Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 165 (26.2.1931)
- Date
- 1931-02-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Ülfc STIMME Nr. 105 — -G. Februar Iböi w Glossen Von M. H e n i s c h. Die „Rechner" Der Arbeitervertreter in der Zionistischen Exettutive, Joseph S prinzak, hat im Schoße der «Liga für das arbeitende Palästina» in Berlin einen Plan zur Aufbringung einer Million Pfund für Kolonisationzwecke in Palästina entwickelt, der von dieser Liga gutgeheißen und im Wege eines Presseempfanges der Zionistischen Exekutive in London der Ocffentlichkeit mitgeteilt wurde. Die Tatsache, daß man sich in Arbeiterkreisen auch mit Plänen der Oeldaufbringung ernstlich beschäftigt und daß man für diese Arbeit vornehmlich die um die Ligen für das arbeitende Palästina sich gruppierenden Kreise heranzuziehen gedenkt, verdient zweifellos begrüßt zu werden. Speziell müßten solchen Plänen jene zionistischen Kreise mit Sympathie begegnen, denen die Budgetposten für die Arbeiterkolonisation in Palästina stets zu hoch sind und die sich in ihrer Kritik des gegenwärtigen Systems wegen der angeblichen «Bevorzugung eines einzigen kostspieligen Kolonisationselementes» nicht genug tun können. Und tatsächlich hat Jabotinsky in einem längeren Artikel im «Hajtit» zu dem erwähnten Plane in positivem Sinne Stellung genommen, wobei er sich auch — sicher zum Mißfallen seiner eigenen Jünger — über die Kwuzoth und Arbeitersiedlungen ziemlich lobend äußerte. Dagegen benützt Herr Ludwig B ato seine Stellungnahme zu dem Plane Sprinzaks (s. «Die Neue Welt» Nr. 177) nicht bloß, um sich über Was Ei des Columbus» lustig zu machen, sondern auch auf die Zionistische Exekutive loszugehen und sie wegen dieses «dilettantischen und unreifen» Planes als «von allen guten Geistern verlassen» hinzustellen. Nun mögen ja die rechnerischen Einwände des Herrn Bato in einem oder dem anderen Punkte richtig sein. Auch wir würden diesen Plan für realer ansehen, wenn er z. B. bei Beibehaltung der Höhe der angestrebten Summe und der Werbungsmethode eine Staffelung der Beiträge seiner Mitglieder nach ihrem Vermögen und Einkommen vorsehen würde. Allein, ist dieses Detail der geforderten Million Mitglieder auch wirklich so wesentlich und ausschlaggebend, um deswegen den ganzen Plan zu verwerfen? Es sollte doch nicht übersehen werden, daß es sich hierbei nicht um einen «Finanzplan» handelt, sondern eigentlich um einen neuartigen Drive-Plan, auf einer neuen Basis und mit neuen Propagandamethoden, wobei die Details dieses in seinen Grundzügen bekanntgegebenen Planes keine Dogmen darstellen und jederzeit nach Bedarf und Zweckmäßigkeit abgeändert werden können. Angesichts dieses Umstandes ist uns das Auffahren dieser schweren mathematischen Geschütze zur Niedcrringung des Sprinzakschen Planes unverständlich, wie wir überhaupt das kühle Rechnen in solchen Fällen nicht begreifen können. Jedenfalls hängt das Gelingen solcher Pläne mehr von dem Glauben und von dem Arbeitseifer der Gesinnungsgenossen ab, als von rechnerischen Kalkulationen, deren Leitmotive obendrein negativer Natur sind... Revisionistischer als Jabotinsky Die palästinensischen Revisionisten bilden gegenwärtig den extremsten Flügel der Union der Zionisten- Revisionisten. Dem Präludium ihrer jüngsten außerordentlichen Tel-Aviv er Konferenz, die sich durch die Annahme einer Reihe anmaßender Entschließungen auszeichnete, folgte das traurige Spiel auf der ersten Tagung der neugewählten Assefath-Haniwcharim. In ihrem Kampfe gegen die Beteiligung des Jischuw an den Verhandlungen der Jewish Agency mit der englischen Regierung gingen die Revisionisten so weit, einen Exodus aus der Assefath-Haniwcharim zu veranstalten und so die erste gesetzlich anerkannte nationale Vertretung der palästinensischen ■ Judenheit schwer zu gefährden. Nur durch die Besonnenheit und das Verantwortungsgefühl der übrigen Gruppen wurde es verhindert, der Außenwelt ein trauriges Schauspiel der Zerrissenheit des jischuw zu bieten. Interessant ist, daß sich die palästinensischen Revisionisten in diesem Punkte revisionistischer gebärden als Jabotinsky selbst. Nach Berichten aus Paris habe nämlich jabotinsky auf einem dortigen Meeting gelegentlich der Besprechung des Briefes MacDonalds an Weizmann gefordert, daß die weiteren Verhandlungen mit der englischen Regierung durch andere Unterhändler als Weizmann und die jetzige Exekutive geführt werden, was eine indirekte Stellungnahme Jabotinskys zugunsten der Fortführung der Verhandlungen bedeutet. Es bleibt nun abzuwarten, ob sich die palästinensischen Revisionisten dadurch bestimmen lassen, ihre bisherige intransigente Haltung aufzugeben und in den Waad Leumi einzutreten. Oder werden sie vielleicht auch ihren Meister und Führer desavouieren? WaaHBSBHHHSSHaHSHH—HBIMa Ein diplomatisches Diner im Restaurant Mirabell Sonntag, den 22. Februar, fand im Roten Saale des Restaurants Mirabell, I., HabsburgerstraPe 6, ein von der rumänischen Gesandtschaft zu Ehren des Herrn Generalkonsuls Nedeku gegebenes Diner statt, ütr Gesandte Exzellenz Bredicianu konnte zahlreiche Diplo.-aten und andere prominente Persönlichkeiten begrüben. Es waren u. a. anwesend: Generalkonsul Höre’, Cener'*ik,'nsul Nedeku, Prof. Dr. Starza, Hofrat Goldstein, Exzcuenz Cncbloch, Dir. Kahana, Exzellenz Zaborovski, Herr Rw.nanescu u. v. a. Hebräisch im Warschauer Radio L. Jaffes Rede Ober den Aufbau Palästinas Sanrstag, den 21. Februar hielt vor dem Mikrophone der Warschauer Radiostation der Dichter L. Jaffe, Direktor des Keren Hajessod in Jerusalem, eine hebräische Ansprache an die Radiohörer. Wir bringen diese wahrhaft dichterische Rede in ihren wesentlichen Teilen in deutscher Uebersetzung zum Abdruck und können bei dieser Gelegenheit nicht umhin, einen Vergleich zwischen der Wiener Ravag und dem polnischen Radio zu ziehen, der nicht zugunsten der ersteren ausfällt. Während in der ganzen Welt die Rundfunkstationen auch für Jüdisches Interesse haben, vermeidet es die Wiener Ravag peinlichst, den Anschein zu erwecken, als wolle sie ihrer Pflicht, den jüdischen Hörern Jüdisches zu bieten, auch nur im geringsten Maße entsprechen. Die Rede L. Jaffes lautete: Geehrte Hörer! Ich bringe Ihnen einen Gruß aus Palästina, aus dem Lande Israels, wo nach den Worten des Dichters «auf jedem Steine lichte Spuren der Propheten zu finden sind» und wo «die Luft voll ist des göttlichen Hauches». Ewige Bande verknüpfen das jüdische Volk mit seinem Lande, von den Uranfängen seiner Geschichte, über die Jahrhunderte der Zerstreuung und der Wanderung, bis an die Unendlichkeit seiner Zukunft. In diesem Lande, dam Zentrum des nationalen Lebens, Hegt das Geheimnis seines Wesens. Nie wird dies Land aus dem Herzen Israels herausgerissen werden können — es sei denn mit diesem Herzen zusammen. Nun sind diese Bande durch Leiden und Opfer, dargebracht auf den Hügeln des Landes und seinen Tälern, abermals geheiligt worden. Das Volk kehrt in seine Heimat, zum Born seiner Kraft zurück. Und neben den Gräbern und Ruinen der Vergangenheit erwacht ein neues Leben. Die Vergangenheit vereint sich mit der Zukunft. Im Schweiße des Angesichtes, mit der Schaffensglut der Jugend und unter blutigen Opfern wird das verlassene und Öde Land wieder- SALCTA TUNIS SIMON SCHKU£RMANN VERLOBTE der Wissenschaft auf der hebräischen Universität. In diese Sprache wird die allweltliche Literatur übersetzt. Im Laufe der letzten zehn Jahre haben sich in Palästina 110.000 Juden für ständig angesiedelt. Eine große und grundsätzliche Bedeutung für die Aufbauarbeit Palästinas haben zwei Fonde: Keren Kajemeth und Kerert Hajessod. Keren Kajemeth ist ein Fonds, der den Boden ankauft; Keren Hajessod kolonisiert und baut. In Palästina wächst ein neues Geschlecht heran, das körperlich tüchtig und seelisch gefestigt ist. Neue Lebensformen werden gemeißelt. Der Sabbath und die jüdischen Feiertage, deren Wesen mit dem Lande verbunden ist, mit seinen Feldern und seinen Gärten, bekommen wieder einen vollen, lebendigen Inhalt. Unter heldennriitigen Anstrengungen, Leiden und grenzenlosen Opfern wird Schritt um Schritt das verödete jüdische Land für die Kultur und für die Arbeit erobert; und a’les, was im Lande geschaffen wird, wird zum Muster und zum Segen für die E nwohner Palästinas und die Völker des Orients. Die Legende hat sich in Palästina zur Wirklichkeit verwandelt, und die Wirklichkeit wurde für die Juden und für die Weit zur Legende. Die Fundamente sind gelegt, der Anfang ist gemacht und groß sind die Möglichkeiten. Alles hängt nun von der Energie des jüdischen Volkes, von seinem Opfermute und seiner Schaffenskraft ab. Die zionistische Bewegung hütete sorgenvoll den Samen der Wiedergeburt und das ganze Volk nahm dies Werk auf» um es weiterzuführen. Der Weg ist lang und dornenvoll. Doch je mehr sich die Schwierigkeiten häufen, desto höher ragt das hehre Ziel, das da heißt: die Wiedergeburt des Vaterlandes für die jüdischen Massen, die herumirren und Arbeit und Zuflucht suchen. Das Ziel heißt: Wiederaufbau der nationalen Heimstätte, die das ganze jüdische Volk in allen seinen Teilen, in allen Ländern der Welt verbindet und mit heimatlicher Wärme beschenkt. Die nationale Heimstätte wird die lichtvolle Vergangenheit Israels nicht beschämen und der Menschheit Ruhm bringen. Das jüdische Land ruft seine Söhne! Das jüdische Volk wird dem Rufe folgen l wxair, xx »kuhtab imi erobert; auf uralten, kahlen Felsen blühen heute Dörfer, prangen fruchtbare Felder und wachsen grüne Haine. Wo einst todverbreitende Sümpfe waren, findet man heute Quellen des Lebens, Gärten und Orangenpflanzungen. Auf SanddUnen glänzen neue Städte, wie Oasen in der fernen Wüste. In kurzer Zeit hat sich das Aussehen des Landes geändert. Die Juden brachten ins Morgenland die Kultur des Abendlandes und führten neue Arbeitsmethoden ein, die bisher in Palästina unbekannt waren. Der die Sümpfe trocknende, Gesundheit verbreitende Eukalyptus wird jetzt von den Arabern «der jüdische Baum» genannt. Die Ju. ..n züchten im Lande neue Rassen von Vieh und Geflügel und heben die Fruchtbarkeit des Bodens. Die ehemals blühende, später verwüstete Jesreel-Ebene, die dann von den Arabern «das Tal des Todes» und das «Tal der vergifteten Quellen» genannt wurde, wird wieder zur fruchtbaren und gesegneten Ebene des Lebens. Am Fuße des Berges Gilboa liegen junge jüdische Siedlungen. König David hat einst mit dem Bannspruche: «Berge Gilboa, bar des Taues, des Regens und der fruchtbaren Felder» diese Berge verflucht; und heute prangen dort jüdische Felder und Kolonien und Tau befeuchtet die Arbeit der Ackernden und Säenden. Auf den Sanddünen Saronas und Sefelas sind Orangen- und Weingärten entstanden. 110 jüdische Kolonien zählt heute das Land. Bequeme Landstraßen wurden gebaut; dort, wo früher kaum ein Esel oder Maultier passieren konnte, rasen heute Automobile auf breiten Asphaltstraßen dahin. Aus dem Sande des Meeres, wie irgend ein Wunderwerk, ist Tel-Aviv, die in ihrem Zauber einzigartige Orientstadt, erstanden. Das altehrwürdige Jerusalem hat sein Antlitz geändert; heute ist es vom Kranze neuer Stadtteile umgeben. In Haifa und Tiberias wurden neue jüdische Viertel erbaut. Die Wasserkräfte des Jordan und des Jarmuk werden ausgenützt, elektrisches Licht erglänzt im ganzen Lande, elektrische Kraft bewegt die Motore der Fabriken und der Werkstätten. Jüdische Schaffenskraft entdeckt und bringt die Schätze, die in den Tiefen des Toten Meeres verborgen sind, an die Oberfläche. Eine neue Industrie ist entstanden, die sich für ihre Erzeugnisse auch außerhalb des Landes bereits die Märkte erobert hat. Ein Netz hebräischer Schulen mit Zehntausenden von Schülern ist über Palästina verbreitet; von Spielschulen bis zum Technikum am Fuße des Karmels und der hebräischen Universität am Skopusberge in Jerusalem. Die Organisationen Hadassah und die Krankenkassen heilen die Kranken, assanieren das Land und tragen Sorge um die Gesundheit der ganzen jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung. Ein Wunder der Auferstehung der hebräischen Sprache ist geschehen, dieser uralten Sprache der jüdischen Kultur, die immer ein Gewand für die Gedanken und die Gefühle Israels war. Heute erklingt und widerhallet die hebräische Sprache auf den Feldern und in der Fabrik, zu Hause und in der Schtde, auf der Straße und bei den Kinderspielen — weich, frisch und frei. Sie ist der Ausdruck einer neuen Kultur, sie ist die Unterrichtssprache in den Schulen, sie ist die Sprache Der Bericht der Klagemauer Kommission Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, wird der Bericht der Internationalen Klagemauer-Kommission, die aut. Ersuchen der britischen Regierung vom Völkerbundsrat eilige^ setzt wurde, um die Frage der Ansprüche von Juden und Mohammedanern auf die Klagemauer zu klären, am Donnerstag, den 26. Februar, gleichzeitig in Jerusalem und in London veröffentlicht werden. Kisch und Yellin Gäste Emir Abdullahs Jerusalem. (J. T. A.) Das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, Colonel Kisch, und der ehemalige Präsident des Waad Leumi, Dr. David Yellin, haben sich nach Amman, der Hauptstadt Transjordaniens, begeben, wo sie auf Einladung Emir Abdullahs an einem Gastmahl teilnehmen werden, bei dem auch der 80jährige Vater des Emirs, Exkönig Hussein vom Hedschas, anwesend sein wird. Ein Jabotinsky-Haus in Tel Aviv Tel Aviv, 19. Februar. (J. T. A.) In Tel Aviv wurde ein Komitee aus Mitgliedern der revisionistischen Partei und persönlichen Freunden Wladimir Jabotinskys zum Zwecke der Errichtung eines revisionistischen Parteihauses, das Jabotinskys Namen tragen soll, gebildet. Demnächst wird ein Drive für den Baufonds eröffnet. Palästina-Orangen in Wien Es ist die Pflicht jedes national denkenden Juden, den Jischuw durch Ankauf seiner Produkte zu unterstützen. Das kann schließlich auch für den einzelnen kein großes Opfer bedeuten, denn die Früchte, die Palästina hervorbringt, sind von köstlichem Wohlgeschmack und nicht teurer als solche anderer Länder, die aber in bezug auf ihre Qualität bei weitem nicht an die palästinensischen heranreichen. Wir alle, die wir in der Diaspora leben müssen, sind uns darüber einig, daß wir wenigstens von hier aus am Aufbau Erez Israels helfend mitarbeiten wollen. Nun ist es gewiß, daß eine der besten Möglichkeiten, die wirtschaftliche Lage Palästinas zu heben, die Förderung des Absatzes von Produkten Erez Israels ist. Am raschesten hat sich bisher die Parole: Kaufet di« Produkte Palästinas! bei der Palästina-Orange durchgesetzt» die infolge ihrer hervorragenden Qualität und Güte in kurzer Zeit den Weltmarkt erobert hat. Um es jedem Gesinnungsgenossen zu ermöglichen, die Orangen zu billigen Preisen direkt ins Haus zugestellt zu erhalten, hat das Zionistische Landeskomitee mit Herrn S. Halpern, II., Förstergasse 6» Tel. R 40-4-12, ein diesbezügliches Uebereinkommen gfit» troffen. Wir ersuchen alle Gesinnungsgenossen, Orangen direkt bei Herrn Halpern zu bestellen und sich selbst von der Güte dieser alle anderen Sorten weit übertreffenden Orange zu überzeugen. — Schenkt zu Purim Palästina« OrangenI Warum Togal? Mehr als 6000 Aerzte, darunter viele be* deutende Professoren, anerkennen die hervorragende und zuverlässige Wirkung der Togal-Tabletten bei gichtischen* rheumatischen und nervösen Schmerzen sowie Erkältung^ Irrankbeiten. Die Schmerzen werden sofort behoben!