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Die Stimme · 1931-03-05 · Heft 166 (5.3.1931) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 166 (5.3.1931)
Date
1931-03-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr, 166 — 5. März 1931 DIE STIMME Seite S Der Weg ist frei Das Ziel ist weit und schwierig ist der Weg, Der unser Volk zurückführt in sein Land, Dies Land, das uns'rer alten Hoffnung Ziel/ Die alte Heimat wieder zu gewinnen Qilt's, die Uns neue Heimat werden soll. Der Weg ist schwer, ist voll von Hindernissen, Und jeder Schritt, der näherführt dem Ziel, Ist heißer Mühe unscheinbarer Lohn. Da ward der Weg uns plötzlich ganz verrammelt Mit einem riesengroßen Felsenblock, So daß kein Schritt nach vorne möglich schien. Erst standen wir vom Schrecken festgebannt Vor diesem Ungemach; doch, rasch gefaßt, Erließen wir den Ruf an uns re Brüder: «Vereinigt euch, ihr müßt uns alle helfen, Dies neue Hemmnis aus dem Weg zu schaffen — Und mit vereinten Kräften wird's gelingen!» Ein großer Teil des Volkes war zur Stelle, Um mitzuhelfen in der Zeit der Not, Und wertvoll war die Hilfe auch des Schwächsten. Doch einige, die lang schon unzufrieden, Sie blieben abseits steh n und höhnten uns: «Seht ihr, wie schlecht der Weg, den ihr gewählt? Ihr könnt nicht weiter, ihr seid schlecht beraten. Nun zeigt, daß ihr euch selber helfen könnth Afs würden sie zu unseren Feinden zählen, So schien sie uns're Ohnmacht zu erfreun. Doch mutig kämpften uns're Führer weiter, Der feste Wille stählte ihre Kräfte Und, was unmöglich schien, es ward vollbracht. Der Weg ist wieder frei! Laßt uns vergessen, Was uns entzweit. Mit neuem, frohen Mute Laßt uns gemeinsam nun das Werk vollbringen. Das Ziel ist weit und schwierig ist der Weg. *Uns eint ein Ziel!» — der neue Wahlspruch sei! Wir reichen euch die Hand — der Weg ist frei! W. E. Perser durch Jahrtausende feiern, so ist es nur recht und billig, daß auch die arischen Judengegner — die mit demselben Rechte Judenpogrome feiern könnten — Hamanfeiern veranstalten zur Ehrung des ersten großen, bisher nur geschmähten und verkannten Judengegners!» Das ist wirklich und wahrhaftig gedruckt gewesen . und so ist das große Werk vollbracht worden. Der «edle, vielgcschmähte Fürst» hat lange auf seine Ehrenrettung warten müssen, aber schließlich wurde das Gewissen der . Menschheit doch wach, der Herr «Germanicus» griff zur Feder und rehabilitierte den armen Haman. Nun bleibt noch, als Krönung des Werkes, die erste von den Nationalsozialisten veranstaltete Haman-Feier abzuwarten. Wir sind überzeugt, daß sie ein neues, ruhmreiches Blatt in der Geschichte der von Juden versklavten arischen Völker bedeuten wird. Und zum Schluß, so ganz zum Schluß, eine kleine Frage an die Staatsanwaltschaft: Es gibt doch irgendwo ein Gesetz, das die Aufreizung eines Teiles der Bevölkerung gegen eine andere unter Strafsanktion stellt. Konnten nicht in der «Purimnummer» des «Kampfruf» die Merkmale dieses Deliktes gefunden werden? S. Antisemitische Unruhen an der Universität .. Budapest, 26. Februar. (J. T. A.) Die schweren antisemitischen Unruhen an der Universität Pecs (Fünfkirchen) begannen nach der Vorführung eines Reklamefilms in einem Lichtspieltheater, in welchem auch eine Szene aus dem Fünfkirchener Ball der jüdischen Mensa academica gezeigt wurde. Am nächsten Morgen begannen die Ausschreitungen an der Universität damit, daß die Studenten zur Legitimation gezwungen wurden und versucht wurde, die jüdischen Hörer aus der Universität zu entfernen. Als 150 Demonstranten in das anatomische Institut eindrangen und die jüdischen Hörer zur Ausweisleistung aufforderten, entstand eine Schlägerei, so daß der Rektor um polizeiliche Hilfe ansuchte. Erst nachdem das ganze Gebäude mit Polizisten besetzt war, wurden die Tore geöffnet und die jüdischen Mediziner konnten sich entfernen. Obwohl der Rektor bei Wiederholung der Unruhen mit der Sperrung der Universität drohte, wiederholten sich gestern vormittags die abstoßenden Szenen, bei welchen einzelne jüdische Studenten von einer vielfachen Uebermacht angegriffen und niedergeschlagen wurden. Ein jüdischer Universitätshörer suchte mit dem Rufe: «Ich erschieße jeden, der mien anrührt 1» sich seine Peiniger vom Leibe zu halten. Der Rektor sah keinen anderen Ausweg, als die Sperrung der Universität für zwei Tage zu verfügen. Vier verletzte jüdische Studenten haben sich beim Rektoratsamte gemeldet. Die ßleispach’sciie Studenten' Verordnung verfassungswidrig Wie erinnerlich, war bei einem im Juni 1930 vor dem Strafbezirksgericht 1 (Landesgerichtsrat Dr. Powalatz) wegen Beleidigung des Rektors der Wiener Universität, Dr. Gleispach, durch Verspottung der neuen Studentenordnung durchgeführten Prozeß gegen ein Montagblatt von der Verteidigung der Antrag gestellt worden, eine Anfrage an den Verfassungsgerichtshol über die Gesetzmäßigkeit der vom Rektor Gleispach mit Zustimmung des akademischen Senates erlassenen neuen Studentenordnung, in der bekanntlich die Studenten nach Nationen geteilt wurden, zu richten. Der Richter hat sich diesen Schritt Vorbehalten und die Verhandlung wurde damals abgebrochen. Erst jetzt, nach acht Monaten, ist das Strafbezirksgericht 1 an den Verfassungsgerichtshof herangetreten, und zwar geht, wie wir aus dem Strafbezirksgericht I erfahren, der an den Verfassungsgerichtshof gestellte Antrag des Gerichtes weit über den ursprünglichen Gerichtsbeschluß hinaus. r Das Strafbezirksgericht I stellt nämlich an den Verfassungsgerichtshof das Ersuchen, die neue Studentenordnung der Wiener Universität auf ihre Gesetzmäßigkeit zu prüfen und diese Studentenordnung ihrem ganzen Inhalt nach als verfassungswidrig aufzuheben. Das Gericht hege nämlich Bedenken gegen die Gesetzmäßigkeit der Studentenordnung, vor allem, weil sie nicht gehörig kundgemacht wurde; auch in materieller Hinsicht. / das mit dem Zeichen der streng rituellen Erzeugung! versehene Kunerol. Das Verschlußsiegel bürgt Ihnen dafür, daß Kunerol von jedem Streng* gläubigen ohne Bedenken genossen werden kann. 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Ein Bericht des Senatskomitees der Vereinigten Staaten aus dem Jahre 1850 erwähnt die großen Dienste, die Salomon der Regierung durch Anleihen für den Unabhängigkeitskampf in einer Zeit geleistet hat, da Geldmittel zur Fortführung des Kampfes von entscheidender Bedeutung für den Enderfolg waren. Im Jahre 1925 beantragte das Mitglied des Repräsentantenhauses Mooney auf dem Kongreß die Errichtung eines Denkmales für Haym Salomon. In der Begründung des Antrages wurde darauf hingewiesen, daß Salomon der Regierung und der Armee in der kritischesten Periode über 700.000 Dollar zur Verfügung gestellt hat, eine Summe, von der er keinen Dollar Kapital oder Zinsen zurückerhielt, so daß er, der früher ein reicher Mann gewesen war, infolge seines Patriotismus völlig verarmt gestorben ist. Jude auf Irrwegen (Zum Tode Hermann Diamands,) Von Z. F. Finkeistein Aus dem satten Bürgertum kam dieser Fahnenträger des polnischen Sozialismus hervor und frühzeitiggelangte er durch sein Ehebündnis in die Hallen der jüdischen Hochfinanz. Er war ein Revolutionär auf dem festen Sattel gut fundierter Renten. So ward sein Versammlungsschlager «Wir hungrige Arbeiter» zum geflügelten Spottruf einiger Generationen. Doch unverfälscht war sein Haßgefühl gegen Unterdrückung; sein Klassenbewußtsein hob er stets in einem glänzenden Feuerwerk der Beredsamkeit hervor, deren Leuchtkraft durch Daten und sozial wissenschaftliche Exkursionen noch vertieft wurde. Gleichzeitig mit Alfred N o s s i g stürmte er um die achtziger Jahre mit dem Ungestüm eines geborenen Führers ins politische Leben Galiziens. Beide waren sie einem wurmstichigen Assimilantentum entwachsen und beide von patriotischen Lockrufen eines militanten Polentuins aufgepeitscht. Während eherne Tritte einer reifenden Demokratie die Alleinherrschaft der Schlachzizen zu zerstampfen begannen, wütete der Kampf zwischen den staatstreuen Stanczyki und den Nationaldemokraten, die offenkundige Wegbereiter eines selbständigen Polen waren. Eine Epoche voll keimender Umsturzgedanken und drängender Entscheidungen und ein Chaos »on Drangsal und Elend schüttelte eine Million entrechteter Juden, während Kirche und polnische Schule wie ein Würgengel alle Anzeichen jüdischen Selbstbewußtseins zu erdrücken versuchten. Nur unterirdisch und tastend rang sich das nationale Leben der Juden durch. Die Chowewe-Zion-Bewegung gab hierzu den Auftakt und die Demokratisierung europäischen Geisteslebens die Folie. Nossig, vom Freiheitssang eines Mickiewicz und Slowacki beflügelt, segelte mit übersprudelndem Temperament ins Fahrwasser des polnischen Patriotismus! während Diamand, der behäbige und kühl abwägende Dialektiker, sich der zionistischen Bewegung anschloß. Doch kurz war der Wahn bei beiden. Die glühende Dichterseele Nossigs erkannte allzu bald, daß ein schöpferischer Jude im polnischen Geistesleben nur als lästiger Parasit geduldet wird, während das aufstrebende Judenvolk ihm mit Stolz und Freude entgegenwinkte. * Diamands ausgeprägter Sinn für Menschenwürde bäumte .sich gegen die schreiende Entrechtung jüdischer Volksmassen auf, doch fehlte den ehrgeizig losstürmenden Volkstribunen das behutsam vorwärtstastende Verantwortungsgefühl und der Opfermut jüdischen Fiihrertums. Allzu lange und allzu dornig dünkte ihm der Rückweg in die Niederungen jüdischen Volkslebens und so entdeckte der jüdische Bourgeois plötzlich sein Herz für das polnische Proletariat. Er wählte die Linie des geringsten Widerstandes. Polentum war ja Trumpf und Demokratie Schlagwort des Tages. Allerdings: Als er die jüdische Zwiespältigkeit abstreifte, blieb er sich zeitlebens treu. Es fehlte ihm die Schmiegsamkeit und Glätte eines Loewenstein, Byk, Kolischer, die unter steter Betonung ihres polnischen Patriotismus auch die jüdischen Volksmassen vergebens mit sich fortzureißen versuchten. Diamand haderte zeitlebens mit allen Gewalten des Alltags. Er kämpfte gegen die Nationaldemokraten und Stanczyki, gegen die Schlachta und die österreichische Zentralregierung wuchtig, wutschnaubend und kompromißlos, von dem Tage an, da er wegen eines Aufsatzes vom Gerichtsdienst fortgeschickt wurde, bis zu seinem fluchtartigen Verlassen Polens, als sein einstiger Weggenosse Pilsudski die Kerkerpforlen Brest-Litöwsk aufriß. So baute er in jahrelangem Ringen die Quader des polnischen Sozialismus auf. Daszynski war dessen tönendes Gewissen und Diamand Realpolitiker und führender Theoretiker. Und wie es bei einem Juden, dessen Herz für die ganze Welt schlägt, üblich ist, so dachte auch Diamand seines eigenen Volkes nicht. Starr, unduldsam und trotzig leugnete und verleugnete er das aufstrebende Judentum und befolgte, dieses Prinzip des Stillschweigens ain Franzehsring in Wien wie im War- , schauer Sejm; dies alles, trotzdem er zum ersten Male bei einer Stichwahl in Lemberg nur den Nationaljuden sein Mandat zu verdanken hatte, da seine polnischen Genossen es wohlweislich vermieden, den Juden in rein polnischen Bezirken zu kandidieren. Denn hüben und drüben sah man in dem polnischen Klassenkämpfer doch nur den Juden. Stojalowski schleuderte eine Sturzwelle von antisemitischem Haß über den übermütigen Arbeiterführer, und bei Badeni, Abrahamowicz und auch bei all den Sateliten des neuerstandenen Polen blieb noch immer der «Moszko» haften, wenn er auch gewaltsam aus seiner Art hinausstrebte. Vier Jahrzehnte hindurch rüttelte Diamand in Galizien und Polen den Sinn für Menschenwürde auf. Vor und nach dem Umsturz handelte und konspirierte er in vorderster Reihe für das Polentum und vertrat das polnische Staatsinteresse in London, Genf und Berlin mit jüdischer Hartnäckigkeit und polnischer Großmannssucht. Der Dank blieb auch nicht aus. Der Jude hatte das seine getan und wurde in der letzten Sejmkadenz kaltgestellt. Denn die Tragik des Assimilantentums bleibt ja stets dieselbe, ob es Klassenkämpfer internationaler Prägung sind oder Patrioten, deren Gewissen an der Pforte ihres Judentums versagt. So wurde es still in den letzten Jahren um den einstigen Tribunen. Sein Vermögen zerflatterte an einer patriotischen Gründung, die polnische Sozialdemokratie verkroch sich vor dem allgewaltigen Diktator und das Klassenbewußtsein des polnischen Proletariats wurde überwuchert von antisemitischem Haß. Müde und verdüstert ging der einstige Volkstribun von dannen. Ein Produkt tragischer Zwiespältigkeit, diente er einem fremden Volk und verlor die liebe des eigenen. An der Wurzellosigkeit zerbrach eine starke Individualität. Das Ehtengrab, das ihm die Judengemeinde Lembergs gestiftet hat, zeugt nur von einem großen* vergessenden jüdischen Herzen. Nach dem Tod* wird die Heimkehr leicht gemacht . , . Ein Jude auf Irrwegen ... 978231

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