Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 168 (19.3.1931)
- Date
- 1931-03-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seit« ( i Warnung! Lassan Sla sich n’ch* anders Erzeugnisse au/drüngen! Verlangen Sie überall nur die nach einem speziellen Verfahren erzeugten, in Geschmack und Bekömmlichkeit uner* reich an, hochwertigen Strum- Mazzoth Grieß und Farvel >:e runden Strum-Mazzoth sind eine besondere Jelikates.se! Wer Strum-Alazzoth kauft, weiß, dab . r nur garantiert frische r'are, heurige Erzeugung bekommt! Die vorzüglichen «Strum-Alazzoth» werden erzeugt unter ständiger Aufsicht des ehrw. Rabbinats der Israel. Ku’tusgemeinde. Die genaue üinhalung streng orthod< er Kaschruth-Vorschriflen wird von Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Bnbath überwacht. Die Erzeugung ertolgt mit j i igens konstruierten, patentamtlich geschützten .Maschinen (Oefen) auf elektrischem Wege mit fachmännisch geschulten jüdischen Arbeitern. Ach an Sie auf die Stampiglie «H. Strum». die auf jedem Paket •rsichtlich ist! Mazzoth-BSckerei H. Strum,II. Ro'ensterng.ll, tbi.h-v -e-iz J jDie Hose von Jfewidko, der Vogel 3thönix und das Volk Jswaet Von Franziska Bloch-Mahler Weit, weit von hier, unter einer wärmeren Sonne, dort, wo Palmenhaine die Wege schatten, wo köstliche Früchte den Menschenkindern zur Labung entgegenreifen, unter einem glücklicheren Stern, da wächst aus der Erde heraus eine Rose. Aber ist auch alles andere ungleich schöner und prächtiger in jenem Lande als bei uns, jene Rose ist ein welkes, verdorrtes Pflänzchen und keiner würde sie für eine Schwester unserer süß duftenden/ herrlich prangenden Rose halten. Und dennoch: einmal kommt ein Tag, da wird auch jene Rose ihre Blätter öffnen zu duftender Blütenpracht, weit herrlicher als jemals ein Menschenauge erschaut, ein Menschenherz erträumt und geahnt. Und die Rose, derer solches Wunder harrt, ist die Rose von Jericho. Weit, weit von hier, in einem Garten, der von Paradiesesschönheit leuchtet, blüht und glänzt und duftet, dort wiegt sich ein königlicher Vogel in blauen, ewig wolkenlosen Lüften, den noch nie ein Menschenauge erschaut, kein Menschenherz erträumt und geahnt hat. Alle hundert Jahr stirbt das wundersam gefiederte Wesen und aus seiner Asche entsteht im goldenen Sonnenlichte ein neuer, verjüngter Vogel, dem früheren an Prächtigkeit gleich. Das geschieht schon seit vielen Jahrhunderten; Phönix wird dieser Wundervogel genannt. In allen Ländern verstreut lebt ein Volk mit großen Sehnsuchtsaugen, dessen Blicke irrend über Meere, Berge und Täler schweifen. Ihre Hände strecken sich einem großen unnennbaren Glück entgegen, sie tasten und greifen ins Leere, in gähnende, abgrundtiefe Tiefen, in steile, unermeßlich hohe Höhen. In ihrem Herzen leuchtet eine große, lichte Flamme, die läßt sie ihre Leiden vergessen. Diese Flamme ist das Gottvertrauen, fest und unmittelbar wie der härteste Felsen. Mit dieser Flamme im Herzen achten sie nicht der Steinwürfe der Menschen. Dornen und Disteln erblühen unter ihren Tritten zu Blumen. Die heilige Schrift in Händen loben und preisen sie Gottes Gnade. Sie glauben, und ihr Glaube weichet und wanket nicht. Es kommt ein Tag, da zieht das Volk Jsraels in großen Scharen in das heilige, gelobte Land. So wie die Rose von Jericho einst erblüht, sowie sich aus der Phönixasche ein neuer Phönix erhebt, so wird ihr verlorenes Land zu einem neuen, herrlichen Reiche erstehen, auf daß es ihnen eine bleibende, geweihte, schützende Stätte werde, gefeit gegen Feindestücke und Feindesunbill. Lösungen der Rätsel aus der Unterhaltungsbeilage der Jugend (Nummer 163 vom 12. Februar) Umstellrätsel: Louis Marshai;!. Magisches Quadrat: Leah, E.ba, Abd, Halm. Scharade: Kabel, Babel, Gabel, Fabel. Richtige Lösungen sandten ein: Anny Bauer, Wien II; Etl Goldberg, Wien XX; Else Herrmann, Graz; Abraham Hochberger, Wien II; Charlotte Koffler, Leoben; Fritz! Hohn, Wien VII; Sarah Kretschmer, Wien VI; W. Kronstein, Wien IX; Lili Merecki, Wien II; Hans Müller, Wien I; Johann Schächter, Wien UI; Dolly Schmitz, Wien UI; Moritz Steiner, Wien I; Karl! Sternschuß, Groß-Enzersdorf; Gideon Tropp, Wien II. Kcren-Kajemeth-Spiele gewannen: Else Herrmann, Graz, Mandelistraße 1; Lili Merecki, II., Hollandatraße 2; Dolly Schmitz, III., Hlntzerstraße 9; Karl! Sternschuß, Groß- Enzersdorf; Hermann Tropp, II., Heinestraße 29. Die anderen Einsender erhalten je ein kleines Büchlein als Trostpreis. Glossen Der Lc. .isweg der Assimilation. Das «Neue Wiener Tagblatt» berichtet: Wie erinnerlich, wurde seinerzeit nach Einführung des Studentenrechtes an der Wiener Universität von seiten der Deutschen Studentenschaft gegen die Aufnahme von «Nichtariern» in die Wählerlisten protestiert und auf diese Weise eine große Anzahl von Hörern an der Ausübung der Wahl behindert. Einer dieser Hörer erhob nun gegen den Einspruch der Deutschen Studentenschaft den Rekurs an das Schiedsgericht, das gemäß Artikel VI, Absatz 4, der Studentenordnung eingesetzt ist. Dieses Schiedsgericht hat kürzlich unter Vorsitz des ordentlichen Universitätsprofessors Dr. Karl Gottfried Hugelmann und in Anwesenheit der Herren ordentlicher Universitätsprofessor Dr. Rudolf Much, ordentlicher Universitätsprofessor Dr. Josef Schaffer sowie Dr. Rudolf Noll als Beisitzer des Schiedsgerichtes über den BLAIMSCHEINS Pflanzen-Margarine TERNO Unerreicht in Qualität und Preis! Erzeugt unter streng ritueller Aufsicht Seiner Ehrwürden des Herrn Oberrabbiners S. Fürst Darf ln keinem füdleohen Haushalt fehlen! rtDS iv 1W3 Ueberai; erhältlich! § KARL "BLAIMSCHEINS Vereinigte Margarine- und ® Butterfabriken, Wien, XIV., Diefenbachgasse 59 von der Deutschen Studentenschaft gegen die Zugehörigkeit des Herrn P. A. zu dieser Studentenschaft erhobenen Einspruch einen Schiedsspruch gefälP, in dem dem Einspruch der Deutschen Studentenschaft Folge geg .,en wird. In der Begründung dieses Schiedsspruches heißt es: Herr P. A. hat geltend gemacht, daß nicht nur er, sondern auch seine Eltern sich als Deutsche gefühlt haben, daß sein Vater aus dem ßurgeniand, seine Mutter aus einer deutschen Gegend Mährens stamme; auf näheres Befragen des Vorsitzenden hat er jedoch ausdrücklich erklärt: Wenn er auch mosaischer Religion sei, fühle er sich doch mehr als Deutscher, denn als Jude. Seine jüdische Abstammung könne und wolle er nicht bestreiten. Mit dieser Erklärung hat Herr P. A. selbst zugegeben, daß eine der Voraussetzungen für seine Zugehörigkeit zur deutschen Studentennation fehlt. Seine, die innere Einstellung zu den nationalen Belangen offensichtlich mit tiefer Wahrhaftigkeit wiedergegebene Aeußerung, er fühle sich mehr als Deutscher denn als Jude, also immerhin noch als Jude, zeige sinnfällig, daß er zu jener im Gebiete der Völkermischung vorkommenden Gruppe in einem nationalen Uebergangsstadium befindlicher Menschen gehört, für welche die Studentenordnung der Universität, wenn sie in gebührend großer Zahl Vorkommen, die Bildung einer gemischten Studentenschaft vorsieht. Dem Einspruch der Deutschen Studentenschaft sei sonach Folge zu geben gewesen. « Die neue Studentenordnung an den Wiener Hochschulen veranschaulicht recht deutlich den Leidensweg der jüdisch-deutschen Assimilation. Jahrzehntelang wurden die unschätzbaren Dienste der Juden für das Deutschtum und die nationalen Belange gerne entgegengenommen. Man bediente sich stets freudigst ihrer politischen Schützenhilfe, ihres wirtschaftlichen Einflusses wie nicht minder ihrer direkten materiellen Förderung. Und man wird gestehen müssen, daß die Juden in ihrem Verhältnis zum Deutschtum sich besonders generös zeigten: Sie gaben dem Deutschtum alles preis, auch ihre Seele und die Lebensinteressen ihres eigenen Volkes, zu dem sie nur noch eine lose Verbin- Kerzen terie», Äopfftfjmeraen, rl)fu* nttii’. djen uni) ipü)ti|ii)en ^cijutcr^en wirft % o g n l ßaitj üür^iiijlid). Baut notarieller ®c|tätujunij anerfennen fiter 6000 ^Icvjte, Darunter Diele beöeutentic sJ3foiejioreii, bie ijetoorrajjcnbe Slhrantfl be>$ I o ij a t. fragen ©t* Sijwtt i’lrjt. — Sn allen Vlpotliefeu — ^riiä & 2-40. düng uurch die ausgehöiilte «Konfession» unterhalten. Sie gaben dafür ohne jemals den gebührenden Lohn zu erwarten und zu empfangen. Oder doch: Ein gewisser Lohn — schnöder Undank — wurde ihnen in reichlichem Maße zuteil... Zu dem Undank kam nun auch der Hohn. Denn für die jiulüo-deulsche Hochschuljugend und ihre Assimilationsbcstrebungen ist es hier Verhöhnung, wenn man ihr durch den Arierparagraphen den IWg zur deutschen Studentenschaft versperrt. Daß eine derartige Studentenordnung von den offiziellen Hochschulbehörden erlassen werden konnte, müßte auch extremen Assimilauten eine ernste Mahnung zur Besinnung und Umkehr sein. Allerdings setzt dies das Vorhandensein einer gewissen Dosis von Selbstachtung und menschlicher Würde voraus, die jedoch unseren judäo-deutschen Hörern abzugehen scheint. Wie könnten sie sonst diesen (ärmlichen Hinauswurf ruhig hinnehmen und sich dann noch den Eingang auf Umwegen und durch Hintertürin zu erschleichen suchen? Die Tatsache, daß trotz der ausdrücklichen Bestimmungen, wonach nur reinrassige Deutsche Aufnahme finden, sich jüdische Hörer fanden, die sich dennoch in die Wählerlisten eintrugen, zeigt die Würdelosigkeit dieser entarteten Jugend in. ihrer ganzen Erbärmlichkeit. Ist es doch klar, daß. sie dabei entweder auf das Nicht-erkannt-werden oder auf die nachträgliche Duldung seitens der Völkischen spekulierten, beides vom Standpunkt der Selbstachtung. gleich verwerfliche Dinge. Daß sie doch erkannt und aus den Wählerlisten erbarmungslos gestrichen wurden, ist das verdiente Schicksal dieser judäo-deutschen Jünglinge. Wer mit einem Fußtritt nicht genug hat, der verdient und erhält eben noch einen weiteren, womöglich kräftigeren. Nun kam aber, quasi als Schlußeffekt, das Lustigste. Einer dieser Jünglinge, ein gewisser P. A. (schade, daß die Tagespresse nur die Initialen seines Namens mittcilt) verspürte noch immer den unwiderstehlichen Drang zur völkischen Studentenschaft. Er erhob daher gegen die Eliminierung seines Namens aus der Wählerliste den Rekurs an das Schiedsgericht« Vor den drei schiedsrichterlichen Universitätsprofessoren kramte er das gesamte Rüstzeug seiner beweiskräftigen Argumente aus. Er gestand zwar kleinlaut seine mosaische Religion ein, die er «nicht bestreiten könne und wolle» (achj, wenn er-könnte,wie er wollte!), verwies jedoch demgegenüber darauf, daß er sich doch mehr als Deutscher denn als Jude fühle und daß auch seine Ellern sich als Deutsche gefühlt haben usw. Wie jedoch nicht anders zu erwarten war, konnten sich die völkischen Schiedsrichter von den Argumenten des Herrn P. A. nicht überzeugen lassen und fällten ein abweisendes Urteil. Dabei klassifizierten sie ihn als einen im «nationalen Uebergangssta- : dium» befindlichen Menschen und wiesen ihn an die Gruppe der gemischten Studentenschaft. Nach dieser unzweideutigen Absage an die würdelos sich aufdrängenden Assimilationsjuden bleibt ihnen der Weg zur Deutschen Studentennation unwidcruflich verrammelt. Es hieße jedoch die Assimilantenart verkennen, wollte man daran die Hoffnung auf ein Umlernen dieser Kreise knüpfen. Eher dürften sie in ihrer Liebedienerei fort fahren und durch Abstreifung auch des kleinen Uebeneres ihres Judentums das Stadium des «nationalen Ueberganges» abzu- . kürzen bemüht sein. Ob dadurch der Leidensweg der, jüdischen Assimilation sein Ende finden wird, ist freilich mehr als fraglich. M. Henisch UNSERE NEUEN 11. TABORSTRASSE 80 p P'iW-L mm Reservieren Sie denn. April 1931 für einen großen Jüdischen Abend im Großen Konzerthanssaale 53 Karten sind imZioniatisoben Büro, Wien, I. Bet. Kärntneratraßo Nr. 89 Tel, R+27»4- 86, erhältlich