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Die Stimme · 1931-01-29 · Heft 161 (29.1.1931) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 161 (29.1.1931)
Date
1931-01-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 161 — 59. Jänner 19S* DIE STIMME Seite 7 iJetftnifc und Witisdkafi Nr. 2 Beilage der „Stimme" Jänner 1931 ir~i"'-1-1-mn-■ 1Tr --ni|- . .,-1-■■■ -- — -- Asphalt, bituminöser Kalkstein und Erdöl in Palästina und seinen Nachbarländern Von Ing.-Chem. Rudolf Seiden, Wien. (Schluß.) III. Der bituminöse Kalkstein — im Arabischen als Mosesstein bezeichnet — findet sich im Gegensatz zu dem vereinzelt und fast immer nur in kleinen Mengen vorkommenden Asphalt in Syrien und Palästina ziemlich weit verbreitet und in großen Quantitäten (in der obersten Senonformation). Es handelt sich hier — soweit die Fundstätten bisher untersucht sind — um ein minderwertiges Material und kann an einen Export desselben keinesfalls gedacht werden; an den Fundstätten selbst ist es in der naturgegebenen Zusammensetzung nicht beim Straßenbau zu verwenden; gerade diese Verwertungsmöglichkeit ist aber im allgemeinen für bituminöse Kalksteine die wichtigste. So bleiben nur zwei Wege zur Verwertung dieses Minerals: entweder Anreicherung durch hochbituminöse Stoffe oder aber die Suche nach neuen Verfahren, die eine Umwandlung der reichlich enthaltenen organischen Stoffe in brennbares Gas und andere technisch brauchbare Produkte gestatten. Ein hochbituminöser Stein, der meist als Asphalt bezeichnet wurde, findet sich — neben Erdöl — am Ostabhange des Dschcbel edDahr und einige Kilometer südlich davon bei Hasbeja; diese Vorkommen, die von 1895 bis 1909 bis zu 20 m Tiefe abgebaut wurden, ergaben eine Jahresproduktion von 300 bis 600 t «Asphalt»; der Betrieb wurde aber dann als unrentabel aufgelassen. Bituminösen Kalkstein besitzt auch noch Syrien am Antilibanon; in Palästina findet er sich an mehreren Plätzen: im Quellgcbiet des Jordans, bei El M a k a r i n im Jarmuktale, in Galiläa in der Nähe von S a f e d, in der Wüste Juda bis östlich von Beer Seba, vor allem aber nächst dem Kloster .zu ,N ebi Mu sa, d,a? 8 krp östlich.von jener. Stelle liegt, an welcher die Straße von Jerusalem das Nordufer des Toten Meeres erreicht. Hierher zählen außerdem die meisten östlichen Nebentäler des Jordans und die Berge, die den südlichen Teil des Toten Meer-Beckens umgrenzen. Schließlich wären auch Orte in Transjordanien aufzuzählen, wo bituminöse Kalksteine oder gar reiner Asphalt (Z i z a, D a b a) Vorkommen. Die Untersuchungen bei El M a k a r i n wurden von deutschen Geologen während des Krieges unter Leitung des Baurates Schumacher ausgeführt, der übrigens dort auch Erdöl erbohren wollte. Bei El Makarin finden sich große Lager eines grauen, feinkörnigen Bitumen-Kalksteines in den oberen Horizonten der Kreide, angeblich mit einem Bitumengehalt von 9 Prozent im Durchschnitt. Eine Ueberprüfung dieser Ziffer wäre sehr wichtig, da sie mir schon nach der Farbe des Steines und nach meinen Erfahrungen mit den palästinensischen Bitumen-Kalksteinen unwahrscheinlich hoch vorkommt. Jedenfalls haben die Deutschen im Kriege diesen Stein auch einer Destillation unterworfen und auf diese Weise aus ihm ein öliges Produkt erhalten, das als «Schmiermittel» für Lokomotiven und Waggons der Hedschaz-Bahn benützt wurdel Die Ausbeute betrug etwa 3 Prozent Oel («Oelteer»), berechnet auf das Gewicht des verwendeten Steines. Dieser bituminöse Kalkstein wurde damals von der Bahnverwaltung auch als Heizmaterial — unter Zusatz von Holz — gebraucht. Die am längsten bekannten Fundstätten in N e b i M u s a bilden schwarze Linsen von einigen Metern Durchmesser, die in weiße Kreide eingebettet sind. Einzigartig ist die Verwendung, welche der hier gebrochene Stein findet: man schafft ihn nach Bethlehem, wo er zunächst zur Erhöhung des Glanzes und zur Vertiefung der Farbe in Olivenöl gelegt und dann auf Andenken, Kreuze, Heiligenbilder, Vasen und Schmuckgegenstände verarbeitet wird. Bisher galt der bituminöse Kalkstein von Nebi Musa als der wertvollste ln Palästina; sein Bitumengehalt wird in der Literatur fast immer mit 20 bis 25, seltener mit 10 bis 15 Prozent angegeben. Daß diese Angaben trotz der weiten Grenzen, in denen sie gehalten sind, viel zu hoch und falsch sind, erweist folgendes Analysenresultat, das eine Bestätigung findet in den Ergebnissen, zu welchen Ing. Bravermann in Tel Aviv unabhängig von mir kam: ich erhielt in einer mir vom Chefgeologen der Palästinaregierung zugestellten größeren Probe bituminöser Kalksteine von Nebi Musa nur 4.85 bis 5.12 Prozent B i t u m e nl Diese Ziffern stehen in krassem Widerspruch mit den obenerwähnten; so hat u. a. Prof. Blanckenhorn1) einige dieser Steine von seinen Schülern untersuchen lassen und diese Untersuchungsergebnisse publiziert: es wurden 13.55 bis 25 Prozent Bitumen gefunden! Trotzdem aber hat die «Berliner A. G. für Asphaltierung und Dachbedeckung», der B I a n c k e nhorn zur Durchführung technischer Experimente ein größeres Quantum seiner aus Palästina mitgebrachten Steine übergab, erklärt, daß diese zu wenig Bitumen enthalten, um verwertbar zu sein. Damit ist zugleich gesagt, daß die Bitumenbestimmungen der Schüler Blanckenhorns — wie übrigens auch alle anderen mir bekanntgewordenen — falsch sind, da ein Stein, der 10 Prozent Bitumen enthält, technisch schon gut brauchbar ist. Hervorheben möchte ich an dieser Stelle ein an mich gerichtetes offizielles Schreiben des zuständigen Refe-enten der palästinensisch-englischen Regierung aus dem Jahre 1925, worin es heißt, daß der «Bitumengehalt des Kalksteines 20 bis 23 Prozent beträgt, von welchen sich 11 Prozent oder mehr als Rohöl im zersetzten Zustande erweisen». Wenn auch diese Angaben trotz ihrer Dehnbarkeit noch nicht den von mir gefundenen niedrigen Bitumengehält vermuten lassen, so geben sie doch einen Fingerzeig zur Aufklärung der wiederholt erwähnten Widersprüche in den Bitumen-Analysen, Die Fehlerquelle in den unrichtigen Bestimmungen ist darin zu finden, daß alle verbrennbare organische Substanz — und nicht bloß die durch Chloroform extrahierbaren Verbindungen — für Bitumen gehalten wurden! Im allgemeinen sind in den bituminösen Kalksteinen Europas und Amerikas. keine oder nur sehr wenige nichtbituminöse orqooooooogccoqcgocoooocooocooqocxxxxxxx> Kollegen! Jüdische Ingenieure n. Techniker! Abonniert „Die Stimme“! Inseriert in der Beilage Technik ul. Wirtschaft! Ihr• helft damit, diese Beilage auszugestalten! vXXXXXX»Q000CXXXXXX3CX300CXXXX»00CXXX)00ü> ganische Stoffe enthalten. Die palästinensischen Vorkommen sind dadurch charakterisiert, daß in ihnen der Gehalt an nichtbituminösen organischen Stoffen den der Bitumina bei weitem übertrifft. Eine vollständige Analyse des bituminösen Kalksteines aus Nebi Musa, von Ing. Bravcrman n2) ausgeführt, ergab: Bitumen . . . . . . . 5.07% CaCOa .. 70.20,, MgCOs ........ Spur (0.002) CaS04 SiOa ..... AlaOa+FeaOa . . , Organische Substanz 1.20 „ 4.51 „ 6.56 „ 12.52 „ 100.06% Diese Ziffern stimmen bei 4 Analysen, die mit Proben von bituminösen Steinen von Nebi Musa, Bethlehem, Transjordan ien-A'lchami und Artuf gemacht wurden, gut überein; der Bitumengehalt schwankte zwischen 4 und 5.7 P r oz e n t. Für Vergleichszwecke seien die Bitumengehalte solcher bituminöser Kalksteine3) hierher gesetzt, die in Europa gut bekannt sind: Lobsann . . Limmer . . Vorwohle . . Ragusa . . Val de Travers Seyssel , , Cpd .... Alle diese bituminösen . 12.32% Bitumen 13.3 ,, „ . 8.50 „ . 8.92,, 10.15 „ y, . 8.15 „ n 7 •» n Kalksteine finden technische Verwendung, vor allem beim Straßenbau; sie alle sind aber viei bitumenreicher als die Steine Palästinas, Syriens und Transjordaniens. Während bei den Steinen des Nahen Ostens der höchste Bitumengehalt 5.7 Prozent ausmacht, enthält der schlechteste europäische Stein über 7 Prozent Bitumen. Proben des bituminösen Kalksteines von Nebi Musa, die ich führenden Unternehmungen der Asphaltbranche in Deutschland und Oesterreich zur Ausführung technischer Experimente übergab, erwiesen sich nach den mir zugegangenen Berichten als minderwertig1 4); diese stimmen somit überein mit dem Urteil, das schon vor über zwanzig Jahren Prof. Blanckenhorn hörte; nicht zuletzt *) Blanckenhorn: «Naturwissenschaftliche Studien am Toten Meere und im Jordantal», 1907. 2) Im «Bulletin der Ingenieur- und Architektenvereimgurig in Palästina», 1925, Heft 3 (hebräisch-englisch). *) Nach W. F r i e s e. 4) U. a. «Teerag A. G.» in Wien; «Chemische Fabrik Buckau» in Ammensdorf/Saalkreis. sind sie auch ein Beweis dafür, daß alle Analysenangaben, die von höherem als durchschnittlich öprozentigern Bitumengehalt sprechen, falsch sind. * Der Bitumengehalt des palästinensichen Kalksteines ist zu klein, als daß man ernstlich daran denken könnte, seinen «Asphalt» auzuschmelzen, zumal sich die Ausschmelzverfahren selbst bei hochwertigen Steinen, z. B. in den Abruzzen, nicht als rentabel erwiesen haben. Man kann die untersuchten Steine bestenfalls; auf eine Stufe stellen mit jenen minderwertigen, die sich in deutschen Lagerstätten finden; in Deutschland wird dieses Material mit reinem Bitumen oder mit bitumenreichen Kalksteinen soweit aufgewertet, daß es als Stampf- oder Gußasphalt verwendbar wird. Will man den syrischen und palästinensischen Stein verwerten, dann muß man dort denselben Weg gehen: man wird Trinidadasphalt oder Mastix importieren müssen, um den damit verbesserten Kalkstein im Straßenbau des Nahen Ostens gebrauchen zu können. Dadurch wird sich eine Verbilligung des Straßenbaues für diese Länder ergeben, wenn man die Verhältnisse in anderen Staaten, die überhaupt keine bituminösen Rohstoffe besitzen, zum Vergleich heranzieht; von diesem Gesichtspunkte aus sind die minderwertigen Kalksteine für Syrien und Palästina selbst von einigem Werte, vielleicht in kleinen Mengen auch für ihre unmittelbaren Nachbarn — im allgemeinen aber wird mit dem Export dieses Rohmaterials nicht zu rechnen sein. Wenn man die verschiedenen Asphalt - Straßentypen unter Berücksichtigung der Rohstoffverhältnisse des Nahen Ostens betrachtet, erweist sich hier Stampfasphalt als am günstigsten. Allerdings ist die Beschaffung des Betonuntergrundes teuer, doch besitzt Palästina hervorragenden Zement, den es verhältnismäßig billig beistellen könnte. Die Anreicherung des Bitumengehaltes auf 9 bis maximal 12 Prozent erfordert keinen allzu großen, wohl aber einen vorsichtig begrenzten Bitumenzusatz. Gußasphalt ist besonders für Fußsteige ge-’ eignet. Man muß auch-, hiefür das heimische Asphaltsteinmehl durch Zusatz höchbituminöser Stoffe, die zu importieren sind, auf 13 bis maximal 18 Prozent Bitumen bringen — infolge der tropischen Hitze eher auf weniger als auf mehr. Das Arbeiten mit Gußasphalt, der bedeutend billiger ist als Stampfasphalt, erfordert keine besondere Vorsicht und keine teuren Maschinen. Walzasphalt, u. zw. Asphaltmakadam, wäre vielleicht das billigste und beste Straßenmaterial auch für Palästina und Syrien. Ich habe schon vor Jahren in Palästina kurze Strecken in Makadamausführung gesehen, die probeweise an den von Automobilen besonders stark frequentierten Stellen angelegt worden waren und sich bestens bewährt haben. Der bei diesen Straßen notwendige Unterbau wird mit den heimischen, reichlich vorhandenen guten Steinen errichtet; bei der besonders im Sommer sehr hohen Temperatur kann man über die leicht eingewalzten Steine flüssiges Bitumen unmittelbar ausgießen und so das ganze zu einer sehr guten, billigen Straße verkitten. Da für diese Bindung nur 5 bis 8 Prozent Bitumina gebraucht werden — die allerdings importiert werden müssen —, hat die Makadamstraße gute Aussichten, sich als die geeignetste Straße durchzusetzen. Damit ist es klar, daß man bei Straßenbauten für alle Fälle nach Palästina und Syrien Bitumina-Trinidad-Asphalt, Goudron oder Mastix wird e i n f ü hr e n müssen, da ja der Tote-Meer-Asphalt als das einzige heimische bitumenreiche Material in zu geringer Quantität vorkommt; überdies ist er für diese untergeordneten Zwecke viel zu wertvolL * Es wurde bereits erwähnt, daß der paüstinensische bituminöse Kalkstein neben etwa 5 Prozent Bitumen 12 oder mehr Prozent nichtbituminöse organische Substanz enthält, also insgesamt durchschnittlich 20 Prozent Kohlenwasserstoffverbindungen. Durch trokkene Destillation wird es vielleicht gelingen, ein H e i zu n d Leuchtgas5) aus diesem Stein zu gewinnen; gerade im Nahen Osten, wo es keine größeren Fundstätten für Erdöl, Kohle und auch kein Holz gibt, wo die vollständige Elektrifizierung der Städte und Betriebe vielleicht noch Jahrzehnte dauern wird, kann ein Verfahren zur Gaserzeugung, das auf der Zersetzungsdestillation bituminöser Kalksteine beruht, auch dann noch Aussicht auf Erfolg haben, wenn es in Europa unwirtschaftlich wäre. Es gehört natürlich gediegene, fachliche Spezialkenntnis und auch eine genaue Kentnis der Verhältnisse Palästinas und Syriens dazu, ein solches neues Verfahren auszuarbeiten; vor allem muß berücksichtigt werden, daß nicht daran zu denken ist; 5) Ing. Bravermann erhielt Bei einem Versuch nebenbei noch 8 Prozent öliges Gaswässer. i

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