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Die Stimme · 1931-01-08 · Heft 158 (8.1.1931) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
4 (1931)
Issue
Heft 158 (8.1.1931)
Date
1931-01-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 188 — 8. Jänner 1981 DIH STIMM«: Schafft jüdische Gemeinschaft und damit jüdisches Leben, das euch vom Kopf bis zu den Zehenspitzen durchdringt. Schafft sie um der Erhaltung und Gesundung euer selbst und um der Erhaltung unseres Volkes willen, damit, wenn wir einst in Palästina das Zentrum und unsere natürliche, erdhafte Verankerung geschaffen haben, wir hier in der Galuth nicht nur Trümmerhaufen vorfinden. Blühende, fruchtbare, jüdische Gemeinschaften sollen hier erstehen, das Antlitz gegen Osten gewandt, empfänglich für das Licht, daß ihnen von dort entgegenleuchtet. Der siebenarmige Leuchter Mit seinen sieben silberglänzenden Armen umspannt« der Leuchter das ganze Weltall, die Liebe, die Hoffnung, das Glück, alles, was da atmete, lebte und webte. Mit seinen sieben silbernen Armen um* spannte er das Glück des Hauses, der Familie 3chon durch viele Generationen, über Glück und Freude, über Not und Tod hinaus. So viele Gebete waren schon über ihm erklungen, so viele Lippen hatten schon über ihm des Ewigen Herrlichkeit gepriesen von Anbeginn zu Anbeginn, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Fest und unerschütterlich wie der Gottesglaube stand der siebenarmige Leuchter da von Geschlecht zu Geschlecht, durch Jahrhunderte, wohl noch durch Jahrtausende: ein Wahrzeichen der Liebe Gottes über Menschenlust und Menschenleid, über Zeit und Raum hinaus, ein einziges stummes und trotzdem heilig beredtes Hohelied auf den Ewigen, der da spricht: „Ich war. ich bin und ich werde sein!“ Franziska Bloch-Mahler, Palästinakinder Unser Gott. Dte Sommerglut hat das Land verbrannt. Der Bauer und jedermann ersehnt den ersten Regen. Auch Klein-Ithiel steht am Balkon und sieht nach den Wolken aus, als ihm ein Tropfen auf die Nase fällt. Da ruft er froh: „Bravo, Elohim!“ Scliutzmacht. Als Vater aus der Zeitung vorliest, daß gestern in Tel-Aviv zwei betrunkene britische Polizisten den Nachtwächter mit dem Revolver bedrohten, seufzt Judith: „Und die sollen uns beschützen!“ — „Dummkopf,“ fällt Eli, ihr großer Bruder, ein, „das ist doch gut. Wenn sie schicker sind, schießen sie auf die Araber statt in die Luft.“ Mitgeteilt von Michael, Jerusalem. «Vater, bitte, gib’ mir recht viel Geld!» sagte sie am nächsten Morgen beim Frühstück. «Ich muß mir noch eine ganze Menge Sachen kaufen für Nizza!» Und der Kommerzialrat, der sich freute, endlich wieder einen Wunsch von Hella zu hören, zog seine Brieftasche und entnahm ihr ein paar große Scheine. «Wird’s reichen?», fragte er das junge Mädchen schmunzelnd und kniff sie zärtlich in die Wange. Sie errötete, dankte und gab dem Vater einen Kuß. Herrgott, die Eltern waren im Grunde so gut zu ihr — wie schwer war es doch, sie zu betrügen und ihnen Kummer zu bereiten! Aber es mußte sein. Die Heimat rief, die alt-neue Heimat verlangte nach ihr — gewiß auch nach ihr! Nach jedem, der arbeiten konnte und wollte, um sic wieder aufzubauen . . . «Bitte, laß’ mich heute allein „shopping“ gehen», sagte sie eine halbe Stunde später zur Mutter. «Ich möchte so gerne einmal ganz selbständig sein, ja?» Wie aufgeregt das Kind heute war; das machte wohl das Reisefieber. Gott sei Dank, daß sie endlich die Trübsal abgeschüttelt hatte. «Lauf nur, Kind», sagte Frau Berta gutmütig, «aber komm’ rechtzeitig zu Tisch!» Doch es wurde zwei Uhr, drei, vier — Hella ließ sich nicht blicken. Frau Berta, die zuerst ungehalten, dann böse gewesen war, wurde nun ernstlich besorgt, telephonierte alle Bekannten an — erfolglos. Abends wurde die Polizei verständigt, aber Hella war und blieb spurlos verschwunden. — Rahel war nicht «shopping» gegangen, sondern schnurstracks zu einer Freundin aus der Gemeinschaft gefahren. «Du mußt mir einen Gefallen tun, Ruth! Ich bin von zu Hause durchgebrannt. Du mußt mich beherbergen, bis wir ins Marchfeld ziehen, also bis übermorgen. Aber bis dahin traue ich mich nicht aus dem Hause. Geht’s?» Ruth umarmte die Freundin und küßte sie auf beide Wangen. «Natürlich geht’s! Ich bin so froh! Ein paar von den anderen meinten, es wäre dir gar nicht ernst mit deinem Zionismus, und wenn’s dazu käme, würdest du uns im Stiche lassen; ich aber habe immer an dich Wasser. Klein Evchen wohnte im Emek Jeereel, in einer Kolonie am Fuße des Berges Tabor. Als ich dort lebte, war mein kleiner Liebling drei Jahre alt. Zu jener Zeit war das Leben im Emek recht schwer. Eine der unangenehmsten Plagen war 'wohl die Wasserbeschaffung. Täglich mußte das Wasser in großen. Bottichen von einem Brunnen geholt werden, der eine Wegstunde vom Dorfe entfernt lag; dann bekamen alle Dorfbewohner eine abgemessene kleine Menge Wassers, das man erst filtrieren, kochen und kaltstellen mußte, ehe es trinkbar wurde. Kein Wunder also, wenn man seinen Gästen lieber Wein an Stelle von Wasser vorsetzte. Die kleinen Kinder, denen ich ja keinen Alkohol geben durfte, mußte ich, wenn sie mich besuchten, Suche für einzige Tochter, 25 Jahre alt, aus gutem Hause (Eitern ostjiidischer Abstammung), hübsche Erscheinung, häusl. erzogen, sehr gebildet, äußerst musikalisch, mit einer Mitgift von Schweizer Frcs. 40.000 bis 50.000, passende Partie. Akademiker mit guter Existenz bevorzugt. Offerten unter «4021» an die Administration der «Stimme». immer nach Hause schicken, wenn sie durstig wurden. Einmal war Evchen allein bei mir und erzählte mir alle ihre süßen Kindergedanken. Plötzlich wurde s;e ganz still. „Bist du müde, Evchen,?“ fragte ich sie. „Nein, Tante.“ „Hast du Hunger?“ „Nein, Tante.“ Dann plötzlich, mitten in unsere Stille hinein, sagt Evchen ernsthaft: „Wenn mein Vater nach Hause kommt, werde ich Wasser trinken . . Die rührend-einfache Selbstverständlichkeit, mit der sie die wenigen WTorte hervorbrachte, trieb mir die Tränen in die Augen. Natürlich erhielt mein Liebling Wasser und Himbeersaft dazu — die Kleine war glücklich. Dann sagte ich zu ihr: „Siehst du dort draußen die Rohre liegen, Evchen? Bald wird das Wasser durch sie direkt vom Brunnen bis zu eurem Haus fließen, und wenn du Durst häst, brauchst du nur den Kran voi*'euerem'Haus auf zudrehen und du bekommst gutes, reines Wasser, soviel du willst.“ Und wirklich, wenige Wochen später gab es frisches, gutes Wasser, und niemals hat es mir so gut geschmeckt, als wenn sie es mir brachte, mein Liebling, Klein-Evchen. K. T. Seite i ——.•mm Auf zu den sonnigen Winierfreuden nach i Äjq C A K w 3* « 1300 M U. M. SCHWEIZ höchster mmmsmnom UNB «PdMVPLATZ I. RANGES Pension 3TRENQ*ntl^n Inh. B. Levin. Tel. 207 Zimmer mit Pnva bakons für Sonnen* und Liegekuren. Erstkl. Verpflegung. Massige Preise. —rvai.Tarj»... Es wird gespart Wie die Jüdische Telegraphcn-Agentur erfährt, zieht die Jewish Agency eine weitere Einschränkung ihres Verwaitungsapparates in Palästina inr Hinblick auf die dringende Notwendigkeit von Ersparungen in ihrem Budget in Erwägung. Die Exekutive der Jewish Agency hat ein Statement ) veröffentlicht, das über die Gehälter der Mitglieder und der J Beamten der Jewish Agency Aufschluß gibt. Die Höhe der Gehälter wurde durch eine neutra'e Kommission im Jahre 1924 festgesetzt und wird jetzt durch ein Spezialkomitee überprüft werden, das dem Zionistenkongreß einen Bericht über die Gehäiterfrage unterbreiten wird. Bis dahin werden die sonst üblichen Gehaltserhöhungen nicht vorgenommen werden. Von den 149 Beamten der Jewish Agency in Pa'ästina beziehen nur 31 mehr als 25 Pfund monatlich, nur II Beamte, die besonders verantwortliche Posten bekleiden, mehr als 35 Pfund. Vier Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency beziehen ein Monatsgehalt von SO Pfund, bloß das Gehalt von Colonel Kisch, der ein besonders schwieriges Ressort innehat, beträgt 150 Pfund monatlich. Tagung des Parteirates der Weltunion der Zionisten-Revisionisten Berlin (J. T. A.). Am 25. und 26. Dezember fand in Berlin unter Vorsitz von Wladimir Jabotinsky eine stark besuchte Sitzung des revisionistischen Parteirates statt, an der die Mitglieder des Exekutivkomitees und eine Reihe von Mitgliedern des Parteirates aus Deutschland, England, Polen, der Tschchoslowakei, Oesterreich, Bulgarien, Frankreich, der Schweiz und Südafrika teilnahmen. I iroßfieisdihauerei S1EGM. KORNMEHL Zentrale IX, Berggasse 19, Tel. A 17-3-99 u. A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für "irvvFIeisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinäts der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Autozustellung kostenlos IX, Berggasse 1- XVlil, Währingerstraße 97 geglaubt. So froh bin ich, Rahel! Komm’, hier ist mein Zimmer. Du kriegst mein Bett, ich werde au? dem Diwan schlafen!» — Drei Wochen waren vergangen; Rahels zarte Hände waren rauh und schwielig geworden von der harten, ungewohnten Arbeit. Trotzdem hatte sie sich überraschend schnell hineingefunden und war mit Freude und Liebe bei der Sache. Aus dem bleichsüchtigen Geschöpfchen war ein gesundes, frohes Menschenkind mit roten Wangen geworden. Tags arbeitete sie, abends wurde getanzt, gesungen und vorgelesen und nachts schlief sie einen festen, gesunden Schlaf auf dem harten Lager. Das war gut so — es blieb ihr wenig Zeit zum Denken. In der ersten Zeit hatte sie ja doch kaum schlafen können und immer vom Weinen getrübte Augen gehabt, wenn das Gewissen sie peinigte . . . Aber sie durfte doch ihren Eltern nicht schreiben, solange sie in der Nähe von Wien war! Sie würde ja sofort zurückgeholt werden und könnte nie, niemals nach Palästina fahren! «Lieber Gott, gib, daß wir bald hinkommen, — schon wegen der Eltern, damit ich ihnen schreiben kann, daß ich gesund bin!» dachte sie oft. Und ein halbes Jahr später waren sie wirklich in Erez Israel. Kommerzialrat Rosen, dessen Haar in letzter Zeit stark ergraut war, saß mit seiner Frau beim Frühstückstisch, als das Mädchen auf silbernem Tablett die Post brachte. Müde nahm er die Briefe — und fuhr plötzlich wie elektrisiert auf. «Deborah — ist das nicht ihre Schrift? Sie lebt — gelobt sei unser Gott — öffne den Brief, ich kann nicht, mir zittern die Hände!» Aber auch seiner Frau zitterten sie, und so dauerte es eine geraume Weile, ehe sie zu lesen beginnen konnten. «Nahalal, 14. November 19 .. Geliebte Eltern! Ich bitte Euch, verzeiht mir, daß ich Euch solchen Kummer verursacht habe — ich konnte nicht anders. Die Heimat hat mich gerufen und ich mußte gehen. Ihr hättet mich doch niemals gehen lassen und so mußte ich heimlich fort. Verzeiht mir, ich bitte Euch! Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie gesund und glücklich ich bin und wie schön es hier ist; kommt einmal her, mich besuchen, dann werdet Ihr es selbst sehen. Ich glaube, wenn Ihr nur kurze Zeit hier leben würdet, Ihr würdet wieder Juden werden und Euch Eures Glaubens und Eurer Rasse nicht mehr schämen. Ja, Ihr würdet gar nicht wieder fort wollen von hier. Was ich den ganzen Tag tue, was ich arbeite, davon möchte ich Euch lieber nichts schreiben; Ihr würdet es bestimmt nicht verstehen können. Aber Ihr dürft mir glauben, daß es mir besser geht, als es mir je in Wien gegangen ist. Kommt her und überzeugt Euch selbst! Ihr könntet in Haifa leben, das ist eine große Stadt und nicht weit von uns. Wir würden uns oft sehen können. Ihr würdet Euch hier sehr, sehr wohl fühlen. Wenn Ihr mich noch ein bißchen lieb habt, so kommt zu Eurer Rahel.» Die Beiden lasen den Brief wieder und wieder von vorne. Dann weinten sie ein bißchen, lachten ein bißchen, fielen sich um den Hals und waren sehr glücklich. «Wie sie schreibt, wir würden hier wieder Jucenr werden, — als ob wir es nicht wären. Gewiß, ein« Zeit hindurch waren wir es nicht, aber unser Leid hat uns ja wieder zurückgeführt zum Judentum. Schau’ — der Ewige hat uns ja doch geholfen — sie lebt! Sie lebt!» Und wieder umarmte der alte Mann seine Frau. «Was meinst du, Deborah? Ob wir jetzt in Wien leben oder dort?» Entrüstet unterbrach sie iltn: «Natürlich fahren wir hin! Sofort!» «Laß’ mir nur ein wenig Zeit, meine Geschäfte hier zu liquidieren», lachte er glücklich. «Wir wollen ja nicht nur auf Besuch zu unserem Kinde fahren, «widern dort bleiben — für immer!» Und so wurde es auch. \ lk 1 31

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