Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 164 (19.2.1931)
- Date
- 1931-02-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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jftr. 164 — 19. Februar 1931 DIE STIMME Seite 3 4. Or. Weizmanns Erklärung zum Brief Macdonalds Es war für mich eine Freude, den Brief des Prerirterniinistcrs zu erhalten. Wenn ich mich zu diesem Briefe äußere, so kann icli lediglich für meine eigene Person sprechen. Obwohl ich diesen Vorbehalt machen muß, glaube ich dennoch sicher zu sein, daß ich den Meinungen und Empfindungen eines wesentlichen Teiles der öffentlichen jüdischen Meinung Ausdruck gebe. Wir haben die uns von dem Premierminister nnd dem Kabinett gebotene Gelegenheit, unsere Sache mit dem Kabinettskomitee zu diskutieren, begrüßt. Wir erhielten die Möglichkeit zu einer vollen Aussprache und haben bezüglich einer Anzahl fundamentaler, in dem Weißbuch vom Oktober 1930 aufgeworfener Fragen Klarheit erlangt. Wir kämpften nicht für die Erlangung von Vorteilen, sondern für Rechte — die Rechte, die uns nach dem Mandat zustehen, und die durch das Weißbuch vom Oktober 1930 nach unserer Ansicht ernstlich verletzt worden waren. Der Premierminister hat am Donnerstag im Unterhaus ausgeführt, daß der Brief, de* er freundlicherweise an mich gerichtet hat, zu lesen ist als die autoritative Interpretation des Weißbuches bezüglich der Angelegenheiten, mit denen sich der Brief beschäftigt, daß er dem Völkerbunde als ein offizielles Dokument übermittelt werden wird, und daß er als eine Instruktion an den High Commissioner für Palästina in eine an diesen gerichtete Mitteilung aufgenommen werden würde. Nachdem die jetzt erfolgte Darlegung der Regierungspolitik in dieser Weise zur offiziellen Regierungsdirektive geworden ist, hat sie nach meiner Ansicht die Basis fiir jene Kooperation mit der Mandatarmacht wicderhcrgcstcllt, auf der unsere Politik aufgebaut ist. Die Verluste, die das vergangene Jahr einer schweren politischen Krisis unserem Werk zugefügt hat, sind ernst. Palästina litt unter einer wirtschaftlichen Depression, die zwar zu einem gewissen Grade mit der wirtschaftlichen Weltkrise zusammenhing, die aber doch durch die politische Lago noch sehr erheblich verschlechtert worden ist. Das Vertrauen, das die Voraussetzung wirtschaftlicher Initiative und Entfaltung bildet, war nicht vorhanden. Nachdem eine Basis fiir Kooperation wieder hergestellt ist, sollte das Vertrauen in die wirtschaftliche Zukunft Palästinas wieder aufleben und müssen die Juden der ganzen Welt ihr Wirtschaftswerk in Palästina mit verdoppelter Energie fortführen. Unsere Arbeit am Aufbau des jüdischen Nationalhcims nützt notwendigerweise Palästina in seiner Gesamtheit. Sie wird den Arabern zum Segen gereichen, die ebenfalls unter der Wirtschaftskrise und der Unterbrechung unserer wirtschaftlichen Arbeiten ernstlich gelitten haben und deren Gedeihen naturgemäß mit dem Gedeihen des ganzen Landes verknüpft ist. Unsere Arbeit wird auch die Lage der Palästinaregierung erleichtern, die zum erstenmal seit vielen Jahren unter einem ernsten Defizit in ihrem Budget zu leiden hat. Icli bin voller Hoffnung, daß die drei Parteien, die Mandatsregierung, die Araber und wir selbst, jetzt Zusammenkommen und einen konstruktiven Plan fiir das künftige Wohl und die Entwicklung von Palästina ausarbeiten werden. London, 13. Februar 1931. Oh. Weizmann. Rein Rücktritt Gbanceilors Jerusalem. (J. T. A.) Auf Grund einer Anfrage bei der Palästina-Regierung erfährt die Jüdische Telegraphen-Agentur, daß die von einigen Blättern gebrachte Nachricht von einem unmittelbar bevorstehenden Rücktritt des High Commissioners von Palästina, Sir John Chancellor, unrichtig ist. Sir Johns Ernennung zum High Commissioner für Palästina erfolgte seinerzeit für eine Amtsdauer von drei Jahren, die im Juni dieses Jahres zu Ende geht Eine Verlängerung der Amtsperlode Sir Johns über diesen Termin hinaus ist allerdings nicht in Aussicht genommen* Ungeahnte grlcichlcruitg SBieberbcIcbmtg bes getarnten Crganisntus! ’oenmlcu bei 3Uicvser|d)ciiuingcnf mic ^cnotti» menbett, 8(bhnnMgefit!)I, ftopfid)mev$cn, Atemnot, gttbtifdjc unb rljcumotifcftc '£c|d))v>er.öen, öic är$tridf) empfohlenen, freiöeriäuflitbeu $R a b t o f f ' r laMetten. 9tabinml)artigcfi fRabiofflerin förbert bie 33Int*irEitIation, öcrtcibt biv xwi bie uotmcitbigc (Siaititftät mtb beugt baburd) Äalfablagernngeu unb beit bantit $itfannncn(jängenbe»?Utcr§ev|d)einnngcn iwr. SRabtumgebalt omtlid) geprüft, ©eneralbepot unb «nMunft: Slpotfjefc 33 a p e r, 3Bien, I., aBoHjeile 13. 3ßrofpeJte gratis unb franfo. Was" 'im Unterhaus sagte Die Erklärungen, die der britische Premierminister am 11. und 12. Februar abgab und die sich auf das neue britische Statement beziehen, sind inzwischen durch die Veröffentlichung dieses Statements überholt worden. Wir bringen trotzdem die betreffenden J. T. A.-Nachrichten, weil sie eine Reihe von interessanten Details enthalten. (Die Redaktion.) London, 11. Februar (J. T. A.). Die Frage der Revision des Weißbuches kam in der am Mittwoch, den 11. Februar abgehaltenen Sitzung des Unterhauses zur Sprache. Auf eine Anfrage Austin Chamberlains erklärte Ministerpräsident MacDonald, daß das Weißbuch vom Oktober 1930 auch weiterhin das grundlegende Dokument für die englische Politik in Palästina bilde. Die neue Regierungserklärung, die in Form eines Briefes an den Präsidenten der Jewish Agency Prof. Dr. Chaim Weizmann erfolgt, enthalte Erläuterungen unklarer Formulierungen des Weißbuches. Ministerpräsident MacDonald lehnte es ab, den Wortlaut des Briefes an Weizmann vor seiner Veröffentlichung dem Unterhaus vorzulegen. Er erklärte, durch eine solche Vorlage würde der Brief den Charakter eines parlamentarischen Dokuments erhalten, was der Regierung unerwünscht sei. Die Abgeordneten Howard Bury und Ormsby-Gore haben an die Regierung die Anfrage gerichtet, ob es richtig sei, daß die Regierung beabsichtige, die Verwaltung Palästinas dem Kolonialamt zu entziehen und dem Außenamt zu unterstellen. Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. Drummond Shiels erklärte in Beantwortung dieser Anfrage, daß eine solche Absicht nicht bestehe. Die im Hinblick auf die Ratschläge Sir John Hope Simpsons von der Regierung zu ergreifenden Maßnahmen werden noch erwogen. London, 12. Februar (J. T. A.). In der am Donnerstag, den 12. Februar abgehaltenen Unterhaussitzung gab Ministerpräsident Ramsay MacDonald abermals eine Erklärung über die englische Palästina- Politik ab. MacDonald gab bekannt, daß eine Kopie des von Henderson Unterzeichneten Briefes an Professor Weizmann dem Völkerbund unterbreitet werden soll. Ferner werde der Inhalt dieses Briefes in Form einer Instruktion dem High Commissioner von Palästina Sir John Chancellor telegraphisch mitgeteiit werden. Die Frage des bekannten Antizionisten Howard Bury, ob der Brief der Regierung eine Aenderung der bisherigen Palästina-Politik bedeutet, wurde vom Ministerpräsidenten MacDonald verneint. Auf eine weitere Frage Howard Burys, warum dann Professor Weizmann zufrieden sei, antwortete MacDonald: Well der Regierungsbrief zahlreiche Mißverständnisse zu beseitigen sucht. Eine Aenderung unserer bisherigen Palästina- Politik aber bedeutet er nicht Die erste, am Mittwoch, den 11. Februar, abgegebene Erklärung MacDonalds im Unterhause, wonach die Regierung es vermeiden wolle, dem Henderson- Brief an Weizmann den Charakter eines parlamentarischen Dokumentes zu verleihen, war in den Kreisen der Jewish Agency mit großem Befremden aufgenommen worden. Es verlautet, daß die zionistische Exekutive sich in einer außerordentlichen Sitzung mit dieser Erklärung MacDonalds befaßt hat und daß Mitglieder der Exekutive ihrer Meinung dahin Ausdruck gegeben haben, daß durch die von MacDonald im Unterhause gewählte Formulierung die durch die bisherigen Verhandlungen mit der Regierung erreichten Konzessionen praktisch unwirksam wären. Eine Fortführung der Verhandlungen hätte darum jeden Sinn verloren. Die Exekutive setzte sich sofort nach ihrer Beratung mit der Regierung in Verbindung und teilte dieser ihren Standpunkt zu der Unterhauserklärung des Ministerpräsidenten mit. Es wurde vereinbart, daß MacDonald seine Erklärung in der Donnerstag-Sitzung des Unterhauses ergänzen, beziehungsweise richtigstellen solle. | Rektor Dr. Adolf Schwarz | Freitag, den 13. Februar, verstarb in Wien einer der berühmtesten und größten zeitgenössischen jüdischen Wissenschaftler, der langjährige Rektor der Wiener jüdisch-theologischen Lehranstalt, der seit 38 Jahren in diesem Institut gewirkt und ganze Generationen von jüdischen Gelehrten und Rabbinern erzogen hat. Der Tod hat Wien und der ganzen jüdischen Welt einen der größten Juden entrissen. Friede seiner Asche! Friede dem Andenken eines großen und verdienstvollen Mannes! (Wir werden die Persönlichkeit des Dahin» geschiedenen in unserer nächsten Nummer ausführlich würdigen.) Die „autoritative Interpretation“ des Weißbuches London, 13. Februar. (J. T. A.) Im Unterhause gab Ministerpräsident Ramsay MacDonald auf die Frage des Labour-Abgeordneten D. Hopkin, weichen Charakter das neue Statement der englischen Regierung über ihre Palästina-Politik trage, die Erklärung ab, aus dem Texte des Briefes an den Präsidenten der jewish Agency, Professor Dr. Chaim Weizmann, werde zu entnehmen sein, daß dieser Brief als «autoritative Interpretation» des Weißbuches in den von der Regierung berührten Belangen aufzufassen ist. Der offizielle Charakter des Briefes stehe unzweifelbar fest. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, sind seitens der Jewish Agency weiterhin Bemühungen im Gange, die Vorlage des vollen Textes der neuen Regierungserklärung über Palästina im Unterhause durchzusetzen. Hierdurch bekäme der Brief Mac 'Donalds an Weizmann den Charakter eines parlamentarischen Dokumente \ Der 2. Teil der Verhandlungen London, 13. Februar. (J. T. A.) Unmittelbar nach der am Donnerstag, den 12. Februar vom Ministerpräsidenten MacDonald im Unterhaus abgegebenen Erklärung über das neue Regierungsstatement wurde seitens der Jewish Agency intensiv mit den Vorbereitungen für den zweiten Teil der Verhandlungen zwischen Jewish Agency und englischer Regierung begonnen. An den Beratungen nahmen auch die Mitglieder der vom Aktionskomitee im November 1930 eingesetzten politischen Kommision, unter ihnen der neu in die Kommission kooptierte Vertreter der Zionisten Polens, Abg. Jizchak Grünbaum, der bis zur Beendigung der Verhandlungen mit der Regierung in London bleiben wird, teil. Es verlautet, daß die Regierung zu den weiteren Verhandlungen Sir John Hope Simpson als Experten zuziehen will. Im Hinblick auf diese Möglichkeit hat Prof. Weizmann bereits zweimal Besprechungen mit Sir John Hope Simpson abgehalten, um mit ihm die im Simpson-Bericht enthaltenen Vorschläge zu erörtern und über jene Punkte, die den Zionisten annehmbar erscheinen, noch vor seiner Abreise nach Palästina Klarheit zu schaffen. Das Weißbuch vor der Mandatskommission Genf. (J. T. A.) Die Mandatskommission des Völkerbundes wurde für den 15. Juni 1931 zu ihrer 20., Tagung einberufen. Die Tagesordnung sieht u. a. eine Beratung über das englische Weißbuch und über die Politik ln Palästina und die Ueberprüfung des Verwaltungsberichtes der britischen Palästina-Administration für das Jahr 1930 vor. ZIONISTISCHE/ LANDEIKOMITEE Montag, den 2. März 1931, 8 Uhr abends Im Festsaal des Hotel FÜR ÖSTERREICH Continental, 11, Taborstraße 4 VORTRAG PROF. Dr. THEODOR LESSING (Hannover) »DER JÜDISCHE SELBSTHASS« garten sind im Zionistischen Landeskomitee, L, Kirntnerstraße 88, Telephon-Nummer R-37-4-88, erhältlich. VEREIN JÜDISCHER HOCHSCHÜLER Z- P. CHAJES Redakteur Hans Margulies spricht auf Einladung des Vereines zionistischer Hochschüler C. P. Chajes Samstag, den 21. Februar, punkt */4 8 Uhr, im Heime, 1., Jordangasse 7, über: „Menschen vor Gericht“ Gäste willkommen! 910095