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Die Stimme · 1931-03-12 · Heft 167 (12.3.1931) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 167 (12.3.1931)
Date
1931-03-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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VÜ9HPK9MH Seit« 6 v.. DIE SUMME Professor Dr. V, Aptowitzer — 60 Jahre alt Von Dr. H. Z i m m e 1 s üfaHenßreifgferumvesem Die 99. Friedhofschändung. Am 16. d. M. vollendet d>?r weit über die Grenzen Oesterreichs und Deutschlands hinaus bekannte Gelehrte Prof. Dr. V. Aptowitzer sein sechzigstes Lebensjahr. ln Tarnopol als Sohn frommer Eltern geboren, genoß Aptowitzer eine streng jüdische Erziehung. Mit 5 Jahren begann er Talmud zu lernen und im Alter von 10 Jahren besaß er über das Durchschnittsmaß seiner Altersgenossen hinausgehende Kenntnisse. Im Laufe der späteren Zeit vertiefte er sich immer mehr, nahm den Geist des alten Beth ha-Alidrasch in sich auf und erweiterte sein Wissen durch den Erwerb profaner Bildung. Als er nach Wien kam und in die israelitisch-theologische Lehranstalt eintrat, besaß er bereus gediegene Kenntnisse im jüdischen Schrifttum. Es fehlte ihm bloß noch der wissenschaftliche Schliff, um das in seinem Kopfe aufgespeicherte reiche Wissen zu ordnen und zu systemisieren. Dies gelang ihm im Laufe einer kurzen Zeit. Gleichzeitig studierte er an der philosophischen Fakultät an der Wiener Universität. Bald trat er auch mit seinen ersten Arbeiten vor die Oeffentlichkeit und lenkte dadurch die Aufmerksamkeit der maßgebenden Kreise auf sich. Im Jahre 1909 wurde Aptowitzer als Professor an diu! israelitisch-theologischen Lehranstalt beruien, an der er noch heute tätig ist. Hier brachte er die von ihm vertretenen Fächer — Exegese, Midrasch und Religionsphilosophie — zur vollen Blüte. In hohem Maße hat Apto,.nzer der Wissenschaft im allgemeinen, ganz besonders aber der jüdischen Wissenschaft gedient. Die von ihm erschienenen Arbeiten legen davon beredtes Zeugnis ab. Aptowitzer ist vielseitig: Neben zahlreichen Schriften, die das jüdische Altertum betreffen, neben Werken über vergleichende Reciitskunde hat Aptowitzer namentlich auf dem Gebiete der Halacha und Agatia mehrere weilvoile Arbeiten verbiicntlicht, \v .ch er den Ruf eines großen Gelehrten genießt. Seine wichtigsten Schrirten sind: Das Schriftwort in der rabbinischen Literatur, 1906— 1915, erschienen in den Sitzungsberichten der Akademie in Wien und als Beilagen zu den Jahresberichten der israelitisch-theologischen Lehranstalt. Beiträge zur mosaischen Rezeption im armenischen Recht, Wien, 1907. Die syrischen Rechtsbücher und das mosaischtalmudische Recht, Wien, 1907. Rechtsbücher des nestorianischen Patriarchen und ihre Quelle, 1910. Von den halachischen Arbeiten Aptowitzers ist als wichtigste Leistung die Herausgabe des «Rabiah», des halachischen Werkes des R. Elieser b. Joel ha-Levi hervorzuftebefr. Bis heute sind mehrere Teile erschienen. In den Arfmerkungen beleuchtet Aptowitzer kritisch den Text und zieht Parallelen, in denen sein Scharfsinn und seine Gelehrsamkeit — seine Charifuth und Bekiuth — zum Ausdruck kommen. Noch mehr kann dies von seinen Werken, die die Agada betreffen, behauptet werden. Hier gilt er als einer der besten Kenner, als unübertroffener Meister. Außer zahlreichen kleineren und größeren Abhandlungen erschienen von Aptowitzer als selbständige Arbeiten über Agada: «Kain und Abel in der Agada», Wien, 1922, und «Parteipolitik der Hasmonäerzeit», Wien, 1927. In letzterer Arbeit zeigt Aptowitzer einen ganz neuen Weg in der Behandlung der Agadoth, die den Hohepriester Aharon oder den König David verherrlichen, bezw. verunglimpfen. Er weist anschaulich nach, daß diese Agadoth aus der Hasmonäerzeit stammen und daß sie Reden und Gegenreden der Hasmonäer-Sadduzäer, die das Königtum usurpiert haben, und ihrer Gegner, die ihnen die Herrschaft, strittig machen wollten, enthalten. Diese Politik — so beweist er — blieb nicht ohne Einfluß auf manche Halachoth. Neben den aufgezählten selbständigen Werken veröffentlichte Aptowitzer eine reiche Fülle von Aufsätzen in zahlreichen Fachzeitschriften: in der Monatsschrift für die Geschichte und Wissenschaft des Judentums, Revue des Etudes Juives, Jewish Quarterty Review, Hazofeh, Hebrew Union College Ammat, Tarbiz Kithbe ha-Universita etc. Aptowitzer ist ein glänzender Stilist. Seine Schriften atmen Frische und Leben; in welcher Sprache immer er schreibt, ist er Meister. Seit der Gründung des hebräischen Pädagogiums ist er dort als Dozent für Talmud, Religionsphilosophie und Exegese tätig. Eine Berufung als Professor an die Universität in Jerusalem hat er abgelehnt. Groß ist die Zahl der Schüler Aptowitzers, innig ist sein Verhältnis zu ihnen. Er fördert seine Hörer und ist bestrebt, ihre Talente zur Entfaltung zu bringen. Er ist ihnen nicht bloß Lehrer, sondern auch väterlicher Freund. Seine Schüler gratulieren ihrem hochverehrten Lehrer zu seinem 60. Geburtstag und wünschen ihm, daß er noch viele Jahre in körperlicher und geistiger Frische für das Judentum wirken und die Wissenschaft mit seinen gediegenen Arbeiten bereichern möge. Vergesset die Sorge, vergesset die Qual — Trinket nur Karmel Original I Am 18. Februar wurden, wie der «C. V.-Zeitung» mitgeteilt wird, auf dem israelitischen Friedhof in Tauberbischofsheim 6 Grabsteine von den Sockeln gerissen und an die Friedhofsmauer umgelegt. Ein Grabstein war umgeworfen und zerbrochen, von zwei Grabsteinen waren die Spitzen abgeschlagen, edn anderer ist gänzlich mit Schmutz besudelt. Die jüdische Gemeinde hat eine Belohnung von 100 Mark für die Ergreifung der Täter ausgesetzt. Es ist dies die 99. Friedhofsschändung seit einer kurzen Reihe von Jahren. Die neunundneunzigste Friedhofschändung in Deutschland! Bald werden die heldenhaften Täter ein Jubiläum feiern können. Strafurteil wegen des Ausdrucks: «Nur arische Deutsche haben Zutritt». Prag. (J. T. A.) Am 25. November vergangenen Jahres veranstalteten die deutschen Nationalsozialisten in der Stadt Schönfeld bei Elbogen in Böhmen eine Tanzunternaltung. Der Vorsitzende der Ortsgruppe der Nationalsozialistiscnen Partei, ein Koch namens losef Gareis, veranlaßte die Herstellung ’ von Plakaten zu dieser Tanzunterhaltung, die u. a. die Be-; merkung enthielten, daß nur Deutsche arischer Abstammung i Zutritt hätten. Wegen dieser Klausel erhob die Staatsanwaltschaft in Eger die Anklage gegen üareis auf Grund des § 14 des Gesetzes zum Schutze der Republik, da durch die öffentliche Bekanntgabe, daß zu der Tanzunterhaltung nur j Deutsche arischer Abstammung Zutritt hätten, zum Hasse } gegen einzelne Gruppen der Bevölkerung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität und Sprache aufgehetzt wurde. Der Angeklagte gestand, die Plakate zur Drucklegung befördert zu Vn' ")M BLAIMSCHEINS TM Pf anzs n Margarine TERNO Unerreicht in Qualität und Preis! Erzeugt unter streng ritueller Aufsicht Seiner Ehrwirden des Herrn Oberratbiners S. Fürst Darf ln keinem Jftdisoben Haushalt fehlen 1 tob btt Tttn Ueberali erhältlich! «j KARL BIAIMSCHE1NS Verewigte Margarine- und & Butterfabriken. Wien, XIV., Diefenbachgasse 59 haben. Der Gerichtshof sprach den Angeklagten schuldig und verurteilte ihn zu 200 Kc Geldstrafe oder 8 Tagen Arrest. Bewährungsfrist wurde ihm nicht zuerkannt. Gegen Plakate beleidigenden Inhalts. Die Gelsenkirchener Beigeordnetenkonferenz vom 19. Februar hat folgenden Beschluß gefaßt: «Der Plakatanschlag der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei an den stadteigenen Plakatanschlagstellen soll dann nicht erfolgen, wc:* i die Plakate beleidigenden Inhalts sind. Die Plakate sollen auch dann nicht zum Aushang kommen, wenn darin zum Ausdruck gebracht wird, daß den Juden der Zutritt zu den Versammlungen verboten ist.» Und in Wien? ln Wien fällt es keiner kompetenten Behörde ein, gegen aufreizende Plakate der Hakenkreuzler einzuschreiten. Schönfeld und Gelsenkirchen haben eben mehr Achtung vor bestehenden Gesetzen und mehr — Kultur als die österreichische Hauptstadt. Arabische Forderungen an die O’Donnell-Kommission «Jamea ei Arabia», das Organ der Partei des Großmufti, hat anläßlich der Ueberprüfung der Finanzen der Palästinaregierung durch die unter der Leitung von Sir Samuel Perry O'Donnell stehende außerordentliche Finanzkommission eine Serie von neun Artikeln über das Budget der Palästina-Regierung veröffentlicht, in deren letztem u. a. die Forderung aufgestellt wird, daß die Juden einen besonderen Beitrag zu den Kosten für die öffentliche Sicherheit in Palästina leisten sollen. Wie bereits gemeldet, hat sich die O’Donnell-Kommission zunächst die Aufgabe gestellt, das Budget der Palästina-Regierung um 300.000 Pfund zu kürzen. Als erste Maßnahme zu diesem Zweck war die Einstellung der 10 Prozent des Gehalts betragenden «Lebenshaltungszulage» der Beamten in Aussicht genommen. Eine Chancellor-Straße in Jerusalem Der neue Chefredakteur des «Doar Hayom» Ben Avi nimmt in seinem Blatte heftig dagegen Stellung, daß die neue Straße, in der das Straus-Gesundheitszentrum liegt, den Namen Chancellor-Straße erhalten soll. Ben Avi bringt das Versprechen der Stadtverwaltung, diese Straße nach Nathan Straus zu benennen, in Erinnerung und wirft die Frage auf, welche besonderen Verdienste sich Sir John Chancellor um die Stadt erworben habe, daß ihm eine Ehrung zugedacht ist, die weder Lord Plumer noch Sir Herbert Samuel zuteil wurde. Nr. 167 — 12. März —666—6666666666666t666t6tIMIIIi; [ Palästina-Weine j 11 Palästina-Orangen <!! Palästina-Olivenöl (Schemen) j •j { Palästina-Krachmandeln j < i wandere Paläsiinawaren folpen) < J! sowie särrt iche Fpm-reiwaren |!! HOB "tt “tt3 I < zu den billigsten Preisen liefert franko Haus, auch < ] \ Provinzversand J j ü Samuel Halpetn |j J. Wien. II.. Förstergasse 6 t Telephon A-46-4- 2 J J Oicngeit*f*»eiset ' > Pakete zu 15, 18, 2» und 6 Ulick .... S 6.80 J \ < Orlgii alkisten zu 50, 6ö, 7o und 90 Stück. . S IS.— < » Seeeeeeeeeeeseeegc •«••••iMMfMtMM# Der polnische Senat beschließt die Abschaffung der gesetzlichen Beschränkungen gegen die Juden Warschau, 1. März (J. T. A.). Das Plenum des polnischen Senats hat sich in seiner gestrigen Sitzung mit der Regierungsvorlage, betreffend Abschaffung der aus der Zarenzeit stammenden gesetzlichen Beschränkungen gegen die Juden in Polen, die durch die Verfassung der polnischen Republik noch nicht aufgehoben worden waren, befaßt. Bei der Abstimmung wurde die Regierungsvorlage mit einigen von der Senatskommission vorgeschlagenen Aenderungen angenommen. Infolge dieser Aenderungen wird das Gesetz noch einmal den Sejm passieren’ müssen. Generalsrang für den Obersten Heeresrabbiner Polens Warschau (J. T. A.). Die Warschauer Zeitungen teilen aus maßgebender Quelle mit, daß der oberste Heeresrabbiner der polnischen Armee, Oberst Dr. Josef Mises, in den nächsten Tagen Rang und Titel eines Generals erhalten wird. Dr. Mises wird der erste jüdische General der polnischen Armee sein. Freispruch der Führer der «Eisernen Garde» Bukarest, 5. März (J. T. A.). Das Gericht hat sämtliche angeklagten Führer der antisemitischen Terroristen-Organisation «Eiserne Garde» und «Erzengel Michael», unter ihnen die berüchtigten antisemitischen Terroristen Codreanu, Totu und Danila, freigesprochen. 10.000 jüdische Arbeiter für Palästina Die zionistische Tageszeitung «Hajnt» teilt mit, eine zionistische Persönlichkeit in Polen habe vom Leiter des jüdischen Kolonisationswerkes in Palästina, Dr. Arthur Ruppin, ein Schreiben erhalten, in welchem Dr. Ruppin mitteilt, in Palästina treffe man Vorbereitungen zum Beginn umfangreicher Arbeiten, zu deren Durchführung vveitere 10.000 jüdische Arbeiter noch im Verlauf dieses Jahres benötigt werden würden. Die Hälfte dieser Ärbeiterzahl soll sich aus Polen rekrutieren. Eine jüdische Zeitung muß christliche Kirchensteuern zahlen Der Verlag des «Israelitischen Wochenblattes für di« Schweiz» hatte zeitweise die Rechtsform einer Genossenschaft. Die Steuerbehörde erhob neben den entsprechenden Staats- und Gemeindesteuern auch noch die obligat« Kirchensteuer, und zwar nicht nur eine, sondern gleich zwei. Im Kanton Zürich haben nämlich nach dem Steuergesetz auch die «juristischen Personen» Kirchensteuern für die beiden Staatskirchen zu leisten. Die juristische Literatur, schreibt das «Israelitische Wochenblatt für die Schweiz», hat seit jeher gegen diese Auslegung der Bundesverfassung Stellung genommen, die zu Konsequenzen führt, daß ein jüdisches Blatt der reformierten und der christkatholischen Konfession helfen muß, sich zu erhalten. Dabei hat die Züricher Steuerbehörde in einem Entscheid ausdrücklich festgestellt, daß die Genossenschaft des «Israelitischen Wochenblattes» nur gegründet war, um den Verlag dieses Blattes zu führen. Die Zeitung teilt mit, daß sie auf die Rcchtsform der Genossenschaft, die sie zu Steuerzahlungen an zwei christliche Kirchen nötigt, Verzicht geleistet hat. Dr. Magnes in Amerika New York, 2. März (J. T. A.). Wie Herr Felix M. Warburg als Vorsitzender des amerikanischen Komitees der Hebräischen Universität mitteilt, wird der Rektor der Hebräischen Universität in Jerusalem Dr. Juda L. Magnes, der in diesen Tagen in den Vereinigten Staaten eintrifft, eine Toütnee durch alle größeren Städte des Landes zugunsten der Hebräischen Universität unternehmen. Während seines jetzigen Aufenthaltes beabsichtigt er die bedeutendsten Universitäten und «Colleges» des Landes zu besuchen, um ihre Organisation, vor allem die der Abteilungen für orientalische Forschungen, zu studieren und die gesammelten Er» fahrungen für die Jerusalemer Universität nutzbar machen zu können. Wie Herr Felix Warburg weiters mitteilt, werden die ersten Promotionen an der Hebräischen Universität, dis bisher ein reines Forschungsinstitut war und erst Im Jahr« 1930 die Lehrtätigkeit aufgenommen hat, im Jahre 1932 erfolgen. Sokolow Ehrung durch dei^ Keren Kajemeth Juden Wiens, beteiligt Euch an der Dankadress«=an Nahum Sokolow anläßlich seines 70. Geburtstages durch Spenden an Keren Kajemeth, Wien, I., Kärntnerstraße 28, Tel. R-27-3-20

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