Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 169 (26.3.1931)
- Date
- 1931-03-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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- Haifa 1× ep/1047930
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- zu. marz iyoi UIC ÖIJ.vi.,. tfedhnifc und Wirisiäaft Nr. 4 Beilage der „Stimme“ März 1931 Techniker voran! Von Ing. Berthuld M a n d 1. WÄr eröffnen mit diesem beachtenswerten Aufsätze eine Diskussion über ein Thema, das — nicht nv* auf die Technik begrenzt — vielleicht schon auf dem nächsten Zionistenkongreß von Bedeutung werden kann. Es betrifft die Frage, ob «Nur-Poli- - tiker» oder «Spezialisten» die Exekutive bilden sollen. (Die Red.) II. Da der Aufbau des Landes selbst in erster Linie ©ine technische Frage ist, die den kulturellen Fragen Vielfach erst Richtung gibt und sie beeinflußt, andererseits die Technik aber gerade in unserem Jahrhundert eine dominierende Stellung auf allen Gebieten einnimmt, ist es zweifellos der Techniker, der das entscheidende Wort in allen Aufbaufragen zu sagen hätte. Daß es eine gewaltige Menge von technischen Fragen in Palästina zu lösen gibt, ist allgemein bekannt. Ich will daher hier nur die wichtigsten erwähnen. Es sind dies: 1.- landwirtschaftliche, wie Be- und Entwässerung, Aufforstung, argrikulturelle Versuche; . 2. städtische, wie Städtebau, Siedlungswesen, Ijidustrie; 4 3. verkehrstechnische, wie Eisenbahn-, Straßenliiid Hafenbau; / ... 4. allgemeine, wie Energiewirtschaft (Wasserkraft, Elektrifizierung), Erschließung der Bodenaöhätze, sanitäre Einrichtungen, und n5. sekundäre, wie Arbeiter- und Lohnfragen, Verwendung von arabischen Arbeitern, technisches ftachschul- und Fortbildungswesen. Es ist somit einleuchtend, daß der Techniker in nahezu allen Fragen des Aufbaues unentbehrlich ist. Er ist berufen, nicht nur Detailfragen zu lösen, sondern einen nach allen Richtungen wohldurchdachten Plan aufzustellen, der alle Hemmnisse und Einschränkungen überbrückt und alle Möglichkeiten ausnützt. Er muß die Gegenwartsfrage in Betracht ziehen, aber auch die zukünftige Entwicklung vorausahnen und demgemäß seine Vorkehrungen treffen. Er muß den Stand der heutigen Einrichtungen durchaus . kennen, urn die modernsten' ErrungenscHaften' 'iusM$ef)f und' aücTi die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und sonstigen Auswirkungen ins Kalkül ziehen zu können, da sonst leicht die aussichtsreichste Gründung fehlschlagen könnte. * Wie ist nun der Aufbau in Palästina bisher vor sioh gegangen? Es ist nicht meine Absicht, hier eingehend Kritik zu üben. Ich will nur einige Beispiele anführen, die beweisen, daß obige Stipulationen flicht oder nicht ausreichend Berücksichtigung fanden. Die Landwirtschaft wird fast ausschließlich auf extensiver Basis betrieben, ein System, das das Land unmöglich befähigen kann, mit den für extensive Wirtschaft prädestinierten Ländern, wie Argentiniern, Kanada, Australien, zu konkurrieren. Können j die Kolonien sich selbst erhalten? Sind sie aktiv? . Anscheinend nicht, denn wenn man die betreffenden Berichte durohsieht, findet man nur ganz geringe Sürrirnen als Pachtzinse verrechnet. Es scheint also, IdaS diese Wirtschaftsform nicht die geeignetste war, (und wenn man die Kolonie Schechunath Boroohow tzum Vergleich heranzieht, in der eine gemischte (Garten- und Industriewirtschaft betrieben wird, fällt Shr Gedeihen angenehm auf. Im Galil sind den Ansiedlern Böden in einem Zustand übergeben worden, der. von vornherein ©in günstiges Resultat zweifelhaft (erscheinen ließ, beziehungsweise dieses vom Zufall der gefallenen Regenmenge abhängig machte. Wir konnten fast jedes Jahr in den Zeitungen lesen, daß die Ernte im Galil unter der großen Trockenheit zu leiden hatte, und erst viele Jahre später wurde die (notwendige Bewässerung durchgeführt. In Tel Aviv, (einer Stadt mit moderner Bauweise, bildet die Eisenbahn, weltihe die Stadt auf gleichem Niveau traver- Siert, ein großes Verkehrshindernis. Manche Industrien wurden nach Auskünften von — Juristen und (anderen Laien gegründet; sie erwiesen sich als unzweckmäßig und mußten aufgelassen werden. Es (ließen sich noch zahlreiche Beispiele bringen, doch ■^taube ich, es geht bereits aus den angeführten hertyör, daß die technischen Erwägungen nicht ausreichend in Rechnung gestellt wurden. * Welche Unsummen Geldes hätten erspart und Anderweitig verwendet werden können, wenn vor ^’es gung auf ein Programm die technischen Seiten gyüiKilich untersucht worden wären! Damit künftighin derartige Rückschläge auf das unvermeidliche ii\aß bfsohränkt bleiben, stellen wir die Forderung, «laß bei allen Fragen, ob grundlegend oder detail, (die hierzu berufenen Techniker zu Rate gezogen werden. Wir sohlagen daher vor, daß die jüdischen fltechnikervereinigungen sich auf dem Kongreß zu einem jüdischen Welttecümikerverband zusarmmen- Alles spricht davon, daß die altrenommiertenj SCHMIDT, M 11 MwA JL HIM JmI mm S VVATD JUaaaU 1 Hi heuer besonders gut geraten sind. / Ueberzeugen Sie sich durch Kostproben. ZENTRALE: N. Brodezky, li. Leopoldsg. 43 A-46-1-90 A-60-2-63 A*41-9-32 und in allen besseren Geschäften zu haben. schließen, dem alle für die Allgemeinheit wichtigen Fragen des Aufbaues zur Begutachtung und zur Ausarbeitung von Plänen vorgelegt werden müssen; dieser Verband soll im Aktionskomitee vertreten sein, wozu er zufolge der Bedeutung der Technik für den Aufbau Palästinas berechtigt ist. Der Techniker von heute weiß, daß er, um Erfolge zu haben, sich nicht auf den engen Kreis seines Fachgebietes beschränken darf, daß er vielmehr auch alle Vorgänge, die außerhalb desselben liegen, aufmerksam verfolgen, beachten und berücksichtigen muß, da andernfalls seine Pläne leicht auf falschen Voraussetzungen basieren könnten, Und es besteht wahrlich kein Mangel an geschulten und erprobten jüdischen Technikern, die der Aufgabe gewachsen wären! An unsere Techniker aber müssen wir. ebenfalls die Forderung stellen, nicht, wie bisher, abseits zu stehen bei dem großen Werke, das vom jüdischen Volk geschaffen wird. Wir müssen uns vereinigen und zeigen, daß wir da sind, daß wir tätigen Anteil an dem Aufbau unseres Landes nehmen wollen, zum Nutzen des einzelnen, wie der jüdischen und nichtj ü dis ch en G es a m t h eit! HHHHHHUMOHHHinnnnMnHHHMMflHBBMBHI Die brennendste Frage...!? Wo verbringe ich heuer meine Sederabende? Im bestbekannten orth. ntD l Restaurant A. Barschak Wien, II, Große Schiffgasse 3, Telephon R 40-1-39, wo, wie alljährlich, Sederabende in traditioneller und feierlicher Weise abgehalten fl werden. fl fl Einen wahren Pessachgenuß für den verwöhnten fl fl Feinschmecker bedeuten A. BARSCHAKS WEIN- 8 1 SPEZIALITÄTEN. Eine wirkliche Auslese: Palästina, fl ■ Karmel, Muskat, Malaga, Met, la Slibowitz und Kognak, fl fl Das Restaurant steht unter Aufsicht des ehrwürd. fl H Rabbinats der Kultusgemeinde H | “ttOJÖ FiDV "1 TI 3111 I Jtliszellen J£andn>irtscfkaft Die Frage der Intenslv-Kolonisation Vor einiger Zeit hielt Dr. S o s k i n in verschiedenen Städten Europas Vorträge über Fragen der landwirtschaftlichen Siedlung in Palästina, wobei er die Kolonisationsmethoden der Zionistischen Organisation kritisert hat. Der Leiter des zionistischen Kolonisationswerkes, Dr. Arthur R u p p i n, unterhielt sich über dieses Thema mit Vertretern der Presse und führt u. a. aus: Vor sechs Jahren habe ich in meinem Buche über die landwirtschaftliche Kolonisation der Z. 0. in Palästina dargelegt, warum sich den Soskinschen Vorschlägen, die die zionistische Kolonisation auf Gemüse- und Bewässerungskulturen basieren wollen, in Palästina besondere Hindernisse in den Weg stellen werden. Ich halte das, was ich damals esagt habe, noch heute aufrecht. Für die Beurteilung der xportmöglichkeiten müssen nicht nur Palästina, sondern alle Mittelmeerländer, in denen ähnliche klimatische Verhältnisse wie in Palästina obwalten, in Betracht gezogen werden. Viele der Mittelmeerländer haben infolge ihres besseren Bodens, größeren Wasserreichtums und besserer Verbindung zu den Exportmärkten gegenüber Palästina große Vorzüge voraus. Vergleicht man Palästina mit den anderen Mittelmeerländern, so fällt zunächst das Sonnenmonopol Palästinas, auf das Soskin so großes Gewicht legt, in sich zusammen. Aegypten, Syrien, Algier, Tunis, Malta, Spanien, Sizilien haben ungefähr dieselbe Temperatur wie Palästina. Sizilien produziert ungeheure Massen von Gemüsen, namentlich Torrraten, und bringt sie zu außerordentlich niedrigen Preisen als frische Tomaten oder als Tomatenmus zum Export. Der palästinensische Bananenexport nach Aegypten hat einen ernsten Rückschlag erlitten. Eine Ausnahme macht die Orange. Sie scheint in der Tat in Palästina besser zu gedeihen als in den meisten anderen Mittelmeerländern (ausgenommen vielleicht Zypern). Hier hat Palästina anscheinend ein natürliches Monopol. Im allgemeinen besteht jedoch bei der Neigung der Produktionsländer des Mittelmeeres zu protektionistischen Maßnahmen aller Anla?, gegenüber einem Siedlungsprogramm, das zum größten Teil auf den Exportmöglichkeiten für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse aufgebaut ist, sehr vorsichtig zu sein. Beer-Tuwiah Am 21. Februar besuchte der High Cotnmissioner in Begleitung von Vertretern jüdischer Institutionen Beer-Tuwiah. Die Kolonie war in den 1929er Augustunruhen von Arabern zerstört worden und ist im letzten Jahre aus den Mitteln des Hilfsfonds neu aufgebaut worden. Der High Commissioner erklärte, da er ursprünglich die Zweckmäßigkeit der Wiedererrichtung der Kolonie in einer so isolierten Umgebung bezweifelt hätte. Er müsse sein Urteil jetzt ändern. Mehr als die Hälfte der neuen Siedler in Beer-Tuwiah sind ehemalige Mitglieder der jüdischen Legion und alle erfahrene landwirtschaftliche Arbeiter. Jeder Siedler hat 90 Dunam Boden, von denen 15 Dunam bewässert und zur Hälfte mit Citrusfrüchten angebaut werden. Künstliche Beregnung Herr Lanninger, Erfinder und Organisator der nach ihm benannten landwirtschaftlichen Beregnungsanlagen, hat eine Studienreise nach dem Orient angetreten und wird in den nächsten Wochen auch nach Palästina kommen. Die Erfahrungen, die mit dem Lanrainger-System seit zehn Jahren gemacht wurden, haben gute Ergebnisse gehabt; nicht nur in Deutschland, sondern speziell auch in den Mittelmeerländern haben sich die Anlagen bewährt. Auch in Palästina sind mehrere solcher Installationen in Gebrauch. Sie führen das. Wasser nicht wie üblich in Kanälen an die Baum wurzeln, sondern versuchen durch Berieselung von oben die Wirkung des sich gleichmäßig verteilenden Regens hervorzurufen. Jndustrie und §emer6e Die Parfümfabrik Die Versuche, Parfüm zu erzeugen, gehen bis auf das Jahr 1922 zurück. Damals wurde in Sichron ein Garten von 80 Dunam für Züchtung von Blumen angelegt, der als Versuchsstation diente. Ein eigenes Laboratorium verarbeitet die Blumen, und da das erzeugte Parfüm als marktfähig anerkanntwurde, beschloß die Pica, eine Parfümeriefabrik in Benjaminah zu errichten. Die Fabrik wurde im Jahre 1925 geschaffen. Ihr Hauptziel war eine starke landwirtschaftliche Siedlung auf der Grundlage der Blumenzüchtung. Das Hauptprodukt ist Jasmin. Seine Züchtung wurde den Bauern Benjaminahs übertragen, aber das Pflücken der Blumen, das von Kindern und Frauen besorgt wird, stieß auf Schwierigkeiten. Daher siedelte die Pica 25 Fami'ien -fm, die sich hauptsächlich mit der Blumenzüchtung befassen. Wenn dieser Versuch gelingen wird, wird die Pica 200 Familien in der Umgebung der Fabrik auf je 2 Dunam pro Familie ansiedeln. Die Fabrik bezieht auch Blumen aus Chederah und der Gartensiedlung Brandeis. Ihre Produkte werden zum großen Teil in Frankreich, teilweise auch in England verkauft. Die Weltwirtschaftskrise wirkt sich auch schlecht auf den Absatz aus, und so mußte die Fabrik den Preis pro 1 kg Blumen von 100 Mil auf 90 Mil herabsetzen. ln der letzten Saison übernahm die Fabrik, 25.537 kg zur Bearbeitung, davon 19.417 kg von den Bauern Benjaminahs. In den restlichen Monaten des Jahres befaßt sich die Fabrik versuchsweise mit dem Anbau von Winterblumen. Schäden bei dem Wasserkraftwerk der Palestine Electric Corporation Der Schaden, der durch die heftigen Stürme vor kurzer Zeit in den Anlagen des Wasserkraftwerkes der Palestine Electric Corporation bei Gescher (Djisr) verursacht wurde, hat sich nachträglich als wesentlich größer herausgestellt, als ursprünglich angenommen wurde. Durch die erforderlichen Reparaturarbeiten wird auch eine erhebliche Verspätung der Eröffnung des Werkes eintreten, da neue Maschinenteile aus England besorgt werden müssen. Xandet und UerfteAr Deutschland rückt in der Einfuhr Palästinas vor Die Berliner «Industrie- und Handelszeitung» teilt mit: Deutschland hat in der palästinensischen Einfuhr seine nächst England führende Rolle beibehalten. Die deutsche Einfuhr ist sogar trotz der allgemeinen unbefriedigenden Wirtschaftslage gestiegen. In der Zeit Jänner—September 1929 betrug die Einfuhr aus Deutschland 542.673 Pfund gegen 577.695 Pfund im Jänner—September 1930, die Ausfuhr nach Deutschland 84.314 Pfund, gegen 141.535 Pfund. Palästina auf der Pariser Koloidalausstellung Die Vorbereitungen für den Palästina-Pavillon auf der Pariser Kolonialausstellung sind in den letzten Wochen erheblich fortgeschritten. Der Pavillon enthält verschiedene Abteilungen, die das jüdische Werk in Palästina unter verschiedenen Gesichtspunkten zeigen. So wird .die Entwicklung der Stadt Tel Aviv, das Werk der Zionistischen Organisation, die Arbeiter der Pika und der Palestine Electric Corporation in besonderen Ständen gezeigt werden. Besonders instruktiv wird die Ausstellung der Jewish Agency, des Keren Haiessod und des Keren Kajemeth sein. Auf einer großen Transparentkarte von Palästina wird vermittels eines Projektionsmechanismus die Besiedlung Palästinas in der Gegenwart und vor Beginn der jüdischen Kolonisation ezeigt werden. Ferner werden ein großes Panorama aes mek Jesreel von Haifa bis Beisan und plastische und graphische Darstellungen die Entwicklung der landwirtschaftlichen und städtischen Kolonisation, Schulwesen, Gesundneitsfürsorge, Einwanderung usw. veranschaulichen. Ein neues Straßennetz Im vergangenen Jahre wurde eine Reihe von neuen Verbindungschäusseen, insbesondere im Emek, angelegt. Obwohl es sich um kleine Chausseen handelt, kommt ihnen doch aus Sicherheits- und wirtschaftlichen Gründen ein großer Wert zu. Die im Emek erbauten Chausseen, vom Arbeitsamt der Histadruth in Akkord unternommen, wurden Anfang Jänner der Regierung übergeben. Sie verbinden«