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Die Stimme · 1931-01-15 · Heft 159 (15.1.1931) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 159 (15.1.1931)
Date
1931-01-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Sette 4 DIE Ä 1 iMftlfc ist. iw — lö. J&Tmer 1931 4P* Der Kampf um den Kongreß Während der Verhandlungspause zwischen Regierung und Exekutive scheint ein Umschwung zugunsten der Zionisten in der politischen Lage eingetreten 2% «“Mn. Die letzte Regierungserklärung über die Verhanuiungen hat den Eindruck erweckt, als sei der Gegenstand der Verhandlungen die Abänderung des Passfield-Weißbuches. Dr. Brodetsky hat hingegen auf der Tagung dtr englischen zionistischen Föderation erklärt, daß die gesamte Palästinafrage und die Politik der Mandatarmacht Gegenstand der Verhandlungen sei. Nun kommt einv. neue Erklärung Dr. Weizmanns, die besagt, daß die Verfnndlungen nicht auf der Grundlage des Passfield Weißbuches geführt werden, sondern die ganze Palästinapolitik zum Gegenstand haben. Wenn man steh in diese Erklärung hält, so hat es den Anschein, als würde die Regierung de facto von dem judenfeindlichen Passfield-WeiBbuch bereits abgewichen sein. Dies würde einen Umschwung zugunsten der Zionisten und den ersten Erfolg seit den Massakers des August 1929 bedeuten. Unter diesen Umständen gewinnen die Bestrebungen der zionistischen Parteien, den Kongreß zu verschieben, bezw. diesen an dem von der Exekutive festgesetzten Datum abzuhalten, erhöhte Bedeutung. Die Wahlen in die Assefath Haniwcharim haben den Revisionisten und der Arbeiterpartei einen großen Sieg gebracht. Die Anhänger Dr. Weizmanns und die Allgemeinen Zionisten, die sich in seine Gefolgschaft begeben haben, sind zahlenmäßig zu einer unbedeutenden Gruppe herabgesunken. Nur ein günstiger Ausgang der Verhandlungen mit der Regierung kann eine Wiederholung dieser Wahl im großen Stil anläßlich des Kongresses verhindern. Es ist aber unwahrscheinlich, daß die Verhandlungen mit der Regierung, die erst Ende nächster Woche beginnen sollen, zeitgerecht beendigt werden können. Die nunmehr günstigeren Aussichten Dr. Weizmanns bewegen die ihm nahestehenden Gruppen, eine Verschiebung des Kongresses in die Wege zu leiten. Auch die palästinensischen Mitglieder des Aktionskomitees, die kürzlich in Jerusalem eine Sitzung abgehalten haben, erklären, daß die Mehrheit sich gegen die Abhaltung des Kongresses im Februar gestellt habe. Der Hauptgrund der ablehnenden Haltung liege in der finanziellen Situation der Organisation. Die Abhaltung des Kongresses könnte nach Meinung dieser Mitglieder des Aktionskomitees eine schwere Schädigung der Keren Hajessod-Kampagne bedeuten, die infolge der schwierigen finanziellen Lage für die Organisation von besonderer Wichtigkeit ist. Dazu kommt noch, daß die Vereinigte JÜfii§che Kampagne in den Vereinigten Staaten ein Fehlschlag war, da nur ein Drittel der aufzubringenden 6,000.000 S gezeichnet wurde. Da die bevorstehende amerikanische Palästinakampagne der Jewish Agency die ganze Kraft der Zionisten Amerikas in Anspruch nehmen wird, sind einflußreiche Kreise in Amerika und Palästina für die Verschiebung des Kongresses. Ebenso haben «Dawar» und «Haarez» die Notwendigkeit einer energischen Palästinakampagne in den Vordergrund gestellt; sie erklären diese als die Hauptaufgabe der jüngst gewählten Führer der amerikanischen Organisation Judge Mack und Jacob de Haas. Auch in Polen ist die Bewegung für die Verschiebung des Kongresses im Anwachsen, obwohl andererseits die oppositionelle Gruppe der polnischen Radikalen (Gruppe «Al Hamischmar») gegen die Tendenzen, den Kongreß zu verschieben, bei der Exekutive protestiert haben. Gegen die plötzliche Einberufung des Aktionskomitees wird eingewendet, daß dieses überhaupt nicht für die Ordnung der finanziellen Angelegenheiten, die den Hauptpunkt der Tagung bilden, kompetent sei. Andererseits kann ein befriedigender Abschluß der Verhandlungen mit der Regierung, der eine Verschiebung des Kongresses erfordern würde, durch die Aktionskomiteesitzung nicht beschleunigt werden. Man nimmt also an, daß die Sitzung des Aktionskomitees teils einberufen wurde, um Zeit zu gewinnen, und teils, um den durch die letzten Vorgänge, wie die vorübergehende Demission Rabbi Meir Berlins, des Misrachistenführers, erschütterten Zusammenhalt der hinter Dr. Weizmann stehenden Gruppen zu stärken. Gegenstand der Verhandlungen dürften auch die Vorgänge bei der letzten Sitzung des Finanzkomitees der Jewish Agency sein, das einschneidende Herabsetzungen des Budgets der Jewish Agency dringend empfohlen hat, die namentlich die für die Zionisten so wichtigen sanitären und kulturellen Institutionen in Palästina betreffen. Es dürfte daher von der Opposition in Frage der gemischten Agency wieder aufs Tapet gebracht werden. Es liegt also im Interesse der Exekutive, die Wahlniederlage in Palästina und das teilweise Versagen der Finanzhilfe der Nichtzionisten durch einen Erfolg der Verhandlungen mit der englischen Regierung wieder gutzumachen und sie wird sich daher luden! flicht scheuen, den Kongreß zu verschieben, insbesondere, da unter dem Kongreßwahlkampf die amerikanische Palästinakampagne und die Keren Hajessod- Kampagne leiden würde. Der Gang der Ereignisse ist daher nicht vorauszusehen, und es wird jedenfalls sowohl nach innen, als nach außen neuer Entscheidungen und Kämpfe bedürfen, um die Lage in irgendeiner Richtung zu klären. 1. r. m. Landeskonferenz der Hitachduth In Osigattzien Am 25. Dezember fand in Lemberg die Jahreskonferenz der ostgalizischen Landesorganisation der Hitachduth statt. 96 Delegierte aus 52 Ortschaften waren erschienen. Es wurden folgende Referate abgehalten: Dr. N. Me'zer «Die Lage im Zionismus», Dr. A. Silberschein «Die Vereinigung der zionistischen Arbeitsparteien in der Galuth», Dr. N. Brüstiger «Die politische und wirtschaftliche Lage der polnischen Juden», Dr. M. Schwarz «Organisationsstatut und Organisationsprobleme». In die neue Leitung wurden gewählt: Dr. N. Brüstiger, Dr. N. Melzer, Dr. K. Schwarz, F. Werber, Dr. M. Schwarz, Dr. 1. Spiro, Prof. M. Mehler, Prof. M. Weisinger, J. Hohn, Dr. N. Schwarz, Zwi Kohen, M. Kardasz und A. Silberschein. Zioo 'tiiKlt IrhMii JliM" Sonntag, den 18. Jänner 1930, Punkt 4 Uhr nachmittags, im Handelsmuseum, IX., Berggasse 16 Devise: «10 Jahre Histadruth», «10 Jahre Arbeiterkolonisation im Eniek». PROGRAMM: Eröffnung: Jehuda Meilen, hebräisch; Festrede: Dr. Leo Goldhammer, deutsch; Violinkonzert: S. Schwarz; Rezitation: Gedichte von Irma Singer; Gesang: Nora Dauber; Gesang: Mussja Zsydlovka; Humoresken: S. Schigonin (Wilnaer Truppe); Gesang: Oberkantor Gerson Margulies; Sprechchor: Histadruth Gordoniah. Karten erhältlich bei den Chawerim der Hitachduth und im Keren Kajemeth, I., Kärntnerstr. 28. Tel. R 27-3=20. Ein Teil des Reingewinnes fließt dem Keren Kajemeth zu. Die jüdische Immigration nach Frankreich gefährdet Paris, 5. Jänner (J. T. A.) Die französische Regierung bereitet neue Verordnungen über Einwanderung, Niederlassung und Arbeitsberechtigung in Frankreich vor, durch die fast a'le Juden, die innerhalb der letzten fünf Jahre in Frankreich eingewandert sind, schwer betroffen werden würden. Nach den neuen Verordnungen sollen Ausländer, die weniger als fünf Jahre in Frankreich ansässig sind, keine Arbeitserlaubnis erhalten, Ausländern, die im Besitz einer Arbeitserlaubnis sind, soll der Uebergang zu einem neuen Beruf nicht erlaubt werden, die Grenzen Frankreichs so'len für alle Ausländer mit Ausnahme von Touristen gesperrt, ausländische Personen, die nicht im Besitz einer Aufenthaltsbewiiligung sind oder eine solche auf illegalem Wege erlangt haben, ausgewiesen werden. Die antisemitische Remarquiade Es kam, wie es vorauszusehen war: Ende der vorigen Woche verwandelte sich der Franz-Josefs- Kai in eine Kriegsfront. Die von der hetzerisch-antisemitischen Presse mobilisierten Kräfte der Hakenkreuzler, verstärkt durch Abteilungen der Heimwehr, holten zum Angriff gegen die Leopoldstadt aus. Def Angriff mißglückte, da die Polizei Vorsichts- und Absperrungsmaßnahmen getroffen hatte. Aber in jüdischen Geschäften und Kaffeehäusern wurden Fenster cingeschlagen; friedliche jüdische Passanten wurden durch randalierende Hakenkreuzler angerempelt und tätlich mißhandelt; zwei Tage lang brauste wie Donnerhall der Ruf: «Juda verrecke!» So hielten die Jünger des Adolf Hitler die Wacht am Donaustrand .. Sie haben gesiegt: Der Film wurde verboten, die Wache zurückgezogen. Befriedigt verließen die Hakenkreuzler den «Kriegsschauplatz» und gingen nach Hause. Sie hatten ja schließlich erreicht, was sie wollten: ein pazifistisches Film werk ist in Oesterreich verboten worden und Judenkrawalle haben auch stattgefunden. Heil! * Die «Wiener Allgemeine Zeitung» vom 13. d. M. berichtet: «Die Polizei hot einen 17jährigen Schlosserlehrling verhaftet, der anläßlich der Remarque-Demonstrationen auf den siebzigjährigen Kaufmann Mendel Plneles losging und diesen schwer verletzte. Ein höchst sonderbares Zartgefühl veranlaßt die Polizei den Namen des Rowdys nicht preiszugeben ... Von dem Sohne des Schwerverletzten erhalten wir folgende Schilderung des Ueberfalles: „Am Mittwoch um zehn Uhr abends holte ich meinen Vater von meiner Schwester ab, da Ich von dem Wirbel hörte, der sich am Franz-Josefs-Kai abspielte und den alten Mann nicht allein lassen wollte. Wir gingen ruhig durch die Obere Donaustraße, als plötzlich bei der Pfandleihanstalt Oerhold und Weirich ein junger Bursche auf uns zutrat und meinem Vater — einem 70jährigen Orelsl — ohne ein Wort zu sagen mit dem Schlagring einen Hieb gegen den Kopf versetzte. Ich rannte dem Rohling wohl nach, doch war mein Vater durch die Gewalt des Schlages ohnmächtig geworden und zusammengesunken, so daß ich die Verfolgung aufgeben und mich um Ihn bekümmern mußte. Späterhin erfuhr ich aber die Adresse des Burschen dennoch und gab sie auf der Polizei an. Ich gab keine Ruhe, eruierte den Arbeitsplatz des Hakenkreuzbuben und erreichte schließlich doch am Samstag dessen Festnahme. Er ist ein ganz junger Bursch, der sichtlich gebrochen ist und zu seiner Entschuldigung angab, daß von einer Seite, die er nicht nennen könne, anläßlich der Remarque-Demonstrationen die Devise ausgegeben worden sei: ,Der erste Jude, dem begegnet wird, muß niedergemacht werden.’ ln treuer Folgeleistung dieser ausgegebenen Losung habe er dann meinen Vater Überfallen und verletzt So wollen sie, die Nationalsozialisten, die deutsche Ehre schützen! Nach der Schlacht Was rennt das Volk? Was wälzt sich dort Die lange Gasse brausend fort? Ein Film entfachte Zornesflammen, Es rotten Buben sich zusammen, Die «Pfui Remarqueh — «Hoch Hitler/» schrei’n. Lieb Vaterland, magst ruhig sein1 Was reizt das Volk? Welch großes Wort Verkündet Fey am düster’n Ort? Gibt er dem Volke Brot zu essen? Oh nein, sie sollen Juden fressen. «.Erwache, Volkh hört man sie schrei’n — Lieb Vaterland, magst ruhig seinl Ein Friedensfilm? Schockschwerenot! Da hau’n wir erst die Juden tot, Remarque sei Jude oder Heide, Uns bleibt1 s egal, wir geh’n auf beide, Juda verreck’l — So laßt uns schrei’n. Lieb Vaterland, magst ruhig seinl Wild kämpfen sie — schwarz gegen rot. Und endlich kommt es zum Verbot, Stolz schwillt des Hakenkreuzlers Brust — Triumphgeschrei! Heil! Welche Lust1 Und Wien wird auch mal judenrein — Lieb Vaterland, magst ruhig seinl W. B, Einstein über das Verbot des Remarque- Films Eine Erklärung von Professor Einstein über das Verbot des Films «Im Westen nichts Neues» wird aus Amerika gemeldet. Einstein hat dort folgendes gesagt: «Das Verbot des Films in Deutschland bedeutet eine diplomatische Niederlage für unsere Regierung in den Augen der ganzen Welt. Dieses Verbot unterstreicht eine solch gefahrvolle Schwäche der Regierung, die sich vor dem Geschrei der Straße gebeugt hat, daß eine Rehabilitierung in den Augen der Welt unbedingt zu verlangen ist.* Dasselbe gilt von Oesterreich, das sich dem Terror der antisemitischen Hakenkreuibuben gebeugt hat. Inventur«', Olclcnslon« und Quadt&tsscliuftie öts unter den halben Preis Damenscnuhe ab S 12.50.- Herrenschuhe rahmen *j enähl ab S 10.50.- Schuh-Dorn raboi Straße S Stärket den Keren Kafemeth durch Sammlungen bet HochaseRen, ürtth MilaJi, Bar Hewoth und anderen FamUtenteierIIchKeHen.5w^=^^ , , im

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