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Die Stimme · 1931-04-09 · Heft 171 (9.4.1931) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 171 (9.4.1931)
Date
1931-04-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V. b. b. BEZUGS¬ BEDINGUNGEN 0**i«rr«ich monatlich S 150, viertelj*hrJ. S 4*20, g«n* tlhrL . . S 16- Deutcchld. viertel jlhrl. KM 3’- Techechosloviake) viertelj. Ke 24’— Jugoslawier, viertel jihrl. Din. 40- Polen Vierteljahr lieh . Zloty 6 50 Ungarn Vierteljahr lieh Pengc 4 20 Rutnlnien vierte) ehrt. Lei 120ebrige« Ausland vierteljlhrl. Schtv Franken 4*50 Jüdisdke Zeitung 4. Jahrgang ü„ A Al vl Wien, Doaneratag, 2. April 1931 (15. Nissan 5691) / N Preis 35 g Erscheint jecen Donnerstag Redelticn tmd Adttirieuati Wien, 1., Krintc stufe 28 Tel. R-27 4-66 Fosiff eil Essen- 1 enti: CcMcr. D 113.546 Polen . . 1C1JS9 Iscl ecloslowalei . 5C0.230 Jugoslevden 40.679 M R < <x> 5? CD 01 (1 M Ui c+ •u’’ 0): Num' v 170 1 v ■ TELEFON!B 24-5 GROSSBETRIEB FÜR HflUSUIflSCHE Als der große Führer die Juden aus der ägyptischen Knechtschaft führte, war sein Ziel, aus den Zermürbten und Getretenen, die das freie Denken und Leben verlernt hatten, ein freies Volk zu machen. Das größte Genie der jüdischen Geschichte war sich dessen bewußt, daß diese einschneidende Wandlung nicht von heute auf morgen möglich sein würde, daß Jahrzehnte vergehen und neue Generationen die alten Knechtjuden ablösen müßten, und erst dann ein freies, aufrechtes, ansiediungsfähiges Volk entstehen könnte; wußte auch, daß er selbst das von ihm angestrebte Ziel kaum erreichen würde. Und dennoch hinderte all das ihn nicht, entschlossen und Unbeirrt das große Werk zu beginnen und zu vollbringen, das Werk, das er als von Gott gewollt empfand und das ihm deshalb als von Gott befdhleri schient ■ Unwillkürlich drängt sieh die Frage auf: gab es denn zu jener Zeit keine Extremisten — um in der heutigen Sprache zu sprechen: keine Revisionisten und Radikalen —, keine Gruppen, die ganz rechts, und keine, die ganz links standen? Ließ man den großen Freiheitshelden, der uns heute in der Distanz der Geschichte gewiß viel bedeutender erscheint, als ihn seine Zeitgenossen sahen, ganz nach seinem eigenen Gutdünken schalten und waltfcrf? War denn niemand da, der ihm vorwarf, die Aktion wäre ungeiniigend vorbereitet, weil nicht einmal für die notwendige Menge gesäuerten Brotes vorgesorgt wäre? Und war denn auch genau untersucht worden, ob alle Auswanderer richtige Hundertprozentige waren? Hat man Moses von keiner Seite den Vorwurf gemacht, er treibe Geheimpolitik, weil er sein Ziel, namentlich aber seinen Weg nicht öffentlich verkündete? Moses wäre sicherlich imstande gewesen, auch der schärfsten Opposition energisch entgegenzutreten. Er kannte gewiß auch die Fehler, die das Volk in der Galutli angenommen hatte, die Zerwürfnisse zwischen den Gruppen, die Eifersüchteleien zwischen einzelnen Familien. Wenn ihn, wie angenommen werden muß, die Kenntnis dieser Tatsachen schmerzte, wußte er doch, daß die Jahrzehnte der Wanderung, die Sorge ums tägliche Leben, der Kampf mit den Naturgewalten und den feindlichen , Völkern die Juden von Grund auf wandeln und sie zu einer festen Volkseinheit zusammenfügen müßte, die imstande sein würde, die altneue jüdische Heimat anzusicdeln und das neue jüdische Reich zu begründen. Auch wenn es nur eine Phrase zu sein, scheint, kann dennoch mit Berechtigung gesagt werden: die Geschichte wiederholt sich und die heutige Zeit gleicht der damaligen in vieler Hinsicht. Der Aufbau der ewigen jüdischen Heimat ist und bleibt das Um und Auf der jüdischen Bewegung. Vor zweieinhalb Jahrtausenden brauchten die Juden vierzig Jahre, um den Weg von Aegypten nach Palästina zurückzulegen. Heute ist unsere Vorhut schon dort am Ziel. Wann kommt die Armee nach? Ist es nicht ein Gebot, das allen gilt, der in Palästina bereits angelangten Vorhut aus allen Kräften zu helfen? Wir haben es trotz allem doch leichter als unsere Vorfahren, zu deren Erinnerung wir in diesen Tagen ungesäuertes Brot und bittere Kräuter esseiu W. E. Die Lage und die Ziele der zionistischen Organisation Die Rede des Herrn Felix Rosenbiüth (London) Sonntag, den 29. März, fand im Festsaat des Hotel Continental ein großes, vom zionistischen Landeskomitee fUr Oesterreich veranstaltetes Meeting statt, an dem Herr Felix Rosenbiüth, Mitglied der zionistischen Exekutive, London, ein großangelegtes Referat über die Lage und Ziele der zionistischen Organisation hielt. Das Meeting wurde mit einer kurzen Begrüßungsansprache durch Dr. Oskar Grünbaum, Präsident des Zionistischen Landeskomitees *für Oesterreich, eröffnet. Herr Felix Rosenbiüth begann seine Ausführungen mit einem Appell zur Festigung und zum Ausbau der zionistischen Organisation im Rahmen des Sokolow-Monätes. Die Exekutive fordert den Einsatz aller Kräfte für die1 Erweiterung der Schekeiaktion, die in Ostgalizien und in Westgalizien mit einem Ergebnis von 50.000, bezw. 22.000 Schekalim Rekordziffern erzielt hat, und die auch in Oesterreich noch sehr ausdehnungsfähig ist. Die Exekutive fordert Ausbau und Festigurg der Lokalgruppen und insbesondere die Eingliederung von festorganisierten Mitgliedern in die zionistischen Ortsgruppen und Landesverbände.; Der Redner führte sodann^ etwj^ folgeid^ fM** Wehn man für den Ausbau tlerzionistischen Organisationsarbeit alte Rezepte gibt, so darf man nicht übersehen, daß wir heute mit neuen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, die in diesem Maße früher nicht bestanden. Der schlimmste Feind organisatorischer Konsolidierung und organisatorischen Aufstieges ist eine eigentümliche Spielart von Defaitismus, der reale Schwierigkeiten durch eine Flucht in einen unernsten und gedankenlosen Wortradikalismus gewissermaßen auf deklamatorische Weise zu übertrumpfen und zu überschreien sucht. Wir leben heute nicht mehr in der Welt der reinen Propaganda, sondern jfus dem Jfntkaft: (Reverend Witttam 3€. JYetfkfcis Testament W. (fessadSr üDr. 9r. £öwm> enstein: Jdrofa^iscfte ftneuevund Binfamin feget: Jttaxxottk X. SL Bern iUdisdke Jiönig Xear Cssip Xeroitf; JVIa-nisdiioneA im Jemzeftsicnfeifft _ fern Wotf: ifeder am JKiitetmeer Souls &Htteman: Aus dem&agc- 6u<ft eines Getauften 5Dr. lüaif ftosenfefd: JtZa~nisdtk~ tanetk IQeditfkO Jfutian Cfuwiwn: jDas Jüdtein (SedidkO 9canxisfta Btodk-JVfaftfer; Bas ernste Sasben &eiix fRosenftflilfti große Wiener Rede Br. Besider SFriedmamns Rede in der Budgetdebatte dzv Huftusgemeinde Br. fihäiin (fartabowver: Sine einbeittUbe xtoniattsetke CrganU mmtion S. Rdkmrt Vottxioniswnus USWV. U9W. ^1 unsere Wirklichkeit ist mit politisch-diplomatischen und kolonisatorisch-wirtschaftlichen Problemen erfüllt. Wenn wir hier Widerständen begegnen, so müssen wir sie ernst anpacken und Schritt für Schritt zu Überwinden suchen. Es bedeutet aber keinen ernsten Kampf mit solchen Schmierigkeiten, wenn man ihnen nichtssagende Formeln entgegenstellt, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben. Diese Methode hat ihre Gefahren auch auf politischem Gebiete, sie interessiert mich aber in diesem Zusammenhänge nur iS Ihrer Wirkung auf die Lage in der Organisation, und hier führt diese Methode der Fassadenpolitik und des Wortradikaiismus mit Notwendigkeit zu Enttäuschung und zii Verzweiflung in der zionistischen Massen. Auf die Frage, die heute überall gestellt wird: Was ist der Sinn unserer Arbeit,: wenn uns die Araber nicht wollen .und wenn die Engländer schwanken? — genügt ,es nicht, mit leeren Redensarten zu antworten, sondern es muß der Nachweis ' geführt werden, daß der Zionismus auch im Rahmen ein£r harten Wirklichkeit seinen Sinn behält und zur Befreiung und Erneuerung des jüdischen Volkstums führen wird.;; Ein beinahe ebenso schlimmer Feind organlsatoif- 2'^ehir Konsolidierung Ist die in unseren Reihen immer mehr um sich greifende Erschütterung der Disziplin« Gerade diejenigen, die sich nicht genug darin tun können, - sich als die einzigen Erben des wahren Herzl-Gedankens aufzuspielen, lassen nichts unversucht, um die Moral der Bewegung zu untergraben. Die Moral einer auf . Freiwilligkeit aufgebauten Organisation ist aber dte Disziplin, das heißt in erster Linie der Respekt vor den höchsten Instanzen der Bewegung. Es ist an dgr Zeit, daß namens der Exekutive in entschiedener Weise Verwahrung eingelegt werde gegen den systematischen... und zlelbcwußten Angriff der revisionistischen Organisation auf die Disziplin der Bewegung. Der Redner verliest die Pressenachrichten über das Auftreten des Führers der palästinensischen Revisionisten Dr. v. Weisl in Aegypten und über das Manifest der ägyptischen Revisionisten, in dem Dr. Weizmann als Agent des britischen Imperialismus gezeichnet wird. Es ist richtig, daß verantwortliche revisionistische Kreise von diesem dummen und gemeinen Verrat abgerückt sind, aber damit sind die revisionistischen Führer ihrer Verantwortung nicht enthoben. Es gibt kaum einen erwähnenswerten revisionistischen Führer, der sich nicht mindestens einmal in aufgeblasenen und lächerlichen, aber in ihrer Wirkung auf die Masse verderblichen revolutionären Drohungen gefallen hätte. Man faßt Resolutionen, in denen der Exekutive das moralische Recht abgesprochen wird, Verhandlungen mit der englischen Regierung zu führen. Man veröffentlicht Artikel, in denen Dr. Weizmanns Recht zur Verhandlungsführung bestritten wird, obschon er vom Aktionskomitee ausdrücklich gebeten worden ist, diese Verhandlungen zu leiten. Die .Wirkung auf die revisionistische Gefolgschaft habe ich im Osten studieren können. Verantwortliche, ruhige und dem Revisionismus nicht einmal fernstehende Führer haben erklärt, daß die Revisionisten die. Arbeit der zion. Fonds stören. Man hat mirerzählt, daß sich revisionistische Jugend damit vergnügt hätte;, mit Weizmann-Bildern ein Autodate zu veranstalten. Daa Wort «Weizmann ist ein Verräter» ist zu einem politischen Argument geworden. Ich habe diese langen Ausführungen gemacht, um eine Bitte an unsere revisionistischen Freunde zu richten. Ich habe vor der revisionistischen Ideologie < Respekt, aber die Revisionisten schädigen ihre eigene Sache rccruuA Wmi EU oJ Wh H HL HÄI5ER5TR. 123 AT. ALSER5TR. 6

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