Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 159 (15.1.1931)
- Date
- 1931-01-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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' 169 — 15. Jänner 1931 Llil. STIMME Seite 7 Die Hakoah ruft! Die Jugend aller Völker von heute ist sportlich eingestellt. Das Volk, das die besten und meisten Sportsleute hat, ist bekannt und geschätzt. Nurmi und Schmellng haben für ihr Vaterland mehr geleistet, als es sämtliche Politiker imstande wären. Aus dieser Erwägung heraus unterstützt jedes Volk, jeder Staat und jede Stadt seine Sportbeiriebe und setzt alles daran, die Leistungen zu fördern. Das tun alle Völker. Nur wir Juden tun es nicht, obwohl wir es am notwendigsten hätten. Wir wollen unser Volk regenerieren und beleben. Wir wollen aus den Judenjungen junge Juden machen! Wir wollen ein verwüstetes Land mit unseren Kräften auibauen. Wir wollen nach dem tausendjährigen Ghetto, nach dem rückenbeugenden, engbrüstigen, furchtsamen, lichtscheuen Leben eine kräftige, bewegliche, mutige und gebräunte Jugend heranbilden, die fällig ist, an der Regeneration direkt oder indirekt mitzuarbeiten. Ein Instrument hierzu ist die Hakoah. Sie hat 13 Amateursektionen mit fast zweitausend ausübenden Sportsleuten. Sie strebt die körperliche Ertüchtigung ihrer Mitglieder an, schreitet von hier zu sportlicher Erziehung und erzielt sogar häufig ausgezeichnete Spitzenleistungen. Sie sorgt aber auch für die gesellschaftliche, wissenschaftliche und zionistische Erziehung ihrer Jugend. Tüchtige Aerzte untersuchen die Burschen und Mädchen auf ihre körperliche Eignung und Entwicklung, fachliche Trainer und Sportlehrer überwachen die Technik des Sportbetriebes und sorgen für Disziplin, Sauberkeit und Pünktlichkeit. Ein ganzes Heer von Ehrenfunktionären hält den Betrieb im Gang. Jede Sektion braucht ihr Lokal, ihren Trainer, die Sportgeräte und Sportbehelfe, Duschen, Wasser, Licht. Das erfordert große, ständige Einnahmen. Hierzu kommt, daß der November-Orkan die Sportanlage total verwüstet hat. Früher hat der Fußball das hereingebracht, was die Sektionen gebraucht haben. Dies ist jetzt anders geworden. Die Fußballsektion ist ein selbständiger Klub geworden, außerdem in die 11. Klasse abgestiegen. Die Einnahmen müssen daher im Amateurklub selbst aufgebracht werden. Da aber die Sportleute jung und zum Teile nicht bemittelt sind, die Klubleitung trotz größter Opferwilligkeit nicht überall aushelfen kann, leidet der Sportbetrieb auf allen Seiten und es ist in den Sektionen ein Rückgang in sportlicher und numerischer Hinsicht zu befürchten, um so mehr, als die assimilatorischen und die Arbeiter-Sportorganisationen infolge ihrer reicheren Dotierungen ihren Mitgliedern viel mehr bieten können. Dieser Misere kann leicht abgeholfen werden. Wir wollen nicht immer einzelnen edlen Gönnern die ganze finanzielle Last aufbürden. Darum bitten wir alle, die diesen Aufruf lesen, dem Vereine der Hakoah-Freunde mit dem kleinen Beitrag als Förderer beizutreten und die der heutigen Nummer der «Stimme» beiliegende Erklärung unterfertigt an die Hakoah abzusenden. Wenn wir auf diese Welse den Betrieb der Hakoah sichergestellt haben, dann wird die Hakoah ihren hohen Zwecken gerecht werden können, kraftvolle Menschen der jüdischen Renaissancebewegung zuzuführen. Dezsö Herbst, Präsident. Dr. Hugo Benedikt, gesch. Vizepräsident Dr. Josef Menkes, Vizepräsident. Robert Glückstnann, Vizepräsident. Max Schiffmann, Vizepräsident. Amerikanische Einwanderung nach Palästina Die zionistische Bewegung Amerikas untergeht in der letzten Zeit bedeutenden Veränderungen. Die Wirtschaftskrise zwingt die Juden, nach neuen Möglichkeiten für den Aufbau ihrer wirtschaftlichen Existenz Ausschau zu halten, und da bietet sich vielen Erez Israel als das geeignete Land des Wiederaufbaues einer Existenz und der Verwirklichung des nationalen Ideals. Die bisher abstrakt vage Einstellung der Zionisten Amerikas zum Lande, die sich in Geldsammlungen und Beschicken des Kongresses ausdrückte weicht einem immer steigenden, praktischen, persönlichen Interesse an Erez Israel . Zahlenmäßig drückt sich diese Aenderung vor allem in einer erhöhten Einwanderung aus. Im lahre 1929 wanderten 305 amerikanische Juden nach Palästina ein. Von diesen brachten 202 ein Kapital von über 600.000 Pfund ins Land. Im Jahre 1930, dessen genaue Einwanderungsziffern noch nicht vorliegen, wurden in den letzten zwei Monaten desselben allein 150 Ersuchen um Zertifikate gestellt. Da jedoch die Majorität der Einwanderer für palästinensische Begriffe der kapitalskräftigen Mittelklasse angehört, gewinnt die Einwanderung aus Amerika für den Jischuw erhöhte Bedeutung. eie zionistische drihüne ItHllimMMiMMMIIitUlHiat»—♦ Zionististhes Landeskomitee für Oesterte:th Der S. Vortragsabend des Lattdeskomitees findet am Donnerstag-, den 22. d. Mts. 8 Uhr abends im Cafö Silier, 1. Schwedenplatz statt Referenten: Adolt Böhm : Fortsetzung des Referates über den Simpson Bericht Dr. Chaim Tartakower: 1’ressereferaJ. In aller Kürze Die italieniscne K^.iung nat dem Oberrabbiner von Venedig, Prof. Ottolenglii, den Orden «Commendatore deMa Corona Italia» verliehen. Der Führer der indischen Mohammedaner und Antizionist Mohammed Ali ist in London gestorben. * Das Stadtparlament von Bremen bereitet ein Schächtverbot vor. * Der jüdische Rechtsanwalt G. Z. Medaüe wurde zum Bundesanwalt für den Staat New York vorgeschlagen. * In Brünn wurde das neue Fernheizwerk seiner Bestimmung übergeben. Es ist das modernste Kraftwerk dieser Art in Europa. Sein Erbauer ist der Jude Dr. Ing. Armin Weiner. * Der berühmte Leiter der Brisker Jeschiwa, Gaon Moses Sokolowski, ist gestorben. * In Leipzig tagte der Zentralausschuß des Allgemeinen Rabbinerverbandes Deutschlands. * Einer der bedeutendsten Talmudisten unserer Zeit, der Leningrader Oberrabbiner, Rabbi David Tev/el Katzenellenbogen, ist gestorben. * Der bekannte Führer der russischen Zionisten, Dr. Julius Brutzkus, ist sechzig Jahre alt geworden. * Die Liga für das Arbeitende Palästina und die Poale Zion sandten Edward Bernstein anläßlich seines 81. Geburtstages ein Glückwunschtelegramm. * Der Stadtrat von Tunis hat beschlossen, das berühmte Ghetto von Tunis zu demolieren und an seiner Stelle ein mof,' demes Stadtviertel zu errichten. / Positiver Zionismus Von Bruno Rabinowits. Wir lehnen die aufgezwungene Bezeichnung «Allgemeine Zionisten» ab. Wir wollen auch eigentlich keine Adjektiv- Zionisten sein. Zionisten schlechthin sind wir und wollen das auch bleiben. Wir sind positive Zionisten. Positiv und produktiv, das sind die näheren Bezeichnungen unseres Zionismus, wenn es unbedingt nötig ist, uns eine spezielle Benennung zu geben. Wir wollen und brauchen nicht, wie die Revisionisten, eine ideologische Erneuerung. Denn der Zionismus ist eine Bewegung und wir leben in ihr und mit ihr. Also ändert sich die Ideologie im Laufe der Jahrzehnte, ohne daß sich die Idee ändert, verwässert oder verfälscht. Der Herzische Zionismus wäre nicht von Bedeutung gewesen, wenn er in starren Dogmatismus verfallen wäre. Rückkehr zu Herzl ist, wenn es mehr als eine Kampfphrase ist, eine Umkehr, ein Rückschritt vielleicht, aber keine Treue und keine Ehrlichkeit Herzl und seinen Ideen gegenüber. Wir wollen nicht, wie die Revisionisten, die Organisation wiederaufrichten, denn wir glauben nicht, daß sie zusammengebrochen ist. Für uns lebt und steht sie innerlich viel mächtiger und stärker, als äußere Anzeichen dafür vorhanden sind. Einige «Flügel» sind vielleicht laidiert, weil sie zu unnützen und unrichtigen Kraftproben verwendet wurden. Diese Flügel sollen repariert werden, aber Hand weg von unserer Organisation! Wir brauchen nur Helfer und praktische Mitarbeiter zur Stärkung und Vergrößerung unserer Organisation. Taten und Geld braucht die Organisation, nicht unfruchtbare Kritik und untätiges, oft schadenfrohes Zusehen! Die Leitung der Politik wollen die Revisionisten in ihre Hände bekommen. Aber nur dann, wenn sie zu praktischer Arbeit auf dem Boden des Realen und Wirklichen verwendet werden. Der Zionismus ist zu alt, um mit ihm va banque zu spielen. Auch wir positiven Zionisten wollen eine Mehrheit in Palästina, Niemals hat ein Zionist von einer begrenzten Einwanderung gesprochen. Wir wollen alle die Mehrheit, aber wir wollen nicht von der Mehrheit schreiben, in einer Zeit, wo dieses Schreien mißverstanden werden und den Juden des Jischuw nur Schaden bringen könnte; und auch nicht zu einem Zeitpunkt, da wir weder genügend Menschen noch Mittel zur Durchführung dieser Forderung haben. Wir sind durch diese Taktik nicht um ein Prozent weniger gute Zionisten t Ja, wir wollen genau wie die Revisionisten eine jüdische Mehrheit in Palästina auf beiden Seiten des Jordan. Aber wir wollen die Existenz des Aufbauwerkes von dieser Forderung freute nicht abhängig mache!». Revisionisten sind Gegner der Jewish Agency, wie sie heute aussieht. Sie wollen uns neue Wege der engen Zusammenarbeit mit den Nichtzionisten zeigen. Ehe sie uns aber nicht die Gangbarkeit dieser neuen Wege nachweisen, werden wir unsere Errungenschaft nicht preisgeben. Uns erscheint die Jewish Agency mehr als ein Pakt; sie ist der erste Schritt zur Gesamterfassung des Judentums. Wollen das die Revisionisten nicht verstehen? Wir positive Zionisten haben tatsächlich in den letzten Jahren die ganze Arbeitslast getragen Den Endzweck unserer «politischen Tätigkeit» in der Organisation erblicken wir nicht in der Zersplitterungstendenz zugunsten einer oder der anderen oppositionellen Gruppe, wobei nicht der Radius der zionistischen Organisation vergrößert, sondern lediglich ein Zuwachs der Mitglieder der radikalen revisionistischen oder sonstigen oppositionellen Gruppe erreicht werden sollte. Wir wollen uns nicht, um endlich Ruhe von den Schreiern zu haben, beschämt oder verärgert zurückziehen und denen, die glauben, es besser zu machen, aber hierfür keinen Befähigungsnachweis erbracht haben, die Leitung übergeben. Dazu ist uns, die wir am täglichen Herd der Arbeit stehen, das Heim, das wir mühevoll geschaffen haben, doch zu wertvoll und zu heilig. Wir positive Zionisten haben ein Programm: der Zionismus. Wir haben einen Willen: die Aufklärung der jüdischen Massen über den zionistischen Gedanken, die Erfassung dieser Massen und die Erziehung der jüdischen Menschen. Wir haben einen Dienst: den Aufbau Erez Israel. Die Sicherstellung des Jischuw. Die Erlangung der bestmöglichen politischen und wirtschaftlichen Bedingungen für die Kolonisation und Immigration. Wir haben eine Pflicht: die Sicherstellung der Fonde und jener organisatorischen Mittel, die den Apparat erhalten. Je mehr Geld wir der Organisation zuführen, desto eher wird sie in der Lage sein, alle politischen Aufgaben zu erfüllen. Wir haben eine Hoffnung: daß die Opposition in unserem Lager die Bande nicht zerreißen wird, die uns bisher verknüpft haben, daß ihre Forderungen sich ohne Sonderstellung und ohne Sezession auf praktischem Wege Geltung verschaffen werden. Nur in der Arbeit können wir uns finden und nicht int Streite um Worte und Phrasen. So wollen wir zum Kongreß nach Karlsbad gehen. Er wird ein Kongreß harter Arbeit sein, wenn er seinen Aufgaben gerecht werden will. Nicht für oder wider Weizmann, heißt die Parole dieses Kongresses, sondern für oder wider praktische, reale Arbeit! * Der jugoslavische König hat dem Führer der jugoslavischen Judenheit und langjährigen Präsidenten des jugoslavischen Zionistenverbandes, Dr. David Alkaly, den Orden der jugoslavischen Krone verliehen. Ein judenfreundlicher Bischof In der methodistischen Bischofskirche zum hl. James in New York sprach kürzlich Bischof Dr. Georges M. Stockdale über das Verhalten der Christen den Juden gegenüber. Er richtete an die Zuhörer den dringenden Appell, den Juden gegenüber ein faires, gerechtes und brüderliches Verhalten an den Tag zu legen, und führte u. a. aus: «Die Barrieren, welche die Juden von uns Christen trennen, sind durchaus künstlich geschaffen. Es ist höchste Zeit, daß in dieser Stadt die Christen wirkliche Christen werden. Die Juden verlangen keine Begünstigungen. Sie sind in der Lage, für sich selbst zu sorgen, und sie haben recht, wenn sie verlangen, daß der schimpfliche Ausschluß von Juden in gewissen Hotels und Vereinigungen aufgehoben werde. Trachten wir, zu erreichen, daß in Zeitungsinseraten der berüchtigte Satz: «Es werden nur Christen aufgenommen» in Hinkunft entfalle. Es wäre Sache unserer Regierung, derartige Aeußerungen unter Strafsanktion zu stellen.» Ein Haus für Avigdor Hameiri Aus Munkacevo wird uns geschrieben: Die Vortragstournee des palästinensischer. Dichters Avigdor Hameiri war sowohl in Ungarn und Transsylva.-mien, wie auch in der Slowakei und in Karpathorußland ein wichtiges Ereignis für das jüdische Leben. Ueberall, wo der «Prophet im Smoking» erschien und durch seine zündenden Reden das jüdische Gewissen aufwühlte, bahnte er der Palästinaidee einen Weg in die jüdischen Herzeq. Das Judentum der Slowakei und Karpathorußlands will sich nun bei seinem großen Heimatbruder für seine Aufklärungs- und Propagandaarbeit bedanken und dem Dichter ein Haus in Erez Israel bauen. Diesen Plan wollen sie verwirklichen, indem sie die 20 Bände umfassenden Werke Haineiris herausgeben. Das Komitee für diese Aktion, deren Motto «Ein Haus dem Dichter unserer Heimat» lautet, hat Beschlüsse gefaßt, denen zufolge in jeder Stadt Hameiri-Hausaktions-Komitees gebildet werden; weiters wird eine Subskription auf die Werke Hameiris eröffnet. Der Betrag von 360.— Kc für 20 Bände kann auch in Monatsraten in der jüdischen Kreditanstalt Uzhorod entrichtet werden; ferner sollen die aktuellen publizistischen Arbeiten Hameiris in ungarischer Uebersetzung als Prachtband erscheinen. M. B. «MitOMMti