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Die Stimme · 1931-04-09 · Heft 171 (9.4.1931) · page 15

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 171 (9.4.1931)
Date
1931-04-09
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Ml 1931 DIE STIMME Seite 15 Jtus affet Wett DI« Juden eie Mathematiker : Es wird oit behauptet, daß die Juden in der abstrakten Mathematik bisher nichts geleistet hätten. Einstein sei eine Ausnahme. Das ist jedoch unrichtig. Schon in den talmudischen Zeiten beschäftigten sich Tanairn und Amoraim mit mathematischen Problemen. In der arabischen Periode ,(7. und 8. Jahrhundert) gab es hervorragende jüdische Mathematiker, z. w Marschallah, Ibn Hari, Sind ben Ali und Al Tabari. Das Studium der Algebra und Arithmetik wurde auch in der Folgezeit bei den Juden gepflegt. Im 18. Jahrhundert war . der. berühmteste jüdische Mathematiker Elijah von Wilna (1720—1787), außerdem gab es zu dieser Zeit mehr als hundert jüdische Mathematiker, die sich durch ihre Studien .auf dem Gebiete der abstrakten Mathematik einen Namen machten. Im 19. Jahrhundert gab es eine große Reihe Jüdischer Mathematiker.. So war Karl Wilhelm Borchart (1817— 1880) Herausgeber der «Zeitschrift für reine und angewandte Mathematik». Ueorg Kantor lehrte Mathematik an der Universität in Halle, seit. 1879 an der Heidelberger Universität, Leopold Kronicker (1823—1891) an der Berliner Universität, Hermann Schapiro an der Universität von Heidelberg, wo auch Georg Landsberg Mathematik lehrte. In Bonn lehrten jViathcmatik August Beet, Rudolf Lipschltz und Ludwig Schlesinger, in Wien üustäv Kohn, in Königsberg I. J. Saalschutz, in Bukarest David Ematiuel, in Berlin Immanuel Lazarus Fuchs. Viele von ihnen gaben auch Zeitschriften und Werke über abstrakte Mathematik heraus. Diese Namensliste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Namen von Chaim Selig Slonimsky und Ljpman Lipman sind in Rußland .wohlbekannt. Luigi Cremona und Volterra sind hervorragende Mathematiker, die in Italien lehrert; in Schweden lehrt Robert Rubcnsson, in Frankreich Maurlde Levy und Hadamard Halphen, In England James Josef Sylvester, in New York City Juda L. Soßnitz. Man sieht also, daß die Juden auch auf dem Gebiet der abstrakten Mathematik ihren Mann stellen. Tarn. Die Juden und die vertriebenen Sauburger Ith Jährj» 1732 wurden die protestantischen Salzburger •vertrieben. Es ist wenig bekannt; daß sich auch Juden der Vertriebenen hilfreich ännahmen. ln der Darstellung, die .; Göcking schon 1734 den -Schicksalen der Salzburger gewidmet hat, wird über die Juden berichtet:- V;, «Die erste Begegnung zwischen den nach Preußen -'..v^Yftndejai.d.eh §a)zburgern ynd .Juden . fand im Dorfe Klein- MNördlihgen statt. Dort -hatten die katholischen Einwohner den , Eimer vom Brunnen entfernt. Die dortigen Juden aber :'.fülitten die Verbannten zum jüdischen Brunnen des Dorfes, bewirteten sie noch außerdem und beschenkten sie mit Geld. Die Juden in Gunzenhaujsen waren selbst blutarm, brachten aber doch 2 Reichstaler für die Vertriebenen zusammen. In Regensburg erbot sich der Jude Salomon, 20 Salzburger; zü verpflegen. Die Halberstadter Juden spendeten 150 Taler .und in der Synagoge würde der Bann allen Juden angedroht, die an die Flüchtigen Waren nicht zum Selbstkosten- <: preise verkaufen sollten. Aehnliche Beispiele erzählt " Göcking' vonr den-Berliner, Bamberger und Königsberger Juden und er sagt: «Kurz, allenthalben, wo Juden wohnten, . . erwiesen sie den Flüchtigen alle Liebe». — Wieviele von diesen- Flüchtlingen dürften die Ahnen deutscher Haken- ‘ kr'euzler sein? Tarn. i Kirchen und Synagogen In Berlin Anläßlich der Einführung einer Kopfsteuer seitens der evangelischen Synode zu Berlin gibt das «Berliner Tageblatt» . ‘ einen Ueberblick über die Zahl der Angehörigen der einzelne^ Konfessionen ln Berlin sowie über die Zahl der Gotteshäuser und kirchlichen Versammlungsräume. Bei insgesamt , 3.2 Millionen, die zum evangelischen Bekenntnis zählen, hat 'die evangelische Landeskirche in Groß-Berlin 180 Kirchen, 65 Kapellen Und 161 sonstige Versammlungsräume. Die Zalti der Pfarrer beträgt in ganz Berlin 427 Die römisch-katholische K.rche zählt 440.000 Mitglieder, die sich auf 62 Pfar- . reien und Fihalbezirke mit 200 Geistlichen usw. verteilen. Die jüdische Gemeinde als drittgrößtes Religionsbekenntnis zählt t ei rund i70.000 Mitgliedern 14 Synagogen mit 36 Rabbinern. Die Übrigen Religionsgemeinschaften in Groß-Berlin verfügen über 145 Kirchen bezw. Kapellen und Versammjvingsräume. Ohne Religionsbekenntnis sind rund 290.000 t* Personen. .. . Eine amerikanische Karriere ‘ Der Präsident der Vereinigten Staaten hat den Richter; . Ifarry Äs. Hoilzer in Los Angeles zum Richter am Obersten Bundesgerichtshof für Kalifornien ernannt. Hoilzer, der ein < .führendes Mitglied der Bnai Brith-Logen in Kalifornien und . Mitglied der Jewish Agency ist, blickt aut eine typisch amerikanische Laufbahn zurück. Er wurde 1880 geboren, verlor ’ im Knabenalter die Elterh und trieb sich ln den Straßen ’ San Franziskos unterstandslos herum. Schließlich wurde er in einem jüdischen Waisenhaus aufgenommen, wo er die erste »"hulblldung erhielt. Im Waisenhaus bekam er den Spitznamen «Richter», well er schon damals erfolgreich Streitigkeiten zwischen seinen Altersgenossen zu schlichten verstand. Unter großen Entbehrungen besuchte Hoilzer die Universität. Das Kollegiengeld und den Unterhalt verdiente er als Musiker und als Hausierer mit Büchern. Nach Absolvierung der Universität wandte er sich zunächst dem Berufe eines Rechtsanwaltes zu, dann dem Richterstande. Seit 1926 war er Richter am kalifornischen Gerichtshof. Jetzt wurde er an den Obersten Gerichtshof berufen. Hollzers Lebensphilosophie ergibt sich aus seinen folgenden Aeußcrungen: «Es gibt heute mehr als jemals In der Oeschlchte Gelegenheiten für einen jungen Menschen, vorwärtszukommen ... Der wirkliche Erfolg wird niemandem auf einer Silberplatte dargeboten... Nur die harte Schule der Entbehrungen hilft dir, die Feuerprobe im Leben zu bestehen, nur sie gibt dir den unerschütterlichen Glauben an dich selbst.» Der Jud:n’res$er von Wien In dem Werke «Wiener Parnaß vom Jahre 1848», das im Jahre 1903 von Helfert herausgegeben wurde, ist ein Gedicht enthalten, das im Jahre 1848 im «Humorist» erschienen war. Der Titel lautet: «Der Judenfresser von Wien». Der längst vergessene Autor heißt J. P. Lyser. Die Strophen sind heute noch so aktuell, daß wir sie unseren Lesern bringen wollen: Ich bin der große Judenfresser! Nicht Rost- und Beefsteak schmecken besser, Als wenn ein JUdlein man verschlingt, Darauf ’nen Sübowitz noch trinkt. Und wär’ es noch so borstig, strutzig, Nach Knoblauch duftend, zäh und hari Ich fress’ es doch mit Haut und Bart. Zugleich ist auch der Judenfresser Ein großer «Alles-Mache Besser»! Und traun, so wütend kaiserlich Ist selbst der Kaiser nicht als ich. Ich träume nur vom Alarmieren 1 Ich schwärme nur fürs Leut’ einführen ’ Und Galgen, Rad an alt und jung Hab ich mein Lebtag nie genung. Und endlich ist der Judenfresser Ein göttlicher Taleht-Zumesserf Der, weil ihm keines estimiert, Voll Grimm polit’sche Fabeln schmiert. Auch faselt er in alten Kreisen Von «Fremden», welche- «auszuweisen*. Und bildet alles sich drauf ein: Wiens größter Fabelheid zu sein. Goethe Ober die 3uden Die Antisemiten gefallen sich bekanntlich darin, alle Meeschen von Bedeutung, die irgendeinmal eine abfällige AeuBerung über das Judentum machten, als Antisemiten zu deklarieren. So wird auch Uotthe, der in seinen jüngeren Jahren, wie zum Beispiel aus seinem «Jahrmarkt zu Plunffqrsweilen» hervorgeht, antisemitische AeulWungen machte, als Antisemit bezeichnet. Wie Goethe in seinen reiferen Jahren dachte, geht aus einem 1899 von W. Bode herausgegebenen Werkchen hervor, das den Titel führt: «Meine Religion. Mein politischer Glaube. Zwei vertrauliche Reden von J. W. von Goethe.» Dort sagte Goethe: «Ich war gegen unser neues Judengesetz, das die Heirat zwischen beiden Glaubcnsverwandten gestattet; ich meine, der Generalsuperintendant müsse eher sein Amt niederlegen, als daß er die Trauung einer Jüdin im Namen der heiligen Dreifaltigkeit dulde; jede Verachtung der religiösen Gefühle Im Volke bringt Unheil. Aber ich hasse die Juden nicht. Was sich in meiner früheren Jugend als Abscheu gegen die Juden in nrir regte, war mehr Scheu vor dem Rätselhaften, vor dem Unschönen. Meine Verachtung, die sich wohl zu regen pflegte, war mehr der Reflex der mich umgebenden christlichen Männer und Frauen. Erst später, a’s ich viele geistbegabte, feinfühlige Männer dieses Stammes kennen lernte, gesellte sich Achtung zu der Bewunderung, die ich für das bibelschöpferische Volk hege und für den Dichter, der das hohe Liebeslied gesungen.» Ausgrabung von AlferlQmern Bei den Reparaturen der üeburtskirche in Bethlehem sind Ueberreste historischer Bauten aus dem zwölften Jahrhundert entdeckt worden Die Ausgrabungen, die von Prof. F. Garstang in Alt-Jericho durchgeführt werden, haben neue wertvolle Funde, darunter die Nachbi düng eines Wolfskopfes in Elfenbein, und tönerne Ge äße zutage gebracht Auch die Ausgrabungen in Ramath Rachel, dem neuen Siedlungspunkte des Keren Hajessod südlich von Jerusalem, die unter Leitung von D. Maisler vor sich gehen, haben weitere interessante Ergebnisse gebracht. Außer den bereits gemeldeten Ossuarien sind wertvolle Keramiken, Krüge und die bei Gräberfunden im Orient häufig ftngetroffenen flhsfläschchen zutage gefördert worden. Die Funde werden zurzeit in einem Raum des neuen Siedlungsgebäudes aufbewahrt. Schadchen II der ln besseren jüdischen Kreisen vot» || kehrt, gesucht. Unter „Seriös 3596“ an || die Administration dieses Blattes. Soeben neu erschienen: HAGGADAH Prachtausgabe mit deutscher Uber« Setzung und 14 herrlichen Bildern Geleitwort: Prot. Dr. Jaxob Bronner Gioßtormat, feinste Ausstattung, senön gebunden 5 5.— Buchhandiung iOSEf BELF» Wien, I. RnbeMteig S KJiotoioioioiOioioeozoECU 2 Wenn 3Innen unser 2 t&latt äetällt. Q empiehien Sie es. bitte, bet leset Gelegenheit alten Ihren Freunden n und Bekanntem Geben Sie uns j Adressen an, an die wir Probe» 0 nummern unterer Zeitung ab- _ senden können. _ j§ ■sioaoioio.oioioioioioiol GroBfleischnauerei SIEGM. KORNMEHL Zentrale »X. Bergt»asse IV, lei. A iz-d-sbu. A 16-9-34 Lleier»n» tür ttHlanstnMen Abteilungen tür lE’n-Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigei. rfaobinat» der Israelitischen Kutusvemelnde Wien 4 uiozunlellunfj . omen.o« IX. Berwpass? »■ XV»I Währin^erotraBe AT Alleinige Anzeigenannahme für «Die Stimme» Wien, 1., Schuleratraße 21 j7kht ausdrücklich abbesttlltc Abonnements gelten als Verlängert! jüdischer Malender April 1931 Nissan 5691 3 Freitag 4|Z Zwaltar 'm lö» PuiJk 4 Samstag 17. HibWirUf 3 Sonntag 18» HilbWwill 6 Montag 10, j» Dienstag 20» Halbf«l»rtff 1 8 Mittwoch 9*1 Stob.ni*r tu 4»* Pein*!9 Donnerstag 22. **y.l'.a, Jeder Zionist verlangt im Kaffeehaus sein Parteiorgan „Din Stimme" lOaOUDBO

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