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Die Stimme · 1931-02-19 · Heft 164 (19.2.1931) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 164 (19.2.1931)
Date
1931-02-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 164 — 19. Februar 1981 DIE STIMME t König Caro! und die Juden Bukarest, 13. Februar (J. T. A.). König Caro! von Rumänien empfing den Bukarester Stadtrat Jakob Friedmann in Audienz. Herr Friedmann schilderte dem König gegenüber die Lage der Juden in Rumänien und führte Klage Uber die zunehmende judenfeindliche Agitation. Er führte eine Reihe Tatsachen antijüdischer Hetze und Verfolgungen an und erklärte, eine Fortdauer dieser Hetze könnte verhängnisvolle Folgen für die Juden wie für den Staat haben. Wir Juden, schloß Friedmann, setzen große Hoffnung in Eure Majestät und erwarten, daß alles aufgeboten werden wird, um Ruhe und Ordnung zu erhalten. Der König erwiderte: Es freut mich, solche Worte von Ihnen zu hören. Die Juden können versichert sein, daß ich alles daransetzen werden, um die Ordnung im Lande aufrecht zu erhalten. Judendebatte im polnischen Sejm ~vi .1, d-, Abg. Kosmarin über das Recht der luden auf Arbeit Warschau, 9. Februar (J. T. A.). Im Verlauf der Budgetdebatte im polnischen Sejm formulierte der Deputierte Doktor Rosmarin die sozialen Forderungen der jüdischen Bevölkerung. Er führte u. a. aus: Die wirtschaftliche Lage der jüdischen Bevölkerung verschlimmert sich von Tag zu Tag, die Verarmung der jüdischen Massen hat einen katastrophalen Charakter angenommen. Der Staat und seine Organe dürfen nicht gleichgültig Zusehen, wie drei Millionen Staatsbürger verelenden. Aber Regierung und Sejm stellen sich nach wie vor den jüdischen Forderungen gegenüber taub. Wann wird endlich das Gesetz der Zwangssonntagsruhe, das den Ruin hunderttausender Kaufleute, und Handwerker herbeiführt, abgeändert werden? Die ungeheuren Anstrengungen von jüdischer Seite, eine wirtschaftliche Umschichtung vorzunehmen, finden bei der Regierung nicht die geringste Hilfe. Ungehört bleibt auch unser Ruf nach Arbeit für Juden in den Aemtern und staatlichen Unternehmungen. Nicht das geringste wird unternommen, um Zehntausende aus ihren früheren wirtschaftlichen Positionen hinausgestoßenen Juden zu beschäftigen. Dafür aber ist die neue Steuergesetzgebung, das System der Monopole, Syndikalisierung, Standardisierung usw. dazu angetan, weitere zehntausende jüdischer Familien auf das Pflaster zu werfen, 'i tKj/ (_ lv\ Pvp f <* i Die jüdischen Kulturforderungen f Warschau, 11. Februar (J. T. A.). Bei Behandlung des Budgets des Kultusministeriums im polnischen Sejm trug Abg. Dr. Sommerstein im Namen des jüdischen Klubs die jüdischen Forderungen auf den Gebieten von Kultur und Erziehung'vor. WixL-verfügen, führte Redner aus, überein Netz von 171 Fla‘mn"tnr,/,h,’,"n mitn^sfrrfiiflshtr Unt°riiiiiirhts^prtrho von 76_ habröneben Kindergärten und 15 hetoäiftafrßn.,Gymnasien. Alle diese Anstalten erhalten keinerlei Unterstützung seitens der Regierung. Aus dem Vier-Millionen-Zloty-Budget für das Schulwesen wurden den hebräischen Schulen im vergangenen Jahre im ganzen 11.000 Zloty zugewiesen. Die hebräischen Gymnasien, - die in pädagogischer wie in organisatorischer Hinsicht auf einer hohen Stufe stehen, besitzen kein Oeffentlichkeitsrechty Alle Forcierungen der jüdischen Bevölkerung, den Tätigkeitsrahmen der jüdischen Gemeinden zu erweitern, um die I!! ' :■ .;■ / /YV'f f -hf n.' '■ }" Gemeindeverwaltungen in die Lage zu versetzen, neben den religiösen auch für die sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Gemeindemitglieder zu sorgen und auch die Auswanderung nach Palästina und den Aufbau des jüdischen Nationalheims fördern zu können, bleiben unerfüllt, obwohl die Nichterfüllung solcher Forderungen einen Verstoß gegen die Verfassung bedeutet. Dr. Sommerstein führte Tatsachen an, die bezeugen, daß entgegen dem Sinn und dem Buchstaben der Verfassung an allen polnischen Hochschulen ein numerus clausus bei Aufnahme jüdischer Studierender angewendet wird. Dr. Sommerstein schloß: Wir protestieren gegen die Beschränkung des Rechtes unserer Schulen, gegen die Beschränkung des Bildungsrechtes unserer Jugend. Wir fordern eine personal-kulturelle Autonomie und das freie Recht, unsere Sprache und unsere nationale Eigenart zu pflegen. Der Sejm lehnt alle Budgetvorschläge des Jüdischen Klubs ab Warschau, 12. .Februar (J. T. A.). In der gestrigen Sitzung des polnischen Sejm nahm Abg. Rothenstreich als Sprecher des Jüdischen Klubs das Wort zur Steuerfrage und malte ein erschütterndes Bild der Lage der jüdischen Kaufleute und Handwerker in Polen. Das jetzige Steuersystem, namentlich die riesige Umsatzsteuer, habe eine Liquidation von Händel und Handwerk zur Folge. Man behauptet, es gäbe zu viele Kleinhändler, aber wenn man diese Händler zwingt, sehr hoch bezahlte Handelspatente zu erwerben, wenn man ihnen unerträgliche Umsatz- und Einkommensteuern auferlegt, dann sind es ihrer nicht mehr zu viele. Wir erheben unsere warnende Stimme gegen ein Fortbestehen des jetzigen Steuersystems. Eine ungeheure Tragödie spielt sich ab. Je früher die Steuerreform kommt, umso mehr Kaufleute und Handwerker werden noch vor dem endgültigen Ruin gerettet werden können, umso besser und gesünder wird dies für den Staat sein. Zum Schluß der Sitzung lehnte der Sejm alle jüdischen Verbesserungsvorschläge zum Budget; namentlich die Vorschläge zur Subventionierung jüdischer religiöser und erzieherischer Anstalten, ab. Palästinareisen der „Stimme“ Eine Reise nach Palästina und Aegypten 28. April 1931: Ab Wien um 19.10, Ostbahnhof. 29. : An Triest 8.17. Einschiffung. Ab Triest 13.00 mit dem Dampfer der Palästina-Linie des Lloyd Triestino. 30. : In Brindisi von 16.00 bis 17.00. 1. Mai: Seefahrt. 2. : Seefahrt 3. : In Larnaca auf Cypern von 13.00 bis 16.00. Möglichkeit zur Besichtigung der Stadt. 4. : Ankunft |p Jaffa um 5.30. Ausbootung. Besichtigung von Jaffa und Tel-Aviv. 5. : Fahrt nach Petach Tikwa, Magdiel, Kfar Saba, Herzlia. 6. : Vwaiittag frei. Nachmittag von Tel-Aviv über Rechobot, Rischon le Zion, Kirjat, Anawim, Moza nach Jerusalem . 7. : Besichtigung von Jerusalem. 8. : Ausflug nach Jericho, zum Toten Meer und Jordan. 9. : Freier Tag in Jerusalem. 10. : Ausflug nach Bethlehem und auf den Oelberg. Nachmittag von Jerusalem nach Afule über Nablus und Dschenin. 11. : Von Afule über En Charod, Bet Alfa, Tel Jossef zum Ruthenberg-Stauwerk, nach Degania, Kineret und nach Tiberias. 12. : Von Tiberias über Nazareth, Balfouria, Kfar Jeladlin, Nahalal nach Haifa. Besichtigung von Haifa. 13. : Ausflug nach Sichron Jaakon und Atlit. Zurück nach Haifa. 14. : Von Haifa nach Tel-Aviv über Chedera, Benjamlna. 15. : Freier Tag in Tel-Aviv. 16. : Bahnfahrt von Tel-Aviv nach Kairo. Spät abends Ankunft in Kairo. 17. u. 18.: Besichtigung von Kairo, alle Sehenswürdigkeiten, einschließlich Moscheen und Museum. 19. : Ganztägiger Ausflug nach Memphis, Sakkarah, Gizeh und Pyramiden. 20. : Kairo. 21. : Kairo. 22. : Kairo. 23. : Früh ab Kairo nach Alexandrien. Einschiffung und 12.00 Abfahrt von Alexandrien mit dem Luxusdampfer des Lloyd Triestino. 24. : Seefahrt. 25. : In Brindisi von 11.30 bis 13.00. 26. : In Venedig von 11.00 bis 13.00. Ankunft in Triest 17.00. Abfahrt nach Wien 20.00. 27. : Ankunft in Wien 9.30. Preis der Reise: 1680 Schilling. Leistungen: Bahnfahrt von Wien nach Triest und von Triest nach Wien in der IIL Klasse. Bahnfahrten in Palästina und Aegypten in der II. Klasse. An Bord III. Klasse mit Kabine und Verpflegung. Gepäcktransport. Aus- und Einbootung. Unterbringung in guten Hotels. Essen im Speisewagen in Aegypten, Besichtigungen, Führung, Beförderung in Autos laut Programm, Trinkgelder in den Hotels und an Bord. Obige Preise sind für eine Mindestanzahl von 25 Teilnehmern gültig. NB. Die Verpflegung beginnt mit der Abfahrt von Triest bei der Hinfahrt und endet mit der Ankunft in Triest bei der Rückfahrt. Eine andere Version dieser Reise beinhaltet nur den Besuch von Palästina. Das Programm ist gleichlautend bis zum 13. Mai. An diesem Tage findet in Haifa die Einschiffung statt und um 22.00 die Abfahrt mit dem Dampfer des Lloyd Triestino. 14. Mai: In Larnaca auf Cypern Aufenthalt von 9.00 bis 13.00. 15. : Seefahrt. ,16. Seefahrt. 17. : In Brindisi von 6.00 bis 7.00. 18. : Ankunft in Triest 11.00. Ab Triest 20.00. 19. : Ankunft in Wien 9.30. Preis dieser Reise: 950 Schilling. Leistungen: Dieselben wie bei der anderen Reise, nur schon bei einer Mindestteilnahme von 15 Personen. Erweiterung von „Giwafh-Haschtoschah* bei PetachTikwah Im Weltkriege, als Djemal Pascha mit größter Schärfe gegen den jüdischen Jischuw in Palästina vorging, wurden einmal jüdische Arbeiter in Petach Tikwah verfolgt, unter denen die Türken einige zum Tode verurteilte Arbeiter suchten. Damals traten zehn Arbeiter auf, von denen einige die österreichische Staatsbürgerschaft besaßen und deshalb glaubten, bei ihrem Konsulat Deckung zu finden, und stellten sich Djemal Pascha an Stelle ihrer gesuchten Kameraden zur Verfügung. Sie wurden nach Damaskus verbannt und erlitten auf dem Wege dorthin und später an ihrem Verbannungsort schlimme Mißhandlungen. Am schwersten von ihnen wurden drei betroffen: Samuel Streifler, Menaehem Greulich und Eisig Mehring, die durch die. Grausamkeiten Djemal Paschas und durch Krankheit in Damaskus zugrunde gingen und Palästina nicht wiedersahen! Zum Andenken an diese drei Helden wurde vor einigen Jahren eine Arbeitersiedlung in der Nähe von Petach Tikwah unter dem Namen «Giwath-Hasehloschah» gegründet. In den letzten Tagen führte die «Palestine Land Development Co.» den Kauf einer Fläche von zirka 1100 Dunam auf dem Boden von Näsele am Jarkonfluß, in der Nähe von Potach Tikwah, der der Familie Hussein! zusammen mit Bewohnern des angrenzenden Dorfes gehörte, durch. Dieser Boden, der für die Arbeiter von «Giwath-Haschloschalu vom Keren Kajemeth Leisrael zum Kauf bestellt war, wurde jetzt nach Verhandlungen, die zwei Jahre dauerten, endgültig erworben und auf . den Keren Kajemeth durch die «Palestine Land Development Co.» offiziell übertragen. Mit dem Pflügen und der Bearbeitung des Bodens ist sofort begonnen worden. Investierung kanadischer Juden in Palästina In letzter Zeit brachte die «Palestine Land Development Co.» Ltdt. den. Kauf einer Fläche von zirka 1300 Dunam bei dem Ort Naämah, der schön im Buche Josua (Kap. 15, Vers 41) erwähht wird, ztim Abschluß. Der Boden liegt zwischen den Kolonien. Rechoboth und Ekron in der Nähe der Eisenbahnstation Naamah. Der Boden wurde auf Bestellung von zwei kanadischen Juden, des Herrn Ascher Pierce (der auch der Gründer.von «Gan-Chajim» ist und noch verschiedene andere Pflanzungsflächen erworben hat) und Dr. Rosow gekauft. Dir! Rosow hat dem Keren Kajemeth Leisrael das zur Erwerbung von 200 Dunam dieser Fläche notwendige Kapital gespendet. Beide Herren haben außerdem 60 Dunam'dieses Bodens dem Keren Kajemeth Leisrael als Spende übergeben und dieser hat diese 260 Dunam zur Gründung einer V^irtschaft für «Hanoar-Haoweth» bestimmt. ....... i; .' * Sigmund Habers 25 jähriges (ournalistenjubiläum ln diesen Tagen feiert der bekannte jüdische Journalist Sigmund Haber das Jubiläum seiner 25jährigen journalistischen und schriftstellerischen Tätigkeit. Fünfundzwanzig Jahre sind es. her, seitdem er— es war im Jahre 1906 — vom damaligen Redakteur des «Lemberger Tagblattes» M. Kleinmann (jetzt Redakteur des «Haolam») zur Mitarbeit aulgefordert wurde. Seit jenem Tage ist Sigmund Haber ununterbrochen in der jüdischen. Journalistik tätig; er hat sich auf dem Gebiete seines Wirkens einen verdient guten Namen erworben.. Interessant ist es, daß die offizielle Anerkennung der jiddischen Sprache in der österreichisch-ungarischen Monarchie auf Habers Veranlassung zustande gekommen ist; auf seinen Vorschlag wurde im Jahre 1914 im Kriegsministerium und in dem Armeeoberkommando eine Zensurstelle für die hebräische, und jiddische Sprache errichtet, der Sigmund Haber Vorstand: ln dieser Zensurstelle arbeiteten später auch Mathias Mieses, Dr. Arnold Friedmann u. v. a. Im Jahre 1917 wurde Haber vom Armeeoberkommando die Arbeit einer Denkschrift über den Anteil der Juden am Kriege übertragen. Diese Schrift .wurde auf Habers Veranlassung von Mathias Mieses unter Mithilfe des damaligen Leiters des Kriegsarchivs, Dr. Nathan Birnbaum, verfaßt. Sigmund Haber war der erste, der vom Oberlandesgericht Wien ein Dekret erhielt, in dem zum erstenmal die hebräische und die jiddische Sprache (nicht Dialekt) behördlich anerkannt wurden. Er ist auch heute noch als gerichtlich bestellter Dolmetsch für diese beiden. Sprachen tätig. Auf Habers Vorschlag wurde, auch im Leipziger Messeamt eine Abteilung für jiddische und hebräische Zeitungen gegründet. Diesem Pressebureau steht er auch vor. Das Propagandamaterial des Leipziger Messeamts erscheint in den letzten Jahren also auch in jiddischer und in hebräischer Sprache. Sigmund Haber wurde im Jahre 1887 in Kolomea, Galizien, geboren. Vor dem Kriege veröffentlichte er einen Növellenbänd, redigierte in Kolomea fünf Jahre lang die Zeitung «Jüdische Volkspolitik» und dann das «Jüdische Familienblatt». Heute ist'er Mitarbeiter vieler ausländischer Blätter. In der Wiener journalistischen Welt gehört er zu den anerkanntesten Persönlichkeiten. Im Verein Wiener Auslandsberichterstatter bekleidet er die Stelle des geschäftsftihrenden Vizepräsidenten. Er war auch Gründer des Vereines jüdischer Auslandsberichterstatter. Der Jubilar ist Zionist und seit dem Jahre 1904 aktiv in der zionistischen Organisation tätig. In Wien war er Jahre hindurch Obmann 4er zionistischen Bezirkssektion Leopoldstadt. Wir wünschen dem verdienten jüdischen Journalisten viel Erfolg in seiner weiteren Arbeit.

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