Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 167 (12.3.1931)
- Date
- 1931-03-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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'w.te ■» Nr. 167 12. Mä. 12 I i/v f Die weltbertthmien amerlkanlsdteii Manischewitz Matzos Gries Partei Crackers Plarfir ® »-fTTötP sind bereits e:agetroffen und in allen besseren Lebensmittelgeschäften erhältlich nw—pemireronö nixöTB’iWMNö Nanlschcwltz Mafzos-lcrtricD 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 H Dien. 38. Bezirk. Rembrandtirafie Nr. 11 m [7» Telephon Nr. A 41-8-68 und R 48-0-82 rn 0 Filiale: lg. Frost, 2. Bezirk, Haidgasse Nr. Q, Telephon Nr. A 45-8 64 0 0: Blutbeschuldigung in Palästina „Felestin“ eröffnet die Hetzkampagne Colonel Kisch fordert behördliches Einschreiten -- Untersuchung eingeleitet Jerusalem, 2. März. (J. T. A.) Die arabische Zeitung «Felestin» veröffentlicht unter dem Titel «Arabische Kinder von einem jüdischen Verbrecher gestohlen. Wurde die Tat zum Zwecke der Blutentnahme verübt?» eine Notiz, durch die zum ersten Mal in Palästina und zum erstenmal im Vorderen Orient seit der Ritualmordaffäre von Damaskus öffentlich die Blutbeschuldigung gegen die Juden erhoben wird. In der Notiz wird mitgeteilt, ein arabischer Gemüsehändler namens Mahmud Ahmed al Sayed habe, als er am Sonnabend, den 28. Februar, abends, nach Jaffa kam, in der Nähe der Regierungsschule dem Juden Omar Levi getroffen, der einen weiten Mantel trug, unter dem er anscheinend einen größeren Gegenstand verbarg. Sayed habe Verdacht geschöpft und habe, als er sich dem Juden näherte, die Stimmen schreiender Kinder gehört. Auf Sayeds Aufforderung gab der Jude einen Knaben und ein Mädchen, Kinder von Said Almadhoun, frei. Er war sehr erschrocken und behauptete, er habe die Kinder " bloß zu seinem Vergnügen spazieren geführt. Al j^ Sayed veranlaßte die Verhaftung Omar Levis. «Felestin« knüpfte an diesen Bericht, der angeblich seinem Herausgeber von dem ararabischen Gemüsehändler persönlich übergeben wurde, die Vermutung, daß Levi die Kinder, die in letzter Zeit in Haifa und in anderen Orten verschwunden sind, gestohlen habe. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, hat das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, Colonel Kisch, beim Chefsekretär Young vorgesprochen und ein behördliches Einschreiten gegen die arabische Zeitung wegen Verbreitung dieser gefährlichen Verleumdung gefordert. Die Frage wird vermutlich vom High Commissioner selbst im Exekutivrat der Regierung zur Sprache gebracht werden. Inzwischen hat Chefsekretär Young die Jaffaer Behörden angewiesen, Nachforschungen über den in der Notiz des «Felestin» behaupteten Vorfall einzu leiten, und insbesondere festzustellen, ob tatsächlich ein Mann namens Omar Levi verhaftet wurde. „Felestin“ suspendie t Jerusalem, 3. März. (J. T. A.) Der High Commissioner hat die Suspendierung der arabischen Tageszeitung «Felestin» wegen Veröffentlichung der Notiz, in der die Biutbeschuldigung gegen den Juden Omar Levi erhoben worden war, angeordnet. Gleichzeitig hat der High Commissioner, wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, den stellvertretenden Generalstaatsanwalt angewiesen, die Möglichkeit einer strafrechtlichen Verfolgung des Blattes wegen Verbreitung dieser hetzerischen Verleumdung zu prüfen. Pariser Antisemitismus Paris 5. März. (J. T. A.) Die Demonstrationen gegen die Aufführung des Dreyfus-Stückes im Ambigue-Theater, die zur Schließung dieses Theaters und Absetzung dest-Stückes vom Spielplan geführt haben, trugen in letzter Zeit einen wachsenden antisemitischen Charakter. Der Ruf «Nieder mit den Juden» wurde in letzter Zeit nicht nur in der unmittelbaren Umgebung des Theaters, sondern auch in entfernteren Pariser Stadtteilen und nicht nur im Zusammenhang mit dem Dreyfus-Stück gehört. Der Antisemitismus in Paris beginnt Formen anzunehmen, die seit den Tagen der Dreyfus-Affäre völlig unbekannt waren. Die «Camelots du Roi», unterstützt von Gruppen von Hulligans, denen die Erregung von Unruhen Selbstzweck ist, ergreifen jede Gelegenheit, um antijüdische Demonstrationen zu veranstalten. Jede öffentliche Ankündigung von jüdischen Veranstaltungen führt zur Ansammlung von Gruppen antisemitischer Demonstranten. Einige an der Anschlagtafel einer Singspielhalle angebrachte Plakate, in denen das Auftreten der Sängerin Sophie Tucker mit ihrem Liede «My Yiddishe Mome» angekündigt war, wurden abgerissen. Eine Gruppe von Antisemiten versuchte, während der Darbietungen in den Saal einzudringen, wurde jedoch von der Polizei daran gehindert. Es besteht die Möglichkeit, daß die Regierung aufgefordert werden wird, Maßnahmen gegen die Wiederholung solcher Zwischenfälle zu ergreifen. In manchen jüdischen Kreisen ist man jedoch der Ansicht, daß diese Kundgebungen bloß von einigen wenigen Leuten, die über keinen nennenswerten Anhang im Volke verfügen, veranstaltet werden, und daß man der Bewegung dadurch, daß man sie ernst nimmt, nur einen guten Dienst leisten würde, während sie, wenn sie ignoriert wird, in Kürze von selbst zusammenbrechen muß. Vergesset die borge, vergesset die Qual — Trinket nur Karmel Orlalnal! Besorgnis in jüdischen Kreisen Paris, 8. März. (J. T. A.) Die Absetzung des Stückes «Die Affaire Dreyfus» von Jacques Richepln vom Spielplan des Ambigue-Theaters erfolgte bekanntlich auf Weisung des Pariser Polizeipräfekten. Es verlautet, daß sich die Pariser Polizei zu diesem Schritte infolge der Androhung von Gewaltakten seitens der rechtsgerichteten Kriegsteilnehmer-Organisation «Croix de Fett» (Feuerkreuz) entschlossen hat Die Allgemeine Kriegsteilnehmer-Organisation Frankreichs veröffentlicht eine Erklärung, in der sie entschieden von der Stellungnahme der Organisation «Croix de Feu» abrückt. ln den Kreisen der französischen Judenheit herrscht über den Ausbruch antisemitischer Leidenschaft anläßlich der Aufführung des Dreyfus-Stückes, der zu ähnlichen antisemitischen Demonstrationen geführt hat, wie sie in Deutschland anläßlich der Aufführung des Films «Im Westen nicht Neues» stattfanden, allgemeine Bestürzung. Es wird befürchtet, daß die Nationalisten, ermutigt durch die Kapitulation der Behörden vor der Straße, nunmehr auch auf anderen Gebieten versuchen werden, ihren Forderungen durch Gewaltanwendung Nachdruck zu verleihen. immammmmmmmammmmmtmammmmmm Denketan die Krawallean der Handelshochschule! unentgeltliche** Stellenvermittlung der Hakoah Wer ausgebildetes, lOchtiges und diszipliniertes Personal aller Art und aller Branchen braucht, wende sich an die HAKOAH, l„ Wlesingerstr. 11 / Tel, R-25-0-10 Nur die echten, unverfälschten PALÄSTiNAWEINE, Markt KARMEL ORIGINAL auf Etikette, Kapsel, Plombe und Korken Stehen unter Aufsicht de« hiesigen eh»w Rabbinats, gezeichnet Ebrw. Rabbiner BABAD Eventueller Fälschungen wegen beachte man beim Kauf die Marke KARMEL ORIGINAL Wiederverkäufer wenden sich an die Alleinvertretung Spindel & Bartfeld« Telephone; R-4<J-7*$o und A*49*d*tj Oberst Lawrence und das jüdische Nationalheim Der englische Oberst Lawrence, der Führer der Araber im Weltkriege, gilt als Zionistenfeind. In London sprach nun kürzlich im Anglö-Palestine Club der Präsident der Palestine Potash Company, Earl of Lytton, über «Der Roman einer neuen Industrie». Im Verlaufe des Vortrages trat der Redner der Meinung entgegen, daß Oberst Lawrence sich der Schaffung eines jüdischen Nationalhelmea widersetzt hätte. Lord Lytton behauptete weiter, daß «ich Lawrence ihm gegenüber über die Zukunft Palästinas dahin geäußert habe, es werde das industrielle Zentrum des nahen Ostens werden. Insbesondere habe ihm Lawrence gesagt: «Die Balfour-Deklaration wird geschätzt werden und ihren Wert beweisen, wenn die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den verschiedenen Ländern des nahen Ostens sich so gestalten werden, daß sie wirtschaftlich von einander unabhängig sein werden.» Antipesachkampagne in der Sowjetunion Moskau (J. T. A.). Die diesjährige Antipessachkampagne in der Sowjetunion, deren Beginn von der jiddisch-kommunistischen Zeitung «Emess» für den 28. Februar angekündigt wurde, dürfte in gemäßigterer Form als in früheren Jahren durchgeführt werden. Das Schwergewicht wird weniger auf streitbare antireligiöse Propaganda als auf Verstärkung der jüdischen Landsiedlungs- und Industrialisierungsbewegung gelegt. Die Moskauer Juden lassen aus dem Mehl, das sie sich während des ganzen Winters vom Munde abgespart haben, Mazzoth backen. Die Beisetzung Dr. Hermann Diamands Lemberg (J. T. A.). Ueber 20.000 polnische Arbeiter, unter ihnen zahlreiche Delegationen verschiedener sozialistischer Organisationen und Arbeitergewerkschaften aus Polen und dem Auslände sowie alle Deputierten und Senatoren der Polnischen Sozialdemokratischen Partei schritten hinter dem Sarge des Mitbegründers und Führers des polnischen Sozialismus, Dr. Hermann Diamand, der vor einigen Tagen plötzlich verstorben ist. Auf dem ganzen Wege vom Trauerhause bis zum jüdischen Friedhof wurden Trauermärsche gespielt. Am offenen Grabe hielt Rabbiner Dr. Freund dem Verblichenen einen warm empfundenen Nachruf, Oberkantor Lwowicz sprach die Trauergebete. Es folgten weiters Reden sozialistischer Deputierter. Zum Schluß sprach Oberkantor Lwowicz das Kaddischgebet, hernach sang ein Arbeiterchor den Hymnus «Rote Standarte». Die Bestattung fand auf Verlangen des Verstorbenen und seiner Familie nach streng jüdischem Ritus statt. Auch die Tausend* christlicher Arbeiter behielten, solange sie auf dem jüdischen Friedhof weilten, die Kopfbedeckung auf. In aller Kürze Anläßlich des 11. Jahrestages des arabischen Ueber* falles auf Tel Chaj veranstalteten in Palästina sowohl di« Revisionisten als auch die Arbeiter einen Oang zum Grabe Josef Trumpeldors. Der Schriftsteller Josue Jehouda hielt in der Aula der Genfer Universität einen Vortrag über das Thema «Zionismus und Messianismus». * In der Schweiz gibt es jetzt 18.478 Juden gegen 20.979 im Jahre 1920. Der bekannte jüdische Philanthrop Aristide Blank fiat für das Frauenhospital in Bukarest eine weitere Million Lei gestiftet. « Am 15. März beginnt in Berlin der erste Delegiertentag der Zionisten-Revisionisten Deutschlands. Pinchas Ruthenberg ist am 6. März nach London abgereist. Das Oberhaupt der englischen Hochkirche, Erzbischof von Canterbury, wird demnächst eine Palästinareise antreten. * In Konstantinopel starb der berühmte jüdische Gelehrt« Dr. Elnekave. Die Parole lautfei: Eine l*lillion Stfiekalim? Haben alle Ihre Bekannten bereits den Schekel?