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Die Stimme · 1931-02-26 · Heft 165 (26.2.1931) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 165 (26.2.1931)
Date
1931-02-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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j'e .e nt SllMMb <*■ Nr. 1(35 — 26. Februar schaftlicher kooperativer Rat, der beide Völker umfaßt, geschaffen werden, sondern ein besonderer arabischer neben dem besonderen jüdischen. Diese beiden Räte sollen dann von Fall zu Fall Zusammenarbeiten. Was dann die Gewährung von langfristigen Krediten ans dem Regierungskreditfonds anlangt — dessen Schaffung er vorschlägt —, spricht er die Meinung aus, daß diese Mittel nicht bloß dem arabischen Teil zur Verfügung gestellt werden sollen, denn das würde eine Bestrafung der jüdischen Initiative bedeuten. Für die jüdischen Kooperativen wünscht er den Zusammenschluß zu einem Konsortium, das Obligationen ausgeben soll; die Regierung müsse diese Obligationen ankaufen, insoweit es gelänge, diese anderweitig "an den Mann zu bringen. Von dem zu schaffenden Regierungsfonds von einer Million Pfund solle die Regierung für diese Obligationen nicht mehr als eine Viertelmillion Pfund invertieren. «Diese Regelung», sagt Strickland, «wird dem jüdischen Jischuvv, der an Hypothekenlereditgeschäfte gewöhnt ist und solche Transaktionen in seinen Siedlungen erfolgreich durchzuführen wußte, die Freiheit geben, nach seiner Art sich zu entwickeln und weitere Kapitalien aus der ganzen Welt heranzuziehen». Trotz dieser Regelung sollen die jüdischen Anleihewerber noch die Möglichkeit haben, sich außerdem an den Regicrungsfonds zu wenden. Zusammenfassend kann also gesagt werden, daß Strickland mit Liebe, Freimut, Verständnis und Gerechtigkeitsgefühl an seine Aufgabe herangetreten ist. Man kann konstatieren, daß gereciiidenkende Engländer, die politisch unvoreingenommen an die Beurteilung palästinensischer Probleme herantreten, unbedingt dazu kommen müssen, die großen Leistungen des jüdischen Volkes in Palästina anzuerkennen und sich sehr bemiH'/i, daß unserem jüdischen Siedhmgsv/crk jene Möglichkeit der Entfaltung gegeben Werde, die es verdient. $}ie Motonien Der Aufschwung der Geilügeizi.cht In Kfar Jecheskiel fand vor kurzer Zeit eine Tagung der jüdischen üeäügclzüchter des Landes statt. Während früher Geflügelzucht ein nur wenig beachteter landwirtschaftlicher Betriebszwang der Siedlungen war, ist sie heute we.t verbreitet und bringt den Farmern hohe Erträge. Durch den Erwerb von Inkubatoren sind fast sämtliche Wirtschaften in der Lage, Eier künstlich auszubrüten und damit den ücliügeibestand dauernd zu vergrößern. Die Berechnungen zeigen, daß mit einem Durchschnittsertrag von 120 Eiern pro Henne und Jahr kalkuliert werden kann. Die Belieferung der Märkte mit Eiern aus den jüdischen Wirtschaften ist in den letzten Jahren dauernd gestiegen. Allein die Verkaufskooperative «Tnuwah» hat mit einem Eierabsatz von 1,700.000 Stück ihre Lieferung des Vorjahres verdoppelt. Ein neuer Sledliangspunkt bei Nazareth. Vor einem Monat haben die Mitglieder der Siedlungsgruppe «Irgun Hakfar» auf dem Boden von Sufsafa in den Bergen bei Nazareth einen neuen Sied'ungspunkt gegründet. Von 4000 Uunam Boden, die vom Keren Kajemeth bereits vor dem Kriege gekauft wurden und bis jetzt brach lagen, werden 1200 Dunam im Laufe der nächsten fünf Jahre mit Fichten bepflanzt werden. Die nächste jüdische Siedlung ist Nahalal, dessen Boden künftig an die Pflanzungen von Irgun Hakfar grenzen wird. Wieder Feldmäuse in Emek? Aus dem Emek Jesreel wird berichtet, daß an einzelnen Stellen wieder Feldmäuse auftreten, so daß die ernste Befürchtung der Mäuseplage besteht, die im Vorjahr zu» Vernichtung eines großen Teiles der Ernte und zu schweren finanziellen Yer.usten geführt hat. Es ist nicht bekannt, ob Kchtzeitig wirksame Abwehr organisiert wird. Heuschreckenbekämpfung. In Gizeh (Aegypten) wurde eine Konferenz zur Bekämpfung der Heuschrecken eröffnet. An der Konferenz beteiligen sich: der entomologische Sachverständige aer *uaanesischen Regierung Mr. King, der Sachverständige der palästinensischen Regierung Mr. Bodkin, der Leiter des internationalen Bureaus für Heuschreckenbekämpfung in Damaskus, der landwirtschaftliche Leiter der italienischen Besitzung Erytraea und ein Verteter des Hedschas. Die Konferenz soll über ein gemeinsames Vorgehen zur Bekämpfung der Heuschrecken in den Ländern des Nahen Orient beraten. Mundet Forderung eines Einfuhrverbotes auf MehL Eine Versammlung der Kaufleute in Jerusalem, die über die wirtschaftliche Lage im Lande beriet, beschloß, eine Deleation zu entsenden, die von der Regierung das Verbot der infuhr von Mehl verlangen soll, um dem anhaltenden Preisrückgang entgegenzuwirken. Zollschwicrigkeiten zwischen Aegypten und Palästina. Die ägyptische Regierung hat vor kurzer Zeit den Zoll auf die Einfuhr von Orangen, Bananen und anderen Früchten sehr heraufgesetzt. Von dieser Maßnahme wird der palästinensische Ürangenexport nach Aegypten empfindlich betroffen, da Aegypten bisher der wichtigste Abnehmer der nicht für den Export nach England geeigneten Früchte war. Die interessierten Kreise haben sich an die Regierung mit der Bitte um Intervention gewandt, nachdem Palästina einen großen Teil seines Importes aus Aegypten bezieht. Steuerüberlastung. Eine von der Handelskammer von Jaffa und Umgebung durchgefiihrte Untersuchung über die Gebühren und Abgaben, die in den Palästina benachbarten Ländern im Autotransportwesen erhoben werden, hat ergeben, daß die betreffenden Gebühren und Steuersätze in Palästina ganz erheblich höher sind als in Aegypten und Syrien. So beträgt der Zoll für Benzin z. B. in Aegypten 280 Mil für 100 kg, in Palästina 1350 Mil. Besonders empfindlich wirkt sich auch die Mehrbelastung durch die hohen spezifischen Zölle in Palästina aus, die den gegenwärtigen Preisverhältnissen in keiner Weise Rechnung tragen. Die Handelskammer von Jaffa hat dem Direktor des Zoll- und Handelsdepartements ein Memorandum übersandt, in dem auf die Mißstände in der Abwicklung der Güterausgabe im Zollamt von Jaffa und auf die unrechtmäßige Verhängung von Bußen durch die Zollbeamten hingewiesen und nachdrücklich Abhilfe verlangt wird. föaut£en>erfte Bautätigkeit In Jerusalem. Die großen Neubauten in Jerusalem haben in den letzten Monaten weiter große Fortschritte gemacht. Der Riesenbau des Hotels «KingDavid» wurde am 20. Dezember eröffnet. Von dem neuen für die Anglo-Palestine Company in Jerusalem bestimmten Bau sind ebenfalls bereits zwei Geschosse fertiggcstellt worden. — Wesentlich fortgeschritten sind inzwischen auch die Gebäude für die Barclays Bank gegenüber dem Postgebäude und das Rockefeiler Museum am Daniaskustor. — Die neue Residenz des High Commissioners im Südosten von Jerusalem ist ebenfalls ihrer Vollendung nahe. Der Bau soll im März 1931 bezogen werden. In den letzten Wochen sind um die Bauanlagen" der neuen Residenz größere Baumpflanztingen vorgenommen worden. Außer diesen besonders prägnanten Bauten werden im Laufe des Winter» wiederum eine Reihe von Geschäftsräumen im Zentrum der Stadt und Wohnhäuser und Villen in den neuen Stadtvierteln bezugfertig. Jtv&eiter&ewvetkunli Einweihung eines Arbeiterheimes in Allith. In Anwesenheit von 400 Arbeitern, Gästen und K’egierungsverlretern wurde das Arbeiterheim in Atlith eingeweiht. Die Feier galt zugleich dem einjährigen Bestehen der j ü d i s c h e n S t e i n m e t z g i u p p e in Haifa. Die Zahl der Arbeiter (ohne Angehörige) beträgt in Atlith 170. Ausgezeichnete Beziehungen bestehen zwischen den jüdischen und arab‘r;kcn Arbeitern n cKn Stembrüchen und bis heule gab es no:h keinen Konflikt zwischen ihnen. Im Namen der 1 Die Juden In Deutschland und In polen in früheien 3ah.hunderten in der «Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden» (Schrift eitung: Dr. Jacob Sega! und I. Korainik) veröffent’icht der bekannte Schrftsteiler, Arzt und Statistiker Dr. Felix A. TJieilhaber eine Angehende j Studie «Die Juden in Deutschland und in Polen in früheren Jahrhunderten», in der er unter anderem ausiuhrt: Die Statistik, insbesondere die Bevölkerungsstatistik der Juden läßt uns die Veihäitn.sse der letzten hundert Jahre Überblicken. Alle Versuche, die frühere Volkszahl in früheren Jahrhunderten zu rekonstruieren, leiden an der Unzulänglichkeit des Materials. Die Frage nach der Anzahl der deutschen Juden im Mittelalter ist von Bedeutung. Erfahrungsgemäß stammen von ihnen die Ostjuden ab. Die Behauptung, daß nennenswerte Teile von Juden* im Osten Nachkommen vom Schwarzen Meer her nach Südrußland c.ngcwandcrten Juden waren und sich später mit den Flüchtlingen aus Deutschland vermischten, erscheint unwahrscheinlich. Bekanntlich sprachen die Ostjuden um das Jahr 1800 insgesamt Jiddisch. Es ist undenkbar, daß größere Teile von Juden, die eine andere Sprache beherrschten, sich ’n Polen, also ln einer slavischcn Gegend, die fremdartige Mundart des Jiddischen angeeiignet hätten. Von den 16 Millionen heute lebender Juden stammen 13 Millionen von den unis. Jahr. 1800. jiddisch-deutsch redenden Juden ab. Eine Million sind Nachkommen der spanii sehen Juden und eine Million entfallen auf Splitter, die sich in einzelnen Ländern, vor allem der arabischen Zone (Nordafrika, Vorderasien) erhalten haben, wozu noch Partikel von südfranzösischen, italienischen Juden kommen, die aber auch stark mit Spaniolen und deutschen Juden vermischt sind. Ueber die Juden in Deutschland bis zum Jahre 1000 sind wir schlecht unterrichtet. Ihre Zahl scheint ziemlich gering gewesen zu sein. Köln, Trier, Aachen waren ganz kleine Orte. Die Anwesenheit von Juden in Deutschland bis ungefähr ins 10. Jahrhundert ist sichergestellt. Nach dem Jahre 1000 häufen sieh die Angaben über das Vorkommen der Juden in den rheinischen Orten. Um das Jahr 1000 war die französische Judenheit in jeder Beziehung den deutschen Juden überlegen. Sie war reicher und zahlreicher. Trotzdem kamen in dem ganzen Jahrhundert vor dem ersten Kreuzzug Talmudschüler aus Lothringen nach Mainz, vielleicht weil hier mehr Freiheit als in Frankreich herrschte. Gerschon Ben Jehuda, das geistige Haupt der mitteleuropäischen Juden um die Wende der ersten Jahrtausends, stammte aus Französisch-Lothringen und lehrte in dem rheinischen Lehrhaus, das Rabbi Kalonymos aus Lucca begründet hatte. Raschi kam aus der Campagne nach Worms und Mainz, wo schon vor ihm eine stattliche Zahl berühmter lothringischer Gelehrter das Talmudstudium aufgerichtet hatte. Der Druck, der schon damals auf den französischen Juden lastete, verführte sie zur Abwanderung in Gegenden, die noch wirtschaftlich unerschlossen waren. Der Aufschwung der rheinischen Judengemeinden hängt mit der Einwanderung der wirtschaftlich erfahrenen Juden zusammen, die in den Zentren der französischen Industrie gelebt und den Geldhandel bereits mit ausgebaut hatten. Bis zum Jahre 1096 ist die überwiegende jüdische Bevölkerung Deutschlands also in den wenigen rheinischen Städten konzentriert. Alles spricht dafür, daß die JuAn in diesen Städten nicht sehr zahlreich waren, daß die allergrößten Gemeinden höchstens 500 bis 1000 Juden zählten. Die Historiker sprechen gelegentlich von großen Ziffern der Opfer der Pogrome des Jahres 1096. Dem widerspricht die Ueberprüfung der Memorbücher. Die Namen der Getöteten sind gut gesammelt. Unter den vorliegenden Angaben müssen wir in Mainz mit 550, Worms 450, Köln 175 Toten rechnen. Die übrigen Todesfälle sind nur wenige. Damit erhalten wir Verluste anläßlich des ersten Kreuzzuges auf dem deutschen Boden von zirka 1250 Seelen. Es gab zu jener Zeit nur ganz wenige jüdische Siedlungen in Deutschland, etwa 10 bis höchstens 20, von denen die größeren Gemeinden 500 Juden zählen mochten. Dr. Theilhaber neigt zu der Auffassung, daß die Anzahl der deutschen Juden um das Jahr 1096 knapp 5000 betrug. Wir finden 100 Jahre nach der Katastrophe von 1096 Juden in den neu aufstrebenden Siedlungen, in Regensburg, Prag, Magdeburg, Halle u. a. Immer dichter werden ihre } arabischen Arbeiter sprach Abu C ha j. Er wh*s auf die harmonische Zusammenarbeit hin, die von den arabischen Arbeitern sehr begrüßt werde, da sic vor den Juden die Bedeutung der Organisation und andere gewerkschaftliche Errungenschaften kennen lernten. Versiiftetun&sn'esen Die Versicherungsgesellschaft «Hacliaklait». Die Versicherungsgesellschaft «Hacliaklait» veröffentlicht in ihrem eben erschienenen Bericht bemerkenswerte Ziffern über den Umfang ihrer Geschäfte im abgclaufenen Jahre. Die Prämienzahlungen in diesem Jahre beliefet» sich auf 6000 Pfund, die Versicherungssumme auf 142.000 Pfund gegenüber 114.000 Pfund im Vorjahr. Zur Deckung der Verluste für eingegangene Tiere wurden 4000 Pfund, fiir tierärztliche Hilfe usw. 2637 Pfund ausgezahlt. Die Zahl der Mitglieder der Gesellschaft beträgt 1500. Arbeitsgemeinschaft Verband jüdischer Ingenieure und Techniker für den Aufbau Palästinas «Habonah», Bund zionistischer Ingenieure und Techniker in Wien. Mittwoch, den 4. März 1931, um 8 Uhr abends im Klublokal des Caf6 «Fürstenhof», Wien, II., Praterstraße 25, spricht Herr Ing. Rudolf Seiden über «Technische und wirtschaftliche Verhältnisse in Rußland '. (Eindrücke von einer Rußland-Reise.) Diskussionsabend. Siedlungen in der Maingegend, in Ries, im Taubergrund, an der Donau; die fruchtbaren Gegenden Hessens finden jüdischen Zuzug, langsam schieben sich Gemeinden *n die Rhön bis nach Thüringen vor und libcrsiedeln von da in den Harz. Waren es um die Zeit des ersten Kreuzzuges knapp 20 Orte, in denen sich Juden aufhielten, so sind es 100 Jahre später fast 100 Städte und um 1348 zirka 250 bis 300. Die Herkunft der Hauptmasse der Ansiedler aus den rheinischen Städten läßt sich aus verschiedenen Umständen annehmen. Es wäre recht wertvoll, über die Anzahl der deutschen Juden in der Zeit von 1250 bis 1350 genaue Kenntnis zu besitzen. Leider gestattet die Höhe der Reichssteuern keinen Anhaltspunkt fiir die Größe der Gemeinde: es war keine Kopfsteuer. 1241 bezahlten in ganz Deutschland 29Judengemcinden an den Kaiser 857 Mark Siiber. Es ist nach den Untersuchungen durchaus wahrscheinlich, daß die Mehrzahl der jüdischen Gemeinden meist recht klein war. Im i Jahre 1349 gab es in 60 größeren und 150 kleineren Gei rneinden Judenverfolgungen; viele dieser jüdischen Gemcin- | den wurden bei den Pogromen vollkommen vertilgt, alle jüdischen Bewohner kamen ums Leben, und so erfahren wir die Anzahl der jüdischen Einwohner, die nicht groß war. Eine Unzahl Namen deutet darauf hin, daß der französischjüdische Einschlag recht groß gewesen ist War um das Jahr 1000 die französische Sprache unter den Juden des Rheins noch vorherrschend, so hat sich allgemein um 1250 die mittelrheinische Mundart durchgesetzt. Die Anzahl der Juden um das Jahr 1100 dürfte 4000 bis 5000 nicht stark überstiegen haben. Um das Jahr 1350, nach etwa 150 Jahren, ist mit einer jüdischen Bevölkerung von höchstens 18.000 zu rechnen. Auch die Immigration, die aus Deutschland nach Polen geht, wird ziffernmäßig gewaltig übertrieben. Von den eingewanderten Juden wurden direkt nur wenige Gemeinden in Polen gegründet. Vor dem Jahre 1300 läßt sich in Polen eine jüdische Bevölkerung hauptsächlich in Posen, Kalisch (anscheinend vom Jahre 1287 her) und in einigen anderen Orten nachweisen. Die Anfänge der jüdischen Gemeinden von Warschau, Bromberg, Lublin, Sandomir, Krakau, Lemberg fallen in die Zeit von 1304 bis 1367, wie Meisl in seiner Geschichte der Juden in Polen und Rußland darlegt. Es waren deutsche Juden, die Polen besiedelten. Ec werden damals nach den vorliegenden Angaben 20 bis allerhöchstens 50 Gemeinden gewesen sein. Wir können mit vielleicht 1000 Familien rechnen, die von Deutschland die weite Reise in das fremde Land antreten, so daß wir um das Jahr 1350 vielleicht mit einer jüdischen Bevölkerung in Polen von 6000 Seelen zu rechnen haben. Der große Nachwuchs bevölkert von den Handelszentren aus das übrige Land. Auf Grund der im Jahre 1549 eingeftihrten Kopfsteuer ist die Zahl der Juden in Polen im Jahre 1569 auf 30.000 bis 50.000 Seelen zu veranschlagen. Die jüdische Bevölkerung nahm infolge der übergroßen Fruchtbarkeit stark zu. Mit Hilfe der Angaben von Meisl und der Unterlagen für die Neuzeit kämen wir zu folgendem Schema: Die Zahl der Juden in Groß-Polen war im Jahre 1350 zirka 6000; 1450 zirka 15.000; 1550 zirka 40.000 bis 50.000; 1650 zirka 250.000; 1750 zirka 500.000; 1828 zirka 2,000.000; 1900 zirka 6,000.000. Diese Ziffern erfassen die jüdische Bevölkerung in Großpolen (inklusive Ukraine) und Litauen. Dazu kommen noch die Massen der Juden, die im 18., 19. und 20. Jahrhundert aus den polnischen Gebieten nach Rumänien, Tschechoslowakei, Ungarn, Deutschland, Frankreich, England, Nord- und Südamerika, Afrika, Asien ausgewandert sind. Ihre Zahl inbegriffen, war die Nachkommenschaft der polnischen Juden im Jahre 1930 auf zirka 12 bis 13 Millionen angewachsen. Mögen die Unterlagen, auf die sich das obige Schema stützt, mangelhaft sein, dies hindert nicht, daß durch die Erforschung der Volkszahl uns wesentliche Erkenntnisse erschlossen werden. Die statistische Erforschung der jüdischen Siedlungen lassen die Geschichte des jüdischen Volkes vielfach in anderem Lichte erscheinen. Gewiß sind die in diesem Artikel angeführten Ziffern zum Teil schon verstreut von anderen Autoren angedeutet. Aber erst ihre Zusammenstellung liefert uns das plastische, überraschende Bild von dem Werdegang der deutschen und polnischen Juden. Aus aller Weit

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