Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 168 (19.3.1931)
- Date
- 1931-03-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3053752-3053911-3053922--2243-3057657- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2 DIE STIMME Nr. 168 — 19. März 1931 RICHON-LE-ZION ncs *e*5 .tiuAfcci^icQj („DIE ERITE IN ZION“) SO NANNTEN DIE ERSTEN JÜDISCHEN AN¬ SIEDLER PA 1.ÄSTIN AS, DIE VOR 45 JAHREN INS LAND KAMEN. IHRE KOLONIE, AUS DER SIE IM LAUF DER JAHRE DIE BEDEUTEND¬ STE WEINPRODUKTIONSSTÄTTE DES LANDES SCHUFEN. SO BELIEBT UND GESCHÄTZT WAREN DIE WEINE ALSBALD IN ALLER WELT, DASS IMMER WIEDER VERSUCHT WURDE, IHRE CHARAKTERISTISCHE ETIKETTIERUNG NACH¬ ZUAHMEN. VERLANGEN SIE DAHER BEIM EINKAUF AUS¬ DRÜCKLICH KARMEL-WEINE AUS RICHON-LE- ZION, AUS DEN GROSSEN KELLEREIEN BARON EDMONDE DE ROTHSCHILDS DIE BIS AUF EINEN VERSCH WINDEND KLEINEN BRUCH- TEIL DIE GESAMTE LANDESPRODUKTION BEHERRSCHEN GROSSVERTRIEB? GUSTAV WILDER IV., BLECHTURMGASSE 12, TEL U-43-8-19, TELEGRAMME: KARMEL, WIEN. Palästina und Zionismus in der Sitzung der Exekutive der sozialistischen Internationale - Zürich, 12. März. (J. T. A.) Im Verlauf der vor kurzem 1 in Zürich stattgefundenen Sitzung der Exekutive der Sozialistischen Internationale wurde auch die Lage in Palästina ^19 V/ j , , und im Zionismus behandelt. Der vom Sekretariat der Internationale herausgegebene, von Dr. Friedrich Adler Unterzeichnete Bericht enthält folgenden Passus: ln Palästina stand die gesamte Arbeiterbewegung unter dem Eindruck des Weißbuches der englischen Regierung vom 20. Oktober 1930. Die der Internationale angeschlossene palästinensische Arbeiterpartei nahm in einem Aufruf energisch Stellung gegen die Palästinapolitik der Arbeiterregierung. Die im Jänner 1931 stattgefundenen Wahlen zur palästinensisch-jüdischen Nationalversammlung brachten der der Internationale angeschlossenen palästinensischen Arbeiterpartei einen großen Erfolg; sie erhielt 22.363 von 47.335 abgegebenen Stimmen. Vier proletarische Splitterparteien erhielten insgesamt etwa 3000 Stimmen. Auf die bürgerlichen Parteien entfielen 21.962 Stimmen. An der jetzigen Sitzung der Exekutive der Internationale nahm zum erstenmal ein Vertreter der Jüdischen Arbeiterpartei Polens «Bund», Herr W. Alter, teil, der in einer Deklaration ausführte, der «Bund» in Polen bekämpfe den Zionismus, der eine schädliche Utopie und ein Ideal des jüdischen Bürgertums sei. Im Verlaufe der Aussprache trat als Vertreter der Poale Zion (Rechter Verband) N. Jarblum mit einer längeren Rede hervor. Er umriß die Lage in Palästina und die Palästina Politik der englischen Arbeiterregierung, schilderte, welche Protestbewegung das englische Palästina-Weißbuch nicht Allein innerhalb der Palästina-Arbeiterschaft, sondern auch in der gesamten zionistisch-sozialistischen Bewegung und auch in einem großen Teil der außerhalb des Zionismus stehenden jüdischen Arbeiterschaft, insbesondere in der organisierter jüdischen Arbeiterschaft Amerikas, hervorgerufen hat. Diese Bewegung, sagte Jarblum, sei der beste Beweis für die Unrichtigkeit der Einwendungen des «Bund» gegen den Zionismus. Große jüdische Arbeitermassen in allen Ländern stehen hinter der Palästina-Arbeiterschaft und in der Poale Zion- Bewegung. Wenn jetzt die Lage in Palästina eine andere geworden ist, so ist dies den Palästina-Freunden unter de; englischen Arbeiterpartei zu danken. Der Redner ergriff die Gelegenheit, um diesen englischen Arbeiterführern den Dank der gesamten Poale Zion-Bewegung auszusprechen, und fügte hinzu, die Poale Zion hätten auch in den schwersten Minuten ihr Vertrauen zu der Labour Party nicht verloren. Beweis hierfür sei, daß bei den Wahlen in Whitechapel die englischen Poale Zion die jüdischen Wähler amgefordert haben, für den Kandidaten der Labour Party zu stimmen Jarblum wies darauf hin, daß der mit Hilfe von Henderson abgefaßte Brief Mac-Donalds an Weizmann den Juden die Möglichkeit g;bt, ihr Zentrum in Palästina aut der Grundlage von Arbeit und Frieden mit den Arabern autzubauen. Ein solcher Arbeitsfriede kann und wird Zustandekommen. Den sozialistischen Freunden des arbeitenden Palästina in allen Ländern, die es in den schwersten Momenten als ihre Pflicht erachtet haben, ihre Solidarität mit dem arbeitenden Palästina zu bekunden, gebührt tiefster Dank. Jarblum wies auch auf die Sejmwahlen in Polen hin, wo die Poale Zion mit «Bund» und Hnkem sozialistischem B.ock einen Wohlpakt geschlossen habe. Leider war das Bestreben der Poale Zion, einen allgemeinen sozialistischen Block zu bilden, an dem Widerstand der polnischen Sozialistischen Partei gescheitert, die sich mit zum Teil antisemitischen und chauvinistischen Parteien verbunden hat. Es sprach dann der frühere Sekretär der Labour Party, üillis, der sich scharf gegen alle jene wandte, die die britische Arbeiterregierung angreifen. Die Juden aber, sagte er, hatten ein Recht zu protestieren, als sie glaubten, daß das Weißbuch verschieden interpretiert werden könne. Die Labour Party setzte sich auch für die restlose Klärung d<er Angelegenheit ein. Gillis sprach zum Schluß seine Zustimmung zu Jarblums Erklärung, sowie die Hoffnung aus, daß alle etwa noch bestehenden Mißverständnisse beseitigt werden würden. Aut nach Palästina! Es ist, und das erscheint auch natürlich, der Herzenswunsch jedes Zionisten, Erez Israel, seine Heimat, zu sehen und kenhenzulernen. ln der heutigen wirtschaftlichen Lage ist das aber nicht so ohne weiteres möglich, denn solch eine Reise kostet viel Geld. Da will nun der Lloyd Triestino Rat und Hilfe schaffen; er will es auch Zionisten der minderbemittelten Klassen ermöglichen, diesen ihren Herzenswunsch zu erfüllen. So hat der Lloyd Triestino, einem allgemeinen Verlangen der Leser der «Stimme» entsprechend, eine Palästinareise arrangiert, die vom 28. April bis zum 19. Mai 1931 dauern und, bei erstklassiger Unterkunft und Verpflegung, inklusive Besichtigungen, Führung, Beförderung, Trinkgeldern usw. nur 3 930.— kosten wird. Näheres siehe in unserer Notiz «Palästinareise der Stimme». Anmeldungen nimmt das Reisebureau «City», L Kohlmarkt 8 (Inhaber unser bewährter Gesinnungsgenosse Dr, Körner), entgegen. Zlonlsilsdaes landCEhomllee für Österreich Sonnlas, den 29. März 1931, '/, 9 Uhr abends lm Festsaal des HOTELS CONTINENTAL, II., TaborslraBe 4 Meeting Redner: Felix Roeenblilttt, Mitglied der Zionistischen Exekutive, London m\ Selchwaren Restaurant I mm MB* eig. Erzeugung, beste Qua It&ten Wien, 2. Bezirk, Glockengüsse Nr. 11 spezioiweine nos Pf. DrOhner 4 Co. Unsero Fabrik steht unter ritueller AulalchtdeB .man o»a ornnn nm na nawa mar Benjamin Segel gestorben Vor kurzer Zeit starb Benjamin Segel im Alter von 64 Jahren in Trentschin-Teplitz, wo er Heilung von seinem langjährigen Leiden so oft mit Erfolg gesucht hatte. Er entstammte einer gut jüdischen Lemberger Familie. Das Haus seiner Eitern war ein Treffpunkt jungjüdischer Intelligenzler, die zu den Schöpfern der jüdisch-nationalen und zionistischen Bewegung in Galizien gehörten, ln diesem Hause verkehrte u. a. Saiomon Schiller, jener tiefe jüdische Denker und wunderbare Mensch, der in Erez Israel, wo er seine letzten Jahre als Lehrer und Schriftsteller verbrachte, die Augen für immer geschlossen hat. Saiomon Schiller verband starke Freundschaft mit Benjamin Segel. Benjamin Segel war ein Journalist von großem Können. Er besaß ein profundes jüdisches und allgemeines Wissen. Zusammen mit der vorziiglicnen Erziehung, die er im Vaterhause genoß, ergab dieses Wissen ein ausgezeichnetes Substrat für die natürliche und warme Einstellung Segels zu Juden und Judentum. Segel widmete all seine großen geistigen Kräfte dem Dienste des Judentums. Er gehörte keiner Partei im Judentum an, er ging stets seine eigenen Wege. Das alte Judentum, in dem er aufgewachsen war, liebte er stark und verstand es daher auch, in glänzenden Novellen dieses alte jüdische Leben lebendig und packend zu schildern. Er war einer der besten Kenner des jüdischen Sprichwortes und des jüdischen Witzes. Er besaß einen klaren Blick für das Leben und einen tiefdringenden Verstand. Ganz besonders war ihm das polnische Judentum, dem er entstammte, ans Herz gewachsen. Segel widmete all seine großen geistigen Kräfte Mit seiner scharten Feder focht er für den Aufbau Erez Israels, den er als eine zentrale Aufgabe der heutigen Judenheit ansah. Seine zahlreichen Artikel, die er in vielen jüdischen Blättern veröffentlichte, waren klar, sachlich, interessant und packend geschrieben. Man konnte sicher sein, auf seine Rechnung zu kommen, wenn man auf seine Aufsätze stieß. Immer hatte er etwas zu sagen und stets sagte er es in ausgezeichneter Form. Geradezu faszinierend war er in der Polemik: da glänzte er mit seinem jüdischen Verstand, mit seinem herrlichen Witz, mit seiner tiefschürfenden Sachkenntnis, mit seinem klaren Urteil. Geradezu das Ideal einer polemischen Schrift bildet seine Broschüre «Die Entdeckungsreise des Herrn Dr. Theodor Lessing zu den Ostjuden». Wer weiß, ob nicht diese glänzende Abwehr des Angriffes Theodor Lessings auf die Ostjuden zu der Krisis Lessings im Verhältnis zu unserem Volke beigetragen hat, Segel befaßte sich mit der üesamtlage des jüdischen Volkes und veröffentlichte im Anschluß an die Erlebnisse des jüdischen Volkes im Kriege seine Broschüre: «Der Weltkrieg und das Schicksal des jüdischen Volkes». Einen großen Dienst erwies er unserem Volke durch seine Veröffentlichungen über die Protokolle der «Weisen von Zion». Es gelang ihm vielfach, die Fälschungen nachzuweisen, denen diese haßschnaubende Broschüre ihre Entstehung verdankt. Es ist tief bedauerlich, daß ein Mann wie Segel sich sein Brot durch schriftstellerische Arbeiten verdienen mußte, so daß er zum großen Schaden des jüdischen Volkes nicht die Kräfte auf ein Großes und Ganzes konzentrieren konnte, sondern bloß Fragmente bieten mußte. Zu den trauernden Hinterbliebenen gehören auch seine Schwestern, Frau Helene Ueberall, eine tätige Mitarbeiterin der Wizo und ehemalige Leiterin der von uns Zionisten geschaffenen jüdischen Volksschule im 20. Bezirk, und Frl. Libia Segel, deren Güte und Selbstlosigkeit sich seit Jahren auf mannigfachen Gebieten auswirkt. Dr. Chaim Tartakower. yooooooooooocxxxx?ooooococxxxxxxxxxxxx> | THEATER „REKLAME" j ]<j Praterstraße 84 j!| jjj Sonntag, den 5. April 1931, 8 Uhr abends i|i ]!| Einziger heiterer Abend jjj jl Hilda Duiitzkaja jl; jQd hebräische u. synagogale Lieder j J! I Karten zu haben: Bücherstube Rath, Taborstraße 20a, X n Theater «Reklame» i i