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Die Stimme · 1931-04-02 · Heft 170 (2.4.1931) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 170 (2.4.1931)
Date
1931-04-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 171 — 16. April 1931 DIE STIMME Seite 8 I Seicftroerftenfreies 3lHcr «rreiajuiw vitra* eine irtuo.oiticrrmui. Die eine üeroun I euj.iu. ,.m...u.uerin ift feit ^in>uii at* tmeerujigö* nun.0 93tim§ bewirft, gegen SBerfalfung bcr 931ntimb 5?orbeußung§mittd antl dj erprobt unb frei »erlauf* gefa&e »orbeugt mtb biefen babitrdi bie notwenb ge ©la* ‘ Pdj. fftnbiumgeljalt amtlich überprüft. $epot utt-b Sluäftmft 2lpOff)CftC!B<H)et% {Bittt* I., SBftttäCife 13 $rofbeft grätig uttb frnnfo. Ein neutrales Keren Hajessod- Komiiee lür Oesterreich Nach dem Beispiele in anderen Ländern hat sich in den letzten Tagen ein überparteiliches Komitee des P a 1 ä s t i n a - A u f b a u f o n d s (Keren H a j e s s o d) für Oesterreich konstituiert, dem prominente Vertreter der Wiener jüdischen Institutionen angehören. Den Vorsitz hat Herr Dr. Wilhelm Knöpfmacher übernommen, als geschäftsführender Vizepräsident fungiert Rechtsanwalt Dr. Fritz Eckstein, dem Komitee gehören weiters an die Herren: Med. Dr. Josef Bondi, Adolf Böhm, U n i v.-P rof. Dr. Ludwig Braun, Prof. Dr. B. Hirsch 1, Direktor Dr. Viktor Kellner, D. Nebenzahl und Sandor Wolf. Die Sekretariatsgeschäfte führt Prof. Arthur Freud. Dem neukonstituierten Komitee obliegt die Aufgabe, den Gedanken des Palästina-Aufbaus in die weitesten jüdischen Kreise zu tragen und die Werbearbeit für den Palästina-Aufbaufonds (Keren Hajessod) verantwortlich zu leiten. * Die Nachricht, daß endlich auch in Oesterreich ein überparteiliches und neutrales Komitee die Ver-f antwo.iung für die Tätigkeit des Keren Hajessod übernimmt, wird von allen Freunden des Palästina- Aufbauwerkes, ob Zionisten oder Nichtzionisten, mit Befriedigung zur Kenntnis genommen werden. Damit wird für Oesterreich in bezug auf die Arbeit für das Palästina-Werk ein Zustand geschaffen, wie er in den meisten Ländern schon seit Jahren besteht. Es braucht in diesem Zusammenhänge nur auf die Organisation des Keren Hajessod in Deutschland verwiesen zu werden, wo sich das neutrale Komitee besondere Verdienste um die Ausbreitung des Keren Hajessod- Gedankens erworben hat, und wo es gelungen ist, prominente jüdische Menschen aus verschiedenen Lagern, für die Idee des Palästina-Aufbaues zu erwärmen. Eine neutrale, d. h. aus Zionisten und Nichtzionisten zusammengesetzte Leitung der Keren Hajessodarbeit liegt unabhängig von aller Jewish-Agency-Politik durchaus in der Linie des Keren Hajessod, der gleich bei seiner Gründung, als eine allgemein jüdische und unpolitische Plattform gedacht war, auf der sich alle positiven jüdischen Richtungen im Gedanken der praktischen Palästina-Arbeit treffen sollten. Dies war auch der Weg, der in verschiedenen Ländern die Erfolge der Keren-Hajessodarbeit ermöglicht hat. Es ist zu hoffen, daß das neukonstituierte Komitee dem Keren Hajessod neue Freunde und Förderer gewinnen und daß seine Tätigkeit der Palästina-Arbeit in Oesterreich einen neuen Impuls geben wird. Sir Moses Montef ores Wagen Das «Neue Wiener Tagblatt», das das in der Pessachnummer der «Stimme» zum ersten Mal veröffentlichte Testament William H. Hechlers nachgedruckt hat, erhält bezüglich des in diesem Testament erwähnten Wagens, den Sir Moses Montefiore seinerzeit benützt hatte, von Herrn Ingenieur Robert Bengough folgende Zuschrift: «Mein Großvater John E. Bengough, der in Wien Direktor der Imperial Continental Gas-Association war, ließ den Wagen, von dem in Hechlers Testament die Rede ist, in Wien in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts für Sir Moses Montefiore, der damals die Stelle des Präsidenten obgenannter Gesellschaft bekleidete und ein außerordentlich intimer Freund meines Großvaters war, bauen. Dieser Wagen diente zur Fahrt zwischen Oesterreich-Ungarn und Frankreich, Belgien und Holland, zu Reisen nach England und zurück, und wurde von Sir Moses und meinem Großvater fast ständig benützt. Sir Moses schenkte den Wagen meinem Großvater. Nach dessen Tode ging der Wagen auf meinen Vater über, und wieder nach dessen Heimgang' schenkte' ich im Aufträge meiner Mutter diesen Wagen Hechler, der ein alter Freund unserer Familie war. Wir wußten genau, welches Interesse Hechler an diesen Wagen band. Es wurde damals, im Jahre 1900, vereinbart, daß der Wagen nach Palästina kommen sollte und dort als Sir Moses Montefiores Wagen aufgehoben werde. Richtig ist also, daß der Wagen nicht in Palästina zur Zeit von Sir Moses gebraucht wurde, sondern in Mitteleuropa, und daß der Wagen ein Wiener Erzeugnis ist.» Jüdische Bodenkäufe in Palästina Jerusalem, 6. April. (J, T. X.) Wie das Landdepartement der Regierung mitteilt, haben Juden im Jahre 1930: 43.882 metrische Dunam zu einem Gesamtpreis von 817.260 Pfund gekauft. Der Fünfjahresplan Ussischkins New York, 31. März, (J. T. A.) Wie in der letzten Sitzung des Direktoriums des Keren Kajemeth in Amerika mitgeteilt wurde, sind in den Vereinigten Staaten, abgesehen von den Zeichnungen ln New York, Über deren Gesamthöhe noch keine abschließenden Berichte vorliegen, bisher die Beträge zum Ankauf von 40.000 der im Fünfjahresplan Ussischkins vorgesehenen 200.000 Dunam Palästinabodens für den Keren Kajemeth gezeichnet worden. Der Tel-Aviver Lebensretter in Wien In Wien weilte vor einigen Tagen Herr Arje (Leon) Katz, der unter dem Namen «Der Lebensretter von Tel-Aviv» nicht nur in Palästina bekannt ist. Herr Katz hat, wenn man so sagen darf, einen Rekord in Lebensretten aufgestellt, der wohl schwerlich jemals gebrochen werden wird. Er hat während der Jahre 1926 bis 1930 beim Strande von Tel-Aviv 320 Menschen vor dem Ertrinkungstode gerettet, ln seinem eigentlichen Berufe ist er Gymnastiklehrer, der u. a. auch eine orthopädische üymnastikschule für Kinder leitet. Da er während der Sommersaison am Meeresstrande Unterricht erteilt, hatte er häufig Gelegenheit, unvorsichtige Schwimmer, die sich zu weit hinausgewagt hatten und von der Strömung erfaßt worden waren, zu retten und so kam es, daß die Stadt Tel-Aviv ihn endlich als fixbesoldeten «Lebensretter» anstellte. Auf diese Weise ist Herr Katz zu seinem eigenartigen Berufe gekommen. Der sonnengebräunte, überaus kräftige und muskulöse junge Mann gibt gerne und voll Stolz dem, der dafür Interesse zeigt, ein Büchlein zu lesen, in dem all die vielen, die er vom Tode gerettet hat, ihren Dank ausdrücken. Das Büchlein ist ein Kuriosum, das jeden Psychologen, der der diversen Sprachen, in denen die Zeilen abgefaßt sind — hebräisch, englisch, deutsch, französisch, polnisch, arabisch — kundig wäre, interessieren müßte. Hier ein paar Proben: «Monsieur Leon Katz pour m’avoir sauve la vie. Encore un peu et je serais parti pour l’eternite, c’est graCe ä son devouement et energie qu’il est venu ä mon secours et m’a sauvö. Encore une fois je dis mille mercis.» Herr Katz erzählt zu dieser Notiz, daß die Dame, die sie geschrieben hat, doppelt so stark und etwa um einen halben Meter größer war als er. Er mußte förmlich mit ihr kämpfen und geriet bei ihrer Rettung selber in größte Gefahr. Eine Engländerin schrieb folgende herzlich klingende Zeilen: «I hereby appreciate the braveness shown by Mr. Katz, in saving me from the middle of the raughing sea, though being myself a good swimmer, and desire to note hereby to Mr. Katz my gratefulness for his a/m favour done to me.» Das Polizeipräsidium von Tel-Aviv hat ihm. folgende Bescheinigung ausgestellt: An alle, die es angeht. Wir bestätigen hiemit, daß Herr Arjeh Katz während der Jahre 1926 bis 1930 vom Magistrat der Stadt Tel-Aviv als Lebensretter am Freistrande angestellt war und seine Pflicht sorgsam und gewissenhaft erfüllt hat. Herr Katz zeichnete sich in seiner Arbeit aus und rettete während der genannten Jahre 320 Personen vom Ertrinkungstode. Herr Katz verdient für seine ausgezeichnete Arbeit höchstes Lob und wir halten es für unsere Pflicht, ihn jedermann zu empfehlen, dessen Dienste er gebrauchen sollte. Vizepräsident R o c k a c h, President Township of Tel-AViv. Herr. Katz hat während der Wintermonate eine Studienreise durch Schweden, Dänemark und Deutschland unternommen. Er kam hierher aus Berlin, wo er die Rettungsstationen besichtigte, sich in sportlicher Gymnastik und Wasserrettungswesen vervollkon^mnete und die moderne Technik der Wiederbelebungsversuche studierte. Er hat zu diesem Zweck die hervorragendsten Äerzte aufgesucht. In Berlin und Kopenhagen, wo er zwei interessante Vorträge über das Rettungswesen hielt, hat er besonders gute Aufnahme gefunden. Von der Rettungsgesellschaft der Wassersportvereine von Berlin und Umgebung wurde ihm ein Rettungsring jnit der Aufschrift der Rettungsgesellschaft und eine Flagge gespendet. Herr Katz ist nach Wien gekommen, um sich hier bei einigen namhaften Aerzten weiter auszubilden; er ist von hier aus nach Triest gefahren und wird ab 1. Mai in Palästina seine menschenfreundliche Tätigkeit fortsetzen. b. g. Das Gesetz über die Abschaffung der zaristischen Ausnahmebestimmungen gegen die Juden in Polen in Kraft getreten Warschau, 11. April, (J. T. A.) Das polnische Amtsblatt veröffentlicht in seiner soeben erschienenen Ausgabe das im Februar d. J. vom Sejm beschlossene und Mitte März nach einigen Abänderungen vom Senat bestätigte Gesetz über die Abschaffung der aus der Zarenzeit stammenden gesetzlichen Beschränkungen gegenüber der jüdischen Bevölkerung Polens. Damit sind die Ausnahmebestimmungen gegen Juden endgültig abgeschabt. Zwischen den Zeilen tJeher den Iriumphator und über den Ausgestoßenen Jetzt haben wir die richtige Bezeichnung für Dr. Weiztnann. Er ist ein Triumphator. So hat ihn «Die Neue Welt» in ihrer letzten Nummer benannt. Warum er ein Triumphator ist? Klar: erstens «ist er im Lande», zweitens «nimmt er allseits Fühlung», drittens «verlangt er Geld von Amerika», viertens «geht er mit der Schuldenlast auf dem Rücken», fünftens, sechstens, zehntens... Für «Die Neue Welt» gibt es hundert Gründe, wenn es gilt, einen um die Zukunft seines Volkes schwer ringenden Führer zu verunglimpfen. Und dann der Clou: Weizmann erklärte seinerzeit, erinnert«Die Neue Welt», daß die Einleitung einer neuen zionistischen Politik nur über seine Leiche gehe. Einige Zeilen tiefer lesen wir: «... Leichen gibt es zwar, aber als Opfer der Devise ,nur über meine Leiche’...» Das heißt mit anderen Worten: Auch an den Schüssen von Jadjur ist Weizmann schuld, sein Sündenregister vergrößert sich um das unschuldig vergossene Blut dreier jüdischer Arbeiter... Als Gegensatz wird Vladimir Jabotinsky, «der Ausgestoßene», hervorgehoben. «Er darf nicht ins Land, er muß herumirren». Als hätte die Nachricht von der endgültigen Einreiseverweigerang für Jabotinsky nur bei den Revisionisten Empörung hervorgerufen, als würden nicht alle Zionisten, mit der Exekutive an der Spitze, gegen dieses himmelschreiende Unrecht protestieren, als träfe ein Verbot der Einreise nach Palästina für irgend einen Juden nicht uns alle schwer,; und nun erst eines für einen Juden vom Format Jabotinskysl Aber was macht man nicht, um dem neuen Führer Weihrauch zu streuen und sich bei ihm gut einzuführen! Was versucht man nicht alles, wenn es gilt, Weizmann in den Kot zu zerren! Da sind sogar künstlich konstruierte Gegensätze, wie «der Triumphator» und «der Ausgestoßene» gestattet. Ist das nicht mehr schon als Demagogie? Aber Herr Doktor lichol Der Obmann der Unterrichtskommission im Kultusvorstand, He/r Dr. Josef Ticho, hat in der Budgetdebatte viel herumgesprochen. Wir werden mit seinen Argumenten nicht polemisieren; das hat ein Berufener schon an Ort und Stelle mit Erfolg getan. Aber einem winzigen Passus seiner unbeantwortet gebliebenen zweiten Rede (und unbeantwortet ist sie geblieben, weil sie überhaupt nicht gehalten worden war und als eine Rede nur in der «Wahrheit» abgedruckt gewesen ist) möchten wir Beachtung schenken. Herr Dr. Ticho, der israelitische Kultusminister in partibus in fidelium, sägte: «...So wurde im zweiten Bezirk eine Privat- Bibelschule mit wenigen Kindern gegründet, um einem aus Polen nach Wien ge ko mm en e n angeblichen Lehrer eine Existenz zu schaffen. Während die Inspektion fest stellte, daß weder ein Bedarf an dieser Schale vorhanden war noch daß Schüler vorhanden waren, würde der Inspektion mitgeteili, daß die Gattin und (re Kinder dieses Lehrers bereits von ihrer Heimat nach Wien übersiedeln sollen, weil ihr Familienoberhaupt in Wien eine Existenz gefunden habe... Dazu sind doch die Steuergelder nicht da!» Das klingt unschuldig, nicht wahr? Wir wollen den wirklichen Tatbestand nicht untersuchen. Aber trotzdem ist das, was Herr Di. Ticho sagte, gelinde ausgedrückt, eine Ungehörigkeit. Denn was sich in diesen wenigen Zeilen unverblümt versteckt, das ist Haß gegen die «Zug*rasten»,: die stolze Ueberheblichkeit eines «Bodenständigen» gegen östliche Invasion, kurz, die echte Mentalität eines deutsch-jüdischen Kultusträgers. Herr Doktor Ticho! Wissen Sie es nicht, daß derartige Argumentierungen auch in den Kreisen Ihrer nächsten Parteigenossen keinen Anklang mehr finden? Sind Sie nicht der Ansicht, daß Sie in der Hitze des Gefechtes etwas zu weit gegangen sind? Und glauben Sie, daß es ein Unterschied ist, ob jemand aus Böskowitz oder aus Krakau nach Wien kommt? Sem Die Wahlen in die jüdische Gemeinde Danzig Danzig. (J. T. A.) Das Resultat der am letzten Sonntag durchgeführten Wahlen in die Verwaltung der Jüdischen Gemeinde Danzig liegt nun vor. Die liberal-agudistische Liste hat eine Mehrheit von 64 Stimmen und errang 4 von den 7 Mandaten. Gewählt wurden auf dieser Liste 4 Liberale; der Agudist hatte an fünfter Stelle kandidiert und wurde nicht gewählt. Auf der national-jüdischen Liste wurden 3 Mitglieder in die Verwaltung gewählt. Gegenüber den früheren Wahlen haben die nationalen Juden ihre Stimmen um etwa 50 Prozent erhöht.

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