Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 159 (15.1.1931)
- Date
- 1931-01-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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€oupon7 für den RÄTSE1WBTT- BCHI1BB der „STIMME“ V. b. b Preis 35 Groschen AbonnemonlproUe; FOr Oestarreioh: Monatl 0 1.60. TlertelJ. 8 4.80. gancj. 8 16.- / Deutschland: Monatl. (Joldmark 1.—. riertclj Gold mark 8.— < Tschechoslowakei: Monatlich Ke 7.—. »Irrtelj Kc 19.— Jugoslawien: Monatlich Dinar 14 - vierteljährlich Dinar 40.- Jüdisdte Zeitung Ersutacsflntf leden Donnerslad —It^daMion und /IdtflinMroMon.’ llfltew. f.. JF£iirntnew8t*ais8e 2S — ^efepfton fit 27-%>S0 Polens Monatl. Zloty 9.30, vlertelj Zlotjr t (Jngaro: Monatl. Pengö 1.60. vlertelj Pengd Rumfinien: Monatl Lei 43.—. vlertelj Lei IW: , Bulgarien: Monatl Lewa 80.— vlertelj Lewa M) Belgien: Monatl Belga 3.—, vlertelj Belga 6.— I Dobriges Anstand: Monatl Schweizer Pranken i.M 4. Jahrgang Wien, Donnerstag, 15. Jänner 1931 (26. Tebeth 5691) Nummer tt>9 Kein Geld für die Fünfzehn' hundert! Nathan Strauß Wir; haben gegen das Unrecht des Weißbuches protestiert, und wir protestieren noch immer; wir h"’ on die britische Regierung vor das Grewissensgericht der ganzen kulturellen Welt zitiert; wir haben mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln gegen die perfide Auslegung der in Pr'i.stina obwaltenden Verhältnisse gekämpft; wir haben vor allem laut in die Welt binausgeschrien, daß die Einwanderungssperre für die Chaluzim ein himmelschreiendes Unrecht an unserem Volke und eine brutale Vergewaltigung der Balfour-Dekläration sei. Und jetzt zeigt es sich, daß wir für die minimale Zahl der 1500 Chaluzim, deren Einwanderung jJtÄch Palästina das britische Köibnialaöit gnädigst gostattete,,kein Geld haben... . s / Die jüdische Welt atmete erleichtert auf, als sie vor einigen Monaten erfuhr, daß dde Einwand e-rungseperre wenigstens teilweise aufgehoben werde. - Wir freuten uns darüber, daß der Strom der Einwanderung von nun .an, wenn auch in kleinem Maße, so doch kontinuierlich ins Land fließen werde. Es ließen sich damals viele zionistische Stimmen hören, die die Abweisung der 1500 Zertifikate forderten. Das sollte ein Protestzeichen bedeuten. Auf diese Weise sollte bewiesen werden, daß wir uns nicht mit Almosen abspeisen lassen wollen, daß wir ungehemmte, großzügige, viele Tausende und Zehntausende von jungen Menschen umfassende Chaluzimeijnwanderung verlangen. Fünfzehnhundert? Bloß fünfzehnhundert, nachdem wir ein halbes Jahr gewartet haben? Und jetzt wird berichtet, daß wir weiter warten werden. Nicht aus Schuld der britischen Regierung, sondern aus ureigenster Ohnmacht: wir haben kein Geld, um die Fünfzehnhundert ins Land zu bringen. Jetzt sehen wir uns selbst im Spiegel der Wirklichkeit. Jetzt erfahren wir, was für eine abgrundtiefe Diskrepanz zwischen unserem Willen und unserer Tat besteht. Jetzt wissen wir, welchen Wert Proteste, großartige Worte und Phrasen haben. Wie leicht ist es, gegen ein niederträchtiges Unrecht Protest zu eiheben! Aber wie schwer es ist, den im Rahmen der Möglichkeit gegebenen Weg zu gehen, zeigt uns die Tatsache, daß wir für die kleine Zahl der Fünfzehnhundert kein Geld haben. Wird auch jetzt ein Sturm des Protestes durch die ganze jüdische Welt gehen? Diesmal ein Sturm des Protestes gegen die eigene innere Schwäche, gegen die Unfähigkeit, im geschichtlich bedeutenden Momente größere Opfer darzubringen, gegen die Verschwendung von Energien auf unnütze theoretische Meinungsstreitigkeiten, gegen die Schmach, mit der das jüdische Volk sich eelbst beladen hat? Wir sind immer protest-, aber selten opferbereit. Wir verstehen es, schöne Worte zu gebrauchen, aber wir sind nicht imstande, den Besten von uns, die allen Mächten dieser Welt zum Trotz nach Palästina gehen und ihr junges Leben dem Aufbauwerke widmen wollen, die Erreichung ihres Zieles zu ermöglichen. Bier muß der Hebel angesetzt werden. Nicht um die Fünfzehnhundert nur geht es, sondern um die Ehre der zionistischen Bewegung. Sollten wir uns nicht aufraffea, sollten wir nicht end« Aus New York wird berichtet: Der große jüdische Philantrop Nathan S t r a u ß ist am 12. d. M. im 83. Lebensjahre gestorben. * Nathan Strauß ist am 31. Jänner 1848 in Ottenbergin Bayern geboren worden. Sein Vater wanderte im Jahre 1864 mit der Familie nach den Vereinig ten Staaten aus. ’ Nathan Strauß.war akjav. in den Unternehmungfeh seänfes Väfcers tätig- Iin Jahre 1914 zog er sich aber aus dem Wirtschafteleben vollständig zurück, um sich ganz der philantropischen Tätigkeit widmen zu können. Unvergeßlich sind die Verdienste, die er sich auf dem Gebiete der Kinderfürsorge erworben hat. Im Jahre 1882 gründete er das erste Institut zur Pasteurisierung der Milch, wodurch sich d& Kindersterblichkeit stark verminderte. In Krisenzeiten organisierte er eine weitverzweigte Hilfe für Arbeitslose, denen er unentgeltlich Nahrungsmittel, Kohle usw. zur Verfügung stellte. Er hat auch das erste Sanatorium für tuberkulöse Kinder gegründet. Als im Jahre 1923 das Groß-New-York sein I 25jübriges Jubiläum feierte, wurde allgemein | Wer wird Präsident des Waad Leumi? London, 10. Jänner. (J. T. A.) In Londoner zionistischen Kreisen wird die Frage, wer zum Präsidenten des neuen Waad Leumi gewählt werden wird, lebhaft erörtert. Es heißt, daß Ruthenberg endgültig die neuerliche Uebemahme dieses Amtes abgelehnt hat Usslschkin, der eine Zettlang als Anwärter genannt wurde, kommt nach dem Ergebnis der Wahlen zur Assefath Hanlwcharim nicht mehr in Frage. Palästinensische Arbeiterführer sind der Meinung, daß an die Stelle des bisherigen Einzelvorsitzenden ein mehrgliedriges Präsidium treten wird. lieh die Lethargie von uns abschütteln und unsere Lage von der Vogelperspektive betrachten können? Welchen Wert haben innenpolitische Streitigkeiten, wenn wir nach außenhln uns selbst so bloßstellen? Mit welchem Rechte vergeuden wir eines unserer teuersten Güter, die Arbeitskraft, für sterile Austragung von theoretischen Differenzen, für das Siehselbst-zerflei8chen? Und wie schauen wir heute in Downing-Street aus, wo der britische Kolonialminister mit hämischem Lächeln über unseren Wort- und Protestschwall zur Tagesordnung übergeht! Wir haben kedn Geld für fünfzehnhundert Chaluzim. Das ist das unheilvollste Memento, das uns unser Schicksal seit den tragischen Auguettagen zugeworfen hat. w. anerkannt, daß Nathan Strauß mehr als irgend jemand anderer dem Staate New York für soziale Zwecke gespendet hatte. Sehr große Summen hat Strauß auch für jüdische Zwecke gespendet. Er gründete und unterstützte eine Reihe von jüdischen Institutionen in Amerika und anderen Ländern. Mit großer Sympathie verfolgte er das palästinensische Aufbauwerk. Schon im Jahre 1912 gründete» er eine Küche in Palästina, in der täglich 1700 Armen, ohne K onfe&si onsü n terschied, Mit tag?* essen verabreicht wurden. Im Jahre 1915 sandte’ er ein ganzes mit Proviant beladenes Schiff füij die hungerleidende Bevölkerung nach Palästina. Große Summen assignierte er auch für die Vereinigte Palästinakampagne. Vieles hat er auf dem Gebiete der Assanierung Palästinas und der Bekämpfung der Malaria geleistet. Seine wichtigste Tat auf diesem Gebiete ist die Gründung des Gesundheitszentrums auf den Namen Nathan und Lina Strauß, das 750.000 Dollar kostete. Nathan Strauß interessierte sich bis an sein Lebensende lebhaft für alle Ereignisse im jüdischen Leben. Er war ein großer Jude und ein großer Philantrop. Die Zwangssonntagsrulie in Athlit aufgehoben Jerusalem, 8. Jänner. (J. T. A.) Der High Commis« sfoner Sir John Chancellor hat der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitgeteilt, daß die Verordnung über die Zwangssonntagsruhe in Athlit außer Kraft gesetzt wurde. Fortführung der Unternehmungen Melcnetts in Palästina Jerusalem. 7. Jänner. (J. T. A) Wie die Jüdische TelegrapUen-AgeiUtfr erfährt, wird in den nächsten Tagen Ule Entscheidung getroffen werden, in welcher Form die Untemel mungen Lord Melchetts ln Palästina fortgeführt werden sollen. Der Gutsdirektor Lord Melchetts in Palästina, Herr Hillel Welzmann, ist nach London berufen worden, um diesbezüglich Instruktionen emgegenzunehmen. — Die Verwaltung der jüdischen Gartenstadt Hadar Hakarmei bei Haifa hat beschlossen, eine Straße nach Lord Melchett zu benennen. Die Sparmaßnahmen der Jewish Agency. London, 5. Jänner. (J. T. A.) Infolge der schwierigen Finanzlage der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation hat sich die Exekutive der Jewish Agency genötigt gesehen, zehn Beamte ihres Londoner Hauptbureaus zu entlassen. Ferner wurde aus ErsparungsrUcksichten die Veröffentlichung der Preßrevue, in der bisher alle auf Zionismus und Palästina bezughabenden Artikel der arabischen und jüdischen Presse veröffentlicht wurden, vorübergehend eingestellt« ität s)