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Die Stimme · 1931-01-15 · Heft 159 (15.1.1931) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 159 (15.1.1931)
Date
1931-01-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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wCilit? & DIB STIMME Ar. 15ii 15. Jänner lüor Die Bodenfrage — unser Um und Auf Eine sensationelle Rede Ussischkins fn andrer letzten Nummer brachten wir eine Würdigung Ussischkins. Heute übermitteln wir unseren Lesern den Wortlaut einer von Ussischkin in Amerika gehaltenen sensationellen Ansprache, die ihres Mutes und ihrer Rückhaltlosigkeit wegen bewundernswert ist. «Ich komme zu Ihnen in einem der schwierigsten Momente unserer Bewegung. Diese Bewegung existiert seit 49 Jahren, und seit 49 Jahren stehe ich In der vordersten Front unseres Aufbauwerkes. Wir haben viele Kämpfe und so manche unruhige Zeit erlebt, aber ich sage Ihnen freimütig, daß wir noch nie eine so schwere Zeit erlebten, wie gerade jetzt. Ich glaube, wir, die wir in schweren Zeiten In der Kampffront standen, und nicht jene, die in ruhigen Zeiten an der Front standen und verzweifeln, wenn eine böse Zeit kommt, haben das Recht, freimütig zu sprechen und die Dinge beim rechten Namen zu nennen. Wir befinden uns jetzt in einer kritischen Periode — in unseren Beziehungen zur englischen Regierung, zu den Arabern und auch zu unserem eigenen Volke. Es gehört große Geduld und noch größere Glaubensstärke dazu, den Kampf an allen Fronten aufzunehmen. Wir nehmen diesen Kampf auf und ich bin sicher, es gibt genug Juden, die sich nicht fürchten, an allen Fronten zu kämpfen. Dreizehn Jahre hatten wir das Versprechen der englischen Regierung, sie würde uns unsere alte Heimat wiedergeben, aber durch dreizehn Jahre wurde die Erfüllung dieses Versprechens systematisch hinausgeschoben. Ich will mich nicht darüber ergehen, ob die zionistischen Führer in diesen dreizehn Jahren richtig vorgegangen sind; das gehört in ein anderes Kapitel. Es wird später einmal Zeit sein, auch darüber zu sprechen. Passfield hat die Wahrheit enthüllt und zwar: England hat nicht die Absicht, Palästina aufzubauen. Das ist die Wahrheit. Angesichts dieser Wahrheit können v/ir nur sagen: Sollen wir uns vor dieser englischen «Wahrheit über Palästina» beugen, oder sollen wir unsere eigene Wahrheit zeigen? Unser Volk muß der ganzen Welt die Wahrheit zeigen. Ich meine die 180.000 Juden in Palästina, in deren Namen ich hier zu Ihnen spreche. Die sind die Wahrheit. Das müssen wir verstehen und unsere Kräfte für den Kampf sammeln. Ich nffcmfe nicht den Kampf, der ausgefochten wird zwischen Legfdhen und Kriegsflotten. Ich meine «Hakol, kol Jdaköw» (die Stimme ist die Stimme Jakobs), und diese Stimme ist immer stärker als «Jedej Esew» (die Hände Esaus). Das ist nur eine Frage der Zeit. Wir sprechen zur ganzen Welt und zu jenem Teil der Nichtjuden, insbesondere der Engländer, die noch ein Gefühl für. Gerechtigkeit und noblesse oblige haben; die unserehistorischen, durch unsere Vergangenheit geheiligten Rechte verteidigen wollen. Unser Sieg wird nicht heute, nicht morgen, nicht in einem halben Jahre und nicht in einem Jahre kommen, aber er wird kommen, wenn alle Juden mit uns den Kampf um unsere Zukunft aufnehmen. Wir stehen vor dieser Situation. Wenn wir uns unterwerfen, wenn wir uns bücken, um die Brosamen aufzuklauben von der Round-table-Konferenz — sie heißt so, weil sie keinen Anfang und kein Ende hat — wenn wir uns jetzt ergeben, dann werden wir von unseren Kindern zur Rechenschaft gezogen werden, weil wir das in mühseliger fünfzigjähriger Arbeit für das jüdische Volk Aufgebaute zerstört haben. Wir können nur eines tun: wir müssen in unserer Arbeit fortfahren, bis wir das Ziel erreichen, bis wir den von uns errichteten Mauern ein Dach aufgesetzt haben. Ich muß es aber auch hier sagen, daß ich nicht jene unterstützen will, die das Mandat England wegnehmen und es einem anderen Volke geben wollen. Das ist eine verrückte Idee. In dieser Richtung wird nichts geschehen, und solche Redereien nützen nur unseren Feinden. Ich habe nie ein Land gesehen, das einen Landbesitz freiwillig aufgegeben hat, und England wird es schon gar nicht tun. Unsere Lage ist die, daß Eng- J land das Mandat hat, daß es dieses Mandat nicht erfüllt und daß wir vom englischen Volke verlangen müssen, es solle seine Regierung zwingen, dieses Mandat aufrichtig zu erfüllen. Die zweite unsinnige Idee, die in manchen Köpfen grassiert, meint, wir müssen «Frieden» mit den Arabern gegen die Engländer machen. Das ist auch verrückt, nanvurtiich jetzt. Wir hatten mit dem arabischen Volke keinen Streit, daher haben wir es auch nicht nötig, mit ihm «Frieden» zu machen. Die Juden Amerikas stehen heute an Zahl, politischem Einfluß und materiellen Hilfsquellen an erster Stelle; deshalb wende ich mich zuerst an die amerikanischen Juden. Die europäischen Juden werden folgen. Die amerikanischen Juden müssen erkennen, daß es keinen Pfifferling wert ist, zuerst eine große Protestversammlung zu veranstalten und dann schlafen zu gehen. In einer Versammlung in Berlin rühmte Professor Beck, ein Nichtzionist, die Juden Palästinas, weil sie in dieser kritischen Zeit so ruhig wären. Ich antwortete ihm: «Wissen Sie, warum die Juden Palästinas so ruhig sind? Well sie sehen, daß die Juden in Amerika und in Europa nicht ruhig sind.» Deshalb sage ich Ihnen, daß Sie nicht ruhen dürfen, wenn die Juden in Palästina ruhig sein sollen. Denn die «Jeschuah» wird kommen — nicht morgen, nicht in einem Jahre, aber sie wird kommen! Wir müssen Vertrauen haben zur Kraft unseres Volkes! Was schlägt uns nun die englische Arbeiterregierung vor? Dr. Shiels hat die Absicht angekündigt, eine palästinensische Anleihe von 2,500.000 Pf. Sterl. aufzunehmen, um die Araber anzusiedein. Das bedeutet, daß die Juden Palästinas die Hälfte davon zahlen sollen. Und mit Hilfe dieser Anleihe soll Palästina kolonisiert und der freie Boden den Arabern gegeben werden. Nicht einmal im zaristischen Rußland wurde den Juden zugemutet, Geld zur Ansiedlung russischer Bauern aufzubringen i Die britische Regierung will den armen Fellachen helfen, dieselbe britische Regierung, die über Millionen Menschen herrscht, von denen viele am Hungertuch nagen; aber sie hat keine anderen Sorgen, als die Fellachen Palästinas anzusiedeln. Das ist ein Versuch, die Welt und insbesondere die Juden zu täuschen; und das mutet uns eine sozialistische Regierung Englands zu. Hätte das eine konservative Regierung getan, wir hätten gesagt — appellieren wir an die Sozialisten; an wen sollen wir aber appellieren, wenn eine sozialistische Regierung so etwas tut? Die sozialistische Regierung hat die Entdeckung gemacht, daß unser größter Fehler die Sozialisierung des Bodens in Palästina war ... Es ist daher unsere Aufgabe, die Juden Amerikas und alle Nichtjuden, die für Wahrheit und Gerechtigkeit einstehen wollen, aufzufordern, gemeinsam mit uns den Kampf aufzi^nehmeti uncj. ihn nicht .atifzugeben, bis unser Recht triumphiert, bis erfüllt ist, was man uns feierlich versprochen hat. Es gibt eine Legende im Talmud, die erzählt uns folgendes: Als Bar Kochba gegen die Römer kämpfte, da betete er zu Gott: «Ich bitte Dich nicht um Hilfe, ich bitte Dich nur um eines: hindere mich nicht!» Das rufe ich der englischen Regierung zu: Wir bitten nicht um Hilfe, aber behindert uns nicht! Unsere Zukunft Die Radikalen Zionisten Polens fordern den Austritt Dr. Goldmanns aus der Politischen Kommission Warschau. (J. T. A.) Die Organisation der Radikalen Zionisten in Polen, die unter der Führung des Abg. Grünbaum stehende Partei «Al Hamischmar», hat in Warschau eine Konferenz abgehalten, in der der Beschluß gefaßt wurde, den Austritt des Vertreters der Radikalen Zionisten Dr. Nahum Goldmann aus der auf der letzten Aktions-Comitee-Tagung gewählten Politischen Kommission zu verlangen. In einer Resolution wurde ferner die Abhaltung des Zionistenkongresses zum festgesetzten Februartermin gefordert und gegen jede Verschiebung des Kongreßtermins protestiert. Zu dieser Nachricht erhält die J. T. A. von radikalzionistischer Seite die Mitteilung, daß das Bureau des «Al Hamischmar» nicht den sofortigen Rücktritt des Vertreters der Radikalen, Dr. Nahum Goldmann, aus der Politischen Kommission gefordert hat, sondern den Beschluß gefaßt hat, auf der Einberufung des Kongresses im Februar trotz aller schwerwiegenden Bedenken, die durch die finanzielle Notlage bedingt sind, zu bestehen und, falls die Majorität des Aktions- Comitees die Verschiebung beschließen sollte, den Vertreter der Radikalen zum Rücktritt aus der Politischen Kommission aufzufordern. im Lande hängt von unserem Kampf um Grund und Boden und von unserem Recht zum,Aufbau. Das Fundament ist gelegt, die weitere Arbeit werden wir schaffen. Geht die Arbeit nicht weiter, dann geht alles zugrunde. Die Juden haben nicht dazu ungeheuere Opfer an Arbeit und Blut gebracht und viele Millionen an Geld nach Palästina geschickt, um als Resultat einen Jischuw in einer Ecke Palästinas zu schaffen; sie taten all das nur, um das Nationalheim aufzubauen, von Dan bis Berseba, vom Mittelländischen Meer bis zur Wüste. Das war unser Sinnen und Trachten; nicht allein Herzls Idee ist es gewesen. Das jüdische V hat darum zu Gott gebetet und davon durch zweitausend Jahre geträumt. Ist das jetzt alles bedeutungslos geworden? Wir müssen den Vormarsch aufnehmen, unter allen Bedingungen, ob Shiels es will oder ob er es nicht will, ob es Mac Donald wünscht oder nicht, ob man es uns leichter oder schwerer macht. Der wichtigste Faktor bei diesem Vormarsch ist der Boden. Es ist die Münze, die zwei Seiten haben muß, die Aversseite und die Reversseite: Politische Rechte und Eigentum an Grund und Boden. Der Boden ist jetzt unser Um und Auf. Vor zehn oder zwölf Jahren sagte das Volk: «Wir müssen Land haben, wir müssen Land kaufen. Vermehren wir unseren Landbesitz.» Das ist auch heute das wichtigste in diesem schweren Augenblick. Es gibt keinen besseren Beweis dafür, als den Angriff auf unseren Boden. Das ganze Weißbuch und der Simpsonbericht ist beherrscht vom Landproblem und alle Angriffe richten sich gegen den Nationalfonds, der das Land als unveräußerliches Eigentum für das jüdische Volk erwirbt. Was unsere Führer nicht verstanden haben, das verstanden Shiels, Simpson, das Kolonialamt, der Mufti und alle, die uns ausrotten wollen. Nach fünfzigjähriger Anwesenheit in Palästina, vierunddreißig Jahre nach Gründung der zionistischen Organisation, dreizehn Jahre nach der Balfour-Deklaration und nach zwei Jahren Jewish Agency besitzen wir nur 6 Prozent des Bodens in Palästina. Das ist eine Schande für das jüdische Volk. Hätten wir wenigstens ein Drittel des Bodens, das Problem läge anders; aber das Volk hat es nicht verstanden, und die es verstanden, haben nicht darauf geachtet. Jetzt ist die Frage schwieriger. Aber wir können noch immer viel tun. Wir können noch immer unseren Bodenbesitz vermehren. Deswegen sage ich: Die Juden Amerikas sollen die Führer sein; die Juden Europas werden folgen. Ihr tragt die Verantwortung. Wenn wir Land unter den Juden haben werden, werden wir zwanzig Passfields überleben. Wenn wir aber kein Land haben werden, dann können uns auch zwanzig Balfours nicht helfen. Ich erwarte, daß mir Amerikas Juden im Kampfe um die Erlösung des heiligen Bodens in Erez Israel mit jener Macht, die ihnen zu Gebote steht, beistehen werden.» «Etli Llwnoth» für Verschiebung Warschau, 8. Jänner. (J. T. A.) Die Exekutive der Organisation der Allgemeinen Zionisten in Polen <-Eth Liwnoth» hat beschlossen, einer Verschiebung des Kongreßtermins, falls die amerikanischen Zionisten eine solche verlangen sollten, zuzustimmen. Die zionistische Linke für Kongreßverschiebung Berlin, 7, Jänner. (J. T. A.) Am 6. Jänner fand in Berlin eine größere Beratung des Arbeitsausschusses der Liga für das arbeitende Palästina in Deutschland statt. In eingehenden Beratungen würde die Lage in Palästina und im Zionismus, vor allem die Gefahren, die sich aus der gegenwärtigen schwierigen finanziellen Lage der Jewish Agency für das Palästina-Werk ergeben, behandelt. Es wurde einmütig beschlossen, in der nächsten Aktions-Comitee-Sitzung kategorisch zu fordern, daß der Zionisten-Kongreß auf einen späteren Termin verlegt wird, und daß alle Kräfte der Bewegung in den nächsten Monaten für die konkrete Palästina- Arbeit mobilisiert werden. Ernster Forschung ist es gelungen, ein wirksames Mittel, das frei verkäufliche, radiumhöltige Radiosklerin, zu J finden, das laut Attesten bedeutender Aerzte glänzende Erfolge aufweist, die Blutzirkulation fördert, die Adern elastisch macht, geistige und körperliche Arbeitskraft auffrischt. Radiumgehalt wird amtlich überprüft. Depot und Auskunft: Apotheke Bayer, L, Wollzeile 13. Wird der Kongreß im Februar stattfinden? Großer Konzerthaussaal Jugendverein Erez Israel Sonntag, 1. Februar 1931,8 Uhr abends IV. Hebräisches Konzert Karten erhfiltllch: Zion. Büros, Karntnerstraße 28, lelephon W-27 3 20 Erez israe, W'en, H , Zirkusgasse 33 Temphon R-49-8-98 Mltwlrkond Wiener Sinfonieorchester Prof. Hugo Gotte^mann (Dirigenten: Prof. Martin Prof. Juliusz Wo'fson Spörr, Israel Brandmann Hanna Schwarz Kammersänger Wiener Jüdischer Gesangs- Hans Duhan verein

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