Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 171 (9.4.1931)
- Date
- 1931-04-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« h Ulb. STIMMt Nr. 170 — 2, April 1331 Intransigente Haltung der arablsciiene Exekutive Jerusalem, 26. März. (J. T. A.) Die arabisehe Exekutive verlautbart: Wir freuen uns, mitteflen zu können, daß sich bisher niemand von Dr. Weidmanns Friedensvorschlägen täuschen ließ. Wir würden nicht zögern, den Namen jeder Persönlichkeit, die in Verhandlungen mit Weizmann treten sollte, ohne Rücksicht auf ihre Stellung zu veröffentlichen. Weder offizielle noch inoffizielle Verhandlungen können den Arabern nützen. Sie könnten nur zur Annahme führen, daß die Araber die Balfour-Deklaration und das Mandat anerkennen. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, hat die arabische Exekutive die von der Regierung vorgenommene vorsichtige Sondierung der Möglichkeit eines Zusammentreffens Weizmanns mit den Führern der arabischen Exekutive unberücksichtigt gelassen, obwohl angenommen wird, die Regierung habe der arabischen Exekutive zu verstehen gegeben, daß man es in London sehr gern sehen würde, wenn es zur Einleitung von Verhandlungen, insbesondere zu einer Zusammenkunft von Vertretern der Regierung. der Juden und der Araber zwecks Beratung des Land Entwicklungsplanes und der Frage des Legislative Councils käme. Die arabische Exekutive hat in einer am 24. abgehaltenen Sitzung beschlossen, daß ihr j Lizzi Balla I gesch;iüsr»'*hrender Ausschuß von nun a« täglich zusar T.L.vtsn soll, da im Hinblick auf die < egenwärtige ernste Lage» ein ständiger Kontakt seiner Mitglieder dringend notwendig erscheint. Demission PassHelds? «Jev.?h Chronicle» behauptet, erfahren zu haben, daß Kclonienminister Lord Passfield endgültig seine Demission eingereicht hat Die offizielle Verlautbarung seines Rücktritts werde für den Monat Juni erwartet Sein Nachfolger werde der gegenwärtige Staatssekretär für die Dominions L ’L Thomas sein, während er selbst zum Gener: ’ ter im ernannt werden soll. Pessach in Russland Oie «Antipessach-Thesen» der russischen Kommunisten Die jiddisch-kommunistische Zeitung «Emess» veröffentlicht eine Reihe von «Thesen» für die Antipessachkampagne. ln diesen Thesen wird erklärt, Zionisten Und Orthodoxen seien die offenen Verbündeten der Henker der revolutionären Arbeiterklasse. Jüdische Rabbiner nehmen gemeinsam mit dem römischen Papst an Kreuzzügen gegen die Sowjetunion teil. Die hebräischen Sätze «Schefoch chamos’cho al Hagojim» und «Kol Jisroel Chawerim» seien die «chauvinistischen Losungen der jüdischen Ausbeuter». Das Pessachfest »ei nicht eine Feier zur Erinnerung an Befreiung aus Sklaverei, wie man die Juden habe glauben machen wollen, sondern stärke vielmehr den Sklavensinn im Volke. Die alte Hagadah der jüdischen Rabbiner und die neue Hagadah der modernen jüdischen Nationalisten zeigen dieselbe Tendenz, sie predigen Klasseneintracht innerhalb der jüdischen Rasse und tragen daher dazu bei, die jüdischen Arbeiter ihren Ausbeutern auszuliefern und den Geist der Rebellion gegen die Bourgeoisie zu schwächen. Die Losung der jüdischen Arbeiterschaft dürfe nicht lauten «Schefoch chamos’cho al Hagojim», sondern «Proletarier aller Länder, vereinigt euch!» Eine zweite Losung müsse lauten: «Kampf gegen die Religion ist Kampf für den Sozialismus.» Cheder und Jeschiwah, heißt es in dem Artikel weiter, sind Brutnester zur Aufzucht von Sklaven für den Kapitalismus. Wir wollen diese Nester zerstören, wir treten ein für eine allgemeine sozialistische Erziehung. Wir wollen der jüdischen Jugend technische Ausbildung geben. Wir wollen ebensowenig am Sabbath einen Ruhetag haben wie der nichtjüdische Arbeiter ihn am Sonntag hat. Wir haben die Fünftage- Arbeitswoche eingeführt, weil wir das Joch des Kapitalismus abgeworfen haben und am Sozialismus bauen. «Emess» stellt fest, daß die jüdischen Frauen nicht so fortschrittlich gesinnt sind wie die nichtjüdischen und daß sie mit der Tradition noch nicht in dem Ausmaß gebrochen haben wie die jüdischen Männer. Die jüdischen Frauen müssen jede Erinnerung an Mazzoth, Kerzenzünden und andere Gebräuche, die die Orthodoxie ihnen speziell Vorbehalten hat, auslöschen. Die jüdische arbeitende Frau gehöre in die Fabrik, sie müsse Mitglied der Kollektive und der Sowjets werden. Am Schlüsse der «Antipessach-Thesen» wird an die jüdischen Arbeiter der Appell gerichtet, v Massen dem Apikorsimverband beizutreten. Die Antipessach-Kampagne erfolglos Die erste Nummer der jiddisch-atheistischen Zeitung «Apikoires» ist als Antipessach-Nummer erschienen. Trotz der vom Apikorsimverband ausgegebenen und an die Spitze des Blattes gestellten Losungen: «Keine Kopeke für Mazzoth und andere religiöse Pessachgebräuchel Keine Kopeke für Synagogenrenovierung, Erhaltung von Jeschiwoth und jüdischen Klerus! Keine Stunde Arbeitsversäumnis o:trch jüdische Arbeiter in den Fabriken während der Pessachwoche!» macht die Antipessach-Kampagne in der Sowjetunion nur geringe Fortschritte. Die Berichte über antireligiöse Erfolge füllen kaum eine Viertelspalte. Unbeirrt durch die Antipessach-Kampagne von «Apikoires» und «Emess» trifft die überwiegende Mehrheit der Juden Moskaus und der ganzen Sowjetunion in aller Ruhe Vorbereitungen, das Pessachfest in herkömmlicher Weise würdig zu begehen. Mazzoth aus Roggen. Moskau, 27. März (J. T. A.). Mit Rücksicht auf den großen Mangel an Weizenmehl hat der Rabbi von Briansk die Verwendung von Roggenmehl zur Herstellung von Mazzoth gestattet, um so zu verhüten, daß die ärmeren Schichten der jüdischen Bevölkerung genötigt sind, während der Pessachwoche gesäuertes Brot zu essen. Der Erlaß des Rabbi hat zur Folge gehabt, daß alle Mazzoth-Bäckereien mit Aufträgen überhäuft sind. Verstärkte Tätigkeit des «Apikorsim-Verbandes». Die jiddisch-kommunistische Tageszeitung «Emess» kündigt die bevorstehende Entsendung antireligiöser «Meschulochim» (Sendboten) in die Städte Weißrußlands und andere jüdische Gebiete durch das Blatt selbst und den Apikorsimverband an. Die Sendboten werden die Aufgabe tanzt am 11. April 1931 I haben, jüdische Arbeiter und Handwerker in eigenen «Apikorsimartels» zu organisieren. Das Blatt veröffentlicht eine Reihe jüdischer Kollektive, die in ihrer Namenszeichn mir das Wort «Apikoires» führen. Der Kongreß der jugoslawischen Juden Vor kurzem erschien in der ungarischen Presse ein Appell der «Union der ungarischen Juden» an die Juden der ganzen Welt den «schwer leidenden» Brüdern Jugoslawiens und namentlich jenen der ehemals ungarischen Gebiete zu helfen. Ein aus diesem Anlaß ad hoc einberufener Kongreß der jugoslawischen Rabbiner und Vertreter der jüdischen Kultusgemeinden dieser Gebiete, die im jetzigen Donaubanat zusammengefaßt sind, nahm gegen diese ungebührliche Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Juden Jugoslawiens in einer ziemlich geharnischten Weise Stellung und faßte folgende Entschließung: 1. Wir protestieren entschieden gegen die Insinuation irgendwelcher Verbindung mit irredentistischen Bestrebungen und erklären, daß wir Juden sind und es bleiben und stolz darauf sind, Bürger des großen und mächtigen Königreiches Jugoslawien und Untertanen des klugen ritterlichen Königs Alexander I. zu sein. 2. Im Namen der Juden dieser befreiten Gebiete erklärt der Kongreß, daß weder innerhalb noch außerhalb der Staatsgrenzen jemand anderem das Recht zusteht. Erklärungen über die Gefühle der Juden Jugoslawiens abzugeben als diesen allein oder deren rechtlichen Vertretern, die hier auf diesem Kongreß versammelt sind. Jedwede diesbezügliche Aeußerung, von welcher Seite immer sie stammen mrag, weist der Kongreß kategorisch zurück und lehnt jeden Zusammenhang mit ihr ab. 3. Das jugoslawische Judentum erhebt mit tiefinnerer Dankbarkeit seine Blicke zu der geheiligten Person ihres erlauchten Herrschers, des Königs Alexander I., der seine väterliche Fürsorge in gleichem Maße auch auf die jüdische Bevölkerung dieses Landes erstreckt und mit dem Gesetz über die Gleichberechtigung der Juden den unzweifelhaften Beweis seines Liberalismus erbracht hat. 4. Desgleichen schuldet das jugoslawische Judentum aufrichtige Dankbarkeit der königlichen Regierung und bringt hiermit das Gefühl seiner aufrichtigen Liebe zu dem gesamten demokratischen jugoslawischen Volk zum Ausdruck, in dessen Mitte die Juden ein ruhiges, gesichertes Heim, volles Verständnis und Achtung gefunden haben. 5. Schließlich betont der Kongreß in feierlicher Weise, daß es der heißeste Wunsch der Juden dieser befreiten Gebiete ist, mit aller Kraft und Aufopferung in vollstem Einverständnis mit dem übrigen Volk des Vaterlandes auf kulturellem, sozialem und wirtschaftlichem Gebiet zum Wohie und Gedeihen des Königreiches Jugoslawien zusammenzuwirken. Diese Entschließung wurde unter stürmischen App’aus einmütig angenommen, worauf der Präsident der Kultusgemeinde von Subotica, Klein, eine Rede hieit, in der er darauf hinwies, daß nach dem Umsturz die Juden der befreiten Oebiete von den serbischen Truppen vor demr Pöbel beschützt wurden, während in Ungarn die Juden niedergemetzelt, gemartert und dem Pöbel auf Gnade und Ungnade überlassen wurden. Ich wünsche, schloß Dr. Klein, daß meine Botschaft die Juden der ganzen Welt vernehmen: Eine neue Epoche ist für uns herangebrochen, zu unseren) und zum Wohie unserer Kinder. Wir danken der göttlichen Vorsehung, daß sie uns in die Mitte dieses Volkes gebracht hat, das offenen Herzens und freudig alle jene aufnimmt Und schätzt, die für sein Vaterland arbeiten, und daß wir diesem Staat und Volk tiefgehende Dankbarkeit schulden. Um alt dies der Oeffentlichkeit der ganzen Welt kundzutun, haben wir uns heute hier spontan und aus eigenem Antrieb ver* sammelt, damit wir diesem Staat, diesen ritterlichen Volk und seinem erhabenen König unverbrüchliche Treue und Ergebenheit geloben sowie jeden wie immer gearteten Versuch, von welcher Seite immer er kommen mag, unsere Je* sinnung zu beeinflussen, auf das entschiedenste zurückzuweisen. Dem Kongreß, der am 26. März in Subotica tagte, wohnten Vertreter des Königs, der Staatsregierung, der Banatsverwaltung sowie zahlreiche hohe Militär- und ZiviJbeamte bei, darunter auch Landesoberrabbiner Df. Isak Alkalay, der in einer kurzen Ansprache hervorhob, daß Jugoslawien, sowohl das offizielle als auch das nichtoffizielle, den Juden gegenüber sich stets in höchstem Grade tolerant gezeigt habe und heute den Ruf genießt, das einzige europäische Land ohne Antisemitismus zu sein. Der Kampf um die jüdische Kultus* gemeinde in Danzig In Danzig wird derzeit ein heftiger Kampf uni ,dje jüdische Kultusgemeinde geführt, wobei zwei wahlwerbende Parteien, und zwar die nationale Partei als jüdische Volkspartet und die Liberalen, weiche sich »us assimilatorischen Kreisen rekrutieren, sich entgegenstclkn. Die Liste der jüdischen Voikspartei führt Dr. Heinrich uie wen herz, ein Bruder des Vizepräsidenten der Wiener lüdischen KulniSgemeinde Dr. Josef l.oewennerz n einer großzügigen Versammlungspropaganda veiang es der jüdischen voikspartei, von der üradlinigkcit und der Aufrichtigkeit der jüdischnationalen Partei 2U überzeugen bchr wirkungsvoll gestaltete sich insbesondere die große Wahlv rsammlung :n der Danziger Geweilvhalle, bei ier als Redner Dr. ljutdau. Dr. Segal, Dr. Blaß, Dr. Josef Kirschbauin und Dr. Gutherr aufgetreten sind. Die Wirtschaftsrot der luden in Datizig ’sr ebenso groß wie in der ganzen Welt, und es ist erstaunlich,' wie inhaltslos das diesbezügliche ’-'rogiamir det Liberalen ist. Der Zentralvcrein der Danziger Staatsbürger hat nur das Glaubensbekenntnis als alleiniges Hilfsmittel gegen die. Not der jüdischen Massen. Es ist zu hoffen, daß das aufrechte I Konzerthaus I und lebenskräftige ludentum aus diesem Wahlkampf mit den letzten Mohikanern des Danziger Assimilantenttin::- sVyreiCf hervorgehen wird. In aller Kürze ln der in Jo... ,.ourg erscheinenden Zeitung «Zioms* Record» wird festgesrellt, daß in letzter Zeit unter den Jude« Südafrikas infolge der Wirtschaftsnot die Selbstmorde znnehmen. * Laut Verfügung des belgischen Justizministeriums darf nunmehr kein Fremder, ohne vorhergehende Erlaubnisder Sicherheitsbehörde, das belgische Gebiet betreten, um. dort Arbeit zu suchen. , *; . I Das Komitee zur Feier des siebzigsten Geburtstages, vqn Mayer Dizengoff, Bürgermeisters von Tel Aviv, hat beschlossen, zu Ehren des Jubilars einen Stadtpark in Tel Avjv anzulcgen und ihn mit «Gan Mayer» zu benennen.; Der tschechoslowakische Außenminister Dr. Ben$s$h empfing eine Delegation des Obersten Rates der iUdiscHgn Gemeinde in der Tschechoslowakei, die dem Minister, die jüdischen Forderungen in der Frage der Kalenderrefbrn» vortrug und ihn um Unterstützung der jüdischen PostuUde in Genf ersuchte. » ' Auf einem New Yorker Bankett zu Fhren de» Rektor Magnes wurde bekanntgegeben, daß ein amerikanisches, Komitee demnächst eine Abteilung für Landwirtschaitswissenschaft errichten wird. Erez Isiael in Zahlen Das Hauptbureau des Keren Kajemeth hat ein vortreffliches Handbüchlein herausgebracht, in dem zehn Jahre wirtschaftlicher Entwicklung des jüdischen Palästina in 25 Kapiteln vor Augen geführt werden. Das Interessante an der Sache ist, daß die angeführten statistischen Zahlen'.]« 25 Bildtafeln illustriert erscheinen.. , Der Text entstammt der Feder Jehoschua Zimans, die Zeichnungen haben Otto Wallisch zum Autor, der dadurph bekannt wurde, daß er in der «Selbstwehrs» den Keren Kajemeth in gelungener Weise humoristisch allwöchentlich durch Zeichnungen propagierte (Der JNF.-Mann). . ' Alles Wissenswerte ist in diesem Büchlein n a.ch denn neuesten Stande enthalten. Wir wollen bloß die wichtigsten Kapitel anführen: Die Bevölkerung, die Einwanderung, die Bodenarten, die Pflanzungen, die jüdische Industrie, der Handel, die Schulen, usw. Immer wird das jüdische Material mit dem nichtjüdischen verglichen. Durch die hervorragenden Zeichnungen, die ganzJm Sinne der modernen graphischen Statistik gemacht sind,-ist der Leser sofort in der Lage, die wünschenswerte Aufklärung über das ihn interessierende Gebiet zu erhalten. Das gebundene Exemplar kostet S 2.—* und ist Int Keren Kajemeth-Bureau,!., Kärntnerstraße 28, erhältlich