Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 168 (19.3.1931)
- Date
- 1931-03-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 168 — 19. März 1931 DIE STIMME Seite S mmsmtmmm u u..j, .wwim'i.,.üj—i 'Jiu ui lssoi'Jljt--'—.„ " ,,, n..af «warn ..üm.jma.'HWBff'iiw im _ma Jahrgang 3, Nummer 9 Beilage der „Stimme“ März 1931 Falsche Erziehung Von Ui. osHur urunbauui. Unsere politischen Yagessorgen lassen uns wenig Sammlung lur eines unserer wicungscen Probleme: die Heranbituuug der zionistischen Jugend. Und doch liegt hier der Aiigetpunkt unserer zuKunmgen Entwicklung. Wir sind uns darüber klar, daß die judiscne Erziehung im Elternhause, das Studium unserer üeschichte und der hebräischen Sprache das Uni und Aul unserer Jugenderziehung bimen. Was tun wir für die Erziehung unserer Jugend in Oesterreich? Dank der Tätigkeit der zionistiscnen Kultusvorsteher breitet sich Uber Wien ein Netz von Bibetschuien und hebräischen Kursen. Auch hebräische Kindergärten gibt es. Oie hebräische Volksschule aber, die wichtige Vorstuie für das Chajes-Realgyumasium, haben wir noch nicht. Andere Städte beneiden uns um die Mittelschule, die heute von 300 Schülern besucht wird, leider aber schwer um ihre Existenz ringen muß. Doch davon ein andermal. Heute wollen wir von uer Erziehung sprechen, die wir junge« mensciteu, die zu uns kommen, auoeruaiu der ocmi.e angeaemeu lassen. in aieseu mauern wurde scuuii ou uOct ueii mangei eines Systems in der Heranuituuug der jugenu zum Zionismus Klage getiinrt. Abmue wurue ük> neiue mein geschahen. Ute zionistiseneu i agessiremgixeiten nabe« die Situation unserei Jugenueutenuiig verscniecniert. Jede Partei hat ihu. eigene jugenugiuppe mit eigener uniiorm und eigenem, naiurncii uer Harieiieituag genehmem üeist. Hier wiru an uer jugenu scuwei geaunuigi. wenn uieser z.ustanu damit verteidigt wird, daß die judiscne Jugend zu den ziomsuscüeii t dgesereigmsseii «Stellung ueimie», so isi das unwanr. Diese Jugend nimmt keine Stellung, sie hat keine eigene Meinung, sie bildet sich nur ein, eine eigene Meinung zu naben, sie betet nur nach, was ihr die «Hartei* in Wort und Schrift vorbetet; die sogenannte Meinung dieser Jugend hängt davon ab, in weiches zionistische Lager der Zufall den einzelnen Jugendlichen geführt hat. Ausnahmen bestätigten die Heget. Man kann das der Jugend nicht verargen. Oie Probleme sind schwer und krasse Unkenntnis dei Grundlagen unserer Bewegung ist auch bei erwachsenen Gesinnungsgenossen nicht so selten zu finden, wie man annehmen sollte. Wir wissen, daß der Jugendverband von gutem Willen beseelt Ist und es machen sich erfreuliche Anzeichen für ein Erstarken des Gemeinschaftsgefühles bemerkbar. Das ist aber erst ein bescheidener Anfang. Unsere Jugend entbehrt zur Stärkung dieses Gefühles der Zusammengehörigkeit einer gemeinsamen zionistischen Heranbildung; sie debattiert über Tagesfragen, vertritt die Ansichten «ihrer» Par.ei und hat mangelhafte Vorstellungen von den Voraussetzungen unserer heutigen zionistischen Situation. Man mache einmal die Probe auf das Exempel und frage einen Jugendlichen oder etwa auch einen Hochschüler Uber einige grundlegende Themen aus, zum Beispiel; «Was ist politischer Zionismus?» —• «Was versteht man unter Mandat?» — «Welche Steilen der Balfour-Deklaration und des Mandats bilden den Gegenstand gegensätzlicher Auslegungen?» —• «Was versteht man unter Minderheitsrecht?» Man wird bei den Antworten leider nicht zu selten seine blauen Wunder erleben. Würde aber die Frage lauten: «Was halten Sie von Jabotinsky, was von Weizmann?» — derselbe junge Mensch wird gewöhnlich ohne Zaudern, je nach seiner Parteistellung, antworten; «Ij>er größte Jude der Gegenwart, ein Verräter . . .» und wie sonst diese lieblichen Schlagworte lauten. Der Jugendliche im Parteipferch mag an ihnen durch eine Zeit seine Freude haben, auf die Dauer müssen sie auch Ihn anöden. Man sollte einmal statistisch nachweisen, wie viele Jugendliche uns erhalten bleiben, wenn sie herangewachsen sind; man wird eine erschreckende Abnahme konstatieren Das ist nicht Schuld des Zionismus, das ist die Folg*» einer mangelhafte^ Erziehung, Wir sollten endlich die Konsequenzen aus dieser Erkenntnis ziehen, ln die zionistische Erziehung muß ein System gebracht werden, sie muß überparteilich seini sie muß in der Jugend dns Bewußtsein fest verankern, daß der Zionismus ein Ewigkeitswertest, daß er sich zwangsläufig aus unserer Geschichte ergibt, daß seine Existenz, nicht von Personenfragen abhängt und daß wir Zionisten uns streiten um Fragen des Tempos und der Taktik, nicht als Femue, sondern als Brüder in edlem Eifer. Die Eigenbrötelei der zionistischen Jugendgruppen ist unsere Schuld. Wir müssen das bekennen. Und die Konsequenz? Zusammenschluß gleichaltriger reiferer Ju- ^enuiieher zum Studium der jüdischen Geschichte, der üeschichte des Zionismus und der hebräischen Sprache m Seminaren unter Leitung bewährter Zionisten. An- *cnlußmöglichkeit an Fraktionen erst nach Absolvie- -uug des Seminars über jüdische Geschichte und Gesüiichte des Zionismus. Dann mag der Jugendliche «Stellung nehmen». Er wird es ohne Gehässigkeit tun, wenn auch mit jugendlichem Temperament. Der Freund ’ius dem Seminar von gestern kann nicht Uber Nacht sGn «Feind» werden, Das kann ein Weg sein. So können wir eine Jugend erziehen, die, mit dem nötigen zionistischen Rüstzeug versehen, für uns wertvoll sein wird. Schaffen wir also unserer Jugend eine gute zionistische Kinderstube. Versäumte Kinderstube läßt sich schwer oder gar nicht nachholen. Probleme der jüdischen Jugendbewegung im Westen Die jüdische Jugendbewegung ist ein Teil der zionistischen Bewegung im Westen, weil sie denselben sozialen Ursprung hat wie diese. Ebenso wie die zionistische Bewegung ist auch die zionistische Jugendbewegung vorwiegend volontaristisch. Der ideologische Ueberbau spielt hier eine weitaus größere Rolle als die ökonomische Grundlage. Dadurch wird erst der fortwährende numerische Tiefstand der Jugendbewegung des Westens erklärlich, weil eben jede Bewegung die tieferen und stärkeren Wurzeln in der ökonomischen Grundlage haben muß. Diese soziale Struktur Ist es auch, die richtunggebend für die weitere Entwicklung sein wird. Mit der fortwährenden Pauperisierung vertiefen sich auch die ökonomischen Grundlagen. Für die jüdische Jugendbewegung dqs Ostens ist der Zionismus eine Notwendigkeit, für die des Westens ein Willensakt. Deshalb ist die Erziehungsgrundlage anders, wenn auch das System das gleiche geblieben ist. Wenn man heute von Jugendbewegung überhaupt oder von der Jugendbewegung des Westens spricht, so versteht man darunter nur die zielbewußte, in unserem Falle nur die aut Palästina eingestellte Jugend. Doch gerade bei dieser Jugend beginnen erst die richtigen schwierigen Probleme. Während die nicht auf Erez Israel eingestellte Jugend sich über viele Probleme hinwegtäuschen kann, weil sie diese gar nicht als bestehend ansieht, kann die palästinazentrische Jugend diesen Fragen nicht ausweichen. Das Ziel ist für diese Jugend wohl gegeben: ein Arbeiter in Erez Israel sein und in kollektivistischer Form sein Leben führen; aber das Ist nicht alles, das ist sogar sehr wenig — die hauptsächlichsten Fragen sind: Wie gelangen wir dorthin, wie machen wir unsere Jungens und Mädels dieser Idee zugänglich, wie erziehen wir sie zur Entscheidung? Welches Rüstzeug müssen die Leute bekommen, um dorthin zu gelangen, wohjn wir sie führen wollen? Daraus können wir erkennen, daß wir nicht eine Jugendbewegung im landläufigen Sinne des Wortes sein können, sondern eher eine Erziehungsbewegung sind. Eine freie Erziehungsbewegung soll jede Bewegung der zionistischen Jugend sein, denn nur diese kann zum Ziele führen. Sie kann und soll auch politisch sein, aber sie muß in ihrem Wesen eine Erziehungsbewegung bleiben. Alle Versuche, die jüdische Jugendbewegung bloß auf politische Grundlagen zu stellen, sind bisher fehlgeschlagen und werden auch weiterhin fehlschlagen, weil bei der jüdischen Jugend nicht wie zum Beispiel bei der nichtjüdischen sozialistischen Jugend die Fragen der Organisierung und der politischen Parole, sondern die Fragen der Umschichtung Aliah, hebräischen Kultur usw: ausschlaggebend sind. Und diese Fragen kann nur eine Erziehung*- bewegung lösen. Leider ist dies bei uns im Westen immer verkannt worden; ich will nicht sagen, daß das Problem nie aufgetaucht wäre, aber es ist nie gelöst worden. Wer einmal zu dieser Erkenntnis gelangt ist, wird einsehen, daß ohne tieferes Wissen um Erziehungsfragen keine OtfbthpJuMnru onnen Sie ohne Bedenken mit Kunerol zubereiten, jeder Strenggläubige kann dieses Fett genießen, denn dessen Hersiel ung steht unter streng ritueller Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Maltersburg. Kunerol ist reines Kokosnußfett und kann sowohl für Milch« speisen als auch für Fleisch« speisen verwendet werden. NEROL 100% REINES KOKOSNUSS FETT Kunerol ist nur echt In Original-Packung! Vor täuschenden Nac ahmungen wird gewarnt! Jugendorganisation geführt werden kann. Jahrelang spricht man schon von Erziehungssystem, und außer dem Haschomer Hazair ist es bisher keinem Jugendbund gelungen, ein solches zu finden. Der Grund hierfür ist, daß man bloß darüber gesprochen und nichts getan hat; der Mangel an Wille, Ausdauer und Kenntnis sind schuld daran. Während man Uber kleine nebensächliche Fragen tagelang herumdiskutiert, hat man es nie der Mühe wert gefunden, wenigstens die Hälfte der dafür verschwendeten Zeit Erziehungsfragen zu widmen. Und gerade bei uns in Wien, der Stadt des Zentrums der Pädagogik, der Stadt der Kinder, gerade bei unseren Führern herrscht die größte Ignoranz in den primitivsten Fragen der Erziehung. Und darunter leidet am meisten unsere Jugendbewegung. F. P. An die jüdische Oeffentlichkeit Oesterreichs! Es ist uns nach großen Anstrengungen gelungen, der allgemeinen schädlichen Tendenz der Wiener zionistischen Jugend, sich in kleine Bünde und Bündchen zu spalten, durch Vereinigung der beiden stärksten österreichischen Bünde, des Haschomer Hazair und des Blau-Weiß, entgegenzutreten. So ist es geglückt, einen großen, lebensfähigen Bund zu schaffen, der die Möglichkeit hat, in seiner zionistischen Werbe- und Erziehungsarbeit weite jüdische Kreise zu erfassen. In letzter Zeit wurde nun von einer kleinen Gruppe, hinter der aber leider eine interessierte politische Gruppe steht, der Versuch gemacht, unseren Bund zu untergraben. Alle Beeinflussungsversuche der Führer auf diese jungen Menschen blieben erfolglos. Im vollständigen Mißverstehen unserer Aufgaben, von maßlosem Ehrgeiz getrieben, setzten diese Leute ihre zersetzende Tätigkeit in unserem Bunde fort. Um nicht den Bestand des ganzen Bundes zu gefährden, um die Fortführung der wichtigen zionistischen Erziehungsarbeit zu sichern, sah sich die Hanhagah Raschith (Oberste Bundesleitung) im Einvernehmen mit den verantwortlichen Körperschaften des Bundes gezwungen, die ehemaligen Chawerim Stern, Jechcskiel und Löwit Simchah wegen Untergrabung der organisatorischen und erzieherischen Grundlagen des Bundes mit sofortiger Wirksamkeit aus dem Bunde auszuschließen. Wir geben dies der jüdischen Oeffentlichkeit bekannt, weil der jüdische Bund Haschomer-Hazair für das weitere Treiben der beiden keine Verantwortung übernehmen kamt. Hahanhagah Haraschith des jüdischen Bundes Haschomer Hazair—Blau Weiß, Oesterreich, >