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Die Stimme · 1931-01-22 · Heft 160 (22.1.1931) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 160 (22.1.1931)
Date
1931-01-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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me stmm Seite 3 Zentralorgan der Zir>n:^-;<*chen Organisation, den «Haolam». 1909 be^..o er David Wolffsohn in einer politischen Mission nach Konstantinopel. Seitdem trat er innerhalb der zionistischen Bewegung und Organisation auf dem Gebiete der Politik, der Propaganda und der Kulturarbeit immer mehr in den Vordergrund und wurde auf dem zehnten Zionistenkongreß in Basel 1911 zusammen mit Prof. Otto Warbürg, Dr. Schmarjahu Levin und Dr. Arthur Hantke in das engere Aktionskomitee der Zionistischen Organisation gewählt. Er siedelte damals nach Berlin über und dieb hier als Mitglied der Leitung der Zionistischen Organisation bis zum Beginn des Weltkrieges. Während dessen Verlauf verlegte Sokolow seinen Wohnsitz von Berlin nach London, wo er fortan gemeinsam mit Dr. Weizmann und Dr. Tschlenow eine großzügige politische Tätigkeit für die Einbeziehung der zionistischen Palästinaforderungen in die englische Politik entfaltete und so an der Erlangung der Balfour-Deklaration mitwirkte. Seit dieser Zeit ist Nahum Sokolow an allen politischen Aktionen des Zionismus führend beteiligt. Er verhandelte während des Weltkrieges mit vielen führenden politischen Persönlichkeiten Europas Uber die Fragen des Zionismus und es gelang ihm, bei den Regierungen Frankreichs und Italiens die Zustimmung zur Balfour-Deklaration zu erlangen. Sokolow hat ferner wiederholte Verhandlungen mit dem Vatikan geführt und wurde 1917 vom Papste Benedikt XV. empfangen, dem er die Ziele der zionistischen Bewegung darlegte. Während der Friedensverhandlungen in Versailles wurde Sokolow Präsident des Comite des Detegations Juives und wirkte bei der Anerkennung der jüdischen Minderheitsrechte in den verschiedenen Friedensverträgen mit. Ebenso ist die Zustimmung des amerikanischen Parlaments zur Gründung einer jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina sowie die wiederholten Sympathieerklärungen vieler Regierungen, darunter der von Polen, Rumänien und Südafrika für die Politik des Zionismus auf Sokolows politische Tätigkeit zurückzuführen. Auf der Londoner Jahreskonferenz im Jahre 1920 sowie auf den ihr folgenden Zionistenkongressen wurde Sokolow zum Präsidenten der Zionistischen Exekutive, bei der Gründung der erweiterten Jewish Agency im Jahre 1929 auch in deren Exekutive gewählt und im September 1930 vom Administrativen Komitee der Jewish Agency zu deren Ehren-Vizepräsidenten ernannt. Er ist ferner seit 1921 Präsident aller Zionistenkongresse gewesen. Neben seiner politischen und journalistischen Tätigkeit hat Nahum Sokolow auch eine ausgedehnte literarisch-wissenschaftliche Tätigkeit entfaltet. Er schrieb u. a.: «Sin at olam Tarn olam» (eine Geschichte des Antisemitismus; Warschau 1882); «Zaddik w’nissgaw» (eine historische Novelle; Warschau 1882); «Erez chemda» (eine Geographie Palästinas; Warschau 1885); er gab die Jahrbücher «Haassif» und «Sefer sikkaron» (ein biographisches Lexikon zeitgenössischer jüdischer Schriftsteller; Warschau 1889) heraus. Seine neuesten literarischen Werke sind «Baruch Spinoza us’manno» (London 1929) und «Ha ani hakibbuzi» (New York 1930). Besondere Erwähnung verdient seine in zwei Bänden erschienene «History of Zionism» (London 1919), in der er zum erstenmal den Versuch einer historischen Darstellung des zionistischen Gedankens gemacht hat. Sokolow hat endlich eine große Reihe wichtiger Werke der europäischen Literatur ins Hebräische übersetzt, darunter Herzls «Altneuland» sowie die Geschichte der jüdischen Literatur von Gustav Karpeles. Die Verehrung, die Nahum Sokolow in den jüdischen Massen, insbesondere in Osteuropa, Amerika und Südafrika, als Politiker, Volksredner, Schriftsteller und Journalist genießt, ist fast ohne Beispiel. Seine Verdienste um die Ausbreitung des zionistischen Gedankens und dessen Anerkennung in der nichtjüdischen Welt bleiben unvergänglich. Das Zionistische Landeskomitee gratuliert Das Zionistische Landeskomitee für Oesterreich hat an Nahum Sokolow folgendes Schreiben gerichtet: Wien, 19. Jänner 1931. Wohlgeboren Herrn Nahum Sokolow, Präsident der Zionistischen Exekutive, London. Hochverehrter Herr Präsident! Die gefertigte Organisation der Zionisten Oesterreichs erlaubt sich hiermit, Ihnen anläßlich Ihres 70. Geburtstages die herzlichsten Glückwünsche zu Übermitteln. Die ganze zionistische Welt blickt an diesem Tage mit Freude und Stolz auf Sie, als den anerkannten Volksführer, der es verstanden hat, Generationen hindurch a^len Gebieten des jüdischen Lebens bahnbrechend und schöpferisch zu wirken. Es erübrigt sich wohl, bei einer Persönlichkeit weltgeschichtlichen Formats, bei Ihnen, hochverehrter Herr Präsident, einzelne Verdienste hervorzuheben. Es genügt wohl, darauf hinzuweisen, daß Sie in der Schicksalsstunde des jüdischen Volkes als einer der wenigen Führer den Ernst der Stunde erfaßt haben und eine geschichtliche Basis für die Schaffung einer jüdischen Heimstätte in ihren Palästina durch Ihren weitreichenden Einfluß und prophetischen Enthusiasmus erwirkt haben. Ihr Name wird für immerdar mit der Entwicklung der letzten Jahrzehnte des Weltjudentums engt* verknüpft sein und diese freudige Genugtuung möge Ihnen über die hoffentlich vorübergehende Lage des Gesamtjudentums hinweghelfen. Möge Ihnen noch vergönnt sein, viele Jahre an der Spitze unseres Volkes zu stehen, welches zu Ihnen mit unerschütterlichem Vertrauen emporblickt und in Ihnen stets ein Spiegelbild prophetischer Unbeugsamkeit schätzt. Genehmigen Sie, hochverehrter Herr Präsident, di« Versicherung, daß alle Zionisten Oesterreichs, ohne Unterschied auf parteiliche oder sonstige Einstellung, mit uns eins sind in den besten Wünschen am Tage Ihres 70. Geburtstages, der auch ein Jubeltag ist für die ganze zionistische und jüdische Welt. Mit dem Ausdrucke vorzüglichster Hochachtung- und Zionsgruß f. d. Zionistische Landeskomitee für Oesterreich. Dir. Wilhelm Epstein, m. p. Dr. Oskar Grünbaum, m. p. Wird sich der VOikerbnndsrat aut seiner Maitagunfl mit dem Weißbuch belassen? Ein Interview mit M. Marinkovic Genf, 16. Jänner (J. T. A.). Der jugoslavische Außenminister M. Marinkovic, der bei der Montag, den 19. Jänner beginnenden Tagung des Völkerbundsrates zum ersten Male als Rapporteur für Mandalsfragen fungieren wird, hat in einem Gespräch mit dem Genfer J. T. A.-Vertreter erklärt, er persönlich halte es für wünschenswert, daß sich der Völkerbundsrat schon auf seiner Mai-Tagung und nicht erst auf seiner September- Tagung, deren Tagesordnung ohnedies überlastet ist und deren Termin zu fern liegt, mit dem Weißbuch der englischen Regierung befasse. Sollte sich der Völkerbundsrat für die Beratung des Inhaltes des Weißbuches auf seiner Mai-Tagung entschließen, so müßte vor der für Juni 1931 angesetzten ordentlichen Tagung der Mandatskommission eine außerordentliche Tagung dieser Kommission einberufen werden. Er selbst, Marinkovic, sei sich vorläufig noch nicht im klaren, ob er die Einberufung einer außerordentlichen Session der Mandatskommission vorschlagen solle. Außenminister Marinkovic besprach sodann die politische Situation, wie sie sich nach Veröffentlichung des Weißbuches gestaltet hat, und erklärte, seiner Meinung nach seien die Schwierigkeiten für die zionistische Bewegung vorübergehender Natur. Er vertraue Sei r&ettmntifdieit Sdmierjen, roel), Scfjmeräen m ben ©etenfen unb ©liebem toirfen SEogal='£ablettqt ganj Jjeroo^ragcnb. Stbiolut utijdjäbüd). ©in SSerfud) überzeugt! — Sn allen Slpotfjefen. — © 2.40 — * - darauf, daß England seine in der Balfour-Deklaration verkündete Politik nicht ändern werde. Die Juden könnten mit den Sympathien der Völkerbundsstaaten und der öffentlichen Meinung Englands rechnen. Das zionistische Aufbauwerk werde fortgesetzt werden, denn seine Vollendung liege im Interesse der Menschheit und diene dem Wohle Palästinas. Außenminister Marinkovic versicherte, er sei seit langem ein Anhänger des Zionismus, der ein großes, erhabenes Ziel verfolgte. Die Ueberführung der Juden, die infolge historischer Umstände ein vorwiegend städtisches Element darstellen, zur Landwirtschaft bilde eine schwierige Aufgabe. Dieses Werk verdiene wärmste Sympathie und jegliche Unterstützung. Sogar diejenigen, die vom vollen Erfolg des Zionismus nicht vollkommen überzeugt sind, sollten dieses Werk fördern und diejenigen ermutigen, die an den Erfolg des Zionismus glauben und dafür arbeiten. Dem Enthusiasmus, der Hingabe und Beharrlichkeit der Pioniere widmete Außenminister Marinkovic volle Anerkennung. Der Bericht der Klagemauerkommission Auf eine Anfrage hat das Völkerbunüssekretariat dem J. T. A.-Vertreter mitgeteilt, daß England den Bericht der Klagemauerkonimission bisher dem Völkerbund nicht unterbreitet hat und ihm auch diesbezüglich noch keinerlei Information zukommen ließ. Es erscheint somit unwahrscheinlich, daß sich der Völkerbundsrat in seiner Montag, den 19. Jänner, beginnenden Tagung mit dieser Frage befassen wird. Die Antwort der arabischen Exekutive auf das Weißbuch Jerusalem, 16. Jänner. (J. T. A.) Die palästinensisch-arabische Exekutive hat am 14. Jänner dem High Commissioner Sir John Chancellor die Antwort der arabischen Exekutive auf das Weißbuch zur Weiterleitung an die britische Regierung in London und an den Völkerbund in Genf überreicht. Die Antwort besteht hauptsächlich in einer Wiederholung der von TELEPHON U-22-3-59 elzhaus GEBRÜDER BRAININ WIEN, I. Haiie«ninavM 9 m den Arabern seit dem Inkrafttreten des Palästina- Mandats mehrmals erhobenen Forderungen, und zwar der Forderung nach Zurückziehung der Balfour-Deklaration und Aufgabe des Mandats mit der Begründung, daß die Deklaration in Widerspruch steht mit Artikel 22 des Völkerbundsmandats und dem den Arabern gegebenen Versprechen, ihre nationalen und natürlichen Rechte zu respektieren. Ferner verlangen die Araber die Einsetzung einer einem gewählten Parlament verantwortlichen Regierung in Palästina. Weiter wird erklärt, daß die Araber es als erste Pflicht Großbritanniens erachten, den Uebergang von arabischem Boden in die Hände von Nichtarabern zu verhindern und die jüdische Einwanderung nach Palästina endgültig zu verbieten. Schließlich wird der Vorschlag gemacht, landlos gewordene Araber im Huleh-Gebiet anzusiedeln. Vertagung der Verhandlungen London. (J. T. A.) Mit Rücksicht auf die Abreise des englischen Außenministers Henderson, der in den Verhandlungen zwischen Jewish Agency und den Vertretern der englischen Regierung den Vorsitz geführt hat, zur Völkerbundstagung nach Genf, wurden die Verhandlungen bis zu seiner Rückkehr, die frühestens in einem Monat erfolgen wird, vertagt. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, wird Professor Maurice Hexler die Verhandlungspause dazu raus-* nützen, um sich unmittelbar nach Beendigung,-der Tagung des Aktions-Cömitees zu dreiwöchigem»Aufenthalt nach Palästina zu begeben. Warhurg hofft auf einen Erfolg her Proteste New York, 18. Jänner. (J. T. A.) Felix M. Warburg hat anläßlich der amerikanischen Pro-Palästina- Konferenz. die am 25. Jänner eröffnet werden soll, eine Botschaft veröffentlicht, in der er u. a. erklärt: «Durch kein Ereignis in meinem Leben wurde ich physisch und moralisch so schwer betroffen wie durch den Rückschlag, den der Palästina- Aufbau durch die Veröffentlichung des Weißbuches erlitten hat. Ich habe indessen nicht die Hoffnung verloren, daß unsere Proteste von Erfolg gekrönt sein werden. Die Palästina-Krise und die innerzionistische Situation Das Arbeiterorgan «Dawar» schreibt an leitender Stelle: angesichts der Möglichkeit, daß der Jischuw nicht in der Lage sein könnte, seine wirtschaftliche Stellung zu behaupten, erscheine die Frage, ob Rabbi Berlin als Mitglied der Exekutive demissioniere oder nicht, ob Nahum Goldrnann aus der Politischen Kommission austrete oder nicht, ob der Zionistenkongreß im Februar oder im Sommer abgehalten werden soll, ganz unwesentlich. Im Zusammenhang mit einer Erörterung der wachsenden Arbeitslosigkeit in Palästina fördert «Dawar» die Jewish Agency auf, von der Palästina-Regierung Abhilfe gegen die durch bestimmte Aktionen der Regierung verursachte ökonomische und politische Krise zu verlangen und gleichzeitig alle Hilfsquellen des Nationalfonds, der nationalen und pseudonationalen Banken, der PICA, der jüdischen Industriellen und anderer jüdischer Faktoren heranzuziehen, damit verhindert werde, daß eine Welle von Arbeitslosigkeit den Jischuw überflute. Vereinigung der zionistischen Arbeitei* Parteien in Amerika New York, 15. Jänner. (J. T. A.) Die Zentn* leitungen der Poale Zion und der Hitachduth in Amerika haben die Vereinigung beider Parteienn beschlösse*, Die Entscheidung über die gemeinsame Plattform itf einer Abstimmung der Mitglieder und der Stellung^ nähme der Weitbureaas beider Parteien vorbattflimL

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