Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 166 (5.3.1931)
- Date
- 1931-03-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 OIE STIMME Nr. 166 — 5. Marz I •Jv» t I; tj! t > I i U « I Aus alte* Wett Die „heiligen“' Makkabäer ln «The Jewish Guardian» erinnert Israel Abrahams daran, daß die christliche Kirche bis ins 4. Jahrhundert die Makkabäer als Heilige und Märtyrer feierte. Berühmte Kirchenväter, wie Chrysostomus, Augustinus und Oregorius, preisen das Heidentum dei Makkabäer und erzählen die Märtyrergeschichte der Mutter und ihrer 7 Söhne. Jährlich am 1. August wurden die Makkabäer durch kirchliche Prozessionen gefeiert. In Antiochia, der Hauptstadt Syriens, gab es eine Basilika, die den «heiligen Makkabäern» geweiht war. Aus dieser Zeit stammt wohl die folgende launische Hymne: Viri fortes Mcccabaei Pro servanda lege Dei Dura corporis pati Ecce sunt parati; Septiformis gratia Spiritus induti, Certant pro justitia Caelitus adjutil 0 martyrum primitiae Sancti Maccabaei; Pro caelo justitiae Strcnui Judaei! Mirae patientiae Viri magnae spei, Inpetretis gratiae Nobis donum Dei/ Consummatis filiis, Confecta suppliciis, Mater migrat ad coronam, Cunctis post se laudls bonam Relinquens materiam Et exemplum forte Mercndi perpetuam Vitam brevi morte! Die ungefähre Uebersetzung, die den Schwung der lateinischen Verse nicht wiedergibt, lautet: «Tapfere Makkabäerhelden! Sie, um Gottes Gesetz za halten, sind bereit, körperliche Qaalen zu erdulden; geleitet von der Gnade des siebenjältigen Geistes streiten sie für die Gerechtigkeit mit himmlischer Hilfe. O erste Früchte des Märtyrertums, heilige Makkabäer; o ihr Juden, die ihr leidet für die Wahrheit; bewundernswert die Ausdauer dieser Männer des großen Glaubens; möget ihr auch uns dieses Geschenk göttlicher Gnade sichern. Ihre Söhne sind erschlagen, ihre Qualen sind beendet, die Mutter geht zur Leidenskrone, hinterläßt der Menschheit diese hehre Tat zum Lobe und als glänzendes Beispiel, wie man das ewige Leben durch raschen Tod gewinnt.» Der Ausdruck «siebenfältige Gnade» scheint kirchliche Bedeutung zu haben, möglicherweise aber soll er auf das Opfer der glaubenstreuen Sieben hindeuten.. Interessant ist aber, daß die oben abgedruckte Hymne nach der Melodie des Chanukkahliedes Moaus Zur Jeschuossi gesungen werden kann. J. ben A. Marconi über Einstein und Fähigkeiten der Duden Der Erfinder der Radio-Telegraphie, Senator Guglielmo Marconi, der anläßlich der Eröffnung der vatikanischen Radiozentrale in Rom eingetroffen ist, hat sich in einem Gespräch mit dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur in Rom folgendermaßen geäußert: Die Beiträge von Juden zur Entwicklung und weiteren . Erforschung der Radiotelegraphie sind außerordentlich zahlreich und haben imponierende Resultate ergeben. Von den vielen jüdischen Technikern und Forschern, die sich mit der Radiotelegraphie befaßt haben, möchte ich mit besonderer Anerkennung Professor Abrahams in Paris und David Sarnoff in Amerika nennen. In Italien hat sich Professor Alessandro Artom große Verdienste auf dem Gebiet der Radiotelegraphie erworben, der wegen seiner Leistungen von der Regierung in den Freiherrnstand erhoben wurde. Um seine Meinung über Professor Einstein und dessen Theorie befragt, erklärte Senator Marconi: Ich halte Professor Einstein für einen der genialsten Wissenschaftler unseres Zeitalters. Seine Theorie, die bereits auf experimentellem Wege ihre Bestätigung gefunden hat, hat die Vorstellungen, die wir von der Natur hatten, umgestaltet. Die Kritik dieser Theorie ist unbegründet; wer sie kritisiert, hat ■Kaoioao«oaoaoBoao«oaoBc.g£ 2 Wenn?Anen unser 1 2 {Blatt gefüllt, ■ Q empfehlen Sie e«. bitte, bei jeder U Gelegenheit alten Ihren Freunden! Ob nd Bekanntem Geben Sie uns U Adressen an, an die Wir Probe• ■ 0" nummern unserer Zeitung ab fj senden können, ■ Ihren ganzen wissenschaftlichen Gehalt noch nicht erfaßt. In Italien ist einer der besten Kenner und Verteidiger der Relativitätstheorie ein katholischer Geistlicher, der Vorsitzende der päpstlichen wissenschaftlichen Akademie, Gianfranceschi. Ich bewundere, fuhr Senator Marconi fort, die außergewöhnlichen Fähigkeiten, die die Juden auf dem Gebiet von Mathematik und Physik bewiesen haben. Besäße das jüdische Volk nicht solch hervorragende Fähigkeiten, einen so starken Wissensdrang und ein so lebhaftes Verlangen, die Wahrheit zu erkennen, so könnte die Tatsache, daß es 20 Jahrhunderte von Verfolgungen überlebt hat, wohl kaum erklärt werden. Am Schlüsse des Gesprächs gedachte Senator Marconi des verstorbenen Lord Melchett, mit dem er sehr befreundet war und den er für eine der hervorragendsten Figuren im sozialen und wirtschaftlichen Leben des modernen Europas hält. Spinozas Ahnen In Heft 24 der Mtteilungen der Gesellschaft für jüdische Familienforschung veröffent.icht Arturo Bab, Rivera, Mitteilungen Uber Spinozas Ahnen: «Baruch Spinoza wurde zwar in Amsterdam am 24. November 1632 geboren, war aber, wie die große Mehrzahl der holländischen Israeliten, spaniolischer Abstammung. Ein spanischer Gelehrter, Fewandez A onso, berichtet ln seinem Buche über die Juden von Orense, einer in der spanischen Provinz GaVzla gelegenen Stadt, auch über die Vorfahren des großen Philosophen. Laut AJonso gab es im 16. Jahrhundert in Galizia eine angesehene jüdische Familie namens Espinosa, die teils In Orense, tei s in ihrer ursprünglichen Heimat, dem Städtchen Espino (Departement Verin, Sprengel Vrriferre) ansäss'g war. Der Orenser Zweig beugte sich zwangsweise unter den Kirchcnkuppcln und verschwägerte sich unter andern mit dem Marquis Boveda de Limia, der den Beinamen Espinpsa annahm. Der ursprüngliche Teil der Familie blieb aber trotz den Verfo'gungen dem Judentum treu, und es gelang Miguel de Espinosa von Espino nach Amsterdam zu flüchten, wo ihm sein Sohn Baruch geboren wurde. Espino heißt Weißdorn. Der Name bedeutet daher «aus der Weißdornstadt». Die Aenderungen desselben in den Niederlanden lassen sich auf folgende Weise leicht erklären: Die Spanier können im Anlaut kein «sp» oder «st» aussprechen und sagen daher z. B. «Esparta» für Sparta und «Estrasbutgo» für Straßburg. In Holtand wurde daher wohl auch das «e» in Espinosa für überflüssig gehalten und gestrichen. Ferner ist ein weiches «s» ln der'kastillanisehen Sprache unbekannt; das «s» wird stets scharf, ähnlich dem deutschen «ss», ausgesprochen, so daß es in der Schrift durch «z» ersetzt wurde. Unter den Spaniern und We'schamerikanem ist die ursprüngliche Namensform noch heute nicht unselten. So hieß z. B. der vor einigen Jahren gestorbene Erzbischof Argentiniens Espinosa. Sebastian Brant Ober christliche Wucherer In seinem 1494 erschienenen «Narrenschiff» gibt Sebastian Brant eine Schilderung des Wuchers seiner Zeit,, aus der hervorgeht, daß damals Christen, trotz des Verbotes des Zinsennehmens, tüchtige Wucherer waren. Es heißt don: «Dem soll man greifen an die Hauben Und ihm die Zecken wohl abklauben, Und rupfen die Schwungfedern aus, Wer kauft auf Vorrat in sein Haus So Wein wie Korn im ganzen Land Und fürchtet weder Sünd* noch Schand’, Damit ein armer Mann nichts finde Und Hungers sterb’ mit Weib und Kinde. Ein Pfund gewinnt an einem Morgen Mehr als im ganzen Jahr1 es sollt*. Man leiht jetzt Münze aus um Gold, Für zehne schreibt man elf ins Buch. Der Juden Zins war leidlich genug, Aber sie können nicht mehr bleiben, Die Christenjuden sie vertreiben, DiemitdemJudenspiesselbstrennen. Ich kenne viel’ und könnt* sie nennen, Die treiben Handel wild und schlecht Und dazu schweigt Gesetz und Recht». Tarn. DU Juden Bulgariens Der Deputierte der rumänischen Kammer. Dr. Landau, der soeben von einer Bulgarien-Reise zuri'ckgekehrt ist, teilte dem J. T. A.-Vertreter mit: Antisemitismus ist in Bulgarien so gut wie unbekannt, die Juden erfreuen sich voll und ganz ihrer Bürgerrechte, die Regierung nimmt es mit der Gleichberechtigung der Juden sehr genau. Die jüdischen Gemeinden erhalten namhafte Subventionen vom Staat. Die Juden, ob Spaniolen oder Aschkenazim, sind in Gemeinden vereint, arbeiten in gemeinsamen Institutionen. Das jüdische und zionistische Leben in ganz Bulgarien ist sehr rege. Das jüdische Schulwesen steht mit kleinen Ausnahmen auf der Höhe. Die kleine bulgarisch-jüdische Gemeinde (Uber 50.000 Seelen) nimmt einen angesehenen Platz in der Qesamtjudenheit ein. Ein« schwimmend« Syna<og« zwischen Jaffa tnd i riest Auf einem Dampfer «Adria», der zwischen Triest und Jaffa regelmäßig Dienst macht, wurde eine Synagoge eingerichtet. Die jüdische Gemeinde Triest hat dem Kapitän der «Adria», Benjamin Umberto Stindler eine Thora-Rolle als Andenken an die jüdische Gemeinde Triest überreicht, die Kapitän Stindler seinerseits den Passagieren seines Schiffes zu gottesdienstlicher Verwendung widmete. Als Zeichen ihrer Dankbarkeit liab<*n die jüdischen Passagiere auf einer der letzten Fahrten der «Adria» eine Oeldsammlung zur Anschaffung einer Thora-Lade für die Rolle veranstaltet. Die Thora-Lade wurde In Jerusalem angefertigt und anläßlich des letzten Aufenthalts der «Adria» Im Hafen von Jaffa an Bord des Schiffes gebracht. Gleichzeitig haben Einwohner von Tel Aviv, die seinerzeit mit der «Adria» in Palästina eingetroffen sind, Ausstattung und Zubehör für die TIiora-Lode gestiftet. 25 alire ,,tinheit*‘! Sonntag, den 8. März 1931 feiert die «Einheit», Verein zur Errichtung und Erhaltung von Volksspeisehallen, in ihren Speisehalien, 11., Malzgasse 12, wo die Ausspeisung seit dem 23. November 1909 stattfindet, den 25. Jahrestag ihres offiziellen Bestandes, ln den Jahren 1914, 1915 und 1916 wurden 1,000.250 Gratisportionen verabreicht. Die Gesamtzahl der zu Mittag und Abend verabreichten Portionen war 1917 3,306.988, 1918 aber 5,119.566. Unvergeßlich bleibt jedem, der im Kriege die Arbeit der «Einheit» sah, wie die armen Soldaten hier Essen, Ruhe, Freundschaft und Aufmunterung fanden. Die «Einheit» war ein Asyl der zum Kriegsdienst einberufenen Männer des ganzen Reiches. Und nun Daten aus der Gegenwart: Es wird den Kindergartenzöglingen täglich das Mittagessen in ihre Anstalt geschickt, es speisen im allgemeinen Lokal, in der Mittelstandsküche und ln der «Mensa academica judaica» allwöchentlich zu Mittag 2000 bis 2200 Personen, über 300 Menschen täglich. Nach auswärts, in Spitäler und zu Behörden liefern wir ebenfalls. Vom schulpflichtigen Kinde bis zum Greise, dem Gesunden und dem Kranken liefert die «Einheit» jedem Hungrigen streng rituelles und gutes Essen. Abschluß eines wichtigen Kaufs durch die Palästine Land Development Co. Ltd. Am 25. Dezember kam im Grundbuchamt tn Jerusalem ein wichtiger, durch die Palestine Land Development Co. Ltd. durchgeführter Kauf, zum Abschluß. Obwohl dieser Kauf nur eine Fläche von ungefähr 1300 Dunam betrifft, liegt seine Bedeutung darin, daß durch ihn ein wichtiger Bezirk von ungefähr 9000 Dunam an der Meeresküste in der Nähe der jungen und aufstrebenden Kolonie Herzlia abgerundet wird und dadurch die Umgebung der Kolonie Herzlia zu einer Fläche von 18.000 Dunam erweitert wird. Die Palestine Land Development Co. Ltd. beschäftigt sich mit diesem Kauf seit etwa neun Jahren. Verkäufer ist u. a. eine angesehene mohammedanische Familie in Damaskus, Nachkommen des Sultans Omar. Durch den Abschluß des neuen Kaufes wird der Bezirk an der Meeresküste auf rund 50.000 Dunam gebracht, die sich jetzt in jüdischen Händen befinden und zum allergrößten Teil durch die Palestine Land Development Co. Ltd. erworben wurden. „Von Susan habirah bis Tel Aviv" Unter diesem Motto wird die diesjährige Purim-Kinderfeier der Zionistischen Frauengruppe (Wizo) Leopoldstadt am1 8. März im Festsaal des Hotel «Bayerischer Hof», Taborstraße 39, stattfinden. Die Königin Esther unternimmt mit ihren Gespielinnen in einer großangelegten Revue eine Reise durch die ganze Weit und erlebt überall allerhand Lustiges. Jung und alt werden an diesem lustigen Ausstattungsstück großen Gefal en finden, weil diese interessante Purimfeier einzigartig sein wird. Regie Artur Hoff, Tänze Rudolf Heimann. Eintrittskai teil zu S i.kü lür Kinder und S 2.— für Erwachsene sind bei allen Mitgliedern, in der Bücherstube Rath, Taborstraße 20 a und allabendlich von 6 bis 10 Uhr im Vereinslokal, II., Zirkusgasse 33, erhältlich. Die seit zirka 40 Jahren bestehende Mazzothfabrik «Sch.iiidl» br.ngt auch heuer wieder ihre durch besonders ausgezeichnete Qualität hergesteliten Erzeugnisse zum Verkauf. Die heurigen Mazzoth sind besonders gut geraten und ist damit die Uarantie gegeben, daß jeder Käuier unbedingt zufrieden sein muß. Der Rührigkeit dieser Firma ist es gelungen, ihre Erzeugnisse auch nach amerikanischen System, und zwar Mazzoth, Grieß und Farfel, alles Marke «N. B.» herzustellen. Ij’-tP i> tiroe n 1 f ter Z"’t wed -holl » rrch dun hohen Besuch Seiner Ehrwürden Oberrabbiner Babiad der Wiener kuitusgememde beehrt, bei welcher üe egenheit er nicht genug Wort des Lobes und der Zufriedenheit bezüglich der Kaschrut und sonstiger Führung des Betriebes äußern konnte. Die heuer verläßlich frisch erzeugte Ware gelangt in Original i/2 Kilogramm-Paketen zu konkurrenzlosen Preisen zum Verkauf. Zur Empfehlung der bekannten «Schmidt- Mazzoth» verweisen wir auf unser heutiges Inserat. Wichtige Mitteilung an die jüdische Bevölkerung Wiens Pesach steht vor der Tür und die wirtschaftlichen Hausfrauen beginnen schon jetzt, ihren Bedarf zu decken. Vergesen Sie hierbei nicht, rechtzeitig Palästina-Weine mit der Marke «Karmel Original» zu bestellen, da diese die besten sind, die in Palästina produziert werden. Kein Seder ohne «Karmel Original»!- Die Weine sind nur dann echt, wenn «Karmel O r«g i n a 1» auf Etikette, Korken, Kapsel und Plombe vermerkt ist. Die Weine stehen unter Aufsicht des Rosch Beth Din Zedek, Wien (Israelitisch« Kultusgemeinde) und sind durch Spindel & Bartfeld, Alleinvertreter der 1889 gegründeten Firma Friedmann & Söhne, Haifa-Petach Tikwah, zu beziehen. Achten Sie auf unser« Inserat«! f A JAx JL