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Die Stimme · 1931-02-05 · Heft 162 (5.2.1931) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 162 (5.2.1931)
Date
1931-02-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Sette 2 DIE STIMME Nr. 162 — 5. Februar l i o Amerikanisches Geld für Palästina Erste selbständige Kampagne für die Jewish Agency in Amerika Die Organisation ruft Von Dr. Isak Teich. Einigkeit, Ordnung, Disziplin, System und Planmäßigkeit sind die Voraussetzungen für gedeihliches und erfolgreiches Wirken einer Organisation. Die Zerspülterungstendenzen, die innere Zersetzung, die Disziplinlosigkeit, die Zerfahrenheit, die planlose Ausnützung der uns zur Verfügung stehenden Kräfte bewirken es, daß die gegenwärtige wirtschaftliche und politische Krise die zionistische Tätigkeit weit ungünstiger beeinflußt, als das bei einer festgefügten Organisation der Fall sein könnte. Es steht nicht in unserer Macht, die Weltwirtschaftskrise zu beseitigen — doch sind wir in der Lage, ihren Einfluß auf unsere Tätigkeit zu mildern, indem wir unsere innere Organisation stärken und ausbauen, wodurch bei gleichem Aufwand an Kräften und Geldmitteln viel größere Erfolge erzielt werden können. Die ruhige Geschäftszeit wird bei allen gutgeleiteten Unternehmungen ausgenützt, um die Innenorganisation zu verbessern. Wir müssen das gleiche in unserer Landesorganisation tun. Die nächsten drei Monate sollen dazu verwendet werden, unsere Reihen zu sichten, die Teilorganisationen in die Landesorganisationen organisch einzufügen, die vorhandenen Lücken auszufüllen bis das Gesamtgefüge ein organisches Ganzes darstellt. Dieses planmäßige Durchorganisieren muß sofort, und mit aller Energie durchgeführt werden. Die Anzahl der mutigen Zionisten, die in dieser für unsere Bewegung sehr kritischen Zeit das schwere Joch der konstruktiven Arbeit auf sich genommen haben, ist wahrlich nicht groß. Aber wir 'treiben eine unerhörte Verschwendung mit diesen Kräften. Einzelnen wird soviel aufgebürdet, daß sie unter der Last der übernommenen Arbeit zusammenbrechen. Eine planmäßige Arbeitsteilung bei Heranziehung neuer Menschen könnte diesem Uebelstande abhelfen. Wir •haben bis nun auch unter dem Mangel einer Kontinuität in der Arbeit gelitten.. Jeder Führer sollte trachten, einen Mitarbeiter heranzuziehen, der im Falle der Verhinderung des Führers imstande sein müßte, die Tätigkeit sofort ohne Unterbrechung fortzusetzen. Einige wenige verstehen es ausgezeichnet, Worte zu gebrauchen und ihr Rednertalent auszunützen, und milchen den Kardinalfehler, unsere Tätigkeit vom Gesichtspunkte dieser wenigen auszu/entfalten. -Die derjenigen, die wir durch diese -Arbeitsv/eise. und durch innere Zwistigkeiten, durch häßlichen persönlichen "Kampf abgestoßen haben, übersteigt um ein Vielfaches die Anzahl derer, auf die wir bis nun Rücksicht genommen haben. Kümmern wir uns weniger um die unfruchtbaren Kritiker! Gehen wir unseren eigenen Weg, den Weg der positiven und konstruktiven Arbeit! Einen geistigen Kampf, nach außen gerichtet, einen mächtigen Impuls, der unserer Bewegung Flügel verleiht, benötigen wir. Unter diesen Voraussetzungen würden unsere Reihen wachsen. Es gibt eine große Anzahl von Menschen, die gerne positive Arbeit leisten wollen. Es wäre unsere erste Aufgabe, diese Menschen zu sammeln und ihnen eine verantwortungsvolle und entsprechende Tätigkeit zuzuweisen. Gelingt es uns, diese Aufgabe zu erfüllen, £0 können wir unserer Bewegung auch neue Menschen Zufuhren. Eine äußerste Notwendigkeit, denn Inzucht haben wir wahrlich schon genug getrieben. Neue Menschen, neues Leben brauchen wir! Die Leistungen von Einzelpersonen und Kleinorganisationen wirken sich in der Gesamtleistung der Organisation nur dann aus, wenn sie organisatorisch erfaßt werden. Innerhalb einer festgefügten Organisation kommen die Leistungen des Einzelnen viel mehr zur Geltung. Es soll demnach jeder Zionist der Landesorganisation angehören! Jeder soll trachten, innerhalb der Organisation seinen Ideen Geltung zu verschaffen. Gelingt es ihm nicht, dann «Achrej harabbim l’hatoth!» Die Organisation muß jetzt das Primat haben! Der Ruf gilt jedem Zionisten, der noch außerhalb der Organisation steht. Hinein in die Organisation! Stärkt sie durch Euren Beitritt! Helft mit im Kampf um eine starke und festgefügte Organisation! Trotzki soll dem nächsten Zionisten- «Aingreß beiwohnen? Der «Jewish Chronicle» wird aus Moskau berichtet, daß Trotzki infolge der jüngsten Ereignisse Zionist geworden sein soll. Seit seiner Verbannung aus Rußland hat Trotzki die Ereignisse in Palästina mit großer Aufmerksamkeit verfolgt und diese Ereignisse, sowie die großen Erfolge des Nationalsozialismus in Deutschland und die Fortschritte des Antisemitismus in anderen europäischen Ländern sollen Trotzkis Ansichten geändert haben. Derselbe Korrespondent sagt voraus, daß Trotzki auch noch dem Zionistenkongreß beiwohnen werde. (!) (Wir bringen diese unwahrscheinlich klingende Nachricht, ohne auf ihre Glaubwürdigkeit näher einzugehen, auf die Verantwortung des jüdischen englischen Blatts. — Die Red.) Am Sonntag, den 25. Jänner, wurde im Baltimore- Hotel zu New York die amerikanische Palästina-Konferenz in Anwesenheit von etwa 500 Delegierten aus allen Teilen der Vereinigten Staaten eröffnet. Den Vorsitz führte der Präsident des American Jewish Committee Dr. Cyrus Adler. Eine Reihe von Führern der Jewish Agency hielten Ansprachen, ln denen sie auf die kritische Lage des Palästina-Werkes und die dringende Notwendigkeit einer sofortigen kräftigen materiellen Förderung der Aufbauarbeit hinwiesen. Es wurde beschlossen, durch einen Drive die Summe von 2 V% Millionen Dollar als amerikanische Quote für die Au.'bauiends der Jewish Agency aufzubringen. Zum Leiter der Kampagne wurde Morris Rothenberg gewählt, der der Hoffnung Ausdruck gab, daß das Ziel der Kampagne im Juni erreicht sein Werde. Die neue amerikanische Palästina-Kampagne wird die erste sein, die ln Amerika von der jewish Ag.ncy seit ihrer Bildung auf der Züricher Konferenz Im August 1020 selbständig durciigeführt wird. Im Jahre 1930 wurde die Sammelaktion in Amerika gemeinsam mit dem Joint Distribution Committee durci geführt. Das Ziel des gemeinsamen Drives war die Aufbringung von 6 Millionen Dollar, von denen 2*4 Millionen für Palästina-Zwecke und 3J4 Millionen für die Arbeit des Joint Distribution Committee hätten verwendet werden sollen. Infolge der Wirtschaftskrise konnte dieses Ziel nicht erreicht werden, es wurden insgesamt 234 Millionen Dollar gezeichnet. Kurz vor Abschluß der Kampagne des Jahres 1030 wurde in einer Konferenz von Vertretern der Jewish Agency und des Joint Distribution Committee beschlossen, im Jahre 1931 getrennte Aktionen durchzuführen; dabei wurde der Erwartung Ausdruck gegeben, daß es für jede der beiden Organisationen auf diese Weise möglich sein werde, in den mit ihren Zielen symphatisierenden Kreisen größere Erfolge zu erzielen. Felix M. Warburgs Schreiben an die Konferenz — Die Verhandlungen mit Passfield Der Präsident des Joint-Distribution Comittee und des A^mini.s.trati.ye Oomittee. der jewish ...Agency,- Herr Feiix “ÄL Warbhrg,; hat' an**'die-Konferenz ein Begrüßungsschreiben gerichtet, das im wesentlichen' lautöt': " '; Ein Ruf zum Kampf ergeht an uns alle. Nicht zu einem Kampf, bei dem es um die Vernichtung eines Feindes geht, sondern zu einem Kampf zur Gewinnung von Freunden für eine große Sache, die heute in einer so schweren Krise steht, wie noch nie bisher. Ich meine die Sache Palästinas. Das von Lord Passfield herausgegebene Weißbuch mif seinem tadelsüchtigen, unfreundlichen und unkonstruktiven Charakter war zweifellos ein böser Schlag für uns alle und hat. viele von Uns schwer verstimmt. — Warburg schildert den Verlauf der Bemühungen, die englische Regierung zu einer Zurückziehung des Weißbuches zu bewegen, und führt fort: Durch kein Ereignis in meinem Leben wurde ich physisch und moralisch tiefer betroffen als durch den Rückschlag, den der Paläctina-Aufbau durch das Weißbuch erlitten hat. Doch habe ich die Hoffnung 'nicht aufgegeben, Nahum Go dmaim für die „große Küa iiioir im Zionismus Auf einem Vortragsabend der Berliner Zionistischen Vereinigung sprach der Führer der radikalen Zionisten Dr. Nahum Goldmann über den Verlauf der letzten Tagung des zionistischen Aktions-Komitees und die gegenwärtige politische Lage im Zionismus. Doktor Goldmann erklärte, für die Verschiebung des Kongreßtermins seien in London drei Argumente ins Treffen geführt worden: Die schwierige Finanzlage der Organisation, die die sofortige Einleitung einer großen Aktion notwendig mache, die Unmöglichkeit der Teilnahme der amerikanischen Mitglieder der Jewish Agency an einem Februar-Kongreß und die Notwendigkeit, das Ergebnis der Verhandlungen zwischen englischer Regierung und Jewish Agency abzuwarten, damit der Kongreß seinen Standpunkt gegenüber der englischen Politik präzisieren könne. Die in der Presse verbreitete Nachricht, daß ein Beschluß der radikalen Exekutive Vorgelegen habe, demzufolge er, Goldmann, verpflichtet gewesen wäre, im Falle der Annahme des Kongreßverschiebungsantrages durch das A. C. aus der politischen Kommission auszutreten, sei unrichtig. Eine Resolution in diesem Sinne habe nur die Organisation der radikalen Zionisten in Polen «Al Hamischmar» gefaßt. Aber auch der Führer des «AI Hamischmar», Abg. Grünbamn, habe angesichts der politischen Lage das weitere Verhalten Goldmanns in der Kommission bis zu einer von der Leitung der Radikalen Zionisten zu treffenden endgültigen Entscheidung gebilligt. Bezüglich der Verhandlungen zwischen Regierung daß unsere Proteste von Erfolg gekrönt sein werden, Wir wollen und müssen glauben, daß die Verhandlungen, die der englische Ministerpräsident in so fairer Weise angeregt hat, irgend ein Ergebnis zeitigen werden, das eine Wiederherstellung des Vertrauens jene* Tausenden und Hunderttausenden von Juden, die seit dem Weißbuch die Zuversicht verloren haben, so daß in deren Kreisen in finanzieller und moralischer Hinsicht eine dcfaitistische Politik platzgcgriffen hat, zum Erfolg haben wird. Als der Bericht der Shaw-Kommission in London einlangte, haben der verstorbene Lord Melchett, Doktor Weizrnann, Lord Rcading und ich die Gefahr erörtert, die die unrichtigen und ungerechten Schlußfolgerungen dieses Berichtes heraufbesclnvören. Ministerpräsident MacDonald gab im Verlauf einer in ungemein freundschaftlichem Geiste geführten Unterredung mit uns die Erklärung ab, es sei nicht nötig, daß wir ihm gegenüber unsere Enttäuschung über den Shaw-Bericht zum Ausdruck bringen, er selbst sei durch den Inhalt dieses Berichtes noch weit unangenehmer berührt als wir und er wünsche unseren Rat darüber zu hören, was geschehen könne, um den durch diesen Bericht hervorgerufenen ungünstigen Eindruck zu verwischen. Einige von uns schlugen vor, daß keine neue Kommission nach Palästina entsandt werden solle, sondern bloß eine einzelne Persönlichkeit von autoritativem Ansehen, die die Aufgabe haben solle, die Lage zu prüfen und, ohne sich zu sehr mit der Vergangenheit zu befassen, die Grundsätze für einen modus vivendi auszuarbeiten. Einige Tage später teilte mir der Ministerpräsident mit, er habe einen Mann gefunden, der den von uns gestellten Anforderungen entspräche. Es sei dies Sir John Hope Simpson. Sein Bericht ist ein bedeutsames Dokument, wenn es auch fcststeht, daß wir nicht mit allen darin enthaltenen Untersuchungsergebnissen einverstanden sein können. Auf Grund der Nachrichten, die uns während seiner Untersuchungstätigkeit in Palästina erreichten, hatten wir guten Grund zur Annahme, daß wir günstige und konstruktive Vorschläge zu erwarten hätten. Bevor wir Gelegenheit hatten, den Bericht zu lesen, nahm ich eine Einladung Lord Passfields, nach London zu kommen und mit ihm die Lage zu besprechen, an. Lord Passfield sprach über die Schwierigkeiten, die sich Ihäi bei der Verwaltung des Mandats in den Weg stellten. Ich erklärte, ich sei überzeugt, daß er mich nicht bloß nach London gerufen habe, damit ich diese Klagen anhöre; ich sei gekommen in der Hoffnung, von ihm eine Botschaft konstruktiven Inhalts zu erhalten, die ich der Konferenz der Jewish Agency in Berlin vorlegen könnte. Daraufhin übergab Lord Passfield dem Mitglied der Leitung der Jewish Agency Dr. Maurice B. Hexter und mir jene Botschaft, die ich in Berlin verlas und die das Versprechen enthielt, daß für die Sicherheit der Juden in Palästina gesorgt werden würde, weiters das Versprechen baldiger Wiedergestattung der jüdischen Einwanderung und Einleitung einer Refderungshilfe in Form einer Regierungsanleihe zur Beschaffung von Land für landlose Araber und für die Konsolidierung der jüdischen Kolonien. Was ln der Zeit zwischen dieser Konferenz und der endgültigen Ausgabe des Simpson-Berichtes geschehen ist, ist bis heute ein Rätsel geblieben. und Jewish Agency sei festzustellen, daß die Regierung sich dem jüdischen Standpunkt nunmehr wesentlich genähert habe. Es dürfe erwartet werden, daß der erste Teil der Verhandlungen demnächst mit einem Erfolg für die jüdische Sache abgeschlossen werden würde. Im zweiten Teil der Verhandlungen werde insbesondere darauf hingewirkt werden müssen, daß in der Palästina-Administration gewisse Aenderungen eintreten, dio die weitere Entwicklung des Nationalheims ver- 1 ''rgen. Wichtig sei vor allem die Beendigung des inneren Kampfes ln der Organisation. Die neue politische Lage lasse die Bildung einer großen Koalition auf dem nächsten Kongreß, die alle Gruppen mit Ausnahme von Brüh Schalom und eines Teiles der Revisionisten umfassen könnte, als möglich und wünschenswert erscheinen. Vom zionistischen Patriotismus Weizmanns müsse verlangt werden, daß er auf eine Kandidatur auf dem nächsten Kongreß, die zum Zankapfel zwischen den Parteien werden würde, verzichte. Antibritische Propaganda während des Begräbnisses Mohammed Alls. Jerusalem. (J. T. A.) Während des Begräbnisses des Führers der indischen Mohammedaner, Mohammed Ali, wurden in den Straßen Jerusalems von Kommunisten Aufrufe erteilt, in denen die Fellachen zu einer Revolte aufgefordert wurden. 35 Kommunisten wurden verhaftet 21 wurden wieder auf freien Fuß gesetzt, während gegen 14, 7 Juden und 7 Araber, die Anklage wegen Aufreizung gegen die Behörden erhoben werden wird.

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