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Die Stimme · 1931-03-05 · Heft 166 (5.3.1931) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 166 (5.3.1931)
Date
1931-03-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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' •. 1 : j. ..tarz 19oi .. i ..\LViL, Se;.» Alles spricht davon, daß die altrenommierten! SCH IHAZZOTH heuer besonders gut geraten sind. / Ueberzeugen Sie Sich durch Kostproben. ZENTRALE: N. Brodezky, II. Leopoidsg. 43 A-46*1-90 A-60-2-63 A-41-9-32 lind in allen besseren Geschäften zu haben. Der jüdische Selbsthaß Ein Vortrag des Prof. Theodor Lessing. Prof. Theodor Lessing aus Hannover, der den Wiener Juden von seinen vor einigen Jahren hier abgehaltenen Vorträgen bestens bekannte Gelehrte, der Mann, der seinerzeit in Deutschland im Mittelpunkt einer Hetze stand, die gegen Seine stolz sich zum Judentum bekennende Persönlichkeit gerichtet war, sprach am 2. März auf Einladung des zionistischen Landeskomitees über den jüdischen Selbsthaß. Der Prälegent, der kürzlich ein Buch unter demselben Titel veröffentlicht hat, vermochte innethaib seines eineinhalbstündigen Vortrages das im Festsaal des «Hotel Continental» versammelte Publikum überaus stark zu fesseln. Der jüdische Selbsthaß wurzelt hauptsächlich im erniedrigenden Erbe des Ghettos. Ein anderer Mensch wird das, was er von sich hält; ein Jude wurde das, was andere von ihm hielten. Der gelbe Fleck der früheren Jahrhunderte haftet noch heute der Seele eines Juden an und wirkt sich in der Selbstqual, in der Selbsterniedrigung aus. Allerdings, die Selbstqual ist kein spezifisch jüdisches Phänomen; sie ist in gewissem Maße allen Menschen eigen, denn für alle Menschen ist der Selbstvernichtungstrieb neben dem Selbsterhaltungstrieb charakteristisch. Wenn aber die Großen anderer Völker sehr oft bittere Worte für ihre eigenen Nationen fanden, dann war es doch nicht Selbstqual, nur ehrliches Ringen mit der menschlichen Unvollkommenheit. Bei den Juden dagegen war es anders. Hierzu gesellt slcn noch der Umstand, daß seit jeher das wichtigste Erlebnis ( des Juden die S c h u Id war. Unter der Schuld litten Adam und Hiob, Noah und Abraham. Israel trägt die Schuld an den Sünden der Weltl Die Gefahr des heutigen Judentums besteht darin, daß Religion und Ethik vertauscht werden. Wenn es wahr ist, daß das Wesen des Judentums der sittliche Wille, das heißt die Ethik, während das Wesen des Inders die Versunkenheit ist, dann ist das Phänomen des Selbsthasses ein sittliches Phänomen. Der Jude strebt zur Höhe, will den sittlichen Gipfel erklimmen. Deshalb haßt er sich, wie er jetzt ist. So hängt der jüdische Selbsthaß nicht nur mit dem einst erlebten Ghetto, sondern auch mit den höchsten sittlichen Idealen zusammen. Die sonderbarste Frucht, die dieser Selbsthaß gezeitigt hat, ist der sogenannte jüdische Antisemitismus. Unter aen Mitläufern der judenfresserischen Hitlerbewegung findet n an sehr viele Menschen jüdischen Blutes. Das Leben der Jüdischen Antisemiten war immer eine Tragödie. Aus dem Zwiespalt des Wollens und der Wirklichkeit gab es und gibt es keinen Ausweg. Der genialste unter allen Judenhassern, Otto Weininger, der sich im 23. Lebensjahr erschossen hat, ist wohl eines der stärksten Beispiele für diese einzigartige Tragödie. Weininger wurde zum Asketen, weü er den Trieb des Blutes fürchtete. Weininger haßte die Juden und war ooen selbst ein Jude. Sein Werk «Geschlecht und Charakter» ist der . Ausdruck des diabolischsten Selbsthasses. Er war zu stolz, um hinunterzusteigen — er hat sich selbst zerstört. Ein anderer — Arthur Trebitsch-Lincoln, ein großangelegter Geist — war ebenfalls von der Krankheit des Selbsthasses zerfressen, lebte im Wahn und starb im Wahn. Er, der Judenstämmling, wollte der deutscheste aller Deutschen sein, und sein Kreuzzug gegen das Judentum kann wohl kaum von ■ einem arischen Antisemiten überboten werden. Er . lebte im Wahn des Pamphlets, genannt «Die Protokolle der Weisen von Zion» und glaubte an einen jüdischen Geneimbund, der alle arischen Völker vernichten wolle, üoerau Spione hätte und mit Giftgasen arbeite. Von diesem Wahn wurde er nicht einmal auf dem Totenbett befreit Er staro in der Ueberzeugung, daß er von der Alliance Israelite Universelle vergiftet worden wäre. Aber auch sein ganzes Leben war ein langsamer Selbstmord. Die Waffe, die er gegen die Juden führte, richtete sich gegen sein eigenes Herz — weil er doch auch ein Jude war. Trebitsch ist ein Fall des zur Paranoia führenden jüdischen Selbsthasses. Ein anderes Kapitel dieser jüdischen Selbsthaßtragödie trägt die Ueberschrift; Maximilian Harden. Haraen wurae bereits als Knabe getauft, galt immer als deutscher Patriot und war zweifellos der bedeutendste deutsche Publizist des Jahrhunderts. Als er aber von national-chauvinistischen Banditen überfallen und verstümmelt worden war, wurde er plötzlich durch die erschreckende Tatsache überrascht, daß ein halbes Deutschland mit den Verbrechern sympathisierte. Er, der Patriot, wurde als Judenstämmling verfemt und beschuldigt, ein Vergifter der deutschen Seele zu sein. Grotesk ist es, daß die Verteidigung der Mordbuben zwei jüdische getaufte Rechtsanwälte übernommen haben. Der Vorsitzende des Gerichtshofes war ein getaufter Jude und Sohn eines Rabbiners. Vor diesem Forum mußte der Mißhandelte als Jude sich verteidigen. Wo ist Erlösung, wo Heilung aus dieser Krankheit, fragt Prof. Lessing. Die Antwort gibt eine mythologische Sage: Antheus, der Riese, konnte von Herkules erst in oem Augenblick erwürgt werden, als er in der Luft war und keine Verbindung mit der Erde, mit seiner Mutter Gäa, hatte. Das ist der Fluch des Judentums: sie sind Luftmenschen. Verwurzelung im eigenen Boden, Treue seiner Eigenart gegenüber ist der einzige Weg, um die Krankheit des Selbsthasses loszuwerden. Die Ausführungen Prof. Lessings waren überzeugend, einleuchtend und gründlich. Es war wie ein frisches Bad. Endlich wieder einmal ein Abend tieferen, unter der schillernden Oberfläche des Alltags liegenden Dingen gewidmet. Es wäre gut, wenn wir solcher Abende mehrere hätten! Vergesset die Sorge, vergesset die Qual — Trinket nur Kaimel Original! Die Beschlüsse der Assefath vv et» Jerusalem. (J. T. A.) Die Asselath Haniwcharim (Jüdische Nationalversammlung) hat in ihrer ersten Session eine Reihe von Resolutionen gefaßt: I. Zur politischen Lage: 1. Die jüdische Bevölkerung von Palästina lehnt das Weißbuch ab. Sie hat kein Vertrauen zu einer britischen Administration, der diese Erklärung als Richtschnur dient. Wir werden uns weder an einer parlamentarischen Institution beteiligen noch eine solche anerkennen, die den Aufbau des Landes zu zerstören geeignet ist. Wir werden unsere konstruktiven Anstrengungen und das Renaissancewerk des jüdischen Volkes in seinem Lande fortsetzen und werden nicht unsere Pioniermission preisgeben, die Ruinen des Landes wiederaufzubauen. Die Wohlfahrt und die Entwicklung der arabischen Bevölkerung ist von der jüdischen Einwanderung und der jüdischen Kolonisation mehr als von irgendwelcher Tätigkeit der palästinensischen Administration abhängig. 2. Die Versammlung beschließt, dem Waad Leumi die Erörterung der Frage der Verhandlungen mit der britischen Regierung und der Beteiligung des Jischuw zu übertragen. II. Organisation der Institutionen der Kriesseth Israel; 1. Die Versammlung wählt eine Leitung (Waad Leumi) aus 23 Mitgliedern urwl Stellvertretern. 2. Die Assefath Haniwcharim beschließt, von der Regierung eine Reform des Gesetzes der Knesseth Israel zu verlangen, die das Austrittsrecht aus der Knesseth Israel beseitigen soll. III. Erziehungswesen. Ueberführung der Erziehung an die Knesseth Israel. Auf Grund der Diskussion in dieser Frage in der eben zu Ende gegangenen Session und der Resolutionen der vorausgegangenen Assefath Haniwcharim beschließt die Versammlung, eine Kommission zu ernennen,. die die Verhandlungen mit den in Frage kommenden Stellen aufnehmen, die Möglichkeiten für die Ueberführung klären und einen Entwurf vor die kommende Session der Assefath Haniwcharim bringen soll.. IV. Zur Frage der Arbeitslosigkeit und der Wirtschaftskrise beschließt die Versammlung, von der Regierung und den Stadt-und Gemeinderäten eine stärkere Verwendung jüdischer Arbeiter an den Arbeiten der Regierung urid der Stadtverwaltungen zu verlangen. V. Die Stärkung der nationalen Fonds in Palästina und im Auslande. In der Erkenntnis der Schwere der Stunde für die jüdische Bevölkerung in Palästina und die zionistische Bewegung appelliert die Versammlung an die jüdische Bevölkerung im Lande und an das ganze jüdische Volk, die nationalen Fonds, deren Aufgabe die Vergrößerung des wirtschaftlichen Vermögens und die Befestigung der wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Positionen des Jischuw ist, zu unterstützen. Große Vorbereitungen zum Purim- Karneval in Tel Aviv Tel-Aviv (J. T. A.). Die Judenheit Palästinas wird in diesem Jahre das Purimfest wieder durch einen Karneval in Tel-Aviv, wie er in früheren Jahren regelmäßig veranstaltet wurde, feiern. Im vorigen Jahre waren die Feierlichkeiten mit Rücksicht aut die im Lande nach den Augustunruhen herrschende Stimmung abgesagt. Trotzdem fanden, nachdem am Vorabend des Purimfestes die Begnadigung des im Zusammenhang mit den Augustunruhen zum Tode verurteilten jüdischen PolizeiUorporals Hinkis bekannt worden war, einige improvisierte Festlichkeiten statt. In diesem Jahre werden in der Zeit vom 27. Februar bis zum 3. März auf allen Eisenbahnstationen Palästinas ermäßigte Fahrkarten nach Tel-Aviv ausgegeben, um der Bevölkerung die Teilnahme am Karneval zu ermöglichen. Transjordanien — Reise Kischs und Yellins Jerusalem (J. T. A.). Die Zionistische Exekutive teilt mit, daß dem Besuch von Colonel Kisch und David Yellin in Amman, der Hauptstadt Transjordaniens, keine besondere Bedeutung beiizumessen sei. Der Besuch sei nur als ein Höflichkeitsakt gegenüber dem früheren Hedschas-König Hussein aufzufassen, der jetzt bei seinem Sohne, dem Emir Abdullah von Transjordanien, weilt. Die beiden Vertreter des Jischuw haben an einem vom Emir Abdullah zu Ehren Husseins veranstalteten Gastmahl teilgenommen. Die hiebei stattgefundenen Unterredungen hätten einen rein freundschaftlich-informativen Charakter getragen. ieopofd Stftistfta Wien, 1L, Krummbaumgasse 1 Telephon R 47-2-03 offeriert sftmtliche Spezialwein* ODD btf TOD bestens und billigst. Provinzversand. Dr. Ticho zur Behandlung Exkönigs Hussein nach Amman berufen Jerusalem (J. T. A.). Der bekannte jüdische SpeziaTarzt für Augenkrankheiten Dr. Ticho ist von Emir Abdullah von Transjordanien ersucht worden, nach Amman zu kommen, um die Behandlung des Vaters des Emirs, des 80jährigen Exkönigs Hussein vom Hedschas, zu übernehmen. Die erste Sitzung der landwirtschaftlichen Regierungskonimission Jerusalem (J. T. A.). In der ersten Sitzung der palästinensischen landwirtschaftlichen Regiemngskommission hielt der High Commissioner Sir John Chancellor eine Ansprache, in der er in warmen Worten seiner Anerkennung für die Leistungen der jüdischen Landwirtschaft in Palästina Ausdruck verlieh. Die Kommission hat ein detailliertes Arbeitsprogramm aufgestellt und eine Reihe von Subkommissionen gewählt, in denen die jüdischen Mitglieder die Mehrheit haben. In Vertretung des Rektors der hebräischen Universität, Dr. Magnes, der sich gegenwärtig auf einer Amerikareise befindet, hat Dr. Schlesinger an den Beratungen der Kommission teilgenommen. In aller Kürze Das Gericht von Rogatscliew (Rußland) hat zwei Arbeiter, die ihre jüdischen Kameraden tätlich insultiert hatten, zu je zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Demnächst soll ein jüdisches Gemeindegesetz für den Irak erlassen werden. * Entgegen anders lautenden Meldungen verlautet, daß die Volkszählung in Palästina wirklich im Herbst 193t stairfinden werde. Im Rechtsausschuß des braunschweigischen Landtages wurde die Vorlage des Schächlverbotgesetzes auf national-^, sozialistischen Antrag angenommen. . / " ' '• * ’‘An Der zionistische Führer Dr. Schmarjahu Levin ist in Deutschland eingetroffen. Die Mitteilung der Hearst-Presse. daß Prof. Einstein in Los Angeles einen Nervenzusammenbruch erlitten habe, ist erfunden. Das französische Außenministerium hat sich entschlossen, die Geheimakten über die Dreyfus-Affäre zu veröffentlichen. * Ende Februar fand in Krakau die Jahreskonferenz der westgalizisChen Zionisten statt. Zum Vorsitzenden der zionistischen Organisation Westgaliziens wurde wieder der Abgeordnete Dr. Thon, zum Vorsitzenden der Exekutive Dr. Schwarzbarth gewählt. ■tt Lord Rothschild hat einen Aufruf des British Joint Committee Ort-Ose unterzeichnet . * Im Oktober 1930 wurden in Palästina Waren im Gesamtwerte von 697.342 Pfund' eingefiihrt und Waren im Werte * von 100.258 Pfund ausgeführt. Palästina-Orangen in Wien Es ist die Pflicht jedes national denkenden Juden, den Jischuw durch Ankauf seiner Produkte zu unterstützen. Das kann schließlich auch für den einzelnen kein großes Opfer bedeuten, denn die Früchte, die Palästina hervorbringt, sind von köstlichem Wohlgeschmack und nicht teurer als solche anderer Länder, die aber in bezug auf ihre Qualität bei weitem nicht an die palästinensischen heranreichen. Wir alle, die wir in der Diaspora leben müssen, sind uns darüber einig, daß wir wenigstens von hier aus am Aufbau Erez Israels helfend mitarbfeiten wollen. Nun ist es gewiß, daß eine der besten Möglichkeiten, die wirtschaftliche Lage Palästinas zu heben, die Förderung des Absatzes von Produkten Erez Israels ist. Am raschesten hat sich bisher die Parole: Kaufet die Produkte Palästinas 1 bei der Palästina-Orange durchgesetzt, die infolge ihrer hervorragenden Qualität und Güte in kurzer Zeit den Weltmarkt erobert hat. Uin es jedem Gesinnungsgenossen zu ermöglichen, die Orangen zu billigen Preisen direkt ins Haus zugestellt zu erhalten, hat das Zionistische Landeskomitee mit Herrn S. Halpern, II., Förstergasse 6, Tel. A 46-4-12, ein diesbezügliches Uebereinkommen getroffen. Wir ersuchen alle Gesinnungsgenossen, Orange»* direkt bei Herrn Halpern zu bestellen und sich selbst von der Güte dieser alle anderen Sorten weit übertreffendeA Orange zu überzeugen. D2-C

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