Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 171 (9.4.1931)
- Date
- 1931-04-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 DIB STIMME Nf. 170 — 2. April 1031 arm und reich, die Gelehrten und die schlichten M&nner aus dem Volke waren unter gleichmäßiger Verteilung der Funktionen an der Herstellung der Mazzah beteiligt. Die nichtjüdische Dienerschaft, häufig auch die Nachbarschaft, hall fleißig mit, zumal die Mazzah dem nichtjüdischen Gaumen gar sehr mundete. War der Teig unter großer Vorsicht und geschickter Arbeitsteilung glücklich geknetet und in «Mcrren», dann in kleine Stückchen geschnitten und diese zu kleinen runden Kuchen gewalkt, so kam das «Rädeln» und «Stuppeln», das flinke Knaben- und Mädchenhände besorgten, indem sie mit gezahnten Messingrädchen über die Kuchen fuhren, um sie dadurch vor dem Auflaufen in der Ofenhitze zu schützen und ihnen die feine, zarte Form eines runden Blattes zu bewahren. Die Schulkinder hatten die ganze Zeit Uber frei, um bei der «Mizwah» mitwirken zu können. Doch gab cs auch erwachsene und besoldete Spezialisten für die schwierigeren Verrichtungen als das Rädeln. Eine besondere Verantwortlichkeit ruhte auf den Schultern des «Schiebers», dem es oblag, die Mazzah aufzufangen, geschwind in den glühenden Ofen zu schieben und sie ebenso geschwind, schon nach wenigen Sekunden, herauszuholen, damit sie einerseits nicht mehr als nötig der freien Luft ausgesetzt wäre und dadurch in den Verdacht der Gärung käme, andererseits aber auch nicht anbrenne. Die Töchter Israels Wachten mit allertreuester Sorgfalt, daß die überaus strengen Vorschriften Aber das Gesäuerte aufs peinlichste beobachtet würden. Die Vorschriften kennen keinen Spaß, das geringste Versäumnis oder Versehen nimmt dem Brot die Eigenschaft des Ungesäuerten und macht es für den Pessach nicht nur untauglich, sondern es ruht darauf das strengste Verbot jeglichen Genusses während des Festes. Im Mittelalter waren die Seiten der Mazzah einen Zoll dick, das Ist noch heutzutage bei den Sephardim der Fall. Bei den Karäem ist sie erheblich dicker, ßci uns gehen gewöhnlich vier oder fünf Mnzzoth in der Dicke auf einen Zoll. Eine Mazzah, die in Eiern, Wein, Ocl und Honig geknetet wurde, heißt «Mazzah aschirah» (reiche Mazzah) und taugt nicht, um mit ihr die Pflicht des Mazzothesscns •in Sedcrabend zu erfüllen, da zu diesem Zweck nur das «Brot der Armen» gebraucht werden darf. Man soll keine Figuren in die Mazzah ritzen und sie nicht in Formen schneiden, obwohl eine solche Mazzah für den Sedcrabend tauglich ist, denn der Teig kann während der Zeit, die diese Spielerei in Anspruch nimmt, gären. Welcher Jubel herrschte, wenn nach lagelangem, heißem Bemühen das Werk vollbracht war und man die Mazzah, sorgsam in weißes Linnen gewickelt, in die Körbe packen durfte! Man wünschte sich gegenseitig alles Gute, daß man das nächste Jahr in Freuden erlebe, daß man die Posaune des Messias zu hören begnadet werde und «das große Pessachfost der Zukunft» — das Reich Gottes — mit eigenen Augen schaue. Die Frauen vergossen dabei Tränen gelinder Rührung und frommer Freude. Im Verlauf der Zeit hat auch auf diesem Gebiete die Hauswirtschaft dem Unternehmertum weichen müssen. Besondere in den größeren Städten wurde der Mazzahbäcker eine stehende Figur. Er versorgte die Stadt und deren Umgegend mit dem Bedarf an Osterbrot. Die Poesie des «heimischen» Mazzahbackens verschwand allmählich« Endlich bemächtigte sich die Großindustrie auch dieses Produktionszweiges. Um das Jahr 1856 herum erfand ein Wiener eine Maschine zum Mazzothbereiten, durch die der Teig mittels zwei Metallrädeln geknetet, gerollt und in viereckige, dünne Stücke geschnitten, dann betupft oder Dem Narrenkönig gehört die Welt. Vor lauter Bäumen sieht man den Waid nicht und übersieht gar die eigentliche Sensation des heutigen Theaterabends: «Dcjm berühmten Artist vyn Amejrika», der sich nur zu einem einzigen Gastspiel bewegen ließ. Er wird jedoch durch den Hanswurst gewaltsam in den Schatten gedrängt, trotzdem er eigentlich unverhofft gut spielt. Er hat entschieden Talent. Er versteht es, als reicher Mann mit Würde aufzutreten, dann aber auch als Bettler den gebrochenen Stolz Uurchschimmern zu lassen. Er erlaubt sich kein überflüssiges Wort, auch nicht die übliche Gestenbegleitung, korrigiert nicht kritiklos den Verfasser mit eigenen Einfällen und schafft eine echte, tebensstrotzende Gestalt, deren Niederbruch erschütternd wirkt. Allein, all die Kunst dieses Schauspielers verschwindet im zuchtlosen Wirbel der Mitspielenden. Aus den Reihen verschlagener Nichtstuer und verkrachter Betteiexistenzen stammen zumeist die Schauspieler solcher jiddischen Bühnen. Was Wunder also, wenn die Vornehmheit der Primadonnen in allzu drastischen Gesten sich kundgibt, wenn die tonangebenden Heiden gar oft an Vorstadtgesellen gemahnen und gefeierte Heroinen zeitlebens ihren Ursprung nicht verleugnen können. Könige spreche»» in einer Weise, die eher der Dienerschaft abgeiauscht zu sein scheint, und die dienenden Geister brechen gewaltsam alle Regeln der Stilkunst. Armselige Histrionen, die in erbärmlichen Rollen ihre eigentliche Lebensstellung fortzusetzen scheinen. Im Leben führen sie einen von echter Tragik getragenen Daseinskampf und sind sic auf der Bühne, möchten sie am liebsten nur Komödie spielen . . , Im Saale wird es unterdessen schwüi und ängstlich zum Ersticken. Das Publikum lebt mit den Schauspielern und von der Bühne dringt ein starker Lebensstrom In die Zuhörer. Jeder Laut von oben weckt ein tausendfaches Echo. So oft auf der Bühne gestoppelt herauskam. Die blätterförmigen Stöcke wurden auf ein Blech geworfen, worauf sie schnell in einen glühenden Ofen geschoben wurden, um gebacken zu werden. Die Ecken wurden weggeschnitten und die Mazzoth wieder in in die Maschine gebracht. Da aber der Teig inzwischen gären konnte, so wurde die Maschine dahin verbessert, daß die Kuchen rund herauskamen, auch wurde sie an eine Backmaschine angcgliedert. Und die Mazzoth konnten von Anfang an bis zum Schluß ohne Menschenhände zubereitet werden, in den nächstfolgenden Jahren begannen diese Maschinen in Wien, Krakau und Lemberg 2« arbeiten; 1875 tauchten sie in England auf und von dort kamen sie bald nach Amerika hinüber. Unter den rabblnischen Autoritäten Mittel- und Osteuropas entstand darob eine Kontroverse, die jahrelang andauerte, mitunter heftige Formen annahm und sogar die Gemeinden entzweite. Eine ganze kleine Bibliothek existiert hierüber. R. Joseph Saul N a t h a n s o h n, der Oberrabbiner von Lemberg, der in der ganzen jüdischen Welt als Autorität anerkannt war und dessen Entscheidung in religionsgesetziichen Fragen von RabliM’aiskoliegien und Gemeinden buchstäblich aus allen fünf Erdteilen angerufen wurde — dafür zeugen die acht Riesenbände seiner Responi-ensammlung — stand an der Spitze derer, die die Maschinenmazzoth erlaubten. An der Spitze der Gegenpartei stand der weltberühmte R. Salomon Klüger, der «Maggld* von Brody — er verschmähte es sein Leben lang, sich den Titel Rabbiner beizufegen — viel bewundert wegen seines erstaunlichen Scharfsinnes und seiner strengen Frömmigkeit, die ans Asketische grenzte, obwohl ihm jede Mystik fremd war. Seine Partei führte das Argument ins Treffen, daß eine tote Maschine, möge sie noch so präzise und kunstvoll konstruiert sein, niemals imstande wäre, die Mazzah während ihres Werdeganges so peinlich vor Gärung zu bewahren wie ein Mensch. Die Maschincntcilchcn würden wäh- ^CT'V^OOOOOOOCOOOOOCXXXXXXXXXXXXXXXXX» Sei erlältungs' firaniheilen, rljcuina. tifdjen, ßirijriirfjcn unö nertröfett «djmeraen find Soßai» Tabletten unübertroffen. St o fl a I jdjciöcl bie gamfäure aus unb ßcf)t baljer öirefl jur SSurael bcS UebelS. Öra» flen Sie (sfjren Straf. *— aßen SUmt&efcn. — ©. 2.40. ooocxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxöooooooo rend der Arbeit heiß und ihre Berührung mit dem Teige bringe diesen zur Gärung; auch könne die Reinigung der komplizierten Maschinen nicht so peinlich genau durchgeführt werden wie bei den einfachen Backgeräten. Schließlich könne eine Fabrik nicht so überwacht werden wie eine häusliche oder handwerkliche Bäckerei. In erster Reihe aber führten diese Rabbiner das soziale Bedenken ins Treffen, daß die Maschine zahlreiche gelernte Arbeiter um ihr Brot und ihr Verdienst bringen müßte. Sic beric-; fen sich darauf, daß der Talmud es vermied, das ßurim- ‘ fest auf den Sabbath zu verlegen, weil dadurch die Armen um ihre Geschenke kommen mußten (Megilla 4 b). Eine neue Maschine tue ihr Werk gedankenlos wie ein Kind, während beim Zubereiten der Mazzah das Bewußtsein —- Kawanah — auf die Erfüllung der Mizwah gerichtet sein müsse, was nur bei einem erwachsenen Menschen der Fall sein könne (Pcsachim 36 a). Unausgesprochen blieb, daß man darin eine gefährliche Neuerung» eine Reform witterte, die nicht , auf halbem Wege stehen bleiben würde. Zu den Verbietenden gesellten sich Indessen der berühmte Oberrabbiner von Warschau B e r i s c h M e i s e 1 s, das Krakauer und das Konstantinopler Rabbinat und andere Autoritäten. Gegen diese Argumente erhob die Gegenpartei die Einwendung, daß die Analogie mit dem Purimeln Büsewicht den Sieg davonträgt, ertönen vorn Auditorium warnende Rufe: «Aweh Mörder — awck!» — und so oft ein Wohltäter den Vorrang erringt, wird ihm laut zugerufen: «Glt azoj! A myzwe ouf ihm!» Und als zu Ende eines Aktes der halberblindete Greis unter der Wucht allmenschlicher Tragik zusammenbricht und auf eine Weile Totenstille cintritt, da rüft plötzlich ein Schankburschc von den hintersten Reihen: «Limonade, bitte — kalte Limonadel» Betrübt und niedergeschlagen verläßt man diese eigenartige Erheiterungsstätte . . . Wie uns europakranke Juden diese jüdische Kunst anekelt und zu Tode betrübt! Daß doch Troubadoure von Vorstadtgassen die Rollen von Erziehern jüdischer Volksmassen übernehmen müssen! . . Wo bleibt denn auf diesen jüdischen Bretterbuden die aufstrebende Kunst, die das Leben zu veredeln versteht und Millionen aus den Niederungen des Lebens in Höhen von Begeisterung und Entzücken emporzureißen vermag?! Allabendlich füllt die Menge diesen Saal. Auf eine Welle wenigstens soll der Lebenskummer verschwinden. Aus der Bühne weht Jedoch ein beklemmender Odem jauchiger Trivialität. Unter Lachen und Gemurmel verläßt das Publikum das Theater. Die einen loben die Künstler, andere summen soeben autgegriffene Melodien, der Rest verschwindet bald in den finsteren Gassen des Städtchens. Nach einer Weile wird es totenstill ringsum. Ein leiser Windhauch weht heran und zerstiebt weiße Schneeflocken, die gespensterhaft im Finstern umherflattern. Von der Ferne klingt noch der letzte Klang des Kuplets, den ein Heimkehrer in die kalte Winterluft hinausschmettert: «Az Humen yz gewejna Zojre-Jehude, hot ejm getroffen a sewarze Hagudy, — oj waj, oj waj, oj w a j». Es wird einem so traurig und weh, | . feste nicht stiqhhältig sei, da hier die Hauptsache die Besclienkung der Armen sei, die am Sabbath Wegfällen müßte, während bei den Mazzotii das Verdienst der Armen nur eine zufällige Nebenerscheinung bilde. Wenn wir derartige Rücksichten walten lassen müßten, hätte man auch den Buchdruck verboten, da bei der früheren Gepflogenheit die Kopisten mit der Herstellung von Handschriften ihr Leben fristeten. Was aber die Kawanah betrifft, so werden ja die Maschinen von erwachsenen Menschen betrieben. Auch das Schlachten der Tiefe mit einem vom Töpferrad getriebenen Messer, das der Töpfer in Bewegung setzt, entspreche ja den rituellen Forderungen, selbst nach jenen, die beim Schlachten Knwanah als unumgängtien betrachten. Lange wogte der Streit hin und her, unzählige Gutachten und polemische Schriften flogen von Gemeinde zu Gemeinde, von Lehrhnus zu Lehrhaus.; * Die letzte Entscheidung fiel zugunsten der Maschine aus, die namentlich in Amerika die größten Triumphe feierte und allmählich das ganze Terrain eroberte. Die amerikanischen Mazzothfabriken, die gleich nach den Hcrbstfeiertägen zu arbeiten anfangen, versorgen heutzutage halb Europa, Südamerika und Australien mit Osterbrot. In den Großgemeinden Deutschlands fand die Maschine schon früh Eingang. Nur Hamburg zögerte lange, aus Rücksicht auf die sehr zahlreichen Familien, die sich vom Mazzothbacken ernährten. Heutzutage erzeugen mehrere üroßgemeiriden die Mazzah durch Maschinen im eigenen Betrieb. Die Maschine hat also auf der ganzen Linie gesiegt. Und doch blieb eine verborgene Ecke von ihr verschont. Gleich wie die Photographie es nicht vermocht ’iat, das künstlerische Porträt, und das Kino die Bühne ganz zu verdrängen, so haben Feinschmecker und Kenner, erlesene Genießer und strenge Beobachter der Mizwah auch hier ein kleines Inselchen zu retten gewußt, wohin die gleichmachende Flut der maschinenmäßigen Massenerzeugung nicht zu dringen vermochte. Dieses kleine Inselchcn ist die «Mazzah schemurah», die streng behütete Mazzah. Es ist nämlich eine für den Religionspsychologen höchst merkwürdige Tatsache, daß der Jude bestrebt war, den Geboten seiner Religion einen strengen und immer strengeren Sinn abzugewinnen, namentlich solchen Geboten, die den sinnlichen Genuß cinscliränken und persönliche Opfer der Entsagung erheischen, insbesondere wenn deren Sinri upd Grund nicht klar zutage lag. . Es hängt dies offenbar mit dem tiefsten Grundzug der Judengcele, dem Optimismus zusammen. Diesem Optimismus entsprang das unbedingte fraglose Vertrauen der Juden zu ihrem Gott, das gleichsam zu ihrem Instinkt geworden ist. Gott ist gut, also sind seine Gesetze unzweifelhaft gut, und es gilt nicht, ihnen ^twas abzulinndcln, sic auf die leichte Achsel zu nehmen, sondern umgekehrt, sie freiwillig zu verschärfen, eine,He.ck^aUnj.s|e. herum zu machen, sie sich in der strengsten Form aufzuerlegen. Auch eine Art von Ritterlichkeit mischte sich in dieses Verhältnis. Da keine sichtbare irdische Macht die Befolgung dieser Gebote belohnt oder ihre Uebertretung bestraft, so sind sic einzig und allein der Treue und dem guten Glauben der Menschen überantwortet. Es ist also eine Ehrenpflicht, die Mizwah zu erfüllen und alle erdenkbaren Kautelen gegen ihre Uebertretung aufzurichten. Je größer der Inhalt der Mizwah, desto größer ist die Freude, die man bei der Unterordnung des eigenen Willens unter den Willen Gottes empfindet. Das ist die «Simchah schcl Mizwah» — die Freude an der Erfüllung des Gebotes. Diese Tendenz macht erst dort halt, wo das Verbot in seiner rigorosen Form das Öffentliche Leben zu stören droht, nie aber vor dem wirtschaftlichen Interesse des einzelnen. Das Verbot des Gesäuerten am Pessach ist in der Bibel streng genug gefaßt. In der nachbiblischen Literatur hat es bis in die neueste Zeit. eine gewaltige, Verschärfung erfahren. Da ist z. B. das «Käschern» und «Glühen» der Oefen und metallenen Küchengeräte. Hölzerne Tische und Bänke werden mit kochendem Wasser übergossen und darüber wird ein weißglühendes Eisen geführt, um aus den Gegenständen jede geringste Spur von Gesäuertem zu entfernen. Die Wände und Fußböden primitiver Behausungen werden frisch gestrichen — was übrigens auch zur Reinlichkeit in unschätzbarer Weise beitriigt. Manche Uberfromme Hausfrauen gingen in ihren Vorsichtsmaßnahmen so weit, daß sie sogar den Widerspruch der Rabbiner erregten. Aus diesem Drange nach Verschärfung ging die «Mazzah Schemurah» hervor. Ein Teil der Weizenernte wird «auf den Halmen» gekauft und von da ab streng überwacht, damit die Körner nicht mit dem feuchten Element in Berührung kommen. Die Körner werden auf einer Handmühle gemahlen, wobei man im Sinne hat, daß sie für die Mazzah bestimmt sind. Am Morgen des Erew: Pessach, um dieselbe Zeit, da im Tempel das Pessachlamm geopfert zu werden pflegte, wird unter Absingen des Hallei die Mazzah gebacken, wobet ausschließlich Männer beteiligt sind; oft wirken auch nichtjüdische Gehilfen mit, und aus Hamburg-Altöna wird berichtet, daß dort die christlichen Mitarbeiter in den Hallelujagesang dinstimmten, In Polen kam es häufig vor, daß die Großgrundbesitzer den jüdischen Gemeinden zu diesem Zwecke einen bestimmten Teil der Weizenernte unentgeltlich überließen. Von einem Mitglied der berühmten Magnatenfamilie der Potocki wird überliefert, daß er den Juden ein ganzes Weizenfeld für die «Schemurah» überließ, nur für das Recht, zusammen mit ihnen die Mazzah zu backen, gewöhnliche Arbeiten zu verrichten und drw Hnllel mitziisingen. Streng Fromme genießen über Pessach keine andere Mazzah. Gewöhnlich aber bemüht man sich, wenigstens für die Sedprschllssel. an den beiden eisten Abenden diese Mazzah zu haben. Maharil, gest. 1427, pflegte den Holzstoß für das Backen der Mazzah mit den Weidenreisern zu entzünden, die vom Luiav und von den Hoschanoth am letzten Laubhüttentage zurückgeblieben waren. j.