Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 163 (12.2.1931)
- Date
- 1931-02-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DIB STIMME 11 ttbrow 1$S1 Seite d DdoHtrteirtafi Zionisten Die Landespolitik fätltnicht in das Tätigkeitsgebiet des zionistischen Landesverbandes Die Ktiltti^eiiteindepolitik bleibt dem Landesverband Vorbehalten . v Sönntäg, den 8. Februar vormittags wiirde im Saale des Niedeföstefreichischen Gewerbevereines, Wien, Eschen» bachgassell, der außerordentliche Delegiertentag der österreichischen Zionisteriabgehaltpn. Der- Pri|sident?des, zionistiscHen Landesköniitees, Dr. Qskar G r ü n b.a üln, erimrtete dieTagung* vorauf folgendes Präsidium \ gewähitvwurdc: Dr»; Geö$j'-;y:e"i h/e,.r c (Vorsitzender),,. Karin .,,SilC;hiW‘a^z, R;ic h t er, Sch I ff im an n und Dr.;Gte Lb a!nJd.-t^'Vorsifeeri^eDr. .\Veiner gedachte der: Verstorbenen,; LordMeichett utjd- Komiherzjalrat Max Markus, deren; Andenken Kdife’ fieÜgierten durch Erheben von den, Plätzen ehrten. Im Namen der. Revisionisten stellte hierauf L ut>.b tzk yden; Anstieg, ■einen zweiten »Punkt;- und 5 zwar, eine :Aus&pracite .Über1 '/die Lage 'ifflh Zionismus einzuschalteh. Dr. ■ Grtt.njb *:u rir;ghb seiher Verwunderung darüber Adsdruck;,daß dfeRpyisionkten diesen Antrag erst 'heute stellten,- obzwar sieVdpch früher oft genug Gelegenheit hierzu gehabt hätten. Außerdem ^bezwecke dieser Antrag nichts anderes als eirie-Demonstration und Verschärfurig der Gegensätze. Der' Antrag Lübdtiky wurde äbgelehnt,. worauf der Vorsitzende - Hertri Dr. Jfaicob Ehrlich das' Wort zu seinem Referate erteilte;. : " Das Referat des Dr. jäkob Efirlfch Zu'Beginri seiner Ausführungen verwies der . Referent auf die theoretischenGrundlagen der Präge: Lahdespolitik und die zionistische Organisation und ihre ^geschichtliche Entwicklung, gab , seiner Meinung Ausdruck, daß die Ansichten über diese/Frage vielfach1 gewechselt haben, wies darauf hin, /daß gerade in der letzten Zeit rn verschiedenen Ländern die Landespolitik aus tdem TäUglceitsgeWet der ziphis;tischene Organisäfionen *. ausgeschieden; yruftlei f^ohne daß sich jemand für berechtigt gehalten hätte,'diesen örganisationen/ vorzuwerfe,n^ sie hätten", durch solclie; BeschfÜssegegen ihre iiöhlstis^e^lP^Ivt^lt^^^r' und führ^dänhlfdrt:\ Es handelt -stich* hnip^e^rüi-; zipielle Fräge^ 'SÖifdern um ferne ZwedcmäBigkeitSr'J fraget ' ';•? : Bei Beantwortung; djeser. Frage sollte; mähijvbh folgenden Gesichtspunkten ausgeheh: 1 Hauptaufgabe der zio|iistlafchen’^Orgarilis^tlbpi ist klar, daß dies die Mitarbeit an demrAüfbau/fe jüdischen Nationalheims in Erez Israel ist; Ebenso wäreeswünschenswert," wenn eine zibhisti^he:%fgahisafiön die Kraft und die; Fähigkeit/hätte, nebeh dieser ihrer wichtigsten Beschäftigung ,'siöh "crer'lätfdespolitischen Tätigkeit zu widmen. In diesoht ßihhe sind jä ähdh die Kongteßbeschlüsse grifäßt wordetT;' Wirmüssen die Frage ’s feilen, öb~ die österreichiäcb’e Organisation heilte in der" Lage ist, auch dieser ihrer Aüfgäbernit Aussicht auf Erfolgt nachzuköitfmert,' fqfb nicht;:die’Bescfiäftiguiig mit dieser politischen Äroelt eine Splcfie Belastung der zionistischen Or^aW(^aticfn zur Folge*haben kann, daß 'sie; w der ‘?Exf üjfang^r ersteh und wichtigsten Aufgabe ge hi n deft^ werden könnte:''v - Und da ergeben sich folgende Mömehter lch vHH gahzf; day6h; absthen, daß es immer iri der ziomstischen Orgänikatiön eine gevvisse- Gegn er? chäft;gegje n d)e^ßotft|$clie Betätigung gegeben: .njjtt; ßi'e; ^ar bei un^1 alfefdirtgs niemals so stark, daß man -daräuf RiidiBic3htf;heltmen piußte. Ein zSveites?Hind fer h is, das schfrrrmÄ* ins Gewicht fallen würde," wäjre, Pfovjnz eigentlich in dieser Frage Ifrim&r-eirte^nde&' Steljurtg eTtigenbrnmen hat als Wien; ■ päs',;l^$t;-äftie Folge der VerhältnisSe, die in der öisterteicff ischen Prdymz ähders sind als in Wien.. Äuf eine anßete Scjiv^ierigkeit wühle beim letzten ordentlichen Delegier tentag aufmerksam gemacht. Es wutfde dafauf hingewiesen,,daßes yiele ZibnMteh^gCbt,:'^'''^;,^ derep politisplfefi Parteien brgänisibet;sind,.|^ijäi«#L die; ziöhistiscae .Pfgänis^tidn^^ ^ocjf eih^, sehe Partei ps vyürde mit Recht gesagtr fdaß dteyör dem. map' üppQrtupität die, Äugen verschließen köhpt^, uphap; bar.V ifjL r?:$s wäre andererseits außerordentlich sctynerzlich, flir ■ die zionistische Örganisaßoh, wenn W|f'eQ!che Ges^rinpngsgenossen, die^^seitJibnfehpjteri trepe Mitßlieder. der Organisation . ^warep^upd jjSich vieitejtht aus GrÜpdeh der Lebenshbtwendigke« daztf-gezwui^gep. sahep, sich einet; apßei^^rganui* s^Öte anÄWteÄen, aus unseren sicjiei^e|n s^n ^iiRtepvCiadt|rch hat sclläteßnde Belastung der zibnisHschen Organisatibp herüusgbbiidet. ji^as alles;sind Momente, dje wisse Be^chtupg verdienen. Wai/npr aber,be^dep; h<p^igeii;':/^tiaitbis8eti äussclilagge^nd'*8# SQlfeinü ^loigende Feststelluhi:, dif; •AtigedHfpir;c|©t ^y^irlcflphkelt vvejr«pji||tej6^^t‘;' Ä.Ä* k^ipier ßelbstläusehung hingebePi 'Wehn';’V§5r: häjtnisse so sehen, wie sie.sind, kennen wir nicht •ajeh»>dfiß die f^ganisation sieb WIM fäl^ ren politisch betätigt hat. Es wäre sehr verlockend, •zu untersuchen, warum es so gekommen ist. Vielleicht waren wir den Anforderungen materiell nicht gewachsen. Vielleicht haben sich die sozialen Verhältnisse so entwickelt, daß die wirtschaftlichen Fragen immer mehr in den Vordergrund gerückt wurden und das Interesse für andere Fragen herabgemindert würde. ' Es ist wahr, daß wir zur Zeit der Wahlen unsere Visitkarten der Wählerschaft abgegeben haben. Das allein kann aber nicht als politische Betätigung aufgefaßt werden und so ist es tatsächlich gekommen, daß unser Anhang sich bei politischen Wahlen verringert hat, und daß unsere Mißerfolge bei solchen politischen Aktionen von Wahl zu Wahl auffallender geworden sind. Wir müssen uns heute vor Augen halten, daß eine ernste politische Tätigkeit nicht bloß in Aufstellung von Kandidaturen bestehen kann. Eine ernste politische Tätigkeit würde eine ungeheure Arbeit unter Aufwendung außerordentlicher Mittel erfordern, welche die zionistische Organisation unter keinen Umständen aufbringen könnte. Sie müßte geradezu von neuem anfangen, wenn sie . wirkliche Landespolitik betreiben wollte. Die zionistische Organisation ist dieser Belastungsprobe unter keinen Umständen gewachsen. Wenn Sie heute meinen, es wäre die Pflicht der zionistischen Organisation, auch weiterhin politische Arbeit zu leisten, werden Sie nicht sagen können, in welcher Weise sie der aus diesem Beschluß hervorgehenden Verpflichtung nachkommen könnte. Sie werden nicht mit gutem Gewissen sagen können, daß die Organisation die Kraft hat, eine solche Arbeit auf sich zu nehmen, vyerin heute ein solcher Beschluß gefaßt werden wird. •■•v- Diese Frage der Landespolitik ist in den letzten Monaten wahrscheinlich in allen Kreisen lebhaft erörtert worden; sie wurde auch im Schoße des Landeskomitees erörtert, obwohl es nicht dessen Aufgabe sein konnte, einen Beschluß zu fassen. Es gibt hier immer Nüancen in der Auffassung; eine Leitung, die nicht einheitlich zusammengesetzt ist, hat auch nicht die Aufgabe, einen einheitlichen Beschluß zu erbringen. Die Frage wurde in verschiedenen Gruppen erörtert, auch in den Kreisen meiner engeren Gesinnungsgenossen, und wir haben beschlossen, dem Delegiertentag den Vorschlag zu machen, er möge beantragen, daß die Landespolitik aus dem T ä tigkeitsgebiet des Landesverbandes auszuschließen sei. Damit ergibt sich auch die Frage, wer die politische Tätigkeit ausüben soll ~ eine Frage allerdings, von der ich glaube, daß sie dann nicht mehr diesem Delegiertentag vorztiiegen wäre. Es wird Aufgabe derjenigen Zionisten sein, die sich geeignet glauben, sie auf sich zu nehmen und die die Zionisten zu einer politischen Organisation zusammenfassen wollen. Daraus ergibt sich nun die weitere Fr.ge: Wio stellen sich die Zionisten zur Kultusgemeinde. Diese Frage kann nicht strittig sein. Sie war auch nie in .Oesterreich strittig. Ob Landespolitik getrieben wurde oder nicht, es war stets unzweifelhaft, daß es Aufgabe der zionistischen Organisation ist, den Kampf um die Kultusgemeinde zu führen. Herzl war es’, der am II. Zionistenkoncrreß die Parole ausgepaiästfria.orangen in Wien Eine der besten Möglichkeiten, die wirtschaftliche Lage Palästinas zu heben, ist die Förderung des Absatzes von Produkten Erez Israels. ,Am raschesten hat sich bisher die Parole: Kaufet die Produkte Palästinas bei der Palästina-Orange durchgesetzt, die infolge ihrer hervorragenden Qualität und Güte in kurzer Zeit den Weltmarkt erobert hat. Um es jedem Gesinnungsenossen zu ermöglichen, die Orangen zu billigen Preisen irekt ins Haus zugestellt zu erhalten, hat das Zionistische Lahdeskomitee mit Herrn S. Halpern, II., Förstergasse 6, Tel. R 40-4-12, ein diesbezügliches Uebereinkommen getroffen. Wir ersuchen alle Gesinnungsgenossen, Orangen direkt bei Herrn Halpern zu bestellen und sich selbst von der /Güte dieser alle anderen Sorten weit übertreffenden Orange zu überzeugen. geben hat: Zionisten, erobert die Kultusgemeinde! Die zionistische Organisation betrachtete es imitier als ihre Aufgabe, den Kampf um die Kultusgemeinde zu führen. Es war immer ein Programmpunkt der zionistischen Organisation. Es haben die Zionisten ohne Unterschied, welche Stellungnahme sie sonst zu zionistischen Fragen einnahmen, es einheitlich und geschlossen als ihre Pflicht angesehen, der Kultusgetneinde ihre höchste Aufmerksamkeit zuzuwenden. Auch die nichtzionistische jüdische Oeffentlichkeit lernt es in immer höherem Maße begreifen, daß die Zionisten als der aktivste Teil des Judentums bestrebt sein müssen, ihren Einfluß in der Kultusgemeinde immer mehr zu vergrößern und ihre Steilung daselbst auszubauen. Ich bin immer der Ansicht entgegengetreten, daß die Einführung des -allgenlemen Wahlrechtes in der Kultusgemeinde unsere Position daselbst gefährden könnte. Es ist ausgeschlossen, daß die sozialdemokratische Partei als solche Sich mit Kultusgemeindeangelegenheiten befaßt. So! angenehm es ja sein mag, zwei Kultusvorsteher zu besitzen, mit deren Hilfe sie gelegentlich jüdische Wählerversammlungen arrangieren kann, so dürfte jedoch die angebliche Begeisterung einiger jüdischer Sozialdemokraten für die Kultusgemeinde wenig passön und es ist auch Tatsache, daß diese Ansicht in den weitesten sozialdemokratischen Kreisen geteilt wird* und daß bei Kultusgemeindewahlen auch viele so-' zialdemokratisch organisierte Wähler ihre Stimme für die zionistischen Kandidaten abgeben. Die Ansicht, daß die Sozialdemokraten in der Kultusgemeinde nichts zu suchen haben, ist auch in diesen Kreisen allgemein verbreitet. Es ist möglich, daß wir Zionisten zu Verschiedenen innerzionistischen Fragen nicht alle die gleiche Stellung einnehmen, wenn es auch bedäuetneh^st, daß diese Gegensätze über Gebühr aufgeiÖaus£ht werden. Hingegen kann ich es mir nicht vorsteiÖn, daß in Fragen der Kultusgemeinde ernste Differenzen entstehen könnten. Eine Verschiedenheit der Auffassung ist nur in taktischen Fragen möglich. Es gab hier vor einigen Jahren einen bedauerlichen Zwischenfall, und es wäre zu wünschen, daß er. nur eine Episode bliebe, die möglichst bald beendet werden sollte. Es ist sicher, daß, wenn bei uns noch so große Unterschiede bei Beurteilung rein zionistischer Fragen sind, diese niemals auf unsere Kultusgemeindepolitik abfärben sollten. Ich kann mir nicht vorsteljin, daß die eine oder die andere Gruppe sagt, sie halte nicht mit, oder daß sie sich gar absondert. Ich muß sagen, das wäre wirklich ein schwarzer Tag in efer, österreichischen zionistischen Organisation, begleitet: von den unglücklichsten Folgen. Ich glaube nicht,- daß jemand die Verantwortung auf sich nehmen kann, einen solchen Zustand herbeizuführen; wirjälie sollten bestrebt sein, dahin zu wirken, daß solch, ein Zustand niemals eintritt*. Der Antrag, den ich Ihnen unterbreite, geht also dahin: der Delegiertentag möge beschließen, daß die Landespolitik außerhalb des Tätigkeitsgebietes der zionistischen Landesorganisation falle, daß aber die Führung 'der Kultusgemeindepolitik nach wie vor dem Landesverband Vorbehalten bleibe. Der Vertreter der Zionisten-Revisionisten hat am Anfang unserer Tagung auf die schweren krisenhaften Zustände in unserer Weltorganisation hingewieseri. Wir haben aber auch den Eindruck, daß die zionistische Organisation angesichts dieser Krise zur Selbstbesinnung kommt. Wir haben gelesen, daß seitens eines Führers des Weltverbandes der Radikalen von der großen Koalition gesprochen worden ist; d^is wäre natürlich ein sehr erfreulicher Umschwung.; Noch erfreulicher wäre es, wenn jene Koalition eilt-; treten würde, die die heutige Situation erfordert: eine einheitliche, geschlossene Front. Es ist notwendig, daß wir das gegenseitige Vertrauen, das vielfach geschwunden ist, wieder herstellen und daß wir es uhter-’ lassen, aus irgendwelchen demagogischen Erwägttti*- ii '.nii In ii inl ZIONISTISCHE/ IANDESKOMITEE Montag, den 2. März 193t, 8 Uhr abends im Festsaal des Hotel FÜR ÖSTERREICH Continental, 11, Taborstraße 4 VORTRAG PROF. Dr. THEODOR LESSING (Hannover) DER JÜDISCHE SELBSTHASS« Barten sind im Zionistischen Landeskoraitee, I., Kärntnerstraße 28, Telephon-Nummer R-27-4-86, erhältlich* »