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Die Stimme · 1931-03-12 · Heft 167 (12.3.1931) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 167 (12.3.1931)
Date
1931-03-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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N». »o7 — 12. März 1931 blt STIMME Seite 7 Jüdisches Leben in Südamerika Von Bruno Rabinowitz. Es ist vielleicht nicht allgemein bekannt, daß die ersten Kolonisten, die brasilianischen Boden betreten haben und das Land zu kultivieren begannen, zun großen Teil portugiesische und spanische Juden, und zwai Marranen gewesen sind. Die Auswanderungslust der Juden nach den fürchterlichen Ereignisen in Spanien Var sogar so groß, daß die spanische Regierung durch Auswanderungsverbote für juden, respektive Marranen, einen Riegel vorschieben wollte. Die spätere katholische Eroberung Brasiliens im Namen des Königs und der Päpste hat die jüdische Siedlung aufgeneben, die nach einigen Jahren schon so weit entwickelt war, daß sie sich einen Rabbiner kommen ließ. Heute, nach fast fünfhundert Jahren, gibt es noch gutkatholische brasilianische Familien, deren Namen auf jüdischen Ursprung hinweist. Und diese Brasilianer erklären mit einigem Stolz, daß in ihren Adern jüdisches Blut fließe. In Brasilien gibt es mehrere größere jüdische Gemeinden. Vor allem ist die Zahl der in Rio de Janeiro lebenden Juden bedeutend gestiegen. Es leben hier weit mehr als 10.000 jüdische Seelen, Juden aus dem Osten wie auch aus dem nahen Orient. Die Beschäftigung der meisten jüdischen Einwanderer ist der kleine Hausiererhandel und der Vertrieb von Möbeln und Textilien. Die Juden leben hier in bescheidenen Verhältnissen. Es erscheint in Rio zweimal wöchentlich ein in jiddischer Sprache geschriebenes, von der zionistischen Organisation herausgegebenes Blatt. Es gibt jüdisch-nationale Vereine, Klubs und — eine erfreuliche Tatsache — ein von etwa 300. Schülern besuchtes hebräisches Gymnasium. Antisemitismus ist in Brasilien so gut wie unbekannt. Der eingeborene Brasilianer kennt keinen Unterschied zwischen Jude und Christ, obgleich er Katholik ist. Doch der Staat ist von der Kirche getrennt, und die Mentalität des ungebildeten wie des gebildeten Brasilianers lehnt Judenhaß ab. Rühmlich bekannt ist ja die Duldsamkeit gegenüber den zahlreichen Negern, die vollste Gleichb.rcchtigung genießen, zu allen Aemtern und V/ürden zugelassen werden. Außer in Rio gibt es noch in Santos, Sao Paulo, Bahia, Bello-Horizonte und sogar im tropischen Pernambuco jüdische Gemeinden mit bewußt jüdischem Leben. Uruguay, eine Republik mit eineinhalb Millionen Einwohnern, die die aktivste Handelsbilanz und großen Staatsreichtum besitzt, beherbergt auch eine jüdische Siedlung. Die Einwanderung ist vollkommen paß- und visumrrej, denn das Land braucht Menschen. Leider benützen viele Einwanderer diese Tatsache nur, um von dort nach dem judenreichen Argentinien weiterzuwandern. Die Hauptstadt Montevideo hat mehrere tausend Juden, doch machen sich die wenigen kommunistischen J ler. sehr bemerkbar, was der Gesamtheit leider zum Nacbuil gereicht. Das Haupteinwanderungsgebiet Südamerikas ist vorläufig die argentinische Republik. Mitbestimmend hierfür ist wahrscheinlich’’..auch das Klima, . das dem euro-. päischen doch hoch am nächsten kommt, ln Buenos Aires leben inehr als 70.000 Juden. Es gibt ein jüdisches Viertel mit ausgeprägtem jüdischen Wirtschaftsleben. Die jüdische Siedlung hat ihre eigenen Kooperativen, Warenhäuser, Banken, die nach nordamerikanischem Prinzip reellst betrieben werden. Außerdem beherrschen die Juden auch viele Zweige des Handels. Auch freie Berufe werden oft von Juden ausgeübt. Der Standard of Life ist im allgemeinen hoch. Für die Armen sorgen zahlreiche Wohlfahrtsvereine. Die liberale Gemeinde ist sephardisch und besteht überdies aus französischen und «bodenständigen» deutschen Einwanderern. Die aschkenasische Gemeinde, die den Hauptteil der Juden umfaßt, konnte für einen ungeheuren Betrag eine monumentale, künstlerisch einwandfreie Synagoge errichten, die mehrere tausend Menschen faßt. Trotzdem geht das jüdische Leben, wie wir es hier kennen und schätzen, zugrunde. Die Ostjuden, die dorthin kamen, haben ihr Judentum gegen das Buamess eingetauscht, und nur d'e hohen Feiertage lassen erkennen, daß diese Menschen ihre Anhänglichkeit .m ihr Volk und seine Religion nicht ganz verloren haben. Wo soll aber die kommende Generation ihr Judcnlum hernehmen? Da ist der Zionismus rettend eingesprungen. Diese Bewegung hat auch hier Wurzel geschlagen, und namentlich bei der jüdischen Jugend ist es ihr gelungen, Interesse zu finden. Wenn auch der Antisemitismus offiziell noch unbekannt und im staatlichen Getriebe unmöglich ist, so sind doch im gesellschaftlichen Leben und in der letzten Zeit auch auf der Universität betrübliche Erscheinungen aufgetreten. Diese führten sehr bald zum Zusammenschluß der jüdischen Studentenschaft, die der zionistischen Organisation treue Gefolgschaft leistet. Und das erfreulichste Zeichen Jüdischer Selbstbesinnung ist wohl die Tatsache, daß die Juden der Hirsch-Kolonien eine besondere Stütze der Zionisten geworden sind. Jetzt, nach dem Kriege, femmeEing DattelAM Pension Hirsch Fiirsicnhof / Ersiklass. modernes Haus. Vormerkungen für die Osfer-(nQ&-)Feiertage. fMäßige Preise. Alles spricht davon, daß die altrenommierten) SCHMIDL WiaTTATII UUIaAv 1 Hi heuer besonders gut geraten sind. / Ueberzeugen Sie sich durch Kostproben ZENTRALE- N. Brodezky, II. Leopoldss. 43 A-46*1-90 A-60-2-63 A-41-9-S2 und in allen besseren Geschäften zu haben. leben und arbeiten etwa 20.000 Juden aut dem Lande, schaffen in den Kolonien auf jüdischem Boden; sie sprecnen hebräisch und leben ein rein nationales Leben. Zwei Elemente der Einwanderer stören die Entwicklung der jüdischen Gemeinschaft: die jüdischen Mädchenhändler — es gibt auch solche anderer Nationalität! — und die jüdischen Kommunisten. Erstere können durch die Bestechlichkeit der Behörden ihr Unwesen treiben, und letztere sind durch zahlreiche Geldmittel, die ihnen anscheinend von der Urzelte Zuströmen, sogar in der Lage, ein großangelegtes Tagblatt in jiddischer Sprache erscheinen zu lassen, das dem jüdisch-nationalen Tagblatt großen Schaden zufügt. Die Gesamtheit der Argentinier macht jedoch nicht die jüdische Gemeinschaft für diese Auswüchse verantwortlich. Neben diesen drei genannten Ländern Südamerikas haben auch die kleineren Republiken, wie Chile, Peru, Kolumbien, Venezuela, im letzten Jahrzehnt größeren jüdischen Zustrom erhalten. Ganz besonders ist da auch M e x i k o zu erwähnen, das in jüngster Zeit das Ziel vieler zum Wanderstab j gezwungenen Juden geworden ist. Ueberal! ist dne Entwick- Paläsfinareise Eine Reise nach Palästina 28. April 1931: Ab Wien um 19.10, Ostbalinhof. 20.: An Triest 8.17. Einschiffung. Ab Triest 13.00 mit dem Dampfer der Palästina-Linie des Lloyd Triestino. 30.: In Brindisi von 16.00 bis 17.00. 1. Mai: Seefahrt. 2. : Seefahrt. 3. : In Larnaca auf Cypern von 13.00 bis lu.oi: Möglichkeit zur Besichtigung der Stadt. 4. : Ankunft in Jaffa um 5.30. Ausbootung. Besichtigung von Jaffa und Tel-Aviv. 5. : Fahrt nach Petach Tikwa, Magdiel, Kfar Saba, Herzlia. 6. : Vormittag frei. Nachmittag von Tel-Aviv über Rechobot, Rischon le Zion, Kirjat,'Anawim, Moza nach Jerusalem . 7. : Besichtigung von Jerusalem. 8. :. Ausflug nach Jericho, zum Toten Meer und Jordan. 9. : Freier Tag in Jerusalem.^ 10. : Ausflug nach Bethlehem und auf den Oelberg. Nachmittag von Jerusalem nach Afule über Nablus und Dschenin. 11. : Von Afule über En Charod, Bet Alfa, Tel Jossef zum Ruthenberg-Stauwerk, nach Degania, Kineret und nach Tiberias. 12. : Von Tiberias über Nazareth, Balfouria, Kfar Jeladim, Nahalal nach Haifa. Besichtigung von Haifa. lung bei der Einreihung in das Wirtschaftsleben die gleiche. Ueberall entstehen bald jüdische Gemeinden und bildet sich eine Gruppe von Zionisten, die für den Zusammenhalt der Juden, für ihre Orientierung und für ihre kulturelle Förderung sorgt. Die Spaniolen und Aschkenasim trelTen sich auf nationalem Gebiet. Die ersteren finden im Lande dank ihrer ererbten Sprache leichter Anschluß, die Ostjuden haben dafür mehr Beweglichkeit und Anpassungsfähigkeit. Zum Schluß erscheint es mir nicht unwichtig, daß die jüdische Oeffentlichkeit Europas neben ihren nordamerikanischen Volksgenossen auch diesen versprengten Teilen des Volkes Aufmerksamkeit schenkt. Die Schäftung eines Instituts zur Erfassung der in alle Teile der Welt zerstreuten jüdischen Massen ist ein Gebot der Stunde, zum Wohle der Juden der alten wie der neuen Welt. Dieses Institut sollte zu den kleinsten jüdischen Gruppen Beziehungen anknüpten, im Interesse der Einheit des Volkes, im Interesse der Gesamtheit der Ziele und der Bestrebungen des Judentums. Drüben finden wir ein sehr wertvolles und dankbares jüdisches Menschenmaterial, das die Vereinigung sucht. der „Stimme“ 13. : Ausflug nach Sichron Jaakon und Atlit. Zurück nach Haifa. Um 22.00 Abfahrt mit dem Dampfer des Lloyd Triestino. 14. Mai:.In Larnaca auf Cypern Aufenthalt von 9.00 bis 13.00. 15. : Seefahrt. 16. Seefahrt. 17. : In Brindisi von 6.00 bis 7.00. 18. : Ankunft in Triest 11.00. Ab Triest 20.00. 19. : Ankunft in Wien 9.30. Preis dieser Reise: 950 Schilling. Leistungen: Bahnfahrt von Wien nach Triest und von Triest nach Wien in der III. Klasse. Bahnfahrten in Palästina in der II, Klasse. An Bord III. Klasse mit Kabine und Verpflegung. Gepäcktransport. Aus- und. Einbootung. Unterbringung in guten Hotels. Besichtigungen,' Führung, Beförderung,,.'; ' in Autos laut Programm, Trinkgelder in den Hotels,, und an Bord. Die Verpflegung beginnt mit der Abfahrt von Triest ' bei der Hinfahrt und endet mit der Ankunft in Triest bei der Rückfahrt. Eine andere Version dieser Reise beinhaltet auch den Besuch von Aegypten. Das Reiseprogramm ist bis zum 13. Mai gleichlautend, dami noch bis zum 16. Aufenthalt in Palästina, am 16. Bahnfahrt von Tel-Aviv nach Kairo. Diese Reise dauert bis zum 26.; Ankunft in Wien am 27. Mai, 9.30 Uhr. Preis dieser Reise: 1680 Schilling. Kleine Nachrichten ausPalästina Niederlassung von Juden in Nazareth erwünscht Jerusalem, 5. März (J. T. A.) In der unter der Redaktion von Dr. Nissim Maloul in Jerusalem in arabischer Sprache erscheinenden jüdischen Zeitung «Al Salaam» ist ein von zehn hervorragenden mohammedanischen und christlichen Arabern aus Nazareth Unterzeichneter Aufruf erschienen, in dem der Wunsch nach Eröffnung von mindestens 50 Läden durch jüdische Kaufleute in Nazareth und außerdem nach Niederlassung von 50 jüdischen Familien in dieser Stadt ausgesprochen wird. Trauerfeier für Prof. Horowitz an der Hebräischen Universität. Jerusalem, 5. März. (J. T. A.) An der Hebräischen Universität zu Jerusalem wurde zum Gedächtnis des vor kurzem verstorbenen berühmten Orientalisten und Professors an der Universität zu Frankfurt Josef Horowitz, der gleichzeitig Leiter des orientalischen Instituts der Jerusalemer Universität war, eine Trauerfeier veranstaltet, an der das gesamte Professorenkollegium, die Beamtenschaft und die Hörer der Hebräischen Universität teilnahmen. Ungeregelte Rechtsverhältnisse im Haifabucht-Gebiet. Jerusalem, 5. März. (J. T. A.) Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, haben auf Grund einer neuen 'Verwaltungsordnung die Siedler ohne Rechtstitel und die beduinischen Weidenutzer die Erlaubnis erhalten, bis auf weiteres auf den jüdischen Ländereien in der Haifabucht zu bleiben. Die Polizei hat die Weisung erhalten, nicht einzugreifen, bis das Bodengericht eine Entscheidung bezüglich der von den Beduinen erhobenen Ansprüche gefällt hat.. Besuch Emir Abdullahs in den chemischen Werken am Toten Meer. Jerusalem, 2. März. (J. T. A.) Am Donnerstag, den 26. Februar, besichtigte Emir Abdullah von Transjordanien in Begleitung seines Ministerpräsidenten Khaled Pascha die chemischen Werke am Toten Meer und brachte dem Direktor der Werke Van Vrieslabd gegenüber seine Anerkennung für die erzielten Fortschritte zum Ausdruck. Liga für das arbeitende Palästina, Wien, II., Czerningasse 4/IV.50. Telephon R 44-9-52. Bureaustunden von 9 bis 1 und 3 bas 7 Uhr. Die «Liga für das arbeitende Palästina» hat eine Vertriebsstelie für Palästinaprodukte (Wein, Oel, Seife usw.) errichtet und ersucht alle Gesinnungsgenossen, ihren Bedarf bei dieser Vertriebsstelle zu decken. Das Reinerträgnis fließt dem Palästinaarbeiterfonds (PAF) zu. Ein Teil des Reinerträgnisses ist auch für das Zionistische Landeskomitee für Oesterreich bestimmt. Die Waren werden gratis ins Haus zugestellt. Bestellungen können auch telephonisch aufgegeben werden. Xeopotd idliscfto Wien, n., Krummbaumgasse I Telephon A 47-2-63 offeriert sämtliche Spezerei waren HOB bV ISO bestens und billiget. Provinzversand. QFTAIITWGWIir I Euch in Euren Bezirken zurMitar- JfaJLwr JM A9 JL JElllI I beit für die Propagandau. W erbeaktion!

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