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Die Stimme · 1931-04-09 · Heft 171 (9.4.1931) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 171 (9.4.1931)
Date
1931-04-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Ein anderer Feind ist das Uebervvuchern der Gruppenzerspütterung in der Bewegung, auch dort, wo sie nicht zu Exzessen der Disziplinlosigkeit führt. Niemand hat etwas gegen einen legitimen Ideenkampf. Aber dieser Ideenkampi muß dort seine Grenzen finden, wo das fundamentale Soli* daritäisbewußtsein aller Zionisten in Frage gestellt wird. Es gibt überall noch ein genügend weites Betätigungsfeld für die zionistische Propaganda und wir haben es nicht nötig, Up« gegenseitig unsere Anhänger abzujagen. Wir haben, als wtir zum Sokofow-Monat der zionistischen Organisation aufriefen, den Gedanken der territorialen Kooperation in die Debatte geworfen. Wir haben gesagt, daß jeder Zionist gewissermaßen In zwei organisatorischen Ebenen lebt, in einer Ebene des Kongreßzionismus, in die er gehört: zum revisionistischen, zum radikalen oder al gemein zionistischen Flügel; außerdem aber in einer landesziönistischen Ebene, in der sich die Zionisten zur Lösung gemeinsamer zionistischer Aufgaben gegenüber der antizionistischen Weit zusamenschließen und gemeinsam, wenn auch in einer Arbeitsverteilung, den Angriff des Zionismus auf das Judentum führen. Wenn man von der Zersplitterung der Organisation hört, so kann man auch nicht an Problemen der Landespolitik vorübergehen. Ich bin weder Sachverständiger für Landespölitik, noch habe ich das Recht; mich in aktuelle Fragen der Landespolitik einzumischen. Ich konnte aber im Osten feststellen, daß viele Zerwürfnisse in unserer Organisation in ganz unsachlicher Weise aus landespolitischen Konflikten erwachsen. Ich bin nicht berechtigt, gegen die landespolitische Betätigung der Zionisten zu sprechen. Es hat mir stets eingeleuchtet und es leuchtet mir auch Jetzt ein, daß der Kampf für nationale Ehre und Freiheit und materiele Interessen des jüdischen Volkes nicht auf Palästina lokalisiert werden kann. Man kann nicht ein Kämpfer für nationale Freiheit für Palästina und in Palästina sein. Aber es gibt einen Gradmesser für den Wert landespolitischer Betätigung: sie darf unsere Schlagkraft für die palästinensische Aufbauarbeit nicht beeinträchtigen. Mir scheint, daß die Exekutive in Zukunft vom Kongreß wird das Recht erba ten müssen, die Landespolitik ohne Einmischung in aktuelle Fragen in Hese Grenzen zurückweisen zu dürfen. Wir stehen im Zeichen des Monates der zionistischen Organisation und ich wiederhole meinen Appell an Sie alle, gleich welcher Richtung Sie angehören, sich zusatnmenzoschlleßen für gemeinsame Arbeit, für den Ausban und die Stärkung der zionistischen Organisation. Wenn wir in London die Parole für diesen Monat ausgegeben haben, so geschah es, weil wir glaubten, daß jetzt ein psychologischer Moment für diesen Zusammenschluß der Kräfte gegeben erscheint, weil in der politischen Lage durch den MacDonald-Brief eine deutliche Wendung zum Besseren eingetreten ist. Es Ist eine Besserung eingetreten, denn wenn die britische Regierung in Zukunft ihre Politik nach den Prln* zlpien des MacOonald-Briefes führen wird, wenn Insbesondere die palästinensische Administration sich in den Grenzen dieses Programms halten wird, so kann man sagen, daß wir unsere Grundrechte auf Einwanderung und Siedlung zurückerobert haben. ■ich weiß nicht, ob Ihnen allen klar ist, was in diesem letzten halben Jahre für uns auf dem Spiel stand. Wir hatten gegen einen parlamentarischen Bericht zu kämpfen. Wer die englischen politischen Verhältnisse kennt, weiß auch, welches Gewicht einem derartigen Berichte beigemessen wird. In dem letzten halben Jahre hat es sich in England um nicht mehr und nicht weniger gehandelt, als daß die Grundlagen £r Öffnun£sanxeiite1 hM Selchwaren Restaurant I ggf 4ht elg. Erzeugung, heute Qua itäten Wien, 2. Bezirk, Glockengüsse Nr. 11 Speiiaiwelnc nos 'W PL BrUkner & Co. ÜDMre Fanrlk ateht tintor rltuollor Aufsicht des jpnan ora oninn non r-a KB»1,» tana v> und Grundvoraussetzungen der Politik der Balfour-Qeklarätion einer Revisionsprüfung unterzogen werden. Es bedeutete für die öffent'lche Meinung viel, wenn die Frage aufgeworfen wurde, und diese Frage ist In der englischen Presse aufgeworfen worden: ist in Palästina genug Boden für eine jüdische Ansied ung vorhanden? Geschieht nicht dem arabischen Fellachen unrecht? Eine Diskussion auf Basis dieser Fragestellung ist in England über ein Jahr lang geführt worden, fn diesem Kampfe sich mit Ansfand behauptet zu haben, Ist eine ernste politische Leistung. Weizmann selbst hat dem A. C. gegenüber die Situation gekennzeichnet, indem er sagte, daß nach englischem Recht ein Patent, nachdem es angemeldet worden ist, der Bestätigung in einem Gerichtsverfahren bedarf. Das Balfoor-Patent Ist jetzt bestätigt worden. Die Verhandlungen mit der Regierung waren Auseinandersetzungen über den Inhalt des Versprechens der Balfour- Deklaration und über den Inhalt des Mandates. Das Ergebnis ist. die Erkenntnis, daß diese formelle Rechtsppsitüon, die wir in der Bal our-Deklaration und im Mandat gewonnen haben, keine schwache ist. Sie ist nicht von absoluter Stärke, aber sie ist stärker, als vielleicht manche geglaubt hatten. Ich werde es gewiß nicht bestreiten, daß die Po itik Fng ands im Orient auch durch Erwägungen bestimmt wird, die aus dem Gebiete der Macht- und der Interessenfragen stammen. Wir können aber doch feststeflen, daß die Rechtspositlon des Mandates nicht so schwach ist, daß sie so ohne weiteres mit der Hand beiseite geschoben werden könnte. Wir sind die letzten, die im zionistischen Publikum den Eindruck erwecken wollen, es wären durch MacDonalds Brief unsere politischen Grundprobleme ihrer Lösung nähergerückt. Nein, diese Probleme bestehen nach wie vor, und man erkennt sie, wenn man die Frage aufwirft, wie es zu dem Weißbuch im fxxxxxxxx>ocoooocceoo<xxyooceooocooooGoo ~ THEATER „REKLAME“" Praterstraöe 84 Sonntag, den 5. April 1931. 8 Uhr abends Einziger Liederabend HILDA DULITZKAJA NEUES PkOuKAMM Samuel Schwager Rezitation Karten im Vorverkauf: Bücherstube Rath, Taborstratte 20a. und an der Abendkassa ÖOGQOOOOOOOOOOOQOOOOOOOOOCOGOOOOOOOOOÖ Oktober 1930 kommen konnte. Wenn ich mich zu dieser Frage äußere, sind meine Ausführungen nicht als offiziille Erklärungen der Exekutive, sondern als persönliche Meinungsäußerung anzusehen. Es gibt eine sehr optimistische Antwort auf diese Frage. Und diese Antwort lautet: das Weißbuch vom Oktober 1930 ist eine Folge der Unfähigkeit der Exekutive. Ich nenne diese Antwort optimistisch, denn wenn es wirklich so wäre, brauchte man nur eine neue Leitung zu wählen — das wird ja auf dem nächsten Kongreß ohnedies geschehen r— und damit wären unsere Schwierigkeiten behoben. Ich möchte beinahe wünschen, daß diese Diagnose richtig wäre. Wir könnten dann mit großem Vertrauen in unsere politische Zukunft sehen. Es muß allerdings gefragt werden, inwiefern die Unfähigkeit der Exekutive dieses Weißbuch provoziert haben könnte. Die unmittelbare Veranlassung war der Pogrom von 1929 und ich weiß nicht, ob jemand die Ansicht vertreten wird, daß die Exekutive für diesen Pogrom verantwortlich ist. Unmittelbar danach kann der Shaw-Bericht, der eine grundlegende Neudefirvierung der Palästina-Politik verlangt hat. Man hat gegen diesen Shaw-Bericht mit Au'gebot aller Kräfte gekämpft. Auch Herr Jabotinsky hat die Shaw-Kommission Uber den Sinn des Zionismus belehren dürfen, obzwar bezweifelt werden muß, daß gerade er die Kommission günstig beeinflußt hat. Was den Bericht von Simpson angeht, so ist Simpson mit gut dokumentiertem Material versehen worden, er hat mit allen Schichten der Bevölkerung Fühlung genommen. Unmittelbar vor der Veröffentlichung des Weißbuches hat Dr. Weizmann durch Androhung seiner Demission auf die Folgen dieser Veröffentlichung aufmerksam gemacht, und es ist tatsächlich alles geschehen, um dieses Weißbuch zu verhindern. Andere versuchen, das Weißbuch einfach als eine Ungeschicklichkeit abzutun oder auf die Gegnerschaft der Beamten zurückzuführen. Ich will mich nicht darüber äußern, wieviel an diesen Erk'ärungsversuchen begründet Ist. Aber ich glaube, daß wir zu den wirklichen Problemen erst gelangen, wenn wir einfach sagen, das Weißbuch war ein neuer, wenn auch besonders plumper Versuch, die Araber mit der Richtung der englischen Palästinapolitik auszusöhnen. Der Redner weist Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen an der Hand eines reichen Materials aus der Zeit von 1917 bis 1922 nach, daß schon damals die eng lsche Palästinapolitik nach einem Ausgleich zwischen Jüdischen und arabischen Interessen gestrebt hat. Aus der Problematik dieser Situation heraus sind eins Reihe von Maßnshmen f 0fx?cx3000000000cx3c000000cxxx)00000000000 Jnfofge der efrrtstfidken Cster* feiert*»#* (Sonntag und Iffontag der fromm*ndm lDodle) und der lüdistfien tfestaefk feiet* tage (Jtiitiwrotfk und Stornier &« tu#) wird die nächste 31 Kimme* der „stimme” erst 3Mittwoch, den 13. d. JSt., mit dem Stnturzz vom!0. erscheinen. Die heutige Kummet ist dafür Id feiten siatfr. ooaocaooac<xxxxKx>zc.',oc ooc.-; oöoqoocöo der englischen Regierung erfolgt, mit denen wir nicht einverstanden sein konnten; aber es hieße, diese Problematik zu unterschätzen, wenn man die Exekutive für alle Schwierigkeiten verantwortlich machen wollte. Wie war es denn Im Jahre 1922, als selbst Herr Jabotinsky durch seine Unterschrift bezeugte, t daß es objektive Schwierigkeiten gibt, denen man nicht ausweichen kann? Der Redner schloß seine Ausführungen mit elncrtf Appell zur verstärkten Arbeit für die Fonds — wobei er insbesondere der großen Verdienste der Beamten gedachte und sie in entschiedenen Worten gegen ungerechte Angriffe .erteldigte —- und mit einer erneuten Mahnung zur Stärkung der Organisation« Weizmann Ober innerzionistiscne Situation Besprechungen mit den Exekutiven der jewish Agency und der Histadruth — Konferenz mit' Sir John Chancellor Jerusalem, 23. März. (J. T. A.) Anläßlich der Begrüßung des Präsidenten der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation, Dr. Chaim Weizmann durch die Beamten des Hauptbureaus der Jewish Agency In.Jerusalem führten mehrere Redner Klage darüber, daß die vergiftete Atmosphäre schwerer zu ertragen sei, als die durch die Nichtauszahlung der Gehälter verursachten wirtschaftlichen Schwierigkeiten. In seiner Antwort auf rdje Begrüßiftigsanspni-' chen erklärte Dr. Weiznianti, das Wort «Ver-’ rat» sei in letzter Zeit ein Gemeinplatz in zionistischen Reihen geworden. Selbst alle Zionisten bedienen sich dieses Wortes jedesmal, wenn sie die Politik der Führung mißbilligen. Doch werde die Atmosphäre bald gereinigt werden und die Juden würden wieder freudig ihre Pflichten auf sich nehmen. Er selbst werde dadurch, daß er sich von der Führerschaft aus-, schalten werde, dem Zionistenkongreß behilflich sein,!m eigenen Hause gründlich Ordnung zu. machen. An die Begrüßung schloß sich eine Konferenz Dr. Welzmanns mit den Mitgliedern der Exekutive Dr. Ruppin, Colonel Kisch, Dr. Senator, Harry Sacher, Joseph Sprinzak und Dr. Barth. Außerdem hatte Dr. Weizmann eine einstünejige Besprechung mit dem High Commissioner Sir John Chancellor, bei dem er und Frau Weizmann zu Gaste geladen waren. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, wurden in dieser Unterredung die Fragen einer Verständigung mit d|en Arabern, des Landentwicklungsplanes Sir John Hope Simpsons und einer baldigen Erleichterung der Einwanderung erörtert. Am Freitag, den 20. März, hielt Dr. Weizmann efne Beratung mit der Exekutive der Histadruth Haowdim ab. Am Sonntag, den 22. März, besuchte er dfe während der Unruhen im August 1929 zerstörte und nunmehr wieder aufgebautc Kolonie Beer Tuwfah. «S ■ 1 1 1 -HB? Unsere geehrten Leser werden auf das Inserat der Peinwaschanstalt «Habsburg», Zentrale: VL, Wallgasse Nr. 4, (Seite 1) aufmerksam gemacht. Die Firma ist als einzige dieser Branche Mitglied der Rabnttsektion des Keren Kajemeth und die Mitglieder dieser Sektion genießen bei Bestellungen den üblichen Rabatt. BÜCHERSTUBE W. RATH Buchhandlung, Antiquariat, Le hbibllothek Wien, II., Taboretraße 20 a, Tel. R-43-1-58 M. RATH’S Moderne Leihbibliothek b'etet Ihnen eine reiche Auswahl von Hßchern •Iler Art, {»besondere von Neuerscheinungen im Originell b*w geschmackvollen Bibliotheksemband, Außer den deutschen Büchern auch englisch«, hebräische, jiddische u. Deutsch-Judaica in reicher Auswahl. Täglicher Umtausch Den ganzen Tag von 8 bis 6 Ubr geöffnet Monatsgebühr Hilf S Keine Bandgebühr ik m

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