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Die Stimme · 1931-02-19 · Heft 164 (19.2.1931) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 164 (19.2.1931)
Date
1931-02-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Üeite 4 DIB STIMME Nr. 164 — 19. Februar 1931 Die Assefath Haniwcharim tagt Keine Begrüßung durch die Palästina* Kegierung — Konstituierung ues rräsid ums ohne Teilnahme der Revisionisten Sonderbare Berichterstattung der „J. T. A.“ Die «J. T. A.» brachte über den letzten außerordentlichen Delegiertentag der österreichischen Zionisten einea Bericht, der bei allen Zionisten, die der Ansicht sind, daß Großmäuligkeit allein noch keine verdienstliche Tat ist, allgemeines Befremden hervorgerufen hat. Dieser Bericht bringt der jüdischen Oeffentlichkeit den Inhalt des Beschlusses der Tagung wohl zur Kenntnis, von der vorausgegangenen Debatte weiß er aber nichts anderes mitzuteilen, als daß die Revisionisten den allgemeinen Zionisten unzionistische Gesinnung vorgeworfen haben. Kein Wort wurde aus dem Vortrag des Berichterstatters gebracht, kein einziges Argument, das für die Notwendigkeit des Beschlusses angeführt wurde, wird den Lesern mitgeteilt, als offenbar wichtigstes Resultat der Tagung wird aber die von revisionistischer Seite festgestefite «imzionistische Gesinnung» der Mehrheit der österreichischen Zionisten hervorgehoben. Ganz abgesehen davon, daß der revisionistische Redner von der Mehrheit der Delegierten sogar behauptete, daß sie überhaupt keine Zionisten seien, welcher Ueberhebllchkeit sich offenbar der revisionistische Berichterstatter der «J. T. A.» selbst schämt und sie ein wenig im Interesse seiner Gesinnungsgenossen abschwächt — muß man schon sagen, daß der Wiener Berichterstatter der «J. T, A.» eine sonderbare Auffassung von den Pflichten eines objektiven Korrespondenten einer jüdischen Telegraphenagentur hat. Es handelt sich hier nicht um den ersten Fall einer tendenziösen gehässigen Berichterstattung. Vor einiger Zelt wußte derselbe Korrespondent zu berichten, daß sich ln den Reihen der allgemeinen österreichischen Zionisten Heimwehrleute befänden. Monstreversammlungen des zionistischen Landesverbandes tut er — wenn er schon überhaupt darüber berichtet — mit einigen Zeilen ab, die bescheidensten Veranstaltungen der ihm nahestehenden Kreise bringt er in geradezu marktschreierischer Aufmachung. Wenn sich die «J. T. A.» noch den Ruf einer verläßlichen, ihre Leser objektiv informierenden Korrespondenz wird erhalten wollen, wird es notwendig sein, daß sie ihre Wiener Korrespondenten über die Aufgaben einer sachlichen Berichterstattung belehrt. Für die Wiener Zionisten wird sich aber die Frage ergeben, ob sie auf die Anwesenheit des bezelchneten Berichterstatters bei ihren Veranstaltungen besonderen Wert legt. An diesem Beispiel sieht man übrigens, wie jede Gelegenheit ausgenützt wird, um die Mehrheit des 'österreichischen Landesverbandes anzustänkern. Zum ersten Male hat man es am Delegiertentag aus dem Munde eines Revisionisten gehört, daß eine zionistische Landesorganisation die Verpflichtung zur landespolitischen Tätigkeit hat. Unseres Wissens ist die Landespolitik in allen Ländern aus dem Tätigkeitsgebiet der zionistischen Organisationen ausgeschieden worden und es ist uns nicht bekannt, daß irgendwo die Revisionisten einen solchen Beschluß als Preisgabe einer zionistischen Verpflichtung hingestellt hätten. Ein christlicher Freund Herzte gestorben London, (J. T. A.). Im Alter von 86 Jahren verstarb in London der Theologe der Anglikanischen Kirche, Prof. William Hechler, einst ein Preund Theodor Herzls und bis zuletzt ein Anhänger der Idee eines jüdischen Staates in Palästina, Professor Hechler war beherrscht von dem Oedanken, daß das Reich des Messias kommen werde, wenn Palästina von Juden besiedelt sein wird. In den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts trat er als ein der englischen Botschaft In Wien zugeteilter Hofkaplan ln Beziehungen zu Theodor Herz!, kurz nachdem Herzl sein Buch «Der Judenstaat »veröffentlicht hatte und an den Aufbau der zionistischen Weltorganisation geschritten war. Hechler war es, der die Zusammenkunft zwischen Theodor Herzl und dem Erzherzog Friedrich von Baden v Hechler war früher Erzieher eines der Söhne des GrößherZögS gewesen) vermittelte, die als eine Vorbereitung zu einer Zusammenkunft zwischen Theodor Herzl und Kaiser Wilhelm 11. gedacht war. Später arrangierte Hechler ein direktes Zusammentreffen zwischen Theodor Herzl und Wilhelm II. in der Nähe der jüdischen Ackerbauschule Mikweh Israel zur Zeit des Besuches Wilhelms II. in Palästina Im Jahre 1808, ln seineh Tagebüchern erwähnt Theodor Herz! oft die freundschaftliche Mittlertätigkeit Hechlers zugunsten des Zionismus. Herzl setzte seinem christlichen Freunde auch ein literarisches Denkmal in seinem utopischen Roman «Altneuland», ln welchem Hechler in der Gestalt des «Reverend Hopkln» gezeichnet ist. Trauerfetet* für Rav« D# Haebler London, 10. Februar (J. T A.). Im Ztntralbureau der Zionistischen Weltorganisation fand eine Trauerfeier für den kürzlich verstorbenen ehemaligen,Kaplan dar britischen Botschaft in Wien, Reverend D. Hechler, statt. Am Montag, den 9. Februar, wurde in Jerusalem die Jüdische Nationalversammlung für Palästina (Assefath Haniwcharim) eröffnet. Den Vorsitz führte der Präsident der Histadruth Haowdim David Ben G u r i o n. Zu Mitgliedern des Präsidiums wurden außer Ben Gurlon Elieser Kaplan (Arbeiterpartei), Joseph Mejuchas (Sephardi), Dr. Benzion Mossinson (Allg. Zionist), Rabbi Ostrowsky (Misrachi) und Rabbi Cohen (Yemenit) gewählt. Die Revisionisten lehnten die ihnen angebotene Beteiligung am Präsidium ab und erklärten, sie würden ihre Teilnahme an den Arbeiten der Nationalversammlung und ihren Eintritt in den neu zu wählenden Waad LeumI davon abhängig machen, welche Haltung die Nationalversammlung zur Frage der Verhandlungen der Jewlsh Agency mit der englischen Regierung und zum Projekt des Legislative Council für Palästina einnehmen werde. Der Eröffnungssitzung wohnten sämtliche Mitglieder der palästinensischen Exekutive der Jewlsh Agency sowie die jüdischen Beamten der Palästina- Regierung bei. Die Palästina-Regierung hatte die Assefath Haniwcharim weder mündlich noch schriftlich begrüßt Auf eine Anfrage, ob die Palästina-Regierung bei der Eröffnungssitzung vertreten sei, erklärte Ben Gurion, das Präsidium sei hierüber nicht unterrichtet und daran nicht Interessiert. Rabbi Uziel sprach Worte des Gedenkens für die Opfer der Unruhen im August 1929 sowie für Achad Haam, Louis Marshall, Lord Melchett und Lina und Nathan Straus. Dr. Arlosoroff referierte über die politische und wirtschaftliche Lage der Juden in Palästina. Seine Ausführungen waren offenkundig von dem Eindruck beeinflußt, den der kurz vorher bekannt gewordene voraussichtliche Inhalt der neuen englischen Regierungserklärung über Palästina erweckt hat Dr. Arlosoroff verteidigte die Einleitung von Verhandlungen mit der englischen Regierung seitens der Jewlsh Agency und forderte die Schaffung eines modus vivendi mit den Arabern. Allerdings dürfe bei Verhandlungen mit den Arabern das Recht der Juden auf Palästina nicht zum Gegenstand einer Diskussion gemacht werden. Den Bericht des abtrefenden Waad Leumi (Jüdischen Nationalrates) erstattete Ben Zwi, der in ungemein ruhiger und gemäßigter Form über die Schwierigkeiten sprach, denen der Waad Leumi seit den August- Unruhen gegenüberstand. In einer einstimmig angenommenen Resolution erhob die Nationalversammlung gegen die Verweigerung einer Einreisebewilligung für Wladimir Jabotinsky seitens der Palästina-Regierung schärfsten Protest, Die erste Aibeitssifzung Ungeachtet der Drohungen der Revisionisten, in deren Namen der Delegierte Weinstein die Erklärung abgegeben hatte, die Revisionisten würden die Assefath Haniwcharim sprengen, falls diese die Verhandlungen zwischen der Jewish Agency und der englischen Regierung billigen sollte, stellte Ben Gurion zu Beginn der ersten Arbeitssitzung der Assefath Haniwcharim die Forderung auf, daß die Juden ln der gegenwärtigen unbeschreiblich schwierigen Situation nicht in Opposition verharren und die Regierung nicht boykottieren sollen. Er lenkte die Aufmerksan/'eit der Revisionisten auf die Tatsache hin, daß Jabotinsky im Jahre 1922 das Weißbuch durch seine Unterschrift zur Kenntnis genommen und daß er nach dem Pogrom vom Jahre 1921 alle zionistischen Organisationen aufefordert hat, dem damaligen High Commlssloner, Ir Herbert Samuel, das Vertrauen auszusprechen. Ben Gurlon erklärte, nicht bloß die Bildung einer jüdischen Majorität in Palästina sei Ziel des Zionismus, sondern die Möglichkeit, jeden Juden, der die Niederlassung in Palästina wünscht, ins Land zu bringen. Blnationalismus sei nicht Zionismus. Wenn aber der Judenstaat so aufzufassen sei, daß die Juden die Araber beherrschen sollen, müsse er von der jüdischen Arbeiterschaft abgelehnt werden. Namens der Revisionisten erklärte Wotfgang von Weisl, seine Partei bekämpfe die Arbeiterpartei, well diese rieh hinter Weizmann stelle, der weder jetzt noch früher an den Judenstaat geglaubt habe, ausgenommen vielleicht in der Zeit von 1917 bis 1919, als von der Brandeis-Gruppe ein gewisser Druck auf die Leitung der Zion. Organisation ausgeübt wurde. Englands Ziel sei es, eine panislamitische Union zu schaffen, deren Mittelpunkt Jerusalem sein soll. An ein Referat Rabbi Ostrowskis über die Beziehungen zwischen Waad Leumi und rabbinischem Rat knüpfte sich eine siebenstündlgc, zeitweilig stürmisch verlaufende Debatte, in der die Misrachisten die Forderung aufstellten, der Waad Leumi solle gegen alle Vorgänge im jüdischen Leben Palästinas, durch die religiöse Empfindungen verletzt werden könne*, Stellung nehmen. Die Arbeitervertreter aller Richtungen sowie die Delegierten der Frauenpartei traten demgegenüber für uneingeschränkte Gewissensfreiheit ein. Auf Grund eines Wahlprotestes der Revisionisten wurde den Allgemeinen Zionisten das fünfte Mandat abgesprochen, während den Revisionisten ein 16. Mandat zugesprochen wurde. Infolgedessen scheidet David Yellin aus der Assefath Haniwcharim aus. An seine Stelle tritt der Revisionist 0. Epstein. Die Histadruth Haowdim hat die auf ihrer letzten Konferenz gefaßten politischen Resolutionen veröffentlicht. In diesen Resolutionen werden die Verhandlungen zwischen Jewish Agency und britischer Regierung gebilligt und die Forderung aufgcstelit, daß ein Vertreter des Jischuw in die politische Kommission der Jewish Agency eintrete. Ferner wird die Einberufung einer jüdisch-arabischen Round Table-Konferenz und eine stärkere Beteiligung der Bewohner Palästinas an der Landesregierung gefordert, eine gesetzgebende Körperschaft aber, In der die Juden durch die Araber majorisiert werder könnten, abgelehnt. Sollte es der Arbeitermajorität in der Assefath Haniwcharim gelingen, Ihren Standpunkt gegenüber der revisionistischen Opposition durchzusetzen, sö dürfte die Assefath Haniwcharim folgende Hauptforderungen gegenüber der Palästina-Regierung, erheben: Einberufung einer jüdisch-arabischen Round Table-Konferenz und Aenderung der Landesverwaltung ln der Form, daß Juden und Araber in gleicher?•*/*<•» Der Eindruck der /vtacDonaiu-trkiärung Während der Abendsitzung der Assefath Haniwcharim vom Mittwoch, den 11. Februar, traf das Telegramm der JTA mit der Nachricht von der Erklärung MacDonaldö Im Unterhaus ein. Die Nachricht löste unter den Mitgliedern der Assefath Haniwcharim große Erregung aus. Die Mitglieder der revisionistischen Fraktion, allen voran Wolfgang von Weisl, der eine Kopie des Telegramms gegen die Präsidentenestrade schwenkte, verlangten unter stürmischen Zurufen Sofortige Unterbrechung der Debatte und Stellungnahme zur Erklärung des Ministerpräsidenten. Rabbi Ostrowski, der den Vorsitz führte, lehnte eine Unterbrechung der Debatte ab, erklärte sich jedoch bereit, das ihm von Weisl überreichte Telegramm zu verlesen. Die Verlesung hatte indessen nicht die von den Revisionisten offenbar erwartete sensationelle Wirkung. Die Assefath setzte vielmehr unbeirrt ihre Beratungen auf Grund der festgesetzten Tagesordnung fort. Die Debatte bewegte sich um die ln der Vormittagssitzung erstatteten Vorschläge auf Uebernahme der Verwaltung des Gesundhelts- und Erziehungswesens durch den Waad Leumi. Doktor Abraham Katzenelson hatte beantragt, alle sanitären Institutionen der Jewish Agency an die Knesseth Israel zu Übertragen. Die Finanzierung der Spitäler und übrigen Institutionen des Gesundheitswesens Solle in Zukunft durch die Hadassah und den Jischuw gemeinsam erfolgen. Berl Katzenelson hatte den Antrag gestellt, die Uebertragung des hebräischen Schulwerks an den Jischuw innerhalb eines Zeitraums von sechs Jahren vorzunehmen, während die Revisionisten dafür eintraten, daß die Finanzierung sowohl des Gesundheltswie des ßrzlehungswesens der Regierung überlassen werden soll. Eine Delegation bei Chancellor Am Donnerstag, den 12. Februar, hat eine Delegation der Assefath Haniwcharim beim High Commissiöner Sir John Chancellor vorgesprochen und ihm nachstehende Resolution der Jüdischen Nationalversammlung überreicht: «Dia Jüdische Nationalversammlung für Palästina protestiert dagegen, daß dem Mitglied der Assefath Haniwcharim, Wladimir Jabotinsky, die Einreise nach Palästina verweigert wird, obwohl er im Besitze eines Rückreisevisums Ist. Die Palästina-Regierung wird aufgefordert, ihren Beschluß, Jabotinsky vom Lande fernzuhalten, zu revidieren und e§ ihm zu ermöglichen, seinen Platz als Mitglied der gewählten Nationalversammlung einzunehmen.» (J. T. A.) - SOKOLOW-EHRUNQ durch den Keren KeJemeth. Juden Wiens, beteiligt Euch an der Dankadresse an Nahum Sokolow anläßlich seine« 70. Geburtstages durch Spenden an den Keren Kajemeth!

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