Ungerechtigkeit gegenüber Mohammedanern oder Christen. In Palästina ist genügend Raum für ein Jüdisches Nationalheim, ohne daß irgendeiner seiner jetzigen Bewohner oder dessen Kinder heimatlos gemacht werden müssen. Die Juden haben zweifellos einen besonderen Anspruch auf Kanaan. Sie sind die einzigen, die in dem Lande während der letzten dreitausend Jahre erfolgreich gearbeitet haben. Und sie haben als Volk nie eine andere Heimat gehabt. Die Menschen, die der Zionismus in Palästina sammelt, kommen aus allen Tellen der Welt, Sie kommen, bereichert durch die Berührung mit allen nationalen Kulturen der Welt, so daß wir von dem zllhistischen Experiment nicht nur für Palästina, sondern für alle Länder, nicht nur für die Kinder Israels, sondern für alle Menschenkinder Großes erwarten können. Angell, Snowden, Sokolow Der Abgeordnete der Labour-Party, Sir Norman A n g e 11, wies, nachdem er die persönlichen Qualitäten Lloyd Georges in eindrucksvollen Worten gewürdigt hatte, auf die Schuld der Nichtjuden gegenüber den Juden hin. Die nichtjüdische Welt sei zu einer Wiedergutmachung am jüdischen Volk verpflichtet. Die Juden haben für ihr Nationalheim nicht die Unabhängigkeit verlangt, sie forderten eine zivilisierte und unparteiische Regierung, unter der ihre Gemeinschaft und ihre besonderen kulturellen Traditionen und Fähigkeiten Seite an Seite neben denen der anderen Bevölkerungsteile sic' frei entwickeln können. Die Regierung Palästinas ist weder eine britische Regierung, noch eine jüdische Regierung, noch eine arabische Regierung: sie ist Regierung schlechthin; eine «internationale» Regierung, wenn man ihr überhaupt ein Attribut gc’^en will. Mrs. Snowden forderte die allzu ungeduldige zionistische Jugend auf, Vertrauen zu den Freunden der zionistischen Bewegung innerhalb der Regierung zu haben. Der Palästina-Aufbau dürfe nicht überstürzt werden. Als letzter Redner sprach der Präsident der Zionistischen Exekutive, Nahum Sokolow, der dem Ehrengast namens des Jüdischen Nationalheims den Tribut der Bewunderung und Dankbarkeit darbrachte. Erez Israel, führte Sokolow aus, steht in Lloyd Georges Schuld, der die Sache der Erneuerung des Landes durch seine eifrigen Bemühungen gefördert hat. Das jüdische Volk ehrt in ihm einen der großen und weitsichtigen Staatsmänner unseres Zeitalters, der aufrichtig die Wiedergutmachung jahrhundertelangen Unrechts und die Gleichstellung Israels mit den anderen Nationen gewünscht hat. Die «Magna Charta» der jüdischen Nation, die Balfour- Deklaration, ist mit durch die Initiative und Arbeit Lloyd Georges zustande gekommen. In Verbindung mit dem Namen James Arthur Balfours hat darum T'auch sein Name Unsterblichkeit erlangt. Der Grund* gedanke des Jüdischen Nationalheims ist der, daß das jüdische Volk fähig ist, wertvolle Pionierdienste für die menschliche Zivilisation zu leisten. Wesentlich ist die Qualität der Arbeit des Jüdischen Nationalheims. Mögen ihm auch Grenzen gesetzt sein, so wird das Leben in ihm doch die Möglichkeit zu einer vollständigen Entwicklung des Heims bieten. Durch Kultivierung aller jüdischen Anlagen soll der beste und ursprünglichste jüdische Typus geschaffen werden- Das letzte Ziel des Jüdischen Nationalheims ist volles menschliches iind nationales Lebert der Juden/ Eine jüdische Farm in Erez Israel spornt die moralische Energie der Juden stärker an als irgendeine Unternehmung in der Diaspor. Sie ist ein Symbol' der Wiedergeburt, ein Zeugnis der Lebenskraft, ein Protest, und zwar der einzige würdige und beredte Protest gegen den Antisemitismus. Darum bildet die Landwirtschaft ein Hauptziel des Jüdischen Nationalheims. Darum begrüßt das Jüdische ■ .Natiftt. nalheim freudig die wunderbare Idee, den heutigen Ehrengast durch die Gründung einer neuen landwirtschaftlichen Siedlung «Kfar David» zu ehren. Für den Fonds der neuen Kolonie wurden auf . dem Bankett 2000 Pfund gezeichnet. Zahlreiche Begrüßungsschreiben jüdischer Organisationen und Persönlichkeiten der ganzen Welt waren eingelaufen. Colonel Kisch hat der Jüdischen Telegraphen- Agentur folgende Botschaft zur Veröffentlichung übergeben, die er namens der palästinensischen Exekutive der Jewish Agency an die Londoner Festversammlung gerichtet nat: Die Exekutive der Jewish Agency vereinigt sich mit den Juden ganz Palästinas zu einer Huldigung für Lloyd George, dessen die palästinensische Judenheit als des Premiers, unter dem die Balfour-Deklaration erlassen wurde, stets dankbar gedenken und dessen Name mit dem wachsenden Leben, das in Ramad David erblühen soll, dauernd verknüpft sein wird. (J. T, A.) Die Reise des Herrn Dr. Oskar Grün* bäum nach Belgrad Während der Pesacbfelertagc wellte der Präsident des Zionistischen Landeskomitees, Herr Dr. Oskar Grünbaum, in Belgrad, wo er auf Einladung der Belgrader zionistischen Organisation im Jüdischen Haus einen Vortrag über die politische Lage hielt. An* läßlich seines Aufenthaltes wurde Dr. Grünbaum vom Minister des königlichen Hofes, Jeftlc, empfangen. ^mwMwmmwwwawamwwwmmmmwmmwwmim HröffnunäsanzeiiteT Selchwaren Restaurant I WM mi eig. Erzeugung, beste Qualitäten Wien, 2. Bezirk, Glockengasse Nr. lt PI. Brükner & Co. Unsere Fabrik steht unter ritueller Aufsicht des .rtan q«?a ornnn ne*i jrta N.pvjtt nana noi’ Proklamierung einer Lloyd George- Kolonie Große Reden von Prof. Weizmann und Lloyd George Wir haben in unserer letzten Nummer kurz über über das Londoner Bankett, auf dem die Lloyd Gcorge-Kolonie proklamiert wurde, berichtet. Nachstehend bringen wir einen ausführlichen Bericht über die dort gehaltenen bedeutsamen Reden.

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