Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 159 (15.1.1931)
- Date
- 1931-01-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 159 — 15. Jänner 1931 DIE STIMME Sette 3 | Union der Zionisten Revisionisten Österreichs Samstag, den 17. Jänner um halb 8 Uhr abends, im Saale des Ingenieur- und Architektenvereines, Wien, L Bezirk, hschenbachgasse Nr. 9, VORTRAG DR. S. SOSKIN Mitglied der Exekutive der Weltunion der Zionisten Revisionisten Politik und Wirtschaft im Zionismus Regiebeitrag Ein großer Mensch und Zum 60. Geburtstag Felix Am 14. Jänner 1931 vollendete Felix M. Warburg, Präsident des American Joint Distribution Committee und des Administrative Committee der Jewish Agency, sein 60. Lebensjahr. Warburg wurde 1871 in Hamburg geboren; 1894 ging ej nach Amerika, wo er 1900 naturalisiert wurde. Er heiratete Frieda Schiff, die Tochter von Jacob H. Schiff, und wurde 1896 Teilhaber des Bankhauses Kuhn, Loeb & Co. und Leiter mehrerer großer Gesellschaften. Er wurde eine führende Persönlichkeit in der New Yorker Bankwelt und in der amerikanischen Gesellschaft. Felix M Warburjs soziales Wirken M. Warburg wandte sich schon bald nach seiner Uebersiedlung nach New York dem Gebiete der sozialen Fürsorge zu. Seine Haupttätigkeit widmete er zunächst den Wohlfahrtsgesellschaften. Er trat in Beziehungen zu dem «University Settlement», das sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen der ärmeren Klassen einsetzt. Lebhaft beschäftigte Herrn Warburg der Wunsch nach durchgreifender Hilfe für geistig und körperlich zurückgebliebene Kinder; seiner Initiative ist es zu verdanken, daß in den Schulen besondere Klassen für solche Kinder eingerichtet wurden. Sein Mitgefühl für die Blinden.veranlaßte ihn, an den Bestrebungen der Schwestern Holt zur Berufsausbildung der Blinden hervorragend teilzunehmen. Er beteiligte sich auch an der «American Foundation for the Blind» und war einer der ersten Verwalter dieser Institution. Besondere Aufmerksamkeit wandte er der Bekämpfung der Kinderkrankheiten zu. Durch sein Fürsorgewerk für Kinder kam er auch mit dem Problem der jugendlichen Verbrecher in Berührung; seiner und Homer Folks’ Bemühung ist es zu verdanken, daß ein Gesetz für die Schaffung von Jugendgerichtshöfen angenommen wurde. felix M. Warburjs Jüdisches Wirken In New York wurde unter der Aegyde von Felix M. Warburg der Zusammenschluß aller jüdischen philantropischen Gesellschaften zu einer «Federation of Jewish Charities» vollzogen und dadurch eine durchgreifende Reform des jüdischen Wohlfahrtswesens in der größten jüdischen Gemeinde der Welt erreicht. Er wurde der erste Vorsitzende der «Federation of Jewish Charities», die unter seiner Leitung bewundernswerte Erfolge erzielt hat. Der «Federation» gehören an: 21 Krankenhäuser, ferner Waisenhäuser, Beratungsstellen und zahlreiche andere Wohlfahrtseinrichtungen, deren gemeinsames Budget rund 5 Millionen Dollar jährlich beträgt. Gegenwärtig ist Herr Warburg Vorsitzender des Verwaltungsrates der «Federation». Die nach dem Weltkriege aus Europa kommenden Hilferufe der Juden haben das amerikanische Judentum aufgerüttelt. Alle Schichten der amerikanischen Juden vereinigten sich zur Gründung des «Joint Distribution Committees for Jewish War Sufferers», das für die Bedürfnisse von Millionen Juden in den vom Kriege heimgesuchten Gebieten sorgte. Herr Felix M. Warburg wurde zum Vorsitzenden des Verwaltungskomitees gewählt und hat diesen Posten noch jetzt, nach 16 Jahren, inne. Während der Kriegsjahre unterstützte das J. D. C. die Notleidenden, sättigte die Hungrigen und heilte die Kranken. Es gründete Kreditgenossenschaften, Vorschußvereine und Zentralbanken. Es bildete junge Männer und Frauen in produktiven Berufen aus und schuf große medizinische Organisationen. In Rußland leitet das J. D. C. unter der Führung des Dr. Joseph Rosen und unter der Mitarbeit der russischen Regierung die Siedlungsbewegung. Dieses Unternehmen trug dazu bei, die zerstörten jüdischen Kolonien wieder aufzubauen und die jüdische Landbevölkerung in Rußland von 15.000 Familien im Jahre 1923 auf ungefähr 50.000 Familien im Jahre 1929 zu steigern. Der europäische Leiter des J. D. C. ist Herr Dr. Bernhard Kohn in Berlin. Der Gedanke einer großen palästinensischen Universität fand in Felix M. Warburg einen großen Förderer. Er spendete 500.000 Dollar für diese Institution. Als Dr. J. L. Magnes, mit dem ihn freundschaftliche Beziehungen verbinden, Kanzler der Universität in Jerusalem wurde, wurde Herr Warburg ein großer Jude M. Warburgs Mitglied des «Board of Governors». Der Wunsch, die jüdische Religion durch den geistigen Einfluß Palästinas befruchten zu lassen, veranlaßte Herrn und Frau Warburg, zur Gründung des «Institute of Jewish Studies» beizutragen. Herr Felix M. Warburg besuchte wiederholt Palästina und widmet sich hingebungsvoll dem Studium der Lage in diesem Lande. Dies befähigte ihn, als Mitglied der Joint Palestine Survey Commission, die 1928 ein ausführliches Gutachten über den jüdischen Palästinaaufbau ausarbeiten ließ, wertvolle Anregungen für den Aufbau des jüdischen Nationalheims zu geben. Unter der Führung von Louis Marshall nahm Felix M. Warburg an den Vorbesprechungen, die der Jerusalem, 7. Jänner. (J. T. A.) Die Wahlen zur ersten gesetzlich anerkannten jüdischen Nationalversammlung in Palästina haben nachstehendes Ergebnis gebracht: Arbeiterpartei 31, Revisionisten 16, Sephardim 6, Misrachi 5, Allgemeine Zionisten 5, Yemeniten 3, Linke Poale Zion 3 und Frauenpartei 2 Mandate. Die «Proletarische Liste» (Kommunisten) konnte kein Mandat erlangen. Die Wahlbeteiligung betrug im Durchschnitt 60 Prozent, in Jerusalem, wo insgesamt 9376 Stimmen abgegeben wurden, nur 55 Prozent; stärker war die Wahlbeteiligung in Tel Aviv, wo von 22.000 Wahlberechtigten 17.162 zur Wahl gingen. In Haifa übten von den etwa 10.000 Wahlberechtigten 6773 ihr Wahlrecht aus. Die Mitglieder des Kolonistenverbandes haben sich an den Wahlen nicht beteiligt. Scharfe Maßnahmen der Regierung gegen den Antisemitismus. Bukarest, 7. Jänner. (J. T. A.) Wie jetzt bekannt wird, ist der Beschluß der rumänischen Regierung, die antisemitischen Terrororganisationen «Erzengel Michael» und «Eiserne Garde» aufzulösen,; auf die persönliche Intervention des rumänischen \ Königs zurückzuführen. In Ausführung dieses Beschlusses wurde auf Anordnung des Innenministeriums „in der Nacht vom 3. auf den 4. Jänner im Lokal der «Eisernen Garde» in Bukarest eine Haussuchung durchgeführt und das Archiv und die gesamte Korrespondenz beschlagnahmt. Das Lokal wurde versiegelt. Im Anschlüsse daran wurden in den Wohnungen einer Anzahl von Führern der «Eisernen Garde» Haussuchungen vorgenommen und mehrere Antisemitenführer verhaftet. Den Besitzern von Versammlungssälen in Bukarest wurde verboten, Versammlungen der «Eisernen Garde» in ihren Sälen zuzulassen. /Der Unterrichtsminister hat an die Schulbehörden die Weisung erteilt, Studenten oder Schüler, die sich GEBRÜDER BRAININ WIEN, I. Gründung der erweiterten Jewish Agency vorangingert, führenden Anteil. Bei der konstituierenden Versammlung der Jewish Agency in Zürich im Sommer 1929 wurde Herr Felix M. Warburg zum Vorsitzenden des Administrative Committees der Jewish Agency gewählt. Warburg ist Mitglied des Verwaltungsrates der «Library Corporation», des «Jewish Theological Seminary of America», das er seit einem Vierteljahrhundert in hervorragender Weise fördert. Lehrer des traditionellen Judentums nicht nur in ganz Amerika, sondern auch in Europa sind aus diesem Seminar hervorgegangen. Einer seiner Schüler ist Oberrabbiner des britischen Reiches, ein anderer ist Landesrabbiner in einer Provinz in Deutschland, ein dritter ist einer der Führer des jüdischen Lebens in Kanada geworden. Viele Jahre hindurch war Warburg Präsident der «Young Men’s Hebrew Association». Warburg ist ein großer Förderer von Kunst und Wissenschaft in den Vereinigten Staaten. Er selbst besitzt eine außerordentlich wertvolle Kunstsammlung, die den Studierenden und Kunstinteressenten jederzeit offen steht. Sie enthält Werke großer Meister wie Raphael, Botticelli, Bellini, Lorenzetti und einige der besten Radierungen von Rembrandt und Dürer. Mit seiner Hilfe wurden Museen eingerichtet. Die Brüder des Herrn Felix M. Warburg sind Herr Max M. Warburg, Chef des Hamburger Hauses Warburg, Ehrendoktor der Hamburger Universität, der sich um den Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft sehr verdient gemacht hat, Herr Paul M. Warburg, Präsident der International Acceptance Bank in New York, einer de: Schöpfer des modernen amerikanischen Finanzwesens. Der älteste der Brüder, der bekannte Kunsthistoriker und Schöpfer der kulturwissenschaftlichen B'bliothek, Aby M. Warburg, verstarb 1929 als Professor der Hamburger Universität. Bei den Wahlen hat die Arbeiterpartei von den insgesamt abgegebenen 48.124 Stimmen 22.336, also 46 Prozent, auf sich vereinigt, und zieht als stärkste Partei in die neue Nationalversammlung ein. Bei den Wahlen im Jahre 1925 entfielen auf die Arbeiterliste 43 Prozent der abgegebenen Stimmen. Die zweitstärkste Partei in der neuen Nationalversammlung sind ,die Revisionisten. Während sie 1925 nur 7 Prozent der abgegebenen Stimmen erhalten haben, sind diesmal 20 Prozent aller Stimmen auf die Jabotinsky-Liste ent4 fallen. London, 8. Jänner. (J. T. A.) Eine führende revisionistische Persönlichkeit hat in einem Gespräch mit einem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur der Meinung Ausdruck gegeben, daß sich die Palästina- Regierung infolge der Wahl Jabotinskys in die Assefath Häniwcharim genötigt sehen werde, Jabotinsky die Einreise nach Palästina zu bewilligen. an öffentlichen Versammlungen antisemitischer Organisationen beteiligen oder Mitglieder politischer Geheimorganisationen sind, aus den Schulen auszuschließen und dem Gericht zu übergeben. / Diese Maßnahmen der rumänischen Regierung gegen die antisemitischen Verbände, insbesondere gegen den «Erzengel Michael», der eine «Schwarze Liste» hervorragender jüdischer und nichtjüdischer Persönlichkeiten, die in nächster Zeit hätten aus dem Wege geräumt werden sollen, angelegt hat, werden in weiten Kreisen der rumänischen Oeffentlichkeit, die infolge des Attentats auf den Redakteur Socor der Zeitung «Adeverul» noch immer äußerst erregt ist, mit großer Befriedigung aufgenommen. Verhaftung des Antisemitenführers Codreanu.. Bukarest, 9. Jänner. (J. T. A.) Der Präsident der antisemitischen Liga «Erzengel Michael», Corneliu Zelea Codreanu, wurde in Focsani von Agenten der politischen Polizei verhaftet. Codreanu hat vor einigen Jahren in Jassy den Präfekten Manciu, der jüdische Studenten gegen tätliche Angriffe seitens ihrer antisemitischen Kollegen schützte, ermordet, er wurde dann vom Jassyer Schwurgericht freigesprochen und wird seither von der antisemitischen Studentenschaft als ihr Held und Idol verehrt. Er war der Arrangeur fast aller Gewalttaten der antisemitischen Studenten in den letzten Jahren, unter anderen auch der ungeheuer« liehen Ausschreitungen in Großwardein und Klausen« bürg, die mit der Zerstörung der Synagogen und zahl« reicher jüdischer Geschäfte endete. Seine Verhaftung in Focsani hat im ganzen Lande um so mehr Auf« sehen erregt, als sich die Behörden bisher an di« Person Codreanus nicht heranwagten. Die Zusammensetzung der neuen Assefath Haniwcharim Rumäniens neue Wege ■*