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Die Stimme · 1931-04-02 · Heft 170 (2.4.1931) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 170 (2.4.1931)
Date
1931-04-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 H'F STIMME Nr. 171 — Iß. Anril 1031 eine Revision unseres Endzieles in dieser Richtung notwendig ist. * Es wird später einmal eine interessante Arbeit sein, festzustellen, wie die beiden extremen Gruppen, Revisionisten und Brith Schalom, in dieser Epoche aufeinander eingewirkt haben, indem jede extreme Formulierung in der einen Richtung die andere Gruppe veranlaßte, nun auch ihrem Ziel eine möglichst zugeSpitzte Form zu geben. Wer mit dieser Auseir',n,lersetzung angefangen hat, wird heute nicht mehr leicht festzustellen sein. Sicher ist, daß die Judinstaats- Parole nicht nach jahrelanger Vergessenheit p’ötzlich wieder zu einer Kampfparole geworden wäre, wenn nicht der Brith Schalom durch seine d e f a i t i s t isehen Aeußerungen diese Reaktion hervorgerufen hätte, wie auf der anderen Seite die s c h r e i e r i s c h e Propaganda etwa des palästinensischen Revisionismus nicht unwesentlich zur Verstärkung der Bewegung des Brith Schalom Ticigetragen hat. Man kann das, was im revisionistischen Gedankengeb,’lude ideologischen Charakter trägt, in zwei Schlagworte zusammenfassen: Judenstaat und Faschismus. Freilich wird es schwer sein, eine klare Aeußerung von revisionistischer Seite darüber zu finden, was unter Judenstaat verstanden werden soll. Daß dieses Wort niemals eine anerkannte zionistische Formulierung war, bedarf keines Beweises. Daß das Wort nicht ohne weiteres verständlich ist, daß es von Arabern, aber auch von Mitgliedern des Brith Schalom dahin verstanden wird, als sei ein rein jüdisches Palästina gemeint, also die Vertreibung der Araber beabsichtigt, ist ebenfalls bekannt. Ebenso sollte ohne weiteres verstanden sein, daß die Verwendung des Wortes «Staat» an ein unabhängiges Gemeinwesen denken läßt, was keineswegs im Begrifr der öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte liegt. Demgegenüber lassen sich zahlreiche revisionistische Reden und Artikel nachweisen, in denen die Worte Judenstaat und jüdische Mehrheit als identisch gebraucht werden, was ohne Zweifel die Verwirrung nur noch zu steigern geeignet ist. Ist nur an Majorität gedacht, so ist es klar, daß der Begriff Judenstaat gänzlich ungeeignet ist, diesen Gedanken zum Ausdruck zu bringen. Ist an mehr gedacht, sc müßte zuerst einmal eindeutig auseinandergesetzt werden, inwiefern die Erreichung der jüdischen Majorität nicht ausreicht und was ihr hinzugefügt werden soll. Die Ereignisse der letzten Jahre scheinen uns jedenfalls keine Tatsachen zu enthalten, die eine über das Baseler Programm hinausgehende Formulierung unseres Endzieles rechtfertigen würde. Auch sonst muß gesagt werden, daß die revisionistische Theorie noch sehr der Durcharbeitung bedarf, wenn eine ernste Auseinandersetzung angestrebt wird. Wir finden Ansätze zu einer anti-demokratischen Orientierung, Versuche, einen Herrenstandpunkt gegenüber der arabischen Bevölkerung herauszuarbeiten, finden Vertrauen auf Waffengewalt als eine Grundlage des palästinensischen Jischuw, finden endlich eine Sympathie gerade für die imperialistische Seite in der britischen Politik. Wenn man diese und ähnliche Ansätze als Faschismus bezeichnet, so würden wir hier neuerlich vor der Wahrnehmung stehen, daß die politischen Strömungen unserer Umgebung auch auf uns abfärben und daß ein zionistischer Faschismus historisch wahrscheinlich unvermeidlich war. An sich läßt sich Faschismus ebenso mit Zionismus verbinden wie Sozialismus oder Pazifismus, und es ist nur seltsam, daß die Führer des Revisionismus ihre Auffassung im Gegensatz zu der des sozialistischen Zionismus als den reinen, von keinen anderen Strömungen beeinflußten Zionismus angesehen wissen wollen. Wenn alle diese Ansätze zu einer imperialistisch-faschistischen Neuorientierung den Charakter einer durchgebildeten zionistischen Ideologie erhalten sollten, so ständen wir wirklich vor einer Revision unserer zionistischen Ideologie. Aber es ist wohl sicher, daß die überwältigende Mehrheit der zionistischen Bewegung Gedankengängen dieser Art absolut ablehnend gegenübersteht und nicht nur aus sehr klar auf der Hand liegenden taktischen Gründen unserer gesamten Weltorientierung ein Abgleiten nach dieser Richtung hin verwerfen würde. Es ist oft behauptet worden, daß ein Zionist heute logischerweise nur Revisionist oder Anhänger des Brith Schalom sein könne. Diese Behauptung ist ein sinnlos demagogisches Gerede. Man könnte hier wiederum Bin Gurion zitieren, der es bedauerte, daß so gesunde Gedanken wie der der Versöhnung mit den Arabern und der der jüdischen Mehrheit heute durch die beiden Gruppen, die sich zu Wortführern dieser beiden Ideen gemacht haben, kompromittiert worden seien. Das eine ist sicher, daß die Politik der palästinensischen Arbeiterpartei in den letzten Jahren die beste Antwort auf die Extreme von rechts und links gewesen ist. Hier vereinigte sich die vollkommene Aufrechterhaltung des zionistischen Endzieles in seiner Größe nicht nur mit vollem Verständnis für die Notwendigkeit einei Verständigung mit den Arabern, sondern zugleich mit der Aufzeigung von Wegen, die in dieser Richtug zum Erfolg zu führen vermögen. Hier hat man verstanden, daß gerade die Verquickung des Versöhnungsgedankens mit dem einer den Zionismus verkleinernden Neuorientierung für die Mehrheit der Zionistischen Organisation auch den Gedanken der Versöhnung inakzeptabel erscheinen läßt. Nur ein Zionismus« der sein ein- , mal als richtig erkanntes Endziel unbeirrt weiter ver- I folgt, wird auch imstande sein, den Aufgaben jeder Epoche gerecht zu werden. Wenn hier der Standpunkt vertreten wurde, daß eine Neuorientierung unserer Ideologie nicht erforderlich ist, so soll doch zur Ergänzung darauf hingewiesen werden, daß eine stärkere Beschäftigung mit ideologischen Fragen der Bewegung bitter not tut. Wir brauchen eine Anwendung der alten historischen Formulierung unseres Endzieles, wie sic im Baseler Programm vorliegt, auf die Wirklichkeit und wir werden dann bei Erreichung der notwendigen Klarheit vielleicht auch einmal dazu kommen, den Sinn unserer Bewegung in einer ausführlicheren, die Begründung mit enthaltenden offiziellen Formulierung zu deklarieren. Prof. Weizmann aus Palästina abgereist Der Präsident über die Verhandlungen mit der Kegieiung Jerusalem (J. T. A.). ür. Weizmann empfing im Hauptbureau des Keren Hajessod eine Reihe von Pressevertretern und äußerte sich ihnen gegenüber über Fragen der zionistischen Innen- und Außenpolitik und die Bedeutung der vom Keren Hajessod geleisteten Aufbauarbeit. Dr. Weizmann bekräftigte seine frühere Mitteilung, daß der zweite Teil der Verhandlungen mit der englischen Regierung am 13. April eröffnet wird. Wie die J. T. A. erfährt, wird das neue Regierungskomitee, das die Verhandlungen mit der Jewish Agency fortsetzen wird, aus Generalanwalt Malcolm Mac Donald und je einem Vertreter des Kolonialamtes, des Außenamtes und des Schatzamtes bestehen. Bezüglich der Araberfrage betonte Dr. Weizmann, daß er bisher in keinerlei Verhandlungen mit Arabern eingetreten sei und daß alle diesbezüglichen Nachrichten vorwegnehmende Kombinationen darstellen. Weizmann sprach sodann ausführlich über die Bedeutung des Keren Hajessod für den Palästina-Aufbau und erklärte, die Unterscheidung zwischen nationaler und privater Initiative sei künstlich. Der Keren Hajessod sei das Finanzinstrument der Chaluziuth, ohne die Privatunternehmungen unmöglich wären. Die Aussichten einer Verständigung mit den Arabern Dr. Chaim Weizmann empfing einen Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur und äußerte sich ihm gegenüber folgendermaßen über die politische Lage und die Möglichkeit einer Verständigung mit den Arabern: «Es gibt zweifellos viele Araber, die bereit sind, mit den Juden zu kooperieren, sich aber fürchten, als Verräter gebrandmarkt zu werden, wenn sie sich in Verhandlungen mit den Juden einlassen. Politischer Terror hält diese Araber davon ab, in Beratungen mit den Juden einzutreten. Auch einige Juden haben dazu beigetragen, die Besorgnisse der Araber zu steigern. Wir müssen jetzt darauf hinarbeiten, die Araber einer Kooperation geneigt zu machen, und das bedeutet Konzessionen von unserer Seite. Dr. Weizmann bestätigte sodann die von der J. T. A. gebrachte Nachricht, daß die Londoner Regierung den Wunsch zum Ausdruck gebracht habe, der High Commissioner möge eine Besprechung zwischen jüdischen und arabischen Führern zustandebringen. Die Palästina-Verwaltung sei jedoch bei der Ausführung dieses Auftrages sehr naiv zu Werke gegangen, indem sie einfach den Wunsch der Londoner Regierung an die arabische Exekutive weiterleitete. Nichtsdestoweniger sei zu erwarten, daß sich ein beträchtlicher Teil der arabischen öffentlichen Meinung zugunsten einer Kooperation aussprechen werde, obwohl der MacDonald-Brief, wenn er auch bloß den Status quo wiederhergestellt hat, viele Araber tief enttäuschte. Dies sei die Folge der Zickzackpolitik. Die arabische Exekutive repräsentiere vielleicht nicht das Volk, aber sie repräsentiere alles, was durch Geschicklichkeit, Geldmacht oder Unterstützung seitens Englands Geltung hat. Doch verrate sich in der «Non possumus-Gewandung» der Führer ihre Nervosität. Zur Besprechung der aktuellsten politischen Palästina-Probleme, der Frage der Anleihe und einer Legislative übergehend, erklärte Dr. Weizmann: Ohne vorheriges dreiseitiges Uebereinkommen zwischen englischer Regierung, Arabern und Juden wird das Unterhaus die Landentwicklungsanieihe, deren Rückzahlung, sehr erschwert sein wird, solange nicht das Vertrauen der Juden wieder- )ierg&3*3llt ist und die Investition^» ln PaUstina wieder eingesetzt haben, nicht garantieren. Die Einsetzung einer Legislative ist ohne Zustimmung der Juden, die mit der Eventualität rechnen müssen, daß sich die britischen Vertreter Im Council mit den Arabern gegen sie vereinigen, unmöglich. Abgereist Jerusalem, 5. April (J. T. A.). Der Präsident der Zionistischen Organisation und der Jev/ish Agency Dr. Wehmann ist in Begleitung Dr. Arthur Rupplns nach Europa abgercist Glossen Agudisiiocje u.;c<ia> utiuberei Der Wiener Volksmund hat für den Typus des Im Wesen unbedeutenden Mannes, der wichtig tut und sich bei jeder Gelegenheit bemerkbar zu machen sucht, eine eigene treffliche Bezeichnung: Gschaftlhuber. Die jüdische Anekdote zeichnet einen ähnlichen Typus in der Person eines Flickschneiders, der als einziger sich weigerte, das Anstellungsdekret des neuen Rabbiners seiner Gemeinde mitzufertigen. Nach dem Grund seiner Gegnerschaft befragt, erklärte dieses Schneiderlein offenherzig, daß es durch seine Handlung lediglich seine Existenz sowohl der Gemeinde als auch dem Rabbiner zur Kenntnis bringen wollte, nun dies geschehen ist, könne die Anstellung des Rabbiners ohne weiteres erfolgen. ln der Rolle eines solchen Wichtigtuers scheint sich die «Agudas Israel» besonders gut zu gefallen, nur sind ihre Handlungen nicht immer so harmlos. Nach der Friedensbotschaft ihres geistigen Oberhauptes, das Rabbiners Sonnenfeld, veröffentlichte nun auch die palästinensische Zentrale der Agudah eine Erklärung zur jüdisch-arabischen Frage, die entschiedene Zurückweisung verdient. Sie ist in ihrem Tone anmaßend, in ihrer verkappten Tendenz verurteilungswürdig und kann in ihren Wirkungen schädlich werden. Vorsichtigerweise bezeichnet sich die Agudah in dieser Erklärung als eine Organisation, die «an der Kolonisierung und Entwicklung des Landes interessiert ist». Wohlgemerkt — bloß interessiert ist, was ja blutwenig verpflichtet. Jedenfalls enthebt bloßes Interesse der Verpflichtung zu persönlichen und materiellen Opfern und zu rastloser werktätiger Mitarbeit an der erstrebten Kolonisierung und Entwicklung des Landes, wie cs z. B. dev Zionismus [ordert und tut. Allein, genügt schon dieses bloße Interesse, uin sich die Wortfiihrung in der jüdisch-arabischen Verständigung zu arrogieren? Gebietet nicht vielmehr sowohl der politische Takt als auch die aus der Thora fließende Ethik, die Führung in dieser ebenso wichtigen wie heiklen Angelegenheit der Zionistischen Organisation zu überlassen, jener Organisation, die bisnun die gesamte Last des Palästina-Aufbaues auf ihren Schultern trägt und daher in erster Reihe an der Entwicklung des Landes und an der Wiederherstellung der Ruhe im Lande lebhaft interessiert ist? Diese wichtigtuerische Gschaftelhuberei könnte noch ruhig Itingenomrnen werden, wenn die erwähnte Erklärung nicht auch Wendungen enthielte, die falsche Deutungen und Schlüsse zulassen. Eine solche ist z. B. die Feststellung, daß es der Wunsch der Agudas Israel sei, mit den Arabern in Palästina in Frieden zu leben. Was hat die Hervorkehrung der Agudah in diesem Zusammenhänge zu bedeuten? Wäre es nicht richtiger und zweckdienlicher gewesen, den Frieden als den Wunsch der gesamten Judcnheit zu betonen? Sieht diese Hervorhebung nicht wie eine ’—absichtigte Veränderung eines anderen Teiles oder einer anderen Organisation des Judentums aus? Diesen Eindruck muß auch die wjederholte Betonung des Friedenswillens des orthodqxen Judentums erwecken, die die Konstruierung eines diesbezüglich bestehenden Gegensatzes zwischen diesem und den anderen Teilen ermöglicht. Es ist nicht das erste Mal, daß das Häuflein der Agudah- Fiihrer sich hochwichtige politische Extratouren, und nicht innrer zum Frommen der jüdischen Sache, erlaubt. Die Veröffentlichung der besagten Erklärung knapp nach den offiziellen Verhandlungen ihrer Vertreter mit der Jewish Agency stellt jedenfalls ihrer Büdnisfähigkeit kein ehrendes Zeugnis aus und sollte die Jewish Agency veranlassen, sich mit dieser Organisation in keine weiteren Verhandlungen einzulassen. Dem faktischen Palästina-Aufbau kann die Agudah mit ihrem platonischen «Interesse» nicht viel nützen und von ihren schädlichen Extratouren werden sich ihre Führer offenbar auch durch formelle Vereinbarungen nicht abhalten lassen ... M. H e n 1 s e h. unsere geeunen Leser werden auf das c. ..er Fe.nwaschanstalt «Habsburg», Zentrale: VI., Wailgasse Nr. 4, (Seite 1) aufmerksam gemacht. Die Firma ist als einzige dieser Branche Mitglied der Rabattsektion des Keren Kaiemeth und die Mitglieder dieser Sektion genießen bei Bestellungen den üblichen Rabatt. Denken Sie an Ihre Zukunft und beeilen Sie sich, das in dem der heutigen Auflage beiliegenden ülückskalender für Sie bestimmte Glückslos be» der Geschäftsstelle Brüder Beermann, Wien, I., Rotenturmstraße 13, Ecke Hoher Markt und Lichtensteg, zu bestellen. I11 der am 10. Mai begmiienden neuen Klassenlotterie werden von 84.000 Losen 42 000 mit Gewinnen und einer Prämie gezogen, somit durchschnittlich auf zwei Lose ein Treffer! Hüchstucwinn: R00 000 S, speziell 500.000 S, 300.000 S, 2 4 100.000 S, 2 ä 80.000 S, 2 ä 60.000 und viele beliebte Mittelgewinne. 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