Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 167 (12.3.1931)
- Date
- 1931-03-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 DIE STIMME Nr. 167 — 12. März 1931 lUeraiur / Kunst /Theater Jüdisches Theater Als Ich voriges Jahr in Polen weilte und mit Ffihrern der jüdischen Bewegungen sprach, gab mir einer der Führer lugenden Rat: Wenn Sie wissen wollen, wie stark in diesem oder jenem Städtchen das jüdische Leben pulsiert, so fragen Sie, wie es dem jüdischen Theater geht, das ist das einzige Barometer, das den kulturellen und wirtschaftlichen Stand der Juden anzeigt. Tatsächlich habe ich in vielen polnischen Städtchen gut spielende jüdische Theatertruppen angetroffen. Wie ist es in Wien? Seit Jahren tobt hier ein Kampf zwischen dem jüdischen Publikum Wiens und den jüdischen Theatern. Das Publikum behauptet, das jüdische Theater biete nichts, die Theaterdirektionen sagen, die Juden kommen nicht. Das andere scheint eher wahrscheinlich zu sein. Der Dramaturg Meiseis hat vor drei Jahren ein jüdisches Theater mit vorzüglichen Kräften im Cafö Reklame eröffnet, und trotz der guten Leistungen dieses Theaters war der Zusammenbruch unvermeidlich. Die Schauspieler wurden arbeitslos und dem Hunger preisgegeben. Jetzt ist es der rührigen jüdischen Schauspielervereinigung gelungen, eine Truppe im Theater Astor (Praterstraße 60) zusammenzustellen, um einerseits dem jüdischen Publikum gutes jüdisches Theater zu bieten, andererseits jüdische Schauspieler vor dem Hunger zu schützen. Ich war eben dort und sah, wie alte, bekannte Schauspieler den Kassa-, Garderobe- sowie den Portierdienst versahen ... Eine Komödie in drei Akten, «Dus dörfische Mädel», wurde aufgeführt. Di: Titelrolle spielte Frau Mirjam Koralova, eine Soubrette ersten Ranges, die eine schöne Sopranstimme besitzt und ein schönes Jiddisch spricht und tanzt) wie wir es selten auf jüdischen Bühnen gesehen haben. Neben ihr sind Herr Rosenthal, ein Schauspieler mit großem lyrisch-dramatischen Tenor, ferner Frau Mischnajewska sowie die Herren Wittler, Zucher, Tunis zu erwähnen. Es war ein Abend, der mir Freude bereitete, so wie es einst beim guten jüdischen Theater der Fall war. Bericht über das Arbeitsjahr 1930/31 der Habimah Der Kreis der Freunde der Habimah in Berlin veröffentlicht einen Bericht über das Arbeitsjahr 1930/31 der Habimah, der nicht zum Zwecke der Propaganda verfaßt ist, sondern nur den Freunden der Habimah eine Uebersicht über die Geschicke des Theaters im letzten Jahre geben soll. Nach einer CF-. akteristik der neuesten Repertoirestücke der Habimah (Shakespeares «Was ihr wollt» und Gutzkows cüriel Acosta») wird über die großen künstlerischen Erfolge der Habimah in Deutschland, Italien, Schweiz, Polen. Skandinavien, Belgien, England berichtet und eine Darstellung der Tätigkeit des Berliner Sekretariats gegeben. In dem «Ausblick», der den Bericht abschließt, wird u. a. ausgeführt: Am 3. Februar fuhr die Habimah nach Palästina. Sie will ihre beiden neuen Repertoirestücke im ganzen Lande zeigen und dann wieder neue Stücke einstudieren.. Das Ensemb.e gedenkt, mehrere Jahre in Palästina zu bleiben, dort seine Tradition weiterzubilden und jüdische Geschichte und Jüdische Gegenwart in großen Aufführungen für Palästina und die ganze Welt zum Ausdruck zu bringen. Anderseits will Palästina die allgemeinen Kulturprobleme im Theater dargestellt sehen, wie sie sich in der Welt heute darbieten. Es wird dabei auch an die aktuellen sozialen Probleme gedacht. Es soll eine Reihe kleinerer Aufführungen von eigenen jungen Regisseuren der Habimah inszeniert werden. Die zwei ersten dieser Aufführungen werden in ungefähr einem Monat in Palästina herauskommen. Als jüdisches Drama ist ein großangelegtes Werk aus der Zeit Chmielnickis vorgesehen. Noch aber ist — heißt es zum Schluß des «Ausblicks» — die heutige Situation der Habimah kritisch, da die gesicherten Subventionen der Patronatsvereinigung im September 1931 aufgebraucht sein werden. In >n nordischen Ländern, in Schweden, Dänemark, Belgien und England, haben sich neue Habimah-Komitees gebildet, und es wird gehofft, daß diese neuen Freunde der Habimah das Theater in seiner schweren Arbeit in Palästina unterstützen werden. Man darf nicht vergessen, daß sich das Thea .er in der ganzen Welt in einer schweren materiellen Krise befindet. Der unerhörten Standhaftigkeit der Schauspiele» und der Hilfe seitens der Freunde der Habimah ist es zu danken, daß sich dieses einzige große jüdische Theater bisher durch alle Schwierigkeiten hindurchkämpfen konnte und a;n Leben geblieben ist. Es wird gehofft, daß alle Hnbimah-F'eunde hierfür Verständnis atniiringen und an der Erhaltung der Habimah mitarbeiten werden. Jlotixen Neue» jüdisches Theater, II., Pralerslraße 60. Infolge des großen Erfolge* Her so beliebten Künstlerin Mirjam Koralova wird die Komödie «Dem Bäckers Töchterl» auf allgemeines Verirren b-'s auf weitet ec prolongiert. Hilda Dulitzkaja wieder ln Wien. Nach einer erfolgreichen Auslands;ounu-e und nach n.chr.aotmtigem Auftreten in Was nicht jeder weiß! E» schien bisher mit unüberwindlichen Schwierigkeiten verbunden zu sein, ein schmerzstillendes Mattel darzustellen, das prompt wirkt und zugleich auch dauernde Erfolge zeitig* Nach umfangreichen Studien auf pharmakologischem Gebiete und eingehenden Versuchen an c.nem gruu.a Kraiuciiu.aicnai gelang cs schließlich, in dem Togal ein Mittel herzustellen, weiches neben zuverläsiger und anhaltender Wirkung absolut unschädlich ist. Togal-Table*Vii haben sich bei rheumatischen und gichtischen Scumerzen, Kopfschmerzen und Erkältungskrankheiten hervorragend bewährt. Die internationale Prager Mustermesse, die diesmal vom 22. bis 29. März stattfindet, ist, wie wir erfahren, bis auf den letzten Platz vollauf belegt. Eine ganze Anzahl von Spezialmessen und viele internationale Ausstellungen werden das Bild dieser Mustermesse ergänzen. Oesterreich wird erstmalig durch eine größere Anzahl von Ausstellern vertreten sein und die Koie des Bundesministcriums für Handel und Verkehr wird für Oesterreichs Fremdenverkehr in Prag werden. Da die Prager Mustermesse speziell tür den Export nach den Oststaaten von großer Bedeutung ist, rechnet man damit, daß die kommende Prager Frühjahrsmesse auch für die österreichischen Aussteller von großer Bedeutung sein wird, und daß sie speziell nach diesen Staaten große Geschäftsabschlüsse tätigen werden . einer Kleinkunstbühne in Berlin ist die bekannte und beliebte Künstlerin Hilda Dulitzkaja wieder in Wien. Die gesamte Auslandspresse ist voll von Lob und Begeisterung über ihre Vortragskunst. Die Künstlerin ist für mehrmonatige Gastspiele verpflichtet worden und bleibt nur kurze Zeit in Wien. Sie wird am 5. April im Theater «Reklame» einen einzigen heiteren Abend geben, und das Wiener jüdische Publikum wird wneder einmal Gelegenheit haben, die große Kunst der Frau Du,;tzka!a m bewundern. Verein zur Förderung Jüdischer Musik. Nach dem erfolgreichen ersten Kammerkonzert der laufenden Saison mit Werken von Brandmann, Gnessin, Engel und Stutschwesky veranstaltet der Verein zur Förderung jüdischer Musik einen zweiten Kammermusikabend am 22. Atärz im Saale B’naj B’rith, (IX., Universitätsstraße 4). Das Programm des bevorstehenden Abendes enthält folgende Erstaufführungen: Grigori Krein: Präludium für Flöte, Streichquartett und Klavier; Alexander Weprik: Zweite Klaviersonate; Leo Zeitlin: Eli Zion, füi Cello und Klavier, und Reb Nachmans Nigen für Streichquintett; Joel Engel: Duette für Frauenstimmen und Klavierbegleitung. jüdisches meater, II., Praterstraße 60 (Astor). Auf allgemeines Verlangen hat die jetzt in diesem Theater spielende Truppe mit ihrem Star Frau Koralova das Gastspiel prolongiert und spielt die ganze Woche «Jesojmim vun der Gass», Lebensbild mit Gesang in vier Akten von Segl. Jüdische Filejer im Weiffcrieg Im Februar-Heft der «Deutschen Kriegsopfer-Zeitung» veröffentlicht Hermann Geisser eine längere Besprechung des im Verlag des «Schild» erschienenen Buches «Jüdische Flieger im Weltkriege* von Dr. Felix A. Theilhaber. Ohne Zweifel, schreibt Geisser, war im Weltkriege das Flugzeug das gefahrvollste Kampfmittel. Wer es je betrat, der hatte noch tausendmal weniger Gewißheit, daß er aus dem Kampf noch einmal zurückkehren werde, als alle anderen Frontkämpfer. Welch ein großes Maß an persönlichem Mut mußte daher ein Flieger besessen haben. Wenn wir das Buch Theilhabers durchgehen, dann finden wir so manchen bekannten Kampfflieger des Weltkrieges darin, von dem wir nicht wußten, daß er ein Jude ist. Damals haben wir seinen Mut und seine Leistungen bestaunt, heute will man ihm aus politischen Gründen dies abstreiten. Wie unehrlich und wenig sachlich. So finden wir beispielsweise auf Seite 55 das Porträt und die Tatsachenbcschreibung des Seniors der deutschen Kampfflieger, Jacob Wolff, eines bekannten Grußindustriellen, der, damals schon 46jähng, in seiner eigenen Maschine freiwillig zahlreiche bedeutungsvolle Luftsiege erfocht. Auf Seite 22 finden wir das Bildnis eines gewissen Paul Spiegel, zu Beginn seiner Dienstleistung ein 62jähriger, was ihn allerdings nicht abhalten konnte, freiwillig bei der Luftschifferabteilung Dienst zu tun und zahlreiche gefahrvolle Ballonfahrten auszuführen. Das Bild auf Seite 87 zeigt Oberleutnant Wilhelm Frankl, einen der ersten Inhaber des Pour le Mörite. Wie an ihm, so hat sich auch an zahlreichen anderen Trägern dieser hohen Auszeichnung das Fliegerschicksal erfüllt. Wenige derer, die in dem Buche geehrt werden — inzwischen ist es Herrn Dr. Theilhaber gelungen, weitere 50 jüdische Flieger ausfindig zu machen, die darin nicht gewürdigt worden sind — sind in die Heimat zurückgekehrt. Geisser schließt: «Warum sollen diese Opfer und Leistungen, die nicht geringer sein können al6 andere, nicht anerkannt werden? Sollten sie lediglich deshalb unterschlagen werden, weil sie in den Parteikram nicht passen? Dann lassen wir es lieber bleiben, noch jemals vor die Gedenkstätten unserer gefallenen Kameraden hinzutreten, denn wir besudeln ihr Andenken mit Unehrlichkeit und unsere Trauer mit Heuchelei.» Leo ToisloJ und die Juden Graf Leo Tolstoj war ein guter Freund der Juden. Er scheute sich nicht, die Ausnaiunsgesetzgebung der zaristischen Regierung zu brandmarken. Anläßlich des Pogroms von Kischinew schrieb er in einem Briefe vom 27. April 1903 an einen Freund: «Mein Verhältnis zu den Juden kann kein anderes als das zu Brüdern sein, die ich liebe, und zwar nicht deshalb, weil sie Juden sind, sondern weil wir und sie, wie alle Menschen, Söhne eines Vaters und Gottes sind und diese Liebe fordert keine Anstrengungen meinerseits, weil ich vorzüglichen Judenmenschen begegnet bin und sie kenne.» Ueber das Pogrom von Kischinew schrieb Tolstoj: «Die Kiscliinewer Gewalttat ist eine direkte Lüge und Vergewaltigung, die mit voller Spannkraft und Beharrlichkeit von der russischen Regierung geübt wird.» Ueber den Antisemitismus sagte Tolstoj: «Der Antisemitismus ist keine Anschauung, keine politische Ueberzeugung, keine Parteiansicht, sondern ein krankhafter Zustand, eine wilde Leidenschaft, die schon an das Gebiet der niederen erotischen Leidenschaften mit einer besonders ekligen Nuance grenzt.» Bekannt ist auch, daß tolstoj ein Freund der jüdischen Literatur war und noch im hohen Alter hebräisch lernte. Die trsf« jüdische Gemeinde In Spanien seit >492 Vor einigen Wochen wurde die erste jüdische Gemeinde in Madrid offiziell anerkannt. Vorsteher dieser Gemeinde ist Dr. Ignaz Bauer. Er ist Generalkonsul von Finnland, ein prominenter Bankier, ein großer Wohltäter und unterhält Wer will billig nach Palästina reisen? Es ist, und das erscheint auch natürlich, der Herzenswunsch jedes Zionisten, Erez Israel, seine Heimat, 2u sehen und kennenzulernen. In der heutigen wirtschaftlichen Lage ist das aber nicht so ohne weiteres möglich, denn solch eine Reise kostet viel Geld. Da will nun der Lloyd Triestino Rat und Hilfe schaffen: er will es auch Zionisten der mindetbemittelten Klassen ermöglichen, diesen ihren Herzenswunsch zu erfüllen. So hat der Lloyd Triestino, einem allgemeinen Verlangen der Leser der «Stimme» entsprechend, eine Palästinareise arrangiert, die vom 28. April bis zum 19. Mai 1931 dauern und, bei erstklassiger Unterkunft und Verpflegung, inklusive Besichtigungen, Führung, Beförderung, Trinkgeldern us\y. nur S. 950.— kosten wird. Näheres siehe in unserer Notiz «Palästinareise der Stimme». Anmeldungen nimmt das Reisebureau «City», I., Kohlmarkt 8 (Inhaber unser bewährter Gesinnungsgenosse Dr. Körner), entgegen. Die «Hazcflra» erscheint wieder. Am 15. März 1. J. beginnt m.Warschau die im Jahre ltrü’i begründete Febränsche Tageszeitung «Hazefira» wieder zu erscheinen. Der Leitung ist es gelungen, sämtliche namhaften hebräischen Schriftsteller als Mitarbeiter zu «rew nnen. Ein weitausgebreifetes Korrespondentennetz in allen europäischen und außereuropäisciiw'ti <~ui.ron Wird da^> riiau nut uriginaikurreupondenzen und reichhaltigem Informationsmaterial versehen. Indern wir dies allen Freunden der hebräischen Literatur und Presse zur Kenntnis bringen, ersuchen wir Sie um Förderung unseres Blattes durch Werbung von Abonnenten. Abonnementpreis S 1.25. Adresse: Hazefira, Warszawa, Leszno 54. ein großes Spital in Madrid. Mit König Alfons verbindet ihn persönliche Freundschaft. Sein jüdisches Wirken ist um so verdienstvoller, als seine Eltern und Brüder die Taufe genommen haben. Anekdoten Jehudo Epstein erzählt von einem Modell. Der Maler Jehudo Epstein erzählte einmal einem Journalisten: In der Deflationszeät war ich in einem kleinen Judenstädtchen und suchte nach einem jungen Atenschen, der mir Modell stehen konnte. Da bettelte mich ein Bursche an. Ich fragte ihn, warum er nicht arbeite, und er erzählte mir, er sei Glaser, seine Geschäfte wollten aber nicht gehen. Ich schlug ihm vor, mir für einen Zloty pro Sitzung Modell zu stehen. Er willigte ein und machte umständlich mit mir seine Verpflichtungen und die Zahlungsmodalitäten aus. Schließlich schienen wir einig geworden, aber nun erst rückte er mit seinen «eigentlichen» Bedingungen heraus. Er wollte sich dies und das kaufen, brauchte aber dazu mindestens dreißig Zloty. Ob ich ihm garantieren könnte, daß bei den Sitzungen so viel herausschauen würde? Ja, sagte ich. Aber er wollte ganz sicher gehen. Ich sollte das Ueid deponieren. Die Bank schien ihm für diesen Zweck nicht sicher genug; er wußte eine honorige Geldvcrleiherin, zu der mußte ich gehen und das Geld hinterlegen. Endlich war die erste Sitzung. Aber es blieb auch die letzte. Ich wollte ein Porträt malen und bat ihn, den Kopf seitwärts zu drehen. «Warum, Herr?» «Ruhig sitzen und dort hinüberschauen!» «Ich sitz’ ja ruhig...» Nach zwei Minuten begann er wieder hin und her zu rücken und mir irgendeine Geschichte zu erzänlen, «Halt den Mund, laß die Hände unten und schau dort hinüber», sagte ich ärgerlich. Aber es ging nicht. Ruhig sitzen und kein Wort reden war ihm unmöglich. Und er stand kurz entschlossen auf, erklärte mir, ich könne meine dreißig Zloty wieder haben, aber Ich solle ihn laufen lassen. «Es Ist eine zu schwere Arbeit für einen Juden», sagte er,..» Wunderrabbiner. Einem ostjüdischen Rabbi, der Frankfurt besuchte, sagte man in der orthodoxen Synagoge: «Bei euch im Osten ist der Wunderrabbi eine gewöhnliche Erscheinung, bei uns im Westen hat man dafür nicht Viel Verständnis.» — Darauf der Rabbi: «Ich finde, auch im Westen sind Wunderrabbi keine so seltene Erscheinung!» — «Wieso?» — «Ich habe im Westen schon manchen Rabbiner gesehen, bei dem ich mich wunderte: Dieser Mann ist Rabbiner?» Rechnen lernen. Prof. Einstein pflegt gern die folgende Geschichte zu erzählen: «Ich fuhr eines Tages in Berlin in der Straßenbahn. Da ich mich im Geist mit einigen schwierigen Gleichungen beschäftigte, war ich etwas zerstreut und gao aem Kondukteur nicht das richtige Geld. Da fuhr mich der Mann an: «Warum gehen Sie nicht noch mal in die Schule und lernen rechnen?» Eine zynische Geschichte. Die Leitung des jüdischen Literaturvereines einer süddeutschen Kleinstadt hatte ein zionistisches Mitglied aulgofordert, einen Vortrag über Jakob Wassermanns Roman «Der Fall Maurizius» zur halten, sich dabei aber ausbedungen, daß diese Gelegenheit zu zionistischer Propaganda nicht ausgenützt, Ja det Name Zionismus nicht Vorkommen dürfe. Der Redner hielt sich streng an diese Vorschrift; plötzlich aber verließ der Vorstand mit dem entrüsteten Ausruft Da sieht man’s, schon wieder der Zionismus I, den Saal. Der Redner hatte nämlich bei der Charakterisierung des Staatsanwalts Andergast von dessen Zynismus gesprochen, Aus alter Wett