Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 165 (26.2.1931)
- Date
- 1931-02-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 165 — 26. Februar 1931 nn» etnniv LI IC o 1IMkVH# Seite & _Zionistisches Landeskomitee für Oesterreich_ Montag, den 2. März 1931, um 8 Uhr abends im Festsaal des Hotel Continental, Wien, II., Taborstraße 2 Vortrag Prof. Dr. Theodor Lessing (Hannover) »Der jüdische Selbsthaß« Karten sind im Zionistischen Büro, J., Körntnerstraße 28, und in der Buchhandlung M. Rath, II., Taborstraße 20a, erhältlich "l|WBW"———■■—— bübbbbb—— Die Assefath- Exodus der Am Donnerstag, den 12. Februar, beschäftigte sich die Assefath-Haniwcharim mit einem Antrag der Arbeiterrraktion, die Frage der Teilnahme der palästinensischen judenheit an den Verhandlungen zwischen Jewish Agency und britischer Regierung der neuzuwählenden Exekutive der Nationalversammlung, dem Waad Leumi, zur Entscheidung zu überlassen. Dieser Antrag stieß auf den heftigen Widerstand der Revisionisten, die bereits in der Eröffnungssitzung der Assefath die Erklärung abgegeben hatten, sie würden ihre Teilnahme an den Arbeiten der Nationalversammlung und ihren Eintritt in den neu zu wählenden Waad Leumi davon abhängig machen, welche Haltung die Nationalversammlung zur Frage der Verhandlungen der Jewish Agency mit der englischen Regierung einnehmen werde. Der Wortführer der Revisionisten in der Debatte, Dr. v. Weisl, erklärte, die revisionistischen Abgeordneten, die 10.000 Wähler repräsentieren, hätten die Wahlkampagne unter der Losung «Gegen das Weißbuch» geführt. Die Verhandlungen mit der Regierung seien eine Schmach, die Uebertragung der Entscheidung über die Frage der Teilnahme der palästinensischen Judenheit an diesen Verhandlungen an den Waad Leumi bedeute die mögliche Billigung einer solchen Teilnahme. Namens des Misrachi stellte Rabbi Ostrowski zu der von der Arbeiterpartei eingebrachten Resolution den Zusatzantrag, daß eine Zustimmung des Waad Leumi zur Teilnahme eines Vertreters des Jischuw an den Regierungsverhandlungen nur mit Zweidrittelmajorität gegeben werden dürfe. Der revisionistische Delegierte Weinstein richtete an die Versammlung den Appell, sich an den künftigen Regierungsverhandlungen nicht zu beteiligen. Demgegenüber wies den. Führer der Arbeiterfraktion, Ben Gurion, darauf hin, daß es für die Juden nicht möglich sei, sich in den Schmollwinkel zu stellen. Es sei Pflicht des Jischuw, an den Verhandlungen teilzunehmen. Die Arbeiterpartei sei bereit, die Entscheidung dem künftigen Waad Leumi zu überlassen, allerdings unter der Bedingung, daß sie mit einfacher Majorität getroffen wird. Dr. Mossinsohn und Frau Azaryahu bemühten sich vergeblich, zwischen Arbeiterpartei und Revisionisten zu vermitteln. Der Sprecher des Misrachi erklärte, seine Partei würde mit den Revisionisten stimmen. Die Ver- Frühling in Erez Israel Von unserem palästinensischen Berichterstatter Jakob Singer. Risch onLezion, 15. Februar 1931. Neuer Frühling. Aus gleißend blauem Himmel leuchtet die wunderbar warme Sonne Palä-. ßtinas. Die Wiesen sind mit gelben Goldblumen übersät und obwohl doch das Blühen nie auf gehört hat, fühlt man irgendwie etwas Neues. Es ist ein Gefühl, demjenigen ähnlich, das man an einem sonnigen Apriltag auf einer alpenländisohen Berg wiese hat; es ist Neu beginn, Frühling . . . Noch pflückt man die Orange, doch bald, bald wird sie von neuem blühen und mit ihrem berückenden Duft die hellen Abende in einen Schleier süßen Rausches hüllen. Gestern noch hat es geregnet und heute geht schon ein feiner Hauch durch den Abend; er trägt den Geruch der „Cboloth“, der mächtigen Sanddünen heran; an die dünneu Zeltwände schlägt von fernher das Rauschen des Meeres herüber. Das Meer ist weit, jenseits des breiten ßandgürtels, aber wenn es ganz still ist, hört mansein mächtiges Brausen ganz nahe. Meer, Sand, Sonne — Frühling. Das Herz ist voll stürmischer Hoffnung, neuer Pläne, neuer Schaffensfreude ... In Tel-Aviv rüstet man zum Purimkarneval; er soll diesmal schöner sein, als er es je gewesen ist, und vielleicht wird er das auch. Langsam klingt das Ereignis der ersten Tagung der Assefath-Haniwcharim ab und unter dem starken Eindruck des MacDonald-Briefes an Wedzmann Haniwcharim Revisionisten handiungen wurden spät abends unterbrochen und am Freitag, den 13. Februar, 2 Uhr morgens, wieder aufgenommen. Um 6 Uhr morgens wurde der Antrag der Arbeiterpartei in namentlicher Abstimmung mit 37 gegen 29 Stimmen angenommen. Nach Verkündigung des Abstlmmungsresultates gab Dr. Weinschal namens der Revisionisten die Erklärung ab, die revisionistische Fraktion werde an den weiteren Beratungen der Assefath nicht teilnehmen. Die 16 Alitglieder der Fraktion verließen geschlossen den Beratungssaal. Der Vorsitzende Dr. Mossinsohn unterbrach um 6.30 Uhr die Sitzung, um dem Präsidium der Nationalversammlung die Möglichkeit zu geben, eine die Misrachisten und Sephardim befriedigende Formulierung des Beschlusses auszuarbeiten. lätemfUUm 8. BIS 14. MARZ 1931 (ROTUNDE BIS 15. MARZ) SONDERVERANSTALTUNGEN: Möbelmesse / Reklamemesse / Pclzmode-Salon / Antir quitätfcn- und Kunst-Ausstellung Ausstellung «Neuzeitliche Betriebswirtschaft» INTERNATIONALE AUTOMOBIL- UND MOTORRAD-AUSSTELLUNG Eisen- und Patentmöbelmesse / Ausstellung für Nahrungs- und Genußmittel / Bau- und Straßenbaumesse Technische Neuheiten und Erfindungen Land- und forstwirtSchaft 1. Musterschau ÖSTERREICHISCHE JAGDAUSSTELLUNO Oesterrelchlsche WeUentchau — MUchwlrtschaftliche Au^atellung Ausstellung der Landwirtschaftlichen Versuchsanstalten Kleintiersucht-AussteUung Landwirtschaftliche Maschinen und Geräte Bundesweinkost BEDEUTENDE FAHRPRE1SERMASS1GUNGEN1 , Messeausweise & S 6.— bol der Wiener Messe-Aktlengesellseliafl, Wien, VII., Messept&ts l. — Eintrittskarten (sum einmaligen Besuch der Rotunde oder des Messepalastcs und der Neuen Burg) & S 3.60 hei den Kassenschaltern der Messehäuser. Es kam schließlich eine Vereinbarung zustande, wonach die Frage der Teilnahme des Jischuw an den Verhandlungen der Jewish Agency mit der britischen Regierung durch den Waad Leumi nur mit Zustimmung von mindestens zwei der drei kleinen Fraktionen (Allgemeine Zionisten, Misrachi und Sephardim) positiv entschieden werden darf. Nach Wiedereröffnung der Sitzung richteten Ben Zwi im Namen der Arbeiterpartei und Dr. Mossinsohn im Namen der Allgemeinen Zionisten an die Misrachisten und Sephardim den Appell, in den Waad Leumi einzutreten. Ben Zwi erklärte, auch für die Revisionisten würden Sitze im neuen Waad Leumi reserviert werden. Ben Gurion gab der Versammlung bekannt, daß die Arbeiterpartei gegen den Plan der Einsetzung der Legislative Council sei, und schlug vor, den Antrag der Permanenzkonrniission anzunehmen, der dahin geht, die Resolution des früheren Waad Leumi vom 23. Oktober 1030 neu zu bekräftigen. Die damals gefaßte und vom Präsidenten Pinchas Ruthenberg dem High Commissioner Sir John Chancellor mit der Bitte um Weiterlcitung an die Londoner Regierung überreichte Resolution lautet: «Der Waad Leumi wird sich an dem in der Erklärung der britischen Regierung vorgesehenen Legislative Council nicht beteiligen und verweigert jeder parlamentarischen Institution, die darauf abzielt, der Errichtung des Jüdischen Nationalheims Hindernisse in den Vs/eg zu legen, seine Anerkennung.»; / Bei den am Schlüsse der Tagung vorgenommenen Wahlen zum Waad Leumi wurden elf Mitglieder^cÜlf Arbeiterpartei, vier Sephardim, drei Misrachisten, drei Vertreter der Allgemeinen Zionisten, ein Yemenite und eine Vertreterin der Frauenpartei gewählt. Es stehen somit elf Arbeitervertretern zwölf Vertreter der anderen Parteien gegenüber. Fünf Sitze wurden außerdem noch den Revisionisten reserviert. Nach einer fast 16stündigen Sitzung wurde um 10 Uhr vormittags die erste gesetzlich anerkannte jüdische Nationalversammlung in Palästina geschlossen. Ungeachtet ihrer völligen Erschöpfung stimmten die Delegierten die «Hatikwah an. (J. T. A.) Unsere geehrten Leser werden auf das Inserat der Feinwaschanstalt «Habsburg», Zentrale: VI., Wallgasse 4 (Seite 1), aufmerksam gemacht. Die Firma ist als einzige dieser Branche Mitglied der Rabattsektion des Keren Kaje* meth, und die Mitglieder dieser Sektion genießen bei Bestellungen den üblichen Rabatt. will man gerne alles, was an bösen Erfahrungen und sonstigen traurigen Begebenheiten der letzten eineinhalb Jahre über den Jischuw dahingestürmt ist, vergessen und zur Arbeit schreiten, zu tätiger, schaffender Aufbauarbeit. Gestern abends hat der „Dawar“ in einer Sonderausgabe den vollen Wortlaut des Mac Donald-Briefes veröffentlicht; heute ist er in den übrigen Zeitungen zugleich mit der Antwort Weidmanns erschienen. Von keiner Seite wurde noch zu diesem wichtigen Dokument Stellung gen omimen; das wird wohl erst in den nächsten Tagen geschehen. Und doch läßt sich jetzt schon sagen, daß wir in diesem Briefe ein wichtiges, ja ein außerordentlich bedeutungsvolles Dokument vor uns haben. Faktisch erscheinen darin fast alle für uns so bitteren „Paragraphen“ des Weißbuches aufgehoben, die gefährlichen Stellen des antizionistischen Dokumentes vom Jahre 1930 erfahren durch diese neue Interpretation eine ganz neue Beleuchtung — und es ist, was auch der „Doar Hajom“ kleinlaut in seinem heutigen Leitartikel bestätigt, eine Rehabilitation der Ehre des jüdschen Volkes und des zionistischen Aufbauwerkes in Erez Israel. Das wichtigste von allem aber ist: Der Weg zu konstruktiver Arbeit ist freigelegt! Man geht sicherlich in der Annahme nicht fehl, in der Veröffentlichung dieses Dokumentes einen schlagenden Erfolg der Politik Weidmanns zu sehen. Unter diesem Gesichtspunkt verliert die ganze Diskussion, ob man die Verhandlungen mit der englischen Regierung hätte aufnehmen sollen oder nicht, Jeden Sinn- Die revisionistischen Parolen und Sclilagworte haben eine klägliche Niederlage erlitten. Man behauptet, daß die Tagung der Assefäth-Haniwcharim schon unter dem Eindruck des zu veröffentlichenden Briefes gestanden ist, von dessen Inhalt sie bereits genaue Kenntnis haben mußte. Wenn dem so wäre, dann '..--•t um so mehr und um so nachdrücklicher die Taktik der Revisionisten zu verurteilen, die in der Komödie einer demonstrativen Sezession ihren Gipfelpunkt erreicht hat. Eine „Staatspartei“ durfte wahrlich nicht so handeln, ging und geht es doch hier um die Begründung und Befestigung des ersten wirklichen Parlamentes der Juden: Erez Israels. Oder glauben die Revisionisten, auch in diesem Punkte, gleich den Faschisten aller übrigen Länder, sich im Antiparlamentarismus üben zu müssen? Die erste Tagung der Assefath- Haniwcharim war von einem hohen Ernst getragen, Sie stellt ein wichtiges Ereignis in der Geschichte des Jischuw und seiner Entwicklung zur Selbständigkeit dar. Ich will diesen Bericht nicht schließen, ehe ich noch etwas über die Arbeitslage mitgeteilt habe. Sie hat sich in den letzten Wochen wesentlich gebessert, namentlich in den Kolonien, wo neben dem Katif, der jetzt zu Ende geht, bereits die Neupflanzungen beginnen. Gleichzeitig werden die Pardessim für das Frühjahr vorbereitet, der Boden wird gelockert und geackert. Das alles schafft neue Arbeit. Wir sehen den neuen Olim und der neuen Alijah hoffnungsvoll entgegen. Neues Frühling, neues Blühen!