Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 161 (29.1.1931)
- Date
- 1931-01-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3053752-3053911-3053915--2160-3057567- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
S«1te 10 DIE STIMME Nr. 161 — 29. Jänner 1&>1 Ankündigungen und Mitteilungen Zionistische Bezirkssektion XX. Unser Ausschußmitglied Herr Israel Trompeter hat durch den Tod seiner Mutter einen schweren Verlust erlitten. Die Ausschußmitglieder kondolieren auf diesem Wege. Zionistische Bezirkssektion 1. Dienstag, den 3. Februar, 8 Uhr abends, Cafe Altes Rathaus, I., Wipplingerstraße 24, Vortrag des Herrn Dr. Heinrich Glanz: «Die Philosophie der jüdischen Geschichte». Gäste willkommen. Vom Klub Jung-VVizo wird uns berichtet: Am 10. Jänner 1931 fand im Hause des Vorstandsmitgliedes der Wiizo, Wien, Frau Hansi Kohn, die erste Zusammenkunft dieses Klubs statt. (In unserer nächsten Nummer werden wir über die Gründungsversammlung ausführlich berichten. Die Red.) Im Rahmen dieses Klubs wird Frau Dr. Helene Kagan, Kinderärztin aus Jerusalem, Dienstag, den 3. Februar, 8 Uhr abends, im Heim der Z. M. V. Mirjam, I., Jordangasse 7, über 5 ä u g 1 i n g s- und K i n d e r f ü r s o r g e sprechen. Mit Rücksicht auf das Thema wie auch auf die Vortragende, die zu den hervorragendsten Arbeiterinnen auf dem Gebiete der Kinderfürsorge im Jischuw gehört, erhoffen wir, daß bei diesem Vortrage viele junge Frauen und Mädchen, dne für die Palästinaarbeit der jüdischen Frau Interesse haben, erscheinen werden. Die Arbeitsgemeinschaft der zionistisch-akademischen Vereine Wiens veranstaltete Samstag, den 24. d. M., im Saale der Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler, IX., Türkenstraße 9, einen Diskussionsabend, an dem zahlreiche Gäste und der Arbeitsgemeinschaft angchürige Vereinsmitglieder teilnahmen. Kollege lloffmann, der im Namen der allgemeinen Zionisten das Wort nahm, sprach über die aktuellen Probleme im Zionismus. Nach seinen Ausführungen streifte Kollege Morgenstern in kurzen Worten die Stellungnahme der Arbeiterorganisationen zu den Fragen des verschobenen Kongresses. Dann übte Kollege Dr. Koppel Kritik an den Worten seiner Vorredner vom Gesichtspunkte der Zionistcn-Revisiolusten. Hierauf entwickelte sich eine lebhafte Debatte, an der viele Anwesende teilnahmen. Die Veranstalter dieses Abends waren sich dessen bewußt, daß eine Diskussion zu keiner Verständigung der politisch verschieden eingestellten Studenten führen wird. Die Arbeitsgemeinschaft verfolgt lediglich den Zweck, der akademischen Jugend die Ansichten der zionistischen Parteien in freier Aussprache beizubringen, ihnen weitere Perspektiven zu geben, sie von den oberflächlichen Schlagworten zu befreien und die zionistisch organisierten Akademiker gesellschaftlich einander näher zu bringen. Zionistische Sektion 4/5. Samstag, 31. d. M., 8 Uhr abends, C h a m i s c h a a s s a r - F e i e r im Zirenu-Heim, V., Wiedner Hauptstraße 130 (F.ingang Ramperstorffergasse). Festrede: Prof. Dr. Viktor Kellner. Mitwirkend: die Damen Marie Bernay, Paula Haar und Gerda Kroitler, die Herren Ernst und Richard Auerbach, Edgar Neustädter, Siegmund Haber, Elialiu Krybus und Edi Miihlstock. Conference: Doktor Friedrich Klein. Regiebeitrag 80 g. Gäste herzlich willkommen! Zionistische Frauengruppe IX. Am Donnerstag, den 29. d. AL,!AS Uhr abends, findet im Cafe Bauernfeld, IX., Liechtensteinstraße 42, ein Vortrag des Fräulein Dr. Henny Rappaport über «Jüdische Jugenderziehung» statt. Gäste herzlichst willkommen. Die zionistische Ortsgruppe Klagenfurt richtet an die Zionisten die Bitte, ihr Bücher jüdischen Inhalts, vor allem solche, die für die Jugend bestimmt sind, zur Verfügung zu stellen. Die Bücher können für die zionistische Ortsgruppe in Klagenfurt in der Redaktion der «Stimme» abgegeben werden. Verband der zionistischen Hochschiilerinnen. Unsere Konvente finden jeden Mittwoch \->9 Uhr abends in der Rede- und Lesehalle Wien, IX., Türkenstraße 9, statt. Jüdische Hochschülerinnen sind willkommen! Jüdischer Angestelltenverband «Emunah» Wien. Samstag, den 31. Jänner 1931, findet im Mirjam-Heim, I., Jordangasse 7, eine Vorlesung des Schauspielers Richard Thorn statt. «Schmelz, der Nibelunge», Komödie von Adanuts. Beginn 8 Uhr abends. Gäste willkommen. Eintritt frei. Sektion Prater, II., Jungstraße 8. Vortrag des Herrn Dr. Josef Löwenherz, Dienstag, den 3. Februar 1931, über die Aufgaben und die Leistungen der Kultusgemeinde. Beginn 8 Ohr abends. Bezirkssektion Mariahilf-Neubau. Am 4. Februar 1931, 8 Uhr abends, spricht Kultusvorsteher Gg. Dr. Sanel Beer im Klubiokal der zionistischen Sektion Mariahilf-Neubau (Cafö Mariahilf, VI., Mariahilferstraße 89) über «Die Pathologie der Juden». Alle Gesinnungsgenossen und Freunde werden hiemit höflichst eingeladen. Maimonides-Institut, Wien, 1!., Praterstraße 11. Plan d e r V o r t r ä g e ab 1. Februar 1931: a) An der Universität, Hörsaal 37: Jeden Mittwoch (außer Universitätsferien) 6 Uhr: Dr. A. Kaminka: «Erklärung des Buches Hiob»; 7 Uhr: Dr. A. Kaminka: «Ethik des Talmuds», b) Im Institut, Praterstraße 11: Jeden Montag: Dr. A. Kaminka, 6 Uhr: «Erklärung der Psalmen»; 7 Uhr: «More Nebuchim». Jeden Dienstag: Rabb. M. Horowitz, 6 Uhr: «Sanhedrin»; 7 Uhr: «Jad Chasaka». Jeden Donnerstag, 6 Uhr: Dr. A. Kaminka: «Ibn Esra u. Ramban»; 7 Uhr: Dr. N. Goldstein: «Tnlmudisches Zivilrecht (Baba Batra)». Jeden Samstag, /24 Uhr: Dr. A. Kaminka: «Vortrag über den Pentateuch». Histadruth Iwrith, II., Kl. Mohrengasse 3, Samstag, den 31. Jänner, um 8 Uhr abends, Chagigath-chamischa-assar im Peroth erez-israel, Vortrag. Regiebeitrag für Chawerim 50 g, für Gäste 1 S. Seminare jeden Samstag 7 Uhr Dikduk madai Prof. A. Wiesen: «Mosnaim». Tabaktrafik, IL, Praterstraße Nr. 11, Zeitungskiosk 1., Schottenring beim Bankverein. «Ketuvim» Zeitungskiosk II., Taborstraße beim Cafö National, und I., Schottenring 38, Wagenschleife. Familie Simon Menczer, II., Große .Sperlgasse 15/8, erklärt, mit dem aus dem Judentum ausgetretenen Moritz Menczer in keinerlei verwandtschaftlichem Verhältnis zu stehen. Verband zionistischer Mittelschüler, Sektion II. Samstag, den 31. Jänner, um 7 Uhr abends, Vortrag des Herrn Professor Dr. Papo in unserem Heim, 11., Krummbaumgasse 10. Isidor Offner, Mitglied des Verbandes reisender Kaufletrrc, des Turner Tempels und vieler Wohltätigkeitsvereine, ist nach kurzer Krankheit im kaum 51. Lebensjahre gestorben. Der Verouchene war treuer Anhänger des jüdischen Renais- »aneegedankens und förderte eifrig unser heiliges Aufbauwerk. Ein kristallreiner Charakter, eine feinfühlende Seele, ein immer hilfsbereiter, ausgezeichneter Mensch ist dahingegangen. Der trostlosen Witwe, den zwei Töchtern und dem Bruder des Verewigten, dem bekannten Papierindustriellen Josef Offner, wendet sich allgemeines Beileid zu. Inventur-Okkasion. Qualitätsschuhe bis unter dem halben Preis. Damenschuhe ab S 12.50, Herrenschuhe, rahmengenäht, ab S 19.50 bei Schuh-Dorn, Un Taborstraße &, affet Jfus „Hatikwah“ als Kampfobjekf Die jüngste Konferenz der amerikanischen Rabbiner, die in Providence stattfand, hatte beschlossen — wie wir bereits berichtet haben —, die jüdische Hymne «Hatikwah» in das neue Gebetbuch aufzunehmen. Trotzdem der betreffende Beschluß mit überwältigender Stimmenmehrheit gefaßt worden war, unternimmt es jetzt eine kleine Gruppe von amerikanischen Rabbinern, eine Reassumierung herbeizufiihren. Der Wortführer der Opposition ist Rabbiner Wolsey aus Philadelphia. In einem Rundschreiben versucht er, seine Stellungnahme wie folgt zu begründen: Die Melodie sei wertlos, offenbar beeinflußt von slawischen und spanischen Trinkliedern, der Text sei nicht religiös und stehe in Gegensatz zum theologischen Inhalt des Gebetbuches. Ja, noch mehr, wenn man die «Hatikwah.» ins Gebetbuch aufnehme, müßte der amerikanische Jude zwei Hymnen singen. Rabbi Wolsey fühlt aber, daß seine Gründe fadenscheinig sind, auch dieser, daß dem amerikanischen Juden nicht zugemutet werden dürfe, außer der offiziellen Hymne der U. S. A. noch eine hebräische zu singen. Er rückt daher am Ende seines Rundschreibens mit der Sprache heraus. Er sei Rabbiner einer Reformgemeinde und seine Kultusvorsteher hätten ihm energisch erklärt, sie würden sich dem Singen der «Hatikwah» in ihrer Synagoge widersetzen. Diesem armseligen Protestrabbiner antwortete mit Würde der bekannte amerikanische Rabbiner Louis J. Newman. Er kanzelte zunächst Wolsey ab, weil er nicht seine eigene Meinung, sondern die seines Kultusvorstandes wiedergäbe. Was den Angriff auf die Melodiie anbclange, so verweise er darauf, daß die Melodie in einem alten sephardischen Lied vorkomme und daß in den Reformsynagogen eine Hymne «Es gibt ein mystisches Band» ungefähr denselben Inhalt habe, wie «Hatikwah». Auch Hymnen anderer Nationen seien nicht als solche verfaßt worden und ständen dennoch im Ansehen. Müsse «Hatikwah» ausgemerzt werden, weil sie einigen Reformrabbinern und Kultusvorstehern nicht passe? Rabbi Newman schließt mit den Worten: «Das Vorgehen der Opposition ist nicht nur illegal, es ist auch ein Affront gegenüber der guten Einsicht der Konferenz.» Deutsche „JudentSnze“ In dem soeben erschienenen zweiten «Jahrbuch für Volksliedforschung» findet sich eine interessante Arbeit von Raimund Zoder über deutsche «Judentänze». Danach steht der älteste bisher nachweisbare «Judentanz» in Wolff Heckeis «Lautenbuch von maricherley schönen und lieblichen stücken mit zwei lautten», zu Straßburg im Jahre 1562 ge- I druckt; wie er getanzt wurde, ist nicht überliefert. Die Melodie eines «Judenmarsches» aus dem «Dantz-Büchlein» des Johann Friedrich Dreyße, 1720, handschriftlich in der Münchener Staatsbibliothek erhalten, läßt sich mit Weisen von heute noch lebenden volkstümlichen Judentänzen in Vergleich bringen und gestattet dadurch einen gewissen Rückschluß von der heutigen Tanzausführung auf die der vergangenen Zeiten. Es handelt sich, dem Anschein nach, um Tänze, die ursprünglich nur von Juden, etwa bei Hochzeiten und am Simchath-Thora, aufgeführt und dann bei Bauernfesten nachgeahmt und als «Judentänze» übernommen wurden. Später hat man dann manchen von ihnen, an verschiedenen Orten, verspottende und verzerrende Absicht untergelegt. In welchem Stadium dieses Prozesses die einzelnen vom Forscher entdeckten «Judentänze» stehen und standen, läßt sich nicht genau ermitteln. Die vollständige Beschreibung aber stammt aus der jüngsten Gegenwart, aus dem Munde eines noch lebenden Mannes. Wer das sehenswerte Hallstätter Museum besucht, trifft dort den achtzigjährigen Aufseher, der zugleich ein vorzüglicher Musiker ist und mancher Generation der Hal'stätter Jugend die Anfangsgründe des Musikalischen beigebracht hat. In einem Tanzbuch dieses Alten, das er von einem Vorgänger übernommen hat, steht nun auch ein «Judentanz», der in längst vergangenen Tagen in Hallstatt mitunter getanzt worden ist; in welcher Art, das wissen nur mehr ganz wenige Einheimische. Die Tanzform ahmt die Bewegungen eines jüdischen Beters nach. Als solche wurde sie ursprünglich wohl nur von einem einzelnen Tänzer oder einem Paar ausgeführt, als ein Gebärdentanz, aus dem erst später eine verspottende Form hervorgewachsen ist. Andere Aufzeichnungen des Judentanzes aus noch lebender Ueberlieferung teilt Zoder mit aus Niederösterreich, Steiermark, Böhmen, Schlesien. Eine «Judenpolka» findet sich sogar in Vorarlberg, während ein «Judenwalzer» in Bayern, in der Pfalz, in Schwaben und Hessen heimisch war. 400.000Juden In der Tschechoslowakei Nach den bisher durch das Prager Statistische Staatsamt veröffentlichten Gesamtresultaten über die Volkszählung vom Dezember 1930 lassen sich bereits mit Sicherheit Schätzungen über den zu erwartenden Zuwachs der jüdischen Bevölkerung in der Tschechoslowakei anstellen. Der gesamte Bevölkerungszuwachs für Böhmen, Mähren, Schlesien, die Slowakei und Karpathorußland wird mit etwa 1,000.000 Seelen für die neun Jahre von 1921 bis 1930 beziffert. Da die Juden im Jahre 1921 354.342 Seelen oder 2.6 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachten, würde der Zuwachs der jüdischen Bevölkerung auf dem ganzen Gebiete der Republik etwa 26.000 Seelen betragen. Der jüdische Anteil am allgemeinen Zuwachs wird jedoch dadurch vergrößert, daß die Juden der Slowakei und Karpathorußlands eine stärkere Venr.ehnii’.L.squote auiweisen als in den historischen Ländern, die stellenweise sogar mit einem Ueuersduiß der Todesfälle über wie Geburten zu rechnen haben. Der Zuwachs der jüdischen Bevölkerung dürfte nach dieser Berechnung in der ganzen Tschechoslowakei 40.000 Seelen erreichen. Er beträgt unter Angleichung der Bevölkerungsproportion der Zählung von 1921 an die Zuwachsziffern von 1921 bis 1930 in Böhmen, wo die Juden 1921 79.777 Seelen oder 1.2 Prozent der Gesamtbevölkeriing bildeten, 5190 Seelen, in der Slowakei, wo es 1921 135.9IR Juden (4.5 Prozent der Gesamtbevölkeriing) gab, 12.600 und in Karpathorußland (1921 93.341 Juden oder 15.4 Prozent) 18.480 Seelen, d. h. zusammen ohne Mähren, über das noch keine Ziffern vorliegen, 36.000, mit Mähren voraussichtlich 40.000 Seelen. — Dadurch würde sich die Zahl der Juden in der Tschechoslowakei auf zirka 400.000 erhöhen. Hai Professor Sukenik Christi Gebeine gefunden? Professor Sukenik, der Archäologe der Jerusalemer Universität, der seit Wochen in Berlin weilt, berichtete in der Deutschen Archäologischen Gesellschaft über neue Gräberfunde in Palästina, die auf bisher unbekannte Bestattungsbräuche in der Epoche um Christi Gebürt hinweisen. Seit längerer Zeit werden in Palästina Steinkisten gesammelt, zu klein, um als Sarkophage zu dienen, jetzt erst ist ihre ehemalige Verwendung aufgeklärt: In den Familiengräbern, die in Höhlen oder in künstlichen Felslöchem angebracht wurden, fanden bald die hinzukommenden Leichen keinen freien Raum. So wurden diese zuerst in die länglichen Grablöcher gelegt, worauf man diese durch eine Steinplatte verschloß. War die Verwesung \voIlzogen, öffneten die Verwandten feierlich das Grab, überführten die Knochen in eine steinerne Gebeinkiste, wie wir deren jetzt zu Hunderten finden, und diese wurden endgültig in einem tiefer gelegenen Loch aufbewahrt. Diese Gebeinkisten oder Ossuarien haben flache, gewölbte oder giebelförmdge Dächer oder sind fast immer durch in weißem Kalkstein geschnittene Ornamente verziert. Eine offenkundige «Kerbschnittechnik», die darauf hin weist, daß vor Gebrauch der Kalksteinkisten ehemals hölzerne Kisten in Gebrauch waren. Viel ist aus den Inschriften zu ersehen. Da lesen wir* in flüchtiger Kursivschrift jüdische und aramäische Namen, einige aus dem Geschlecht des Hohepriester? Gamaliel, auch Mitglieder des Sanhedrin werden genannt; Die Zeit dieser" Steinkisten läßt sich mit Gewißheit feststellen; es handelte sich um das vorchristliche Jahrhundert und um die Periode von Christi Geburt bis zur Zerstörung des zweiten Tempels (70 v. Chr.). Man hat also hier zuverlässig intime Zeugnisse aus der Zeit Jesus’ von Nazareth, es finden sich . einige Namen, die nur im neuen Testament Vorkommen. Ueberaus stark wirkt die Inschrift einer Steinkiste: «Jeschua bar Jehoseph» (Jesus, Sohn Josephs). Professor Sukenik will nicht die Möglichkeit :al? naheliegend bezeichnet haben, daß es sich hier um die Gebeinkiste Christi handelt. Er knüpft daran nur die folgende Bemerkung: Der Name Jeschua ist an und für sich selten und für die damalige Zeit nur wenig bezeugt. Hinzukomm.t, daß dieser Jeschua als Sohn Josephs bezeichnet wird. Gewiß, der Name Joseph ist häufig, aber immerhin ist das Zusammentreffen ein seltsames. Das Ossuar selber ist von sehr einfacher Form und trägt nicht den reichen Schmuck, den viele andere aufweisen; es ist auch bei der Beschriftung kein Künstler hinzugezogen worden, wie das sonst üblich war, sondern die Schriftzüge sind ein wenig unbeholfen in einfacher Kursivschrift von den Angehörigen selbst angebracht. Dies alles wie auch das Idiom der Niederschrift könnten gut auf den Menschen Jesus passen, aber eine Identifizierung wird immer unmöglich bleiben. Die gefundenen Knochen mehrerer dieser Ossuarien werden anthropologisch vermessen, dazu fehlen in Jerusälem die Mittel. Diese Arbeiten sollen in Berlin von Geheitrirat Virchow ausgeführt werden. Professor Sukenik glaubt, daß manches Erstaunliche über die damalige Rassenzusammensetzung des jüdischen Volkes hefauskommen wird. Das Archäologische Institut des Deutschen Reiches wird noch In diesem Jahre das ganze Material Sukeniks veröffentlichen. Professor Schubart wird manche schwer leserliche Inschrift noch entziffern. Jedenfalls haben diese Forschungen die Realitäten der Heiligen Schrift uns um vieles näher gerückt. Demnächst soll eine große Nekropole nahe bei Jerusalem ausgegraben werden, sie verspricht reiche Funde. Nach Feststellung der Ergebnisse sollen alle Gräber wieder auf immer verschlossen werden. Professor Sukenik versicherte, daß nur zögernd und mit aller Pietät bei diesen Ausgrabungen und Forschungen vorgegangen wird. Eine Spende von Rabbinern für eine: neue Kirche? Amerikanische Blätter melden, daß eine Gruppe von Rabbinern in Brooklyn beschlossen habe, für die dort im Ban befindliche bischöfliche Methodistenkirche ein Fenster zu stiften. Damit solle für die «Good Wi!l»-Bewegung demonstriert werden. Die verschiedenen Religionen sollen sich nicht feindlich gegenüberstehen, alle sollen für den Gattesglautfeii wirken. Das von Rabbinern gestiftete Kirchenfenster zeige das Bild Abrahams mit der Inschrift: «Der Vät$r des Glaubens.». i