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Die Stimme · 1931-03-05 · Heft 166 (5.3.1931) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 166 (5.3.1931)
Date
1931-03-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seiie b Nr, 166 — ö. Ma»/. .. ■ fl i y H 1 tI ' ( j t Radio, Grammophone, Schallplatten Neueste Marken, auch Umtausch älterer Apparate. Zahlungserlelchteiiing. Radiohaus “fclphora" I., Dominikanerbasiei Nr. 22, Ecke Franz-Josefs-Kai Telephon fit. K-l! 4-4-16 mammmmmmmmmmmm Glossen Dr. Weisls Ion zu Hubermanns Musik Im Lande Israels ist Ungeheuerliches passiert: Das Jerusalemer Konzert Bronislaw Hubermanns hat mannigfache Störungen erfahren. Die unpünktlichen Besucher, die Billeieure an den Türen, der Schokoladejunge, die manierlosen Damen der jüdischen Gesellschaft — sie allesamt haben den Künstler irritiert und nervös gemacht. Nun rechnet Herr Dr. Wolfgang Weist mit allen gründlich ab. Besonders scharf hat er es auf den armen kleinen Schokoladejungen, diesen unerzogenen «Lausbuben», der sich «den schönsten Platz gleich neben der Bühne ausgesucht hat». ln diesen engen Grenzen bleibt Herr Dr. Weisl bloß in seinem Berichte in der «Neuen Freien Presse». In der «Neuen Welt» hingegen unternimmt er auch eine Exkursion ins Gebiet der Politik. Der Uebergang ist durch die bekannte Methode der Verallgemeinerung im Nu hergestellt. Nicht Herr Misrachi oder Herr Cohen kommen zu spät, sondern «die Juden kommen immer zu spät». Es wird von «unserer Respektlosigkeit, unserer Unfähigkeit, . unserer Scheu vor Disziplin und Selbstdisziplin, unseren *schlechten Manieren» gesprochen und die Hemmungslosigkeit der Juden getadelt, die «alles tun müssen, ivas ihnen durch den Kopf geht», um mit folgender Feststellung zu schließen: «Statt eines Herrenvolkes sind wir hier in Palästina ein Volk von disziplinlosen Gesellen geworden». Und nun kommt der Pferdefuß: der kleine Schokolade junge, dem es an dem einfachsten Respekt vor der Größe eines anderen gebricht, hat «offenbar seine Erziehung in den Wahlversammlungen erhalten, bei denen die fröhliche Jugend Hora getanzt hat, während man über die Katastrophe unseres Volkes, über den Churban unseres Nationalheimes gesprochen hat». «Man» — das sind natürlich die Revisionisten, die bekanntlich %sehr viel über die Katastrophe und den Churban reden; die anderen sind die palästinensischen Arbeiter, die angesichts der drohenden Katastrophe und des Churban nichts besseres zu tun haben, als frisch-fröhlich Hora zu tanzen . . . Aber nicht bloß die Arbeiterschaft ist eine so schlechte Erzieherin. «Unsere Lehrer,» meint Herr Dr. Weisl, «erziehen statt zur Disziplin zur Disziplinlosigkeit; alle Parteien, außer den Revisionisten, tun das Gleiche.» Nun wissen wir es: die Revisionisten sind nicht nur die einzigen Träger und Vorkämpfer des unverfälschten Zionismus, sondern auch die einzigen Schirmer der Disziplin, ln ihren Reihen ist Thora — sie schillern jetzt religiös, vermutlich aus Sympathie für den oppositionellen «Misrachi» — und Derech Erez, gute Manier und Respekt vor den Größeren. Allerdings — sie haben für diese guten Eigenschaften ihre eigenen Maßstäbe, ebenso wie für die Beurteilung des Wertes und der Größe der anderen, und in der Verschiedenheit ihrer Maßstäbe und ihrer Werturteile liegt scheinbar auch die ungeheure Diskrepanz zwischen ihren schönen Worten und ihren Handlungen ... M. H e n i s c h. Wettrennen des Hasses Man könnte glauben, daß das zwanzigste Jahrhundert nicht mehr zum Mittelalter gehöre. Man könnte die Vermutung hegen, daß im Zeitalter der Aufklärung und des Fortschrittes kein Platz für Märchen mehr sei. Man sollte doch mit Recht behaupten können, daß die Konjunktur für blutrünstige, auf die Dummheit des Pöbels spekulierende Hetze vorüber sei. Man könnte glauben ... So oft es sich aber um Juden handelt, steht die Kultur still, versteckt die Zivilisation beschämt ihr Antlitz, primitivste Instinkte werden wachgerufen, der Aberglaube triumphiert und das Mittelalter ist plötzlich in seiner schwärzesten Nacht wieder da. Einige in den letzten Tagen eingelaufene Nachrichten: ... ln Paris kam es anläßlich der Aufführung des Theaterstückes «Die Affäre Dreyfus» zu wüsten antisemitischen Ausschreitungen. Der Mob, angeführt von den royalistischen «Camelots», begnügte sich nicht mit Stinkgasdemonstrationen im Theatergebäude, sondern lebte sich auch auf den Straßen aus, indem er jüdische Passanten beschimpfte und tätlich insultierte. In Parlsl . . . Denket an die Krawalle an der Handelshochschule! Daher Ständige unentgeltliche Stellenvermittlung der Hakoah Wer auegeblldeles, tüchtiges und diszipliniertes Personal aller Art und aller Branchen braucht, wende steh an die HAKOAH, l„ Wleslngerstr, tl / Tel. R-25-0-10 . . . Die Fünfkirchcner Universität ist seit einigen i Tagen ein Schauplatz nach bewährtem Muster organi- , sierter und ausgeführter Krawalle, bei denen jüdische \ Studenten blutig geschlagen werden. Einen Auftakt hierzu gab eine Filmvorstellung, bei der es zu Meij nungsvcrschiedenheiten zwischen jüdischen und nicht- J jüdischen Studenten kam . . . ... Im fernen Algerien lebt wieder einmal das alte Ritualmordmärchen auf. ln der Stadt Oran hetzt «Le petit Oranais» offen zu Pogromen auf. Ein Jude, Teboul heißt er, schmachtet unter dem wahnwitzigen Verdacht des Ritualmordes im Gefängnis und ist dort j fürchterlichen Mißhandlungen ausgesetzt. Das Gericht i ist bemüht, Beweismaterial in der Richtung der An- \ klage aufzubringen ... j Von Fünfkirchen über Paris bis nach Afrika — j überall dasselbe, immer das Gleiche: als hätten jüdi-! sehe Studenten kein Recht, ein Kino zu besuchen, als , wäre Dreyfus nie rehabilitiert, das Ammenmärchen j vom Ritualmord nicht tausendmal als eine Ausgeburt i kranker Phantasie entlarvt worden. j Aber wozu in die fernen Länder schweifen? ln! diesem Wettrennen des Hasses, der Gemeinheit und J der Bestialität ist das nahe Deutschland noch nicht geschlagen’lvorden. Das nahe Deutschland, das schöne! Weimar . . . Weimar war früher einmal als die Stadt J Goethes bekannt — heute ist cs die Burg des national-! sozialistischen Herrn Frick. In Weimar hat einmal ein j Genie gedichtet — heute verfassen dort die Jünger * Hitlers ihre schönen Verslein. Eine Blüte der Weimarschen Muse, Marke 1931, lautet: «Ihr Sturmsoldaten, jung und alt, Nehmt die Waffen in die Hand! Die Juden hausen fürchterlich Im deutschen Vaterland. Wenn der Sturmsoldat zu Felde zieht, Dann hat er frohen Mut. Und wenn das Judenblut vom Messer spritzt, Dann geht's nochmal so gut.» Jawohl: am Hakenkreuzlerwesen wird Deutschland, wird die Welt bestimmt genesen! S. BLAIMSCHEINS HM ° Pflanzen« Margarine TERNO Unerre’cht in Qualität und Preis! Erzeugt unter streng ritueller Aufsicht Seiner Ehrwürden des Herrn Oberrabbiners S. F li t^s t Darf in keinem jtidlsohen Haushalt fehlen I nDB IZD Ueberalt erhältlich! KARL BLAIMSCHEINS Vereinigte Margarine- und § Butterfabriken. Wien, XIV., Diefenbachgasse 59 At Vorläufig keine Veröffentlichung des Berichtes der Klagemauerkommission London (J. T. A.). Wie der Jüdischen Telegraphen- Agentur vom Kolonialamt mitgeteilt wird, wurde die Veröffentlichung des Berichtes der Klageniauer-Kommission, die für Donnerstag, den 26. Februar, in Aussicht genommen war, vorläufig zurückgestellt. Eine Bekanntgabe des Datums der endgültigen Veröffentlichung dürfte erst im Laufe der kommenden Woche erfolgen. Der Inhalt des Berichtes der Kiagemauer- « Kommission Das Mitglied der Klagemauer-Kommission Richter Barde erklärte in einem Gespräch mit dem J. T. A.-Vertreter, der vor zweieinhalb Monaten der britischen Regierung übergebene Bericht der Kommission stelle ein 80 Seiten in Maschinenschrift umfassendes Dokument dar, das aus zwo Teilen besteht, einem größeren, der eine historische Uebersicht über die mit dem Klagemauerproblem in Zusammenhang stehenden Fragen enthält, und einem zweiten, in dem auf sieben bis acht Seiten die Konklusionen der Kommission gegeben werden. Dieser Teil enthält ein genaues Regulativ über die den Juden an der Klagemauer zustehenden Befugnisse. Eine Bekanntgabe des Schiedsspruches der Kommission lehnte Richter Barde mit der Begründung ab, daß dies vor Veröffentlichung des Klagemauerberichtes durch die englische Regierung nicht möglich sei. Doch empfing der J. T. A.-Vertreter Im Verlauf des Gespräches den Eindruck, daß der Status quo aufrechterhalten werden wird und daß den Juden nur jene Rechte zugebilligt werden sollen, die ihnen auf Grund aes Artikels 13 des Mandates als «bestehende Rechte» zustehen. Elias Kirschbraun gestorben Warschau, 23. Februar. (J. T. A-) Am Sonntag, den 22. Februar verstarb in Warschau nach einem langwierigen Herzleiden Herr Elias Kirschbraun, einer der Führer der Agudas Jisroei in Polen und frühere agudistische Deputierte des polnischen Sejm, im Alter von 49 Jahren. Vergesset die aorge. vergesset die Qual — Trinket nur Karmei Original! Sei ncrkö'ctt Gif;menen, ßopff dimeren, flidjtiidjcn urtb rfjeumati ./it <scf)mcr3cn finb ‘Togaü Tabletten unübertroffen. $ie 2Hirfttng tritt unmittelbar ein, feine fdjäblidjen Dfrbenmirfungen. — fragen <3ie 2lrät. — $n nllcit?lpotf)eleit. — ^Srets 6 2.40. Außerordentliche Konferenz des Keren Kajenuth Dienst, g, den 10. März, '/28 Uhr abends, findet un Heim der «Mirjam», 1., Jordangasse 7, eine außerordentliche Konferenz des Keren Kajemeth statt. Sie ist in erster Linie der Besprechung des gegenwärtigen Standes der Bodenfrage in Erez Israel gewidmet. Die ^'Tischen Ereignisse der letzten Jahre haben diese Frage und speziell die Prinzipien des Keren Kajemeth — Unverkäuflichkeit des von der jüdischen Gesamtheit durch den Keren Kajemeth erworbenen Bodens und das der ausschließlich jüdischen Arbeit auf dieses Böden — schwer tangiert, so daß bekanntlich ein mächtiger Proteststurm durch die jüdische Welt ging. Die Führer der zionistischen Gruppen, die Keren-Kajemeth-Kommissäre, sowie die sonstigen Freunde und Mitarbeiter des Keren Kajemeth sollen daher über diese Fragen autoritativ informiert werden. Ferner sollen aktuelle Keren- Kajemeth-Arbeitsfragcn in der Welt und in Oesterreich besprochen werden: Stand der Eingänge, Mittel und Wege, das Büchsennetz zu intensivieren, Ausnützung der Gelegenheitsspende u. a. Ein breiter Raum wird auch der Soko- 1 o w - A k t i o n gewährt werden. Die Tagesordnung lautet: 1. Der politische Kampf um die Keren-Kajemeth-Prinzipien. Referent: Adolf Böhm. 2. Die Leistungen des Keren Kajemeth im letzten Jahre. Referent: Dr. Josef Löwenherz, Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde. 3. Die Lage des Keren Kajemeth in der Welt und in Oesterreich und 4. Aktuelle Fragen des Keren Kajemeth Oesterreich. Referent Dr. Chaim Tartakower. Zu dieser Konferenz sind geladen: 1. die Obmänner und Obmannstellvertreter der Sektion und zionistischen Gruppen, 2. die Nationalfonds-Kommissäre, 3. die Selbstkontingentler. Einigung zwischen den zionistischen Bezirkssektionen und den Frauengruppen der Wizo Nach langen Verhandlungen ist es gelungen, eine vielversprechende, für beide Teile bindende Vereinbarung über die Zusammenarbeit der Frauengruppen mit den Beziirkssektionen zum Abschluß zu birngen. Es ist zu hoffen, daß diese Vereinbarung einen günstigen Einfluß auf die'Tätigkeit der Bezirkssektionen und der Frauengruppen ausüben wird. Am 25. Februar hat bereits die erste gemeinsame Veranstaltung der Bezirkssektion VI11/IX mit den Frauengruppen VIII und IX stattgefunden. Die Veranstaltung kann als ein voller Erfolg der Zusammenarbeit bezeichknet werden und ist zu gewärtigen, daß auch die anderen Bezirke in allerkürzester Zeit die gemeinsame Tätigkeit aufnehmen werden. Reaktivierung der Sektionen Die Bemühungen, die Sektionen zu reaktivieren, werden mit großem Erfolg fortgesetzt. Neben den besonders aktiven Sektionen Prater, Landstraße, IV/V, VI/V1I, V1I1/1X, XVI/XVII, XX/XX1 weisen auch die Sektionen I, X/XI, XIV/XV in der letzten Zeit eine regere Tätigkeit auf, und es werden große Anstrengungen gemacht, um alle Bezirfcssektionen aufzubauen. Es ist zu hoffen, daß die geplante Propaganda und Werbeaktion der gesamten Organisation den notwendigen Impuls bringen wird. Der Druckfehlerteufel Wie katastrophal manchmal der in den Setzmaschinen hausende Teufel wirken kann, wie gefährlich es ist, ein P mit einem J, ein M mit einem B, ein B mit einem St und ein Men mit einem Dcb zu verwechseln, wollen wir in einigen wenigen Beispielen zeigen, die — zum Glück! — das Licht der Welt in der «Stimme» nicht erblickt haben, weil sie rechtzeitig korrigiert worden sind. . . . Nach einer kurzen Jause fuhr der Redner fort . . . . . . Und so nimmt es niemanden Wunder, wenn wir Frau Y die Butter der jüdischen Mädchen Wiens nennen. . . . Der Stall der Hakoah vereinigte alle Mitglieder in den Sälen des Palais Ratibor. ... Die siebenarmige. Deborah erstrahlte in hellem Glanz. BÜCHERSTUBE M. RATH Buchhandlung, Antiquariat, Le hbibllothek Wien, II., Taborstraße 20 a, Tel. R-43-1-58 M. RAT H’S Moderne Leliiblblfotliek bietet Ihnen eitle reiche Auswahl von Büchern aller Art, insbesondere ven Neuerscheinungen im Original, bzw geschmackvollen Bibliothekseinband. 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