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Die Stimme · 1931-04-09 · Heft 171 (9.4.1931) · page 13

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 171 (9.4.1931)
Date
1931-04-09
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nf. 170 — 2. April! . jl zionistisches Leb Die Arbeit des Keren Kajemeth Versicherungen zugunsten des Keren Kajemeth. Die Versichcrungsabteiiung des Kerer, Kajemeth fr*.* eine Aktion eingeleitet, die bezweckt, Versicherungen z^'gii.iRL’i r!>s K°ren IC' '.madi d.urchzufü'iren, und zwar au* folgender Grundl?gc; Im Erlebensfälle fällt die versicherte Summe ganz dem Keren Kajemeth ZU, im AbJebensfaüe die ei.'ie Hälfte den Erben des Versicherten, die andere Hälfte dem Keren Kajemeth. Durch diese Aktion sollen dem Keren Kajemetli neben den Spenden neue AAittel zum Zwecke der Ausdehnung des jüdischen Bodenbesitzes für die jüdische Kolonisation zufließen. Schon nach drei Jahren erhält der Keren Kajemeth gegen minimale Zinsen 65 Prozent der cingerahlte*’ Prämien iv ner freien Verfügung. B i s h e r haben 43 Personen Versicherungen auf Insgesamt *» 58.000 abgeschlossen, Erez Israel In Zahlen. Da* vom Hauplbtireau des Keren Kajemeth lKiausgegebene statistische Büchlein, welches alle wesentlichen Daten des heutigen Jischuw enthält, und zwar in Zahlen, in Text sowie ln graphischen Darstellungen, ist im Keren-Kajemeth-Burcau, I., Kärntnerstrr.ße 28, gebunden zum Preise von S 2.~ erhältlich. Das neue Buch von Granowsky «Die Bodenfrage und der jüdische Aufbau Palästinas», das sich auch in glänzender Weise mit dem Simpson-Bericht auseinandersetzt, Ist Im Keren- Kajemeth-Bureau zum Preise von S 5.50 erhältlich. Neue Lanoar-Hefte. An neuen Heften sind erschienen: «G o 1 a t h T e j m a n» von A. Tablb, eine glänzende Darstellung des Kulturlebens der jemenitischen Judenheit. Weiters «N a c h I a t h J e h u d a», die Geschichte und Entwicklung einer jemenetischen Siedlung in Palästina. Diese Hefte, sowie die anderen bereits erschienenen Hefte sind zum Preise von S 1.50 pro Nummer!m Keren-Kajemeth-Bureau erhältlich. An alle unserer Bewegung nahestehenden jungen Frauen und Mädchen richten wjr daher die herzlichste Aufforderung zum Beitritt zur Jung-Wizo. Wer an der Pflege jüdischer Kultur utid Geselligkeit mitarbeiten will, zögere nicht, sich uns anzuschließen. Anmeldungen nimmt Frau Dr. Amalie Kantor, Wiao, V., Ramperstorferstraße 14/19, Tel. A-37-8-48, Frau Hansi Kohn, Vl„ Wcbgnsse 12, Tel. B-20-700, Fräulein Rosa Wahl, XX., Rafaelgasse I, Tel. A-45-206, entgegen. Pr. Amalie Kantor. Hebräiscfi-Zl'kel am CHajes-Real» gymnasium Bescheiden und im Stillen wird im Chajes-Realgymnnslum fruchtbare hebräische Arbeit geleistet. Einige Schüler der Obendassen haben sich zu einem Chug-Iwri zusammengetan. Was sich nicht im Lehrplan unter!,. >igen läßt, wird in den Abendstunden in enger Zusammenarbeit zwischen Professoren und Schülern gepflegt. So gibt es neben dem Chug- Iwri ein Seminar für jüdische Geschichte und Palästinakunde. Und nun zum Chug-Iwri. Mit einem Neschef haben wir zu Simchatl) Thora unsere Arbeit begonnen und Erew Pessach haben wir sie beendet. Rückblickend können wir sagen, daß diese unsere Arbeit nicht vergeblich war. Als kleine Gruppe Haben wir unter Leitung des Herrn Professors llorowit/. J'ii'-efniigen und mit (ieiiu'-tiliMT’ konnten wir leststellen, daß unser Kreis dem Chug-Iwri die ganze Zeit hindurch treu bliub Wir hatten Gelegenheit, hebräische Vorträge des Herrn Dr. Tartnkower, der Scliomerführer Galili und Chnsan zu hören. Ferner sprachen bei uns Herr Direktor Kellner, Professor Kästcnbaum und natürlich die Mitglieder des Chyg-Jwri, Den Referaten, die zumeist zionistische Themen behandelten, folgten Diskussionen, durch die uns immer mehr d.as Hebräische zur Umgangssprache wurde. Einige Neschafim, hebräische Lieder und Tänze, die j’edesmal unsere Zusammenkünfte schließen, verliehen dem Chug- Iwri das Gepräge einer intimen Gemeinschaft. Ankündigungen und Mitteilungen Organisation zionistischer . Frauen Oesterreichs. Am 19. April d. J. findet um 3% Uhr abends in den Räumen des Kursalons anläßlich des zehnjährigen Bestandes der WIZO eine Jubiläumsfeier statt. Nach einer Ansprache von Frau Dr. Martha Hofmann wird Frau Dr. Lotte Hanemann aus lerusalem über das Palästina-Frauenwerk referieren. An der Veranstaltung wirken auch hervoragende jüdische Künstler mit. Karten sind bei Frau Sabine Paßweg, IX., Schfickgass« Nr. 5, Tel. A-11-1-34 und den iiczirksiciterinnen erhältlich. Histadruih Iwrith, ll., Kl. Mohrengasse 3. Samstag, Sonntag und Montag V-'eiuuth haiwrim. Seminare entfallen. «Mosnaim» und «Ketuwim» erhältlich: Zeitungskioske L, Sciioucnring, beim Bankverein und bei 38er Wagen^ciilcife, Opernring vis-A-vis Operncafö, Tabaktrafik I!., Praterstraße Nr. 11, Zeitungskioske Taborstraße, beim Cafö National, XX., Wallensteinplatz. Pie Festpredigt des Herrn Rabbiner Ahron Jeruchem ,e.. Bcthnusc «Machsike Torah», IV., Wicdner Hauptstraße 83, findet am Achron scliel Pessach (9. April) bei dem um ’äjQ Uhr beginnenden Morgengottesdienste statt. Fusion rOiaUknhf —Pfadflnrl-’rlmr-’ <?Zirenu». Von dem Gedanken ausgehend, daß jeglich« Zersplitterung inue.iiulb des Monismus nur schädlich wirkt und die Konzentration alle» Kräfte liir den Zionismus eine Forderung der jetzigen Lage ist, haben die Führerschaften der lugendbünde «Mnkknm-Hnzair» und «Zirenu» beschlossen, eine Fusion der beiden Bünde durclmifiihren. Das Zustandekommen dieser Vereinigung wurde bereits diesen Sonntag in einer Bundesversammlung des neuen Bundes bekanntgegeben. Der neue Bund, der ungefähr 350 Mitglieder um-? faßt, trägt den Namen «Makknbi-Ilnzair-ßrith Zirenu», wodurch ausgedrückt erscheint, daß der Bund ah» Wiener Gruppe des Makkabi-Hazair-Weltverbnndes den Eigentitel «Britfi Zirenu» führt. Zion. Bezirkssektion XII/XIV/XV. Bei der am 9. Mörz I. J. r.tnttgefumlpm*n außerordentlichen Generalversammlung wurden folgende Herren gewählt: Obmann: Otto Ruzck, XiiI , :ioilergnssu 33. Tel. K-31-5-77 (3 bis 5 l 'lm», 1. Obmannsteüvertreter: Erwin Rotter, XV., Johnstraße Nr. 52 (Heimhof) Tel. U-25-5-95 (3 bis 6 Uhr), 2. Obmannstellvertreter: Dr. Richard Pokorny, XII., Schwenkgasse II, Schriftführer: Dr. Josef Zimmer, XIV., Künstlergasse 14, Kassier: Walter Kendo, XII, Steinbnuergasse 34. Der gewählte Ausschuß wird alle seine Kräfte in den Dienst der jüdischen Sad e stellen um! beet die Erwartung, bei seiner schwierigen Arbeit die tatkräftigste Unterstützung aller national denkenden luden dei westlichen Bezirke zu finden. Zionistische Bezirkssektion XII/XIV/XV. Donnerstag, den 9. April, %9 Uhr abends, Im Heime, XV., Herklotzgasse 21. Vortrag Dr. Michael Steinberg: «Der Zionismus und der moderne Mensch» Gäste willkommen. fempelfest. Donnerstag, den 16. April, präzise H8 Uhr abends, findet im Tempel, II., Pazmanitengasse 6, ein Tempelfest unter Mitwirkung der Konzertvereinigung des Oesterreichischen Kantorenvereines statt. Zur Aufführung gelangen auserlesene Kompositionen berühmter alter Meister. Zeire Misrachl, Wien. II., Prnterstrnße 11. Sonntag, den 5, d. M. (Chel Hamoed Pessach) um 8 Uhr abends, findet in unserem Heime ein Heimabend statt. Gäste herzlichst willkommen! Haschomer Hadathl, Wien, II., Praterstraße 11. Sonntag, den 5. d. M-, um 3 Uhr nachmittags, Erste Pgischa unseres Bundes. Gäste gerne gesehen« Tttercufur /Kunst/ Theater Weidath* Haiwrim Die Hlstadruth iwrith ruft alle hebräisch Sprechenden zu Weidatli-Halwrim,1 die am Chol- H^mped-Pessacb stattfinden wird. Samstag, den'4* April, 8 Uhr abends: I. Eröffnung der Weidah, 2. Wahl des Präsidiums und Begrüßungen. 3. «Was will die Histadruth?» Referent Obmann der Histadrutb I. Herzberg. 4. «Die Lage des re igiösen Judentums in Wien und seine Bedeutung tür den nationalen Gedanken», Referent Kultusrat A. Bauminger. — Sonntag, den 5. April, 8 Uhr abends: 5. «Die hebräische Presse in Wien», Referent Prof. J. Gelernter. 6. «Die neuesten Erscheinungen In der hebräischen Literatur», Referent S. Auerbach. 7. «Jugendarbeit», Referent Galili. — Montag, den 6. April, 8 Uhr abends: 8. «Die Lage der lebräischen Erziehung», Referent M. Cliartiner, 9. Diskussion. 10. Beschlüsse. Kein hebräisch Sprechender darf fehlen I Werbet für Jung Wizo! (April-Werbemonat.) Um allen jenen jungen Frauen und Mädchen, die unseren Anschauungen wohl nahestehen, bisnun aber keinen entsprechenden Zusammenschluß fanden, einen organisatorischen Halt zu bieten, hat die Leitung der Organisation zionistischer Frauen die Jung-Wizo, einen geselligen Klub zionistischer und nichtzionistischer Frauen, ins Leben gerufen. Sie ging dabei auch von der Absicht aus, rechtzeitig für einen geeigneten Nachwuchs Sorge zu tragen und die jungen Frauen mit den Problemen des modernen Judentums bekannt zu machen, Um die Oewähr für eine gedeihliche Zusammenarbeit zu bieten, aind ebenso wie bei der Mutterorganisation auch bei der Jung-Wizo irgendwelche parteipolitische Bindungen ausgeschlossen. Sie verfolgt vielmehr den Zweck, jüdischnationale Erzielumgs- und Kulturarbeit zu leisten und unseren jungen Frauen und Mädchen die Möglichkeit ungezwungenen geselligen Beisammenseins zu geben. Die bisher von der Jung-Wizo erreichten Erfolge berechtigen zu den besten Zukunftshoffnungen. So ist die Zahl der .jungen Frauen und Mädchen, die sich ihr bisnun angeschlossen haben, recht erfreulich. Ferner konnte an die Abhaltung von Vorträgen und Qesellschaftsabenden geschritten werden. Der nächste solche Gesellschaftsabend findet am 14. April statt. Für die nächste Zeit ist u. a. ein Lichtbildervortrtg von Frau Dr. Martha Hofmann, weiters eine Exkursion nach Eisenstadt (Besichtigung des jüdischen Museums) geplant. Ebenso sollen regelmäßige Sprechabende stattfinden, an welchen in Form von Pressereferaten aktuelle jüdische Tagesfragen und die neuesten zionistischen Nachrichten diskutiert werden. Der Monat April soll, um unsere Jung-Wizo-Oruppe weiter auszubauen, und die Reihen ihrer Mitglieder zu Stärken, eifrigster Werbearbeit gewidmet sein. Jüdisches Lachen Sigmund SchorrsVortragsabend, Er trägt seine satirischen Humoresken mit unerschütterlichem, aber zwerchfellerschütterndem Ernst vor. Einmal mußte allerdings auch er lachen: das war, als er zufällig den dichtgefüllten Saal mit dem Blick streifend, eine Dame bemerkte, die, von einem Lachanfall überwältigt, ein unbeschreiblich komisches Gesicht machte. Wurde in diesem Moment die Idee zu einer neuen Humoreske geboren? Wenn man Sigmund Schorr hört, muß man feststellen: er ist ein unvergleichlicher Rezitator, der es versteht, im Vortrag eigener Noveletten die Pointen und plötzlichen Wendungen — an denen es in seinen Sachen nicht mangelt — so zu betonen, daß der Erfolg, eine Lachsalve, unausbleiblich ist. Und wenn eine Lachsalve der anderen folgt, entsteht ein — Trommelfeuer des Lachens, das In diesen Dimensionen und mit dieser Vehemenz kaum anderswo zu vernehmen Ist. Schorr ist ein Meister der Rezitationskunst, und seine im ständigen Wachsen begriffene Gemeinde — jetzt Ist das jüdische Wien dazu gekommen — folgt ihm willig auf dem Pfade des jüdischen Humors, Ja, man folgt ihm willig, man geht gerne zu seinen Abenden, um sich an seinem unverfälschten klassischen Humor zu erfrischen; man läßt sich gerne kleine Geschichtchen aus dem kleinen jüdischen Leben erzählen, die so wahrheitsgetreu und lebendig sind. Einen ausgezeichneten Vortrag hat der Rezitator Schorr; aber eine ganz besondere Beobachtungsgabe besitzt Schorr, der Schriftsteller. Wie stellt er es nur an, daß es ihm so gut gelingt, das jüdische Alltagsleben in Galizien mit dem scharfen Objektiv seiner Kunst einzufangen? Wie gelingt es ihm nur, diesem Leben so echtklingende Töne zu entlocken, die, von ihm bearbeitet und zusammengefügt, eine herrliche Sinfonie des Witzes bilden? Die Antwort darauf lautet einfach: er ist eben ein Meister in seinem Genre, und dieses Genre heißt: Humoresken und Satiren aus dem jüdischen Leben. Es darf mit ruhigem Gewissen behauptet werden: Schorr ist einer der bedeutendsten lebenden jüdischen Humoristen und Satiriker. Unbewußt an die Vergangenheit — Schaiom Aiejchem — anknüpfend, wurzelt er tief im jüdischen Heute. Er ist herber, härter, vielleicht auch rücksichtsloser als sein! troßer Vorgänger auf diesem Gebiete; obendrein I rückt eia anderes Milieu —- Ostgalizien — seinen Humoresken besonderen Stempel auf. Aber dennoch ist er inv übertragenen Sinne des Wortes geistiges Blut vom Blute des großen verstorbenen Humoristen. Die Tragikomik des Goluslebens läßt sich am besten durch befreienden Humor überwinden. Dies gelingt keinem so gut wie Sigmund Schorr; das Lachen, das er uns schenkt, ist deshalb mehr als ein Genuß. Es ist Erlösung. Der erste Wiener Vortragsabend Sigmund Schorrs, sein erstes Wiener Gastspiel sozusagen, denn er lebt in Lemberg, war ein grober Erfolg. Der nächste — und es ist zu wünschen, daß ein zweiter stattfinde — wird noch größer sein. Denn er ist heute dem jüdischen Wiener Publikum schon bekannt und bestens bekannt. In einigen prägnanten, scharf die Persönlichkeit des Gastes charakterisierenden Sätzen stellte Doktor Z. F. Finkeistein zu Beginn des Abends Sigmund Schorr dem Publikum vor. s. w. „Menschen und Geschehnisse'* (In jiddischer Sprache) Von D. J, Silberbusch Menschen und Geschehnisse sind es, die das Wesen der Geschichte atismachen, und sie sind auch die wichtigsten Behelfe, vermittels derer man späteren Generationen Wesen und Bedeutung einer geschichtlichen Epoche am augenfälligsten vorführen kann. Freilich kommt es in letzterem Falle nicht bloß auf die richtige Auswahl des Stoffes an, sondern in nicht geringem Maße auch auf die entsprechende Form und Art der Schilderung, die frei vom Uebertreibung, wesensecht und wirklichkeitstreu, dabei lebendig und packend sein muß. Diese Vorzüge sind in dem unter obigem Titel soeben erschienenen Buche von Q. J« Silberbusch in vortrefflicher Weise vereinigt. In diesem Buche, das Erinnerungen aus der Jugendzeit und Notizbuch-Blätter enthält, gibt uns Silberbusch eine «Kostprobe» seines interessanten Memoiren-Werkes, an dem er bereits seit Jahren arbeitet. Die «Erinnerungen aus der Jugendzeit» sind gleichsam, wenn auch nicht als solche direkt gekennzeichnet, eine Selbstbiographie des Autors, die uns ohne viel Beiwerk die wichtigste Phase seines Lebens, den Uebergang vcc Beth« Hamidrasch zur Haskalah, vermittelt. Dabei wird einfach aber lebendig sein damaliges Milieu in der galizischen Kleinstadt, in der «Klaus» und Im Elternhause geschildert und es werden interessante Typen, wie die des «Zaloscer», des «Hoflehrers», «der Witwe Schwiegersohn» u. dgl. lest» die von kulturgeschichtlichem Werte sind.

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