Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 4 (1931)
- Issue
- Heft 158 (8.1.1931)
- Date
- 1931-01-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 158 — 8. Jänner 1931 DIE STIMME Seite $ Die Sorgen Moskaus Ein Wiener Vortrag über Birobidschan. Zu den vielen Sorgen der Weltbcglücker aus Moskau haben die Usurpatoren vom Kreml eine neue gesellt. In der Zeit der unvollendeten und trotzdem neu entworfenen Fünfjahrpläne finden sie doch noch freie Momente, in denen sie sich mit nicht mehr und nicht weniger als mit der Lösung der Judenfrage beschäftigen. Das Wichtigste, was hierbei zu leisten ist, erblicken sic im Rühren der Werbetrommel; denn wie in Wirklichkeit die «Arbeit» ausschaut, ist einem jeden vernünftig und klar denkenden Menschen in Europa zur Genüge bekannt. Man braucht kein Zionist zu sein, um die Lächerlichkeit, aber auch die Gefahr dieses Beginnens zu erkennen. Doch dabei darf es nicht bleiben. Da gilt cs Abwehr! So lange die Herrschaften unter sich bleiben, stört uns ihr Trecji nicht weite-. Sobald ie aber in dif jüdische Gasse •kommen und mit gefährlichen Phantomen die jud'ichen Massen ködern wollen, um mit jüdischem Geli den i.-ioskowitischen Machthabern jüdische Btutop'er vorzubtreiten, muß das jüdische Gewissen diesem Treiben Einhalt gebieten. Es ist nur traurig und beschämend, daß ein jüdischer Journalist, der ehemals in unseren Reihen gestanden ist, sich dazu hergibt, ein Wegmacher dieser phantastischen Pläne zu sein, wobei aus seinen Reden herauszuhören war, daß er nichts weniger als von diesen Ideen, bezw. von* der Möglichkeit ihrer Verwirklichung, durchdrungen war. Wie Bileam ging er aus, um zu fluchen, und mußte segnen! Für Montag, den 5. d. M. lud eine Notiz, die das Deckmäntelchen der Objektivität trug, zu einem Vortrage im Hotel Post ein. War es Zufall oder Interesse, daß zu dem Vortrag «Das Judenproblem in Rußland» sich ein Publikum einfand, das zumindest zur Hälfte national gesinnt war? Unter diesem Eindrücke sprach der Vortragende, Dr. Peiler, und bemühte sich sogar einer gewissen Objektivität. Doch was er in seiner Rede vorbrachte, war nichts als ein Loblied auf die objektiven und idealen Beweggründe der Sowjetregicrung für die jüdische Kolonisation in Birobidschan und der Krim. Wie gut es den Juden dort ginge, erzählte er, wobei er ein Bild in den zartesten Pastellfarben malte. Als jedoch nach seiner Rede sich eine Debatte entspann und er mit \nfragen bestürmt wurde, verlor der Vorsitzende den ,\opf und wollte über die Zulassung der einzelnen Anfragen selbst entscheiden. Doch, das Publikum ließ sich dies natürlich nicht gefallen. Nun konnte der Vorsitzende die Situation nicht mehr meistern. Dazu verhalf ihm in dankenswerter Weise unser Gesinnungsgenosse Herr Adolf Böhm, der die Tribüne bestieg und unsere Anhänger zur Sachlichkeit aufforderte, zugleich aber den Vortragenden ersuchte, dem Publikum sachliche und genaue Mitteilungen über diese «Kolonisation» zu machen. Was nun folgte, entsprach sicherlich nicht den Intentionen der Veranstalter. Der Redner mußte zugeben, daß er die Zahlen, die er anführte, nicht überprüft hatte, und selbst diese waren so kläglich, daß der Bluff ganz klar zutage trat. Der Eindruck, den man davontrug, war der, daß die Lösung der Judenfrage, auch ihre teilweise Lösung, das heißt die der russischen Judenfrage, von Moskau aus nicht zu erwarten ist. Es hatte daher die Bedeutung eines Symbols, als nach Schluß der Versammlung «Hatikwah» mächtig im Saale ertönte. Die Finanzkrise Vorläufig keine Ausgabe von Einwanderungs- Zertifikaten an Chaluzim — Notopfer der Mitglieder der Exekutive der Jewisli Agency Jerusalem, 4. Jänner. (J. T. A.) Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, hat die Exekutive der Jewisli Agency im Hinblick auf die außerordentlich .schwierige Finanzlage die Paläetinaämter angewiesen, die weitere Verteilung von Arbeitereinwanderungszertifikaten einzustellen. Es wird somit ein großer Teil der anfangs November von der britischen Regierung ausgegebenen 1500 Arbeiterzertifikate vorläufig nicht ausgenützt werden. Die Ausgabe von Zertifikaten soll erst wieder aufgenommen werden, bis genügende Mittel zur Verfügung stehen, Ca/e 9ür§tentkof Wien. 2. üBexivft, fFrotfcrsfra/Je ZS Vornehm« Familien cafö Treffpunkt der Zionisten um die Einwanderer sofort nach .ihrer Ankunft mit Arbeit versorgen zu können. Der Schatzmeister der Exekutive der Jewish Agency, Doktor Werner Senator, ist nach London .abgereist, um -an der außerordentlichen Sitzung des Aktionskomitees, die am M. Jänner eröffnet w i rd, t e i i z11 neh m en. Die Mitglieder der Exekutive der Jewisli Agency haben beschlossen, unabhäng g von der Regelung der Gehaltsfrage, die auf der außerordentlichen Aktionskomiteesitzung in London erfolgen soll, und außer ihren regelmäßigen Beiträgen für Keren Hajessod. Jüdischen Natiorialfonds und andere Palästinazwecke, ein Monatsgehalt dem Palästinaaufbaufonds zur Verfügung zu stellen. Motzkin krank Paris, 2. Jänner. (J. T. A.) Auf ärztliche Anordnung hat sich der Präsident des Zionistischen Aktions- Comitces, Leo Motzkin, zu einem Kuraufenthalt nach Nizza begeben. Motzkin ist durch seinen Gesundheitszustand genötigt, sich in nächster Zeit von jeder politischen Betätigung fernzuhalten. Er wird daher auch an den weiteren Verhandlungen der Jewish Agency mit der britischen Regierung nicht teilnehmen und für die Dauer seiner Erkrankung im Politischen Komitee der Jewish Agency durch Isaac Naiditch, der bereits nach London abgereist ist, vertreten werden. r*ocoort>ooooGOoocxxxx3ooooooooooocxx>oooo Set Grftillungs - Ärars feiten, rfjeimta» tifdjcit, ßidjtiidjen unb tierbüfcn Scljiueraen finb X o g a b Tabletten unübertroffen. X o q q l jdjeibet bie garnfäure nu§ unb geljt bafgr bireft aur SBurael 5e3 UeßelS. gra* gen 8ic Tsfircit Straf. — $sn allen Slpotljefen. — <3. 2.40. 0Q0000CXX»000000000000CXXXXXXXXXXXXXX30 Einstein in Amerika Internationalismus und Bekenntnis zum Judentum. P a s a d e n a. (J. T. A.) Professor Einstein ist in Pasadena, wo er in den nächsten Monaten am Mount Wilson Observatorium umfangreiche wissenschaftliche Forschungsarbeiten durchzuführen gedenkt, eingetroffen. Noch vor seiner Landung wurde Professor Einstein von den Pressevertretern über seine Stellungnahme zu gewissen politischen Problemen befragt. Unter anderem wurde an Ihn die Frage gerichtet, wie er seine internationale Einstellung mit seinem Eintreten für die Errichtung einer national-jüdischen Heimstätte in Palästina vereinbaren könne. Professor Einstein erwiderte: Internationalismus bedeutet nicht die Aufgabe jeder Individualität. Es besteht kein Grund dafür, daß irgendeine Nation oder irgendein Stamm seine Traditionen nicht bewahren sollte. Warum sollten daher gerade die Juden ihre Vergangenheit verleugnen? Warum sollen sie nicht einen Fleck Erde ihr eigen nennen dürfen? Zehn Jahre Histadruth Haowdim Im ganzen Lande Palästina beging die jüdische Arbeiterschaft die Feier des zehnjährigen Bestehens der Histadruth, die Ende Dezt über 1920 auf einer Konferenz palästinensischer Arbeiter in Haifa begründet worden ist. Der vollständige Name dieser allgemeinen gewerkschaftlichen Organisation der jüdischen Arbeiter in Palästina lautet: «Histadruth haklalith schel Haowdim haiv.’rim beerez Israel». Die Histadruth ist ein Bund von Fachorganisationen (der Organisation der Landarbeiter, der bei den öffentlichen und bei den Bauarbeiten beschäftigten Arbeiter, der Bahnarbeiter, der Metallarbeiter u. dgl.), der von einer Zentralstelle in Tel- Aviv aus geleitet wird. Die zwei bedeutendsten Sektionen sind die Organisation der Landarbeiter, die alle Arbeiterpachtgenossenschaften im Lande und daneben noch die landwirtschaftliche Lohnarbeiterschaft umfaßt, und die Organisation der Bauarbeiter, die selbst eine Zeitlang der bedeutendste Unternehmer im Baugewerbe in Palästina war und bis zum 31. Dezember 1926 Arbeiten im Gesamtbeträge von über 68 Millionen Schilling ausgeführt hat. Die Bauarbeiter-Kooperative (Solei Boneh) mußte jedoch 1927 liquidiert werden. Auf der zweiten Konferenz (Februar/März 1923) der Histadruth wurde beschlossen, sie in einer Arbeitergesellschaft (Chew'rath-Owdim) umzuwandeln, die als solche erstrebt, Eigentümerin aller Siedlungen und aller Institutionen der Arbeiterschaft zu sein. Laut Beschluß dieser Konferenz trat die Histadruth der Amsterdamer Allen freunden und Gesinnungsgenossen. die mir anläßlich meines 50. Geburtstages ihre Wünsche zuhommen ließen, danke ich auf diese Weise herzlichst Dr. DES1DER FRIEDMANN Gewerkschaftsinternationale bei. Die Zahl der Hista« diuth-Mitglieder beträgt derzeit etwa 30.000. Die Histadruth stellt die bedeutendste jüdische Organisation in Palästina dar und beeinflußt das jüdische Leben Palästinas in hohem Maße. Rücktritt Ruthenbergs Pinchas Ruthenberg hat einen Brief an den «Doar Hayom» gerichtet, in dein er es endgültig ablehnt, für die Präsidentschaft der zionistischen Exekutive als Nachfolger Dr. Weizmanns zu kandidieren. Ruthenberg soll auch beabsichtigen, von der Präsidentschaft des Waad Leumi zurückzutreten und das politische Leben zu verlassen. In aller Kürze In Oporto soll eine Jeschiwah für die Marranen gegründet werden. * Der Gemeinderat von Paris hat sich in einer Sitzung mit der Schechita befaßt und seiner Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß vom Standpunkt der Humanität gegen die rituelle Schächtung kein Einwand erhoben werden könne. * Am 25. und 26. Dezember wurde in Paris die zweite Landeskonferenz der französischen Zionisten-Revisionisten abgehalten. * Am 24. und 25. Dezember wurde in Amsterdam die 31. Jahreskonferenz des holländischen Zionistenverbandes abgehalten. In Berlin Warschauer, verstarb der bekannte Historiker Adolf Der Stadtrat von Bialystok hat beschlossen, eine Straße nach dem Gründer der Universitätsbibliothek in Jerusalem, Josef Chasanovitsch, zu benennen. *. Im Laufe der letzten fünf Monate sind 1923 Juden in Kanada eingewandert. f>; * Professor Albert Einstein hielt bei der Chanukkahfeier der New Yorker Zionisten eine Ansprache. ♦ Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. Shiels empfing eine Delegation der Agudah. * Die argentinische Regierung drosselt die Einwanderung durch Erhöhung der Visagebühren. Es ist dies ein schwerer Schlag für die jüdische Immigration. * Infolge der im Diamantenfach herrschenden schweren Krise hat sich die wirtschaftliche Lage der Antwerpener jüdischen Bevölkerung außerordentlich kritisch gestaltet. * In Elisabethville (Belgisch-Kongo) wurde eine große Synagoge eingeweiht. * In Danzig fand eine Weltkonferenz der agudistischen Jugend statt. * «Haschalom» ist der Titel einer neuen jüdischen Zeitung, die in Bulawayo in Süd Rhodesia, Afrika, erscheint. # Ein einziger Araber inskribierte im Wintersemester 1930 an der hebräischen Universität in Jerusalem. * Louis Lipsky, der Ehrenvorsitzende der amerikanischen zionistischen Organisation wurde aus Anlaß seiner 30jährigen Tätigkeit für das Judentum durch ein Festbankett im Hotel Astor in New York gefeiert. * Henriette Diamond aus Leeds, England, spendete für den Keren Kajemeth Pfund Sterling 1000.—.—, die sie dem Keren Kajemeth testamentarisch zugedacht hatte, als Protest gegen das Weißbuch und fordert die Zionisten auf, mit Rücksicht auf die Situation im Zionismus dem Nationalfonds zugedachte Legate schon jetzt auszuzahlen. Großer Konzerthaussaal Jugendverein Erez Israel Sonntag, 1. Februar 1931,8 Uhr abends IV. Hebräisches Konzert Karten erhSItllch: Mitwirkend Wiener Sinfonieorchester Prof. Hugo Gottesmann (Dirigenten: Prof. Martin Prof. Juiius Wo fson Spöhr, Israel Brandmann Hanna Schwarz Kammersänger Wiener Jüdischer Gesangs* Hans Duhan verein Zion. Büros, I., Kärntnerstraße 28, felephon R*27-3 20 Erez israe1, W'en, li, Zirkusgasse 33 Telephon R-49-8-98 i I