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Die Stimme · 1931-02-19 · Heft 164 (19.2.1931) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 164 (19.2.1931)
Date
1931-02-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 164 — 10. Februar l&dl» ul£ätHUiE. Nahum Sokolow, i«r Gründer der „Hazefira“, der Mitschöpfer |8r Balfour-Deklaratlon, der unermlidiche Verireiter unserer Idee und Kämpfer für deren V'erwirkMohung, wurde ein Siebziger. Ein jüdieoher, ein zionistischer Führer erlebt in körperlicher und geistiger Frische das jßblisohe Alter! Wir Juden Oesterreichs wollen ihm speziell dafür danken, daß er uns in der schweren Jtunde des Heimganges unseres Führers Chajes urch meisterhafte Zeichnung seines geistigen Hildes getröstet hat. Wir wollen ihm unsere Verehrung und unsere Liebe erweisen durch eine Tat, durch eine Leistung für den Erlöser unseres Bodens. Der Keren Kajemeth organisiert eine Dankadresse an Sokolow, die von den Spendern gefertigt werden soll. Der Ertrag wird für eine entsprechende Ehrung Sokolows im Rahmen des Keren Kaje- :peth in Erez Israel anläßlich des 70. Geburtstogts verwendet werden. Juden Oesterreichs, ehret Euren Führer durch Stärkung des Keren Kajemeth in dieser schweren Zeit! Ing. Josef Berger, Innsbruck. Dr. Adolf Bernay (Poale Zion). Dr. Max Bernhardt (Herzl-Klub). Abraham Bloch (Ilitachduth). Adolf Böhm (Keren Kajemeth). Dr. Fritz E k e t e i n (Keren Hajessod). Dir. Wilhelm Epstein (Zion. Landeskomitee). Rabb. Dr. David Feuchtwang (Misrachi). Dr. Desider Friedmann (Klub der zionistischen Mandatare). Dr. Heinrich G 1 ti c k e r (Union der Zionisten- Revisionisten). Dr. Leo Goldhammer (Liga für das arbeitende Palästina). Dr. Oskar Grünbaum (Zionistisches Landeskomitee). Deszö Herbst (Hakoah). Prof. Dr. Viktor Kellner (Chajes-Realgymnasium). Ing. Otto K r a s n y (Keren Hajessod). Ing. Johann Kremenezky. Dr. Josef Löwenherz (Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde). Frau Sophie Löwenherz (WIZO). Dr. Gustav Morgenstern, Linz. Dr. Ludwig Rosenhek, Mödling. Norbert Sachs, Krems. Dr. Robert Sonnenwald (Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Graz). Walter Schwarz, Salzburg. Dr. Max Sternschuß (Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Groß-Enzersdorf). Oberbaurat Ing. Robert Stricker (Verband der demokratischen Zionisten). Dr. Chaim Tartakower (Keren Kajemeth). Dr. Georg Weiner (Zionistischer Parteirat). Sei Stoöllöimetjen. netööfen, rfjcuniatiicfjen «nb gidjtifdjen ©djmerjen fyaäen ftd) XogaU£aMetten Ijerüorragenb betoäljrt. Äenn $au enbe öon Werken btefeö HRittet »eiotbiten, fömten aud) Sie e8 tjertVauenöuöü laufen 1 fragen ©le 3f)icn tttjt. — 3n aßen Slpoi^efen. — © 2.40 Seue.k. O’Donelt-KotnnrissIofl kürzt das Budget der Palästina-Regierung Jerusalem, 9. Februar (J. T. A.). Die unter der Führung von Sir Samuel Perry O’Donneil stehende Finanzkommission beabsichtigt, eine Kürzung des Budgets der Palästinaregierung um 300.000 Pfund vorzunehmen. Zunächst werden vsrmutlich die Gehälter der Regierungsbeamten um zehn Prozent herabgesetzt werden. Eine Gesellschaft für religiöse Kultur in Palästina Jerusalem. (J. T. A.) Unter dem Namen «Jerusalem» wurde unlängst eine neue Gesellschaft gegründet, die sich die Förderung kultureller Arbeit in rechtgläubig jüdischem Geiste zur Aufgabe gesetzt hat. Der Gesellschaft gehören u. a. folgende bekannte Persönlichkeiten an: Chief Rabbi A. Kook, die Professoren Klein, Fränkel und Assaf, die Chief Rabbi von Tel-Aviv, Uziel, der Maler Hermann Struck und die Schriftsteller R. Binyamin und Agnon. Ortsgruppen der Gesellschaft sind im ganzen Lande in Entstehung begriffen. Die Leitung rechnet mit der Erreichung einer Mitgliederzahl von 1000 in allernächster Zeit. Eine neue Achusah-Kolonie in Palästina Jerusalem, 12. Februar (J. T. A.). Der Kauf des Terrains für die zweite Niederlassung der New Yorker Achusah wurde abgeschlossen. Es handelt sich um einen Komplex von 5000 Dunam zwischen Rechoboth und Beer Tobiah in der Nähe des alten Jawneh. Z.M V. „DWORAH“ VON WIEN NACH JERUSALEM Unter dieser Devise findet am 7. März in den Sälen des Handelsmuseums, Wien, IX., Berggasse 16, eine GROSSE PURIMREDOUTE statt. Beginn 9 Uhr abends. Kostüm, Abend- oder Sommerkle’dung. © Karten erhältlich: Jüdischer Hochi» schulausschuß, IX-, Zimmermannplatz 8, Zionistisches Landeskomitee, I., Kärntnerstraße 28, und bei den Mitgliedern der Z. M.V. „Dworah“. Auskünfte: Telephon A-19-4-75 und A-11-9-33! 100 Araber aus Palästina ausgewiesen Jerusalem, 10. Februar (J. T. A.). Die arabische Zeitung «Felestin» hat vor kurzem gemeldet, daß 100 Araber aus dem Hauran aus Palästina ausgewiesen wurden. Auf eine Anfrage wurde der Jüdischen Telegraphen-Agentur von einem hohen Beamten des Einwanderungsamtes bestätigt, daß das Einwanderungsamt die Deportation aller Personen, die ohne Visum im, Lande aqgetroffen werden, angeordnet hat Verurteilte jüdische Arbeiter aus der Haft entlassen Jerusalem, 10. Februar (J. T. A.). Die 13 jüdischen Arbeiter, die vor einiger Zeit im Zusammenhang mit dem Arbeitskonflikt in den Orangenpflanzungen von Ness-Ziona verhaftet und zu je 18 Tagen Gefängnis verurteilt wurden, sind nunmehr gegen ihren Willen auf freien Fuß gesetzt worden, nachdem die palästinensische Arbeiterorganisation die von der Behörde geforderte Kaution für künftiges Wohlverhalten erlegt hatte. Die Verurteilten hatten die Stellung der Kaution aus prinzipiellen Gründen verweigert, weil ein Kautionserlag ihrer Meinung nach das Eingeständnis der von ihnen geleugneten Schuld bedeutet Die kommunistische Arbeit in Palästina Jerusalem, 9. Februar (J. T. A.). Die kommunistische Partei Palästinas mußte auf Anordnung des Exekutivkomitees der kommunistischen Internationale in ihrem in jiddischer tmd arabischer Sprache erscheinenden Organ «Voraus» ein Schreiben der kommunistischen Internationale veröffentlichen, ia dem den jüdischen Kommunisten Palästinas der Vorwurf gemacht wird, ihre gesamte Tätigkeit auf die arabische Bevölkerung konzentriert und die Propaganda in jüdischen Kreisen vernachlässigt zu haben. Generalkonsul Zbyszewski vom Palästinawerk begeistert Warschau, 11. Februar (J. T. A.). Die Repräsentanz der Jewish Agency in Polen gab zu Ehren des früheren polnischen Generalkonsuls in Palästina, Herrn Titus Zbyszewski, der jet2t als Generalkonsul nach Chikago geht, ein Bankett In einer längeren Rede schilderte Dr. 1 .tus Zbyszewski seine Erlebnisse in Palästina und erklärte, die hingebungsvolle Arbeit der Chaluzim habe ihn zu einem ergriffenen Verehrer des jüdischen Palästinawerkes gemacht. «Ich sah», so führte er aus, «in den jüdischen Kolonien Chaluzim und Chaluzoth unter der sengenden Sonne unermüdlich Feldarbeit leisten, ich erlebte es, wie die hebräische Sprache lebendig wird, die Kulturtätigkeit der Hebräischen Universität erweckt meine Bewunderung, die jüdische Stadt Tel-Aviv, die in wenigen Jahren entstanden ist, ist das Entzücken aller Besucher und ein Zeugnis der Schöpferkraft der Juden. Die Stimmung in Palästina wird am besten charakterisiert in dem Schreiben eines jungen Mädchens in Palästina an ihren Vater in Polen, in welchem es heißt: «Jeder von uns muß für drei arbeiten: für sich selbst und für zwei andere, die erst ins Land kommen sollen.» In aller Kürze Der Rektor der hebräischen Universität, Dr. Magnes, tritt demnächst eine Amerikareise an. Für den 12. April wurde die erste Weltkonferenz des Brith Trumpeldor ..ach Danzig einberufen. Der Gothaer Stadtrat hat einen nationalsozialistischen Antrag auf Erlaß eines Schächtverbotes angenommen. * ln der Sitzung der bulgarischen Sobranje vom 6. Februar hat ein neu ins Parlament einziehender jüdischer Abgeordneter den Eid nach jüdischem Ritus geleistet. Der Oberrabbiner von Sofia nahm, mit Gebetmantel bedeckt; die Zeremonie vor. Der Kongreß der Tierärzte Esthlands beschloß, von der Regierung ein Verbot der jüdisch-rituellen Schächtung zu veslangen. In «Cltta de! Vatlcano», dem päpstlichen Staate, f^j^r jüdische Ingenieur Bergmann aus Berlin die Installierung der Motoren der elektrotechnischen Zentralstation besorgt Der nationalsozialistische Parteifunktionär Resmer aus Insterburg wurde zu drei Monaten Gefängnis wegen Vergehens gegen das Republik-Schutzgesetz verurteilt. Er hatte in einer Versammlung erklärt, daß das «auserwählte Volk» überall herrsche und «wir» tatsächlich in einer Judenrepublik lebten. Der König von Italien hat dem Oberrabbiner von Alexandrien, Prof. Prato, die Kommandeursklasse des Ordens der italienischen Krone verliehen. Die Alliance Israelite Universelle hat zur Linderung der entsetzlichen Notlage der jüdischen Bevölkerung in Polen beschossen, eine Hilfsaktion einzuleiten und zunächst den Betrag von Frc. 100.000.— überwiesen. Schiff im Hafen Von Hersch L u z e r. Im Sommer kam es oftmals vor, daß Ich tagelang nichts zu arbeiten hatte. War das Wetter schön, so streifte ich stundenlang, zu jeder Tageszeit, in den Straßen umher. Es machte mir Freude, in der warmen, strahlenden Sonne rein mechanisch und ziellos, ohne nachzudenken, dahinzugehen und das vielfältige Leben um mich zu betrachten. Da waren die schmutzigen, engen Straßen des Judenviertels, die kleinen, blanken Häuser wohlbestallter Bürgersleute, die breiten, prächtigen Avenuen des Zentrums, die mächtigen Gebäude der Warenhäuser, und vor allem, zauberhaft in seiner Buntheit, der Hafen. Stinkende, schmutzige Straßen, der Markt, das Gewühl der Arbeit, Schenken, Schiffe . . . Kaleidoskopartig wechselnde Bilder, Farben und Ereignisse. Schwarze, weiße, gelbe Menschen. Kräne, Autos, Pferde, Träger, Arbeiter: schmutzig und grau. Häuser: kleine, große, Türme und altes Gemäuer, Stiegen und Treppen. All das durcheinander, ineinander verwachsen und verwebt, wie ein Knäuel Schlangen mit tausend Leibern und Köpfen in ständigem Kampf und ständiger Erregung. Darüber, groß und licht, leuchtender Himmel, eine sengende Feuerscheibe. Zwischendurch: Sirenen heulen, Kinder weinen, Weiber kreischen, Männer fluchen. Alles ist in Bewegung. Der Hafen kennt keine Ruhe. Tag und Nacht fließt hier das Leben. Zog es mich nicht zum Hafen, dann richtete Ich meine Schritte zu den Straßen des Judenviertels. Ich habe diese Straßen, die kein Licht zu kennen scheinen, in der ganzen Welt gesehen, in jeder Stadt, wo Juden leben. Sie sind sich überall gleich, diese Straßen. Ihr Aussehen wechselt nicht, denn die Juden In der Welt bleiben sich gleich. Immer scheu, gedrückt, mager, in dunklen Trachten, schleichen sie durch die Straßen der Welt, diese ewigen, wandernden, ängstlichen Juden. Die Aehnlichkeit des Judenviertels mit dem Hafen ward mir bewußt. Nicht nur den Schmutz, die Enge und die Unrast haben sie gemeinsam, sondern auch die Furcht vor einem großen, ständig drohenden Verhängnis, das sie immer wieder beängstigt und aus ihrer Ruhe aufschreckt. So ging ich hin und her, Tag und Nacht erfüllt von seltsamen Gedanken der Trauer über die Leiden eines Volkes. Die Menschheit arbeitet, schafft Neues in immerwährendem Kampf. Aber im Kreislauf des Weltgeschehens steht einsam ein Volk, unproduktiv in seiner Gesamtheit, innerlich und äußerlich zerrissen, voll der widerstreitendsten Eigenschaften, wie Begierden und Herrschsucht neben Knechterei und tiefster Selbstdemütigung. Und ich kam zur Ueberzeugung, daß ihnen nur eines, eines vor allem fehlte, etwas, was alle Völker haben, und seien sie noch so arm; elend und entrechtet, etwas, wofür sie kämpfen, streben und leiden — Land, Erde! Unruhig ist der Körper des jüdischen Volkes, bis er eines Tages Erde fühlen wird unter seinen Füßen. Dann wird das jüdische Volk mit frischer Kraft teilnehmen an der Arbeit der Weltnation als selbständiges, arbeitendes Volk. Die Unruhe trieb mich immer zum Hafen. Er war mir die*Verkörperung alles schaffenden Daseins. Wenn ich im Getriebe des Hafens stand, fühlte Ick mein Judentum, denn der Hafen spiegelte es wieder« Ich stand auf der breiten Kaianlage, die sich ein Stockwerk hoch über dem Anlegestock erhob. Hier eben übersah ich den ganzen Hafen, den hier ins Meer mündenden Fluß, dessen gewundener Lauf in der Ferne in blauem Dunst verging, und die viel-» fachen bunten Schiffe, die da aus aller Welt kamen« Und die Menschen, die geschäftig auf ihnen eilten; schwarze, schmutzig-weiße, braune Arbeiter und saubere Passagiere, die ankunftsfroh winkten und riefen. Seit zwei Tagen beobachtete ich ein deutsches Schiff. Schwarz-rot-golden flatterte die Wimpel am Heck. Ich glaube, es hieß «Undine». Rein, weiß und schlank lag es an der Kaimauer und nahm große Mengen von dünnem Wellblech ein. Auf dem Ver* deck tummelten sich Kinder, während die Eltern gemächlich auf und abschritten. Junge Männer und Frauen spazierten plaudernd umher. Man warf Papiere, Schalen und Abfälle ln das schäumende Was* ser und sah zu, wie es im Kreisel versank oder abgetrieben wurde. Ich hörte undeutliche Stimmen, deren Laute mir bekannt vorkamen. Mitunter verließen Gruppen junger Leute das Schiff und ich eilte hinter ihnen her, um irgendetwas von ihnen zu erlauschen« Aber es war vergebens. Sprachen sie leise, trieb ein Wind ihre Worte davon, war ich zu erregt, etwas zu hören? Ich weiß es nicht. Meine Bemühungen waren vergeblich. Nun konzentrierte ich meine ganze Auf« merksamkeii auf die Gespräche an Bord, die abg*»

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