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Die Stimme · 1931-03-26 · Heft 169 (26.3.1931) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 169 (26.3.1931)
Date
1931-03-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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iMf. »oy — 2o. März lyji >1C ÖlliüiW* Seite 6 In «pater Abendstunde wurde dann heute das Urteil gefällt. Von den angeklagten Reichsbannerleuten wurden vier verurteilt, und 2war einer wegen schwerer Körperverletzung su einem Monat Gefängnis, zwei, darunter der Angeklagte Frank aus Worms, wegen Körperverletzung zu je 100 Mark Geldstrafe und einer zu 25 Mark Geldstrafe. Von den angektagten Nationalsozialisten wurde der Knecht von Seggern wegen Sachbeschädigung zu 100 Mark Geldstrafe und ein anderer Angeklagter zu 10 Mark Geldstrafe wegen Waffentragens verurteilt. Die übrigen 23 Angeklagten wurden freigesprochen. Der Staatsanwalt ließ die Anklage wegen Land- ^iedensbruchs fallen. Kleine Nachrichten ausPalästina Tel Mond soll Besitz des Keren Hajessod werden Jerusalem. (J. T. A.) Lady Erleigh, die Tochter Lord Melchetts und Schwiegertochter des Marquis of Rending, besuchte die Plantagen von Migdal bei Tiberias und gab ihrer Freude über die von den Kolonisten erzielten glänzenden Arbeitserfolge Ausdruck. Ueber die Zukunft von Tel' Mond herrscht noch immer Ung. wißheit. Es verlautet, daß die Erben Lord Melchetts beabsichtigen, ihre palästinensische Besitzung dem Keren Hajessod zum Geschenk zu machen. Shaw in Palästina Jerusalem. (J. T. A.) George Bernard Shaw, der sich g' gc: wärtig in Palästina aufhält, hat das in Migdal am Ufer des T»beriasstc gelegene Melchett-Gut besucht, wo tr von der Tochter des verstorbenen Lord Melchett, Lady Erleigh, bewirtet wurde. Neue jüdische Zeitungen Jerusalem. (J. T. A.) Die palästinensischen Revisionisten, die durch die Wiederübernahme des «Doar Hayom» durch seinen früheren Herausgeber Ben Awi ihr Zentralorgan verloren haben, haben vom Distriktskommissar von Jerusalem die Bewilligung erhalten, eine neue Zeitung untei dem Titel «Haam» herauszugeben. — Der Jerusalemti Advokat Ben Aron hat beim Distriktskommissar um die Bewilligung zur Herausgabe einer neuen hebräischen Wochenschrift unter dem Titel «Zion» angesucht. Eröffnung von Landwirtschaftskursen in Petach Tikwah Jerusalem. (J. T. A.) Am Gymnasium zu Petach Tikwah wurde unter der Leitung von Dr. J. Garmin und Dr. Schcinkin ein zweijähriger Kursus für Landwirtschaftslehre eingerichet. t .... Der PteiT:einer Gabelung der .MQSSid;Qepitting Jerusalem.(J. T. Ä.) Wie «Döar Hayom* aus Beirut berichtet, sollen nach dem neuen Gabelungsplan der MossuI-Oelleitung 70 Prozent des Oeles nach Haifa und 30 Prozent nach Tripoli in Syrien geleitet werden. Die Araber des Belsan-Dlstrlktes wollen die Staatsländerelen zurückgeben Jerusalem. (J. T. A.) Die arabischen Siedler, denen Regierungsboden im Beisan-Distrikt zugeteilt wurde, beabsichtigen, der Regierung mitzuteilen, daß sie nicht in der Lage sind, die geforderten Abgaben zu leisten und deshalb die ihnen zugewiesenen Parzellen dem Staat wieder zur Verfügung stellen wollen. Die seinerzeit erfolgte Zuweisung der Beisan-Ländereien an die arabischen Siedler bildete den Gegenstand einer Beschwerde der Zionistischen Organisation an die Mandatskommission des Völkerbundes. Im Simpson-Bericht wird darauf hingewiesen, daß die Zuweisung der Beisan-Ländereien an die Araber zu unerwünschten Spekulationen geführt hat. Der GroBmufti nach Aegypten abgereist Jerusalem. (J. T. A.) Der Großmufti von Jerusalem ist .nach Aegypten abgereist. Es wird angenommen, daß diese Reise in politischer Mission erfolgt, vermutlich zu dem Zweck, eine Ausbreitung des von der palästinensisch-arabischen Exekutive proklamierten antijüdischen Boykotts herbeizuführen. Usslschkins Rückkehr nach Palästina Jerusalem. (J. T. A.) Die hebräischen Tageszeitungen «Dawar» und «Haarez» widmen dem Präsidenten des Jüdischen Nationalfonds M. M. Ussischkin anläßlich seiner Rückkehr warme Begrüßungsartikel und heben die hohe Bedeutung seiner ungeachtet aller Schwierigkeiten und der wirtschaftlichen Depression durchgeführten amerikanischen ■Mission hervor. AVISO f Vorzügliche, täglich ofenfrische, feinste, dünnste nmOTH und GRIESS bekommen Sie nur aus der 1. Wiener orth. Mazzothfabrik Israel Vortrefflich Wien, II., Obere Augartenstraße 52. Verfangen Sie überall ausdrücklich Vortrefflich-Mazzothl Geschichte eines Pogrombildes Besuch bei dem Maler Lazar Krestin. Von Isak B r a i n i n. Nach dem Urteil im Prozeß Schwarzbart, das die mutigen französischen Geschvvornen gefällt haben, ist das Wort «Pogrom» in seiner grausamen Bedeutung bei der gesamten europäischen Oeffenllichkeit populär geworden. Es hat das Gewissen der Kulturwelt geweckt. Ich glaube, es ist nun an der Zeit, die jüdische Öffentlichkeit auf ein Pogronibild aufmerksam zu machen, an dem der bekannte in Wien lebende Maler Lazar Krestin seit Jahren arbeitet. Als ich das Bild zum ersten Male sah, war es bis auf wenige Konturen fertig. Das riesengroße Gemälde stellt eine danteistische Szene dar, die in Rußland spielt: In einem kleinen Städtchen treten jüdische Studenten, Arbeiter und Frauen mit Waffen in der Hand dem Ansturm der Hulligans entgegen. Man sieht die Qual der Opfer, die kampfbereite Haltung der Mutigen. — Der Eindruck ist unvergeßlich. — Neulich wollte ich mich erkundigen, wie weit Krestin in seiner Arbeit fortgeschritten sei, und besuchte ihn. Als ich in sein Atelier kam, war der Abend angebrochen. Durch die oberen Fenster krochen die Dämmerschatten in das Zimmer und überdeckten die vielen großen und kleinen Gemälde jüdischen Genres, Szenen und Typen der jüdischen Kleinstadt, Vorbeter im Betli Hamidrasch, Lehrer, Chassidim, Rabbiner, jüdische Werkmeister, palästinensische Juden, Chaluzim, Arbeiter und Bauern. Im Hintergründe steht das Pogrombild, wandbreit. «Sie müßten das Bild jetzt ausstellen, ehe das Weltgewissen wieder eingeschlafen ist», sage ich zu Krestin, das grandiose Werk betrachtend. «Leider, leider bin ich noch nicht zu meinen letzten Pinselstrichen gekommen», antwortet mit gedrückter Stimme der Künstler. «Ich fürchte, ich werde das Werk nicht vollenden. Die große Wunde meines Her- 11. April 1931 zens, die seit mehr als 25 Jahren brennt, kann aber nicht heilen, bevor das Werk vollendet ist. Seit dem Schwarzbart-Prozeß in Paris ist das geplante Bild für mich eine Lebensfrage. Es mahnt mich, es weckt mein Künstlergewissen und meine jüdische Pflicht. Aber ich bin wie gefesselt, materielle und technische Hindernisse stehen mir im Wege. Der Existenzkampf i$t s^hyfer^ insbeson(Jer|. ...jpi.fcjüej: l|eendigyng, des Krieges. Es ist schwer, den Lebelfs.unterhalt zu verdienen und ich kann unter dieseiti Umständen mein Lebenswerk nicht vollenden. Die letzten Korrekturen und Lichtstudien müssen im Freien gemacht werden,: in einer ländlichen Umgebung. Die Gestalten muß ich gründlich studieren. Ich bin Maler, der realistischen Schule — wäre ich es nicht, würde mein Bild schon längst fertig sein.» Krestin bleibt eine Weile schweigend sitzen. Ihm gegenüber breitet sich die großgespannte Leinwand. Nach einigen Minuten setzt er seinen Gedankengang fort. «Das Leben ist stärker als die Kunst. Die eiserne Notwendigkeit lehrt mehr als die Akademie. Der kleine Uhrmacher Schwarzbart war ein weitaus größerer Künstler, alr ich es bin. Seit Jahren arbeite ich an dem Bilde, das für mich ein Stück jüdischer Geschichte geworden ist, eine Volkstragödie in Farben. Die Spitzen der jüdischen Gesellschaft, das jüdische Publikum halten es aber leider nicht für wichtig, mir die Möglichkeit zur Vollendung zu geben. Nun kommt einer und macht das Werk in wenigen Augenblicken fertig. Seine Tat ist vom Leben diktiert, daher ist sie wichtiger und bezwingender als die Tat eines armen Malers. Das Leben ist das Original, das Bild — die Kopie. Wir Künstler wiederspiegeln erst die Geschehnisse, die das Leben schon vollbracht hat.» Es gelingt mir, den Künstler seiner schwermütigen Stimmung zu entreißen und seine Erzählung auf verschiedene Episoden seines Lebens zu lenken. Persönliche Erinnerungen, die das Entstehen mm Kundmachung Die Wiener Molkerei bringt auch heuer PessacH-KoscherittllcIt in allen ihren Filialen zum Verkauf Die Pefiadl-KoiCtiermllch wird in ihren Meiereien in Niederösterr. un g« streng ritueller Aufsicht der ven Sr. Etrw. Herr n Ra bbiiter Dr. W. Rosemann bestellen reiifEÖt verläßlichen Organen CPnWÖ et zeugt. Jede Kanne u. jede Flasche ist mit einer Plombe, respektive einer Schleife versehen mit dem Aufdruck nos b© “iäd nbn Von 1. April bis 9. April in allen Verkaufstellen erhältlich WIENER MOLKEREI seines Bildes beleuchten, will ich erfahren. Krestin erzählt: «Ich wurde im Jahre 1870 in Kowno geboren. Mit 19 Jahren absolvierte ich in Wilna die Zeichenschule. Meine ersten Bilder erweckten die Aufmerksamkeit der in Kowno lebenden Kunstliebhaber. Der damalige Gouverneur Kowalski und der Generalmajor Reichhardt, deren Freundschaft ich bald gewann, veranlaßten mich, nach Petersburg zu fahren, um dort meine Studien zu vollenden. Sie versprachen mir auch, mich nach Möglichkeit zu unterstützen. Der judenfeindliche Kurs jedoch, der damals in Petersburg herrschte, rau-bte mir die Möglichkeit, in. Petersburg zu studieren. Die Frau des Gouverneurs setzte sich zwar für mich bei ihrem Bruder Durnawo, dem damaligen Minister des Innern, ein, aber dieser konnte ihrer Bitte nicht entsprechen. Es wäre ihm unmöglich, gegen die Judengesetze etwas auszurich- Konzertbans ten, meinte er. Diese erste Enttäuschung meines Lebens war für mich ein schwerer Schlag. Gerade»jene Jahre waren für die Juden Rußlands sehr Es war die Zeit der Pogrome und Ausweisungen. Damals schon spielte ich mit dem Gedanken, ein Pogrombild zu malen. Einen tiefen Eindruck machte auf mich die «Chowewe-Zion»-Bewegung in unserer Stadt. Unvergeßlich wird mir das Bild bleiben, wie nach einem Befehl der Petersburger Regierung alle militärpflichtigen Juden, sogar die Kranken, assentiert wurden. Es hieß, man sollte sie alle nach Sibirien schicken. Durch die Ziehung«eines Loses bin ich vom Militärdienst befreit worden. Bald darauf fuhr ich zu Studienzwecken nach Wien, wo ich die Akademie absolvierte. Mein erstes Bild war die Pogromszene in Rußland. Ich habe seit dreißig Jahren in verschiedenen Perioden an diesem Bilde gearbeitet und bin jetzt nahezu am Ende angelangt. Ich warte, bis irgend ein Mäzen oder eine Institution mir helfen wird, das Bild zu vollenden.» Die Pogrompolitik der Nationalsozialisten Die «Organisationsabteiiung» der nationalsozialistischen Partei, geleitet von Dr. Goebbels, gibt «Führer- und Sc’tulungsbriefe» für die Funktionäre der Partei heraus. In der Nummer vom 15. März kommt der folgende Satz vor: «Die naturgegebene Feindschaft des Bauern gegen den Juden, seine Feindschaft gegen den Freimaurer als Judenknecht muß bis zur Raserei aufgestachelt werden.» gQOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO^OOOOOOOOC3^3C33gOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOCXXXXXXXX»CX3l ijjl ZtowiBsäigclueg Eo»i€ic»ltoiiltec tfäir Ooterrcicii jij |:| Samstag, den 11. April 1931, 8 Uhr abends, Großer Konzerthaussaal, III., Lothringerstr. 20!ji Jüdischer Abend jjj!ji unter Mitwirkung hervorragender Künstler Wiens X X Karten erhältlich: Zion. Büro, L, Kärntnerstraße 28. Bücherstube Rath, II., Taborstraße 20a, und bei allen jij <5 zionistischen Sektionen nnd Vereinen iji COOOOOOOOOOCXXXXX)OCXXXXQOPOOOOOOOOOOOOOPPOOOOPQOOOOOOOOQOQOPOOOOOOOPOQOOOOOQOPqi Verbindet die Hamen furer Sieben mit dem Jtufbamvenä in Palästina dmdk Stiftungen des Heren Jiajemeth: §ofdbudkeintra£ungen u. Gärten! 3m JaArc 5091 wurden IS 9otd&udneintraiun&en und 9 Bürten komplettiert, mp. entriert

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