Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 3 (1930)
- Issue
- Heft 157 (29.12.1930)
- Date
- 1930-12-29
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3053859-3053910--2105-3057509- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 2× ep/1047930
OCR text
ite 12 DIE STIMME T Nr. 157 — 29. Dezember 1950 08.9 Prozent, der höchste 100 Prozent, der Durchschnitt aus vier Anaalysen betrug 99.62 Prozent, die Mineralsubstanz schwankt zwischen 0 und 072 Prozent. Ich untersuchte durchwegs schwarze, glänzende, sehr spröde Brocken. Die Härte des Asphalts liegt zwischen 3 und 4. Die Dichte ist größer als 1 und kleiner als 1.16. (Nach Köhler hat der Tote Meer-Asphalt die Dicine 2.103.) Zum Vergleich sei die Analyse von Trinidad- Asphalt hieher gesetzt (Köhler: «Die Chemie und Technologie der natürlichen und künstlichen Asphalte»): Bitumen- 56 Prozent; Mineralsubstanz: 43 Prozent. E ementaranalysen des Toten Meer- Asphaits führte Boumingoult aus (S. v. Höfer: «Das Erdöl und seine Verwandten». 1912):, C H 0 S N 77.84 8.93 11.54 — 1.7 Der Tote Meer-Asphalt ist nicht nur der hochwertigst'-. sondern auch der seltenste unter allen Asphaltsorten, er wird schon darum stets der teuerste unter ihnen bleiben. Man wird ihn daher auch weiterhin nur für die Herstellung von Lacken, Isoliermitteln und Asphaltkopierverfahren (Askaudruck in der PhotnpTn'ihlc) verwenden können. (Schluß folgt.) JKisxellen JndLustrie und Gewerbe Weinkeltereien und Tabakfabriken in Palästina. Das «Commercial Bulletin» veröffentlicht eine Liste der 31 Destillerien und Weinkeltereien in Palästina. Sie enthält 10 reine Weinkeltereien, 14 Destillerien und 7 gemischte Betriebe (in denen Weinproduktion und Destiücrie betrieben wird). Von der Gesamtzahl aller Firmen sind 18 in jüdischem Besitz (= 58 Prozent). Die Liste der T abak-und Zigarettenfabriken enthält 12 Unternehmungen, von denen nur eine einzige, nämlich die Firma «Dr. Moses und Waskevitz», in jüdischen Händen ist (= 8.3 Prozent). Die größeren arabischen Unternehmungen gehören dem englisch-ägyptischen Tabakkonzem. Die Fabriken verteilen sich auf die Städte Haifa, Nablus, Jerusalem, Jaffa, Bethlehem. Die neue Shell-Anlage in Haifa. Am 27. November eröffnete der High Commissioner die neuen Tank- und Ladeanlagen der Shell Company in Haifa. In seiner Ansprache erinnerte er daran, daß Haifa vor noch nicht allzu langer Zeit kleiner war als Akko; er sagte Haifa eine große Zukunft voraus: es werde eines Tages mit Genua, Marseille und anderen Mittelmeerhäfen konkurrieren. Dabei bemerkte der High Commissioner — zum ersten Male offiziell —: «Die Frage der Endstation fü>r die Mossul-Röhrenleitung ist in aktiver Behandlung und ich hoffe und glaube, daß ein großer Teil des Petroleums der Oelfelder des Iriq zur Verschiffung nach Haifa geleitet wird.» Ein zweiter, bemerkenswerter Hinweis des High Commissioner betraf den Bau der Eisenbahnlinie von Haifa nach Bagdad. Diese Linie soll später eventuell bis Teheran verlängert werden. Es liegen bereits Anfragen der persischen Regierung vor, die an einem solchen Ausbau interessiert ist. Haifa wird also in nächster Zukunft eine wichtige Verkehrsbrücke nicht nur für Palästina und Transjordanien, sondern auch für den Iraq und Persien sein. Der High Commissioner ging dann auf die R ationalisierung des Petroleumvertriebes ein, die von der Shell Company eingeleitet wurde. Palästina hat von dem Konkurrenzkampf der großen Petroleumgesellschaften zeitweilig profitiert. Aus allen Teilen der Welt, sogar von Mexiko und Kalifornien, ist während dieses Kampfes Petroleum nach Palästina gekommen. Man dürfe hoffen, daß die Petroleumkonzerne die Rationalisierung ihrer Felder beschleunigen werden und jeder Gesellschaft ein bestimmtes Absatzgebiet zugewiesen wird. Für Haifa würde ein solches Abkommen von außerordentlicher Bedeutung werden, da dann das Petroleum der Oelfelder des Iraq in Haifa raffiniert und auf alle Mittelmeerländer verteilt werden würde. Nach der Rede des High Commissioner gab der Direktor der Shell Company für den Nahen Osten, M r. Martin, Informationen über die Entwicklung und den Umfang der Haifaer Anlagen der Gesellschaft. Vor dem Kriege war der Verbrauch von Petroleum und Benzin in Palästina nicht von großer Bedeutung. Noch im Jahre 1 9 2 0 betrug der Verbrauch an Benzin noch nicht 800.000 Gallonen. 1 925 war er auf 1,3 70.0 00 Gallonen gestiegen und 1929 bereits auf nahezu 3/2 Millionen. Der Verbrauch von Petroleum In Palästina und Transjordanien stieg von 1,4 5 0.0 0 0 Gallonen Im Jahre 19 20 auf 8,640.000 Gallonen im Jahre 1 929. In ähnlicher Weise stieg der Verbrauch der Nebenprodukte des Erdöls, wie Heizöle, Teer usw. Die neue Anlage der Shellgesellschaft in Palästina entspricht nicht nur den Bedürfnissen des so außerordentlich gestiegenen gegenwärtigen Konsums, sondern umschließt auch Reserveeinrichtungen, falls der Bedarf m den nächsten Jahren weiter steigen sollte. Der Bau der direkten Rohrleitungen von den Bassins der Oelgesellschaft zu den Tankschiffen, die eine direkte Entladung der Schiffe ermöglichen, geht vorwärts. Die Anlagen der Gesellschaft bedecken eine Fläche von über 100.000 Quadratmeter. An ihrem Bau waren 500 jüdische und arabische Arbeiter beschäftigt. Mehr als ein Dutzend riesiger Tanks Imit einer Aufnahmefähigkeit von 0 M i 11 i o n en Gallonen sind das weitMntragende Kennzeichen der Anlagen, di« diesem Teile der Stadt Haifa ihr Gepräge geben. Mandel Die Aussichten der Jaffa-Dran ge in England in der Saison 1930/31* Während der kommenden Saison wird die Jaffa-Ofange durch den Ausfall der kalifornischen Orangenernte eine günstige Situation auf den englischen Märkte!! finden. Die Konkurrenz der spanischen Orangen wird sich dagegen wie alljährlich fühlbar machen. Dieser Bericht einer englischen Fruchtimportfirma in Liverpool betont auch die Bedeutung guter Verpackung für die Erzielung höherer Preise und größeren Absatzes. Import und Export Palästinas im Monat August. Der Wert des Imports nach Palästina betrug für den Monat August 1930 509.748 Pfund (gegenüber 523.774 Pfund im gleichen Monat des Vorjahres). Der Wert des Exports war 98.176 Pfund (gegenüber 147.726 Pfund). Die Abnahme des Exports ist im wesentlichen auf die verminderte Ausfuhr von Gerste, Wassermelonen und Waschseife zurückzuführen. Dagegen hat die Ausfuhr von Durrah im Vergleich mit dem Monat August des Vorjahres zugenommen. Verbebr Verbesserungen im Reiseverkehr nach Palästina. Nach einer Mitteilung des Immigrations-Departements der Jewish Agency hat die palästinensische Regierung einer wichtigen Verbesserung in der Abfertigung von Schiffspassagieren, die in palästinensischen Häfen ankommen, zugestimmt. Von jetzt ab müssen die Gepäckstücke von Reisenden — einschließlich der 3. Klasse — nicht mehr desinfiziert werden, wenn sie während der Schiffsreisf nicht geöffnet worden sind. Was die Desinfektion der Reisenden selbst angeht, so sind auch diejenigen der 3. Klasse künftig von dieser Verpflichtung frei, wenn der Schiffskommissär bestätigt, daß sie in besonderen Kabinen untergebracht waren. Im allgemeinen hat der Quarantäne-Arzt das Recht, an Ort und Stelle zu entscheiden, ob die Notwendigkeit einer Desinfizierung besteht oder nicht. Diese Verordnung bedeutet eine wesentliche Verbesserung in der Abfertigung der Schiffsreisenden, von denen bisher die Passagiere der dritten Klasse einer sehr unangenehmen Prozedur in der Quarantäne unterworfen waren. Verbesserung der direkten Schiffskurse Palästina—Triest. Die in der Ziko angekündigte Verbesserung der Schiffsverbindung Triest-Palästina tritt vom 31. Dezember ab in Kraft. Die Schiffe fahren v o n H a i f a aus jeden Mittwoch ab und berühren auf der Reise nach Triest den Hafen Larnaca auf der Insel Cypern und Brindisi. Die Reisedauer wird trotz den 10 Stunden abgekürzt sein, da die Schiffe «Adria» und «Carnaro» des Lloyd Triestino, die diesen Dienst bisher versehen haben, mit neuen Maschinen ausgestattet wurden. Palästina hat damit jetzt auch eine direkte Verbindung mit der Insel Cypern erhalten. Die Xofonien Der Wiederaufbau von Beer-Tuwia. Der Wiederaufbau von Beer-Tuwia, das in den Unruhen im August 1929 zerstört wurde, ist in den letzten Wochen fortgeschritten. Die Zahl der Familien, die dort wieder angesiedelt sind, beträgt 44 (120 Erwachsene und 80 Kinder). Die Siedler wohnen in Baracken und in einigen notdürftig hergerichteten Häusern von früheren Kolonisten. Zwischen dem Kolonisations-Departement der Agency und Bau-Unternehmern aus Tel-Aviv ist soeben ein Vertrag über den Bau von 45 neuen Häusern und den dazu gehörigen Wirtschaftsgebäuden geschlossen worden. Die Bodenfläche von Beer-Tuwiah im Umfang von 5500 Dunam ist in den Besitz des Keren Kajemeth übergegangen. Der Wiederaufbau-Plan sieht die Errichtung der Häuser in einer Entfernung von l*/2 km östlich von der früheren Siedlung vor. Drei Baukomplexe, die sich um die geplanten gemeindlichen Bauten gruppieren, bilden den künftigen Kern der Siedlung. Jeder landwirtschaftliche Betrieb wird 15 Dunam Bewässerungskulturen, 60 Dunam Getreide, eine Milchkuh, ein Maultier und 100 Stück Geflügel haben. Auch ein T i e f b r u n n e n, der über den lokalen Wasserbedarf hinaus die Bewässerung der geplanten Pflanzungen ermöglichen wird, befindet sich in Bau. Die Siedlungskosten betragen pro Siedler 825 Pfund. Von diesem Betrag werden 25 Pfund vom Siedler selbst beigesteuert, während die restlichen 800 Pfund vom Hilfsfonds geliehen und in 36 Jahresraten, beginnend mit dem siebenten Jahre nach der Ansiedlung, verzinst und amortisiert werden sollen. Der Bau der Siedlung und ihre Ausstattung mit totem und lebendem Inventar muß innerhalb von 18 Monaten vollendet sein. Die Pflanztmgskolonle Ramath Hasharoci. Nördlich von Tel-Aviv, V2 Stunde von Herzliah, liegt auf einem Hügel die junge Pflanzungskolonie Ramath Hasharon, die heute bereits 250 Einwohner zählt. Obwohl Ramath Hasharon erst seit 2 */2 Jahren besteht, sind dort bereits 600 Dunam Orangenpflanzungen angelegt, 50 moderne Betonställe erbaut und eine Reihe landwirtschaftlicher Betriebszweige entwickelt, die den Siedlern die Möglichkeit einer Existenz geben. Jeder Siedler hat durchschnittlich 8 bis 12 Dunam Pflanzungen; in der nächsten Saison sollen weitere 150 Dunam Pflanzungen neu angelegt werden. Das Gemeindebudget beträgt zurzejt 600 Pfund und deckt die Ausgaben der Schule, eines Kindergartens, ärztliche Hilfe, der Wächter usw. Die Steuern werden durch eine Umlage von je 300 Mils pro Dunam Böden erhoben. Ein großer Wasserturm mit einer Fassungskraft von 700 m8 erhebt sich als Wahrzeichen der Kolonie über dem Hügel. Eine PalmenaHee in einer Länge von 500 m bildet die Zierde des Dorfes. ‘Wanderung EIA- und Auswanderung in Palästina im Oktober 1930. Während des Monates Oktober 1930 sind in Palästina 217 Juden, 136 Christen und 19 Mohammedaner eingewandert. Die Zahl der Auswanderer im Oktober 1930 betrug 99 Juden, 123 Christen (einschließlich 38 englischer Polizisten) und 75 Mohamni^aner. Vet band jüdischer Ingenieure und Techniker für den Aufbau Palästinas Der Verband jüdischer Ingenieure und Techniker für den Aufbau Palästinas, der, vor Jahren gegründet, einst wertvolle Arbeit geleistet hat, seit zwei Jahren aber wenig hervortritt, hielt am 4. Dezember seine diesjährige Generalversammlung ab. Es wurde beschlossen, den Verband zu reorganisieren; frische Kräfte haben sich bereits gefunden, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, neues Leben in die technische Organisation zu bringen. Die Absicht ist, alle Ingenieure und Techniker in Oesterreich zusammenzufassen und auch mit den ausländischen Bruderorganisationen, insbesondere mit den palästinensischen, den früher bestandenen Kontakt wiederherzustellen. Ueberdies wird der Verband Mittel und Wege suchen, um postenlose Mitglieder im In- und Auslande unterzubringen, was allerdings mit großen Schwierigkeiten verbunden, aber — systematisch durchgeführt — nicht aussichtlos ist. Die neue Verbandsleitung hat mit der Durchführung ihres Programmes begonnen; sie hat vorerst mit der «Haboneh», Bund zionistischer Ingenieure und Techniker in Wien, eine Arbeits- und Interessengemeinschaft gebildet, so daß zu erwarten ist, daß — nicht zuletzt dank dieser tatkräftigen und wertvollen Hilfe — der Verband alle seine Ziele erreichen wird. Der Verband, bezw. die Arbeitsgemeinschaft Verband-Haboneh, werden künftig alle ihre Mitteilungen an dieser Stelle veröffentlichen; die jüdischen Ingenieure und Techniker Oesterreichs werden ersucht, die Mitteilungen zu beachten und an den ab Jänner 1931 regelmäßig an Mittwoch-Abenden stattfindenden Vorträgen teilzunehmen. Weitere Auskünfte erteilt Fritz Kemeny, I., Adlergasse 5, Telephon R 26-9-87 und Dr. Ing. Karl Winter, III., Nordwestbahnstraße 35, die auch Anmeldungen entgegennehmen. Politik und Aufbauwerk Aus der Rede Dr. Weizmanns, gehalten am 30. November 1930 an einem Massenmeeting im Norden Londons. Wir durchleben zurzeit eine Zeit der Krise. Ich denke, daß sie nur temporären Charakter hat. Sie vergeht, ihre Form ändert sich, und in den meisten Fällen hängt es nicht von uns ab, etwas zu ändern. Wir haben keine Kontrolle über das politische Schicksal der Welt. Es gibt nur eines, das in diesem Fluß der Dinge von Dauer ist, und dies ist der Wille des jüdischen Volkes, Palästina aufzubauen. Welche Regierung immer kommen oder gehen mag, welche Regierung uns zeitweise helfend zur Seite stehen oder an unserem Werke hindern wird, der Faktor, von dem wir in erster Linie abhängen, der gute Wille des jüdischen Volkes, kann nicht grundlegend geändert werden. Wenn ein Volk, wie wir, das dem Schicksal der ganzen Menschheit unterliegt, und unter verschiedenen klimatischen, zivilisatorischen und kulturellen Bedingungen lebt, ein Element gemein hat, das die Einheit Israels konstituiert, so ist dies Palästina, ist dies der Wille, daß Palästina durch unsere eigenen Anstrengungen aufgebaut werden wird. Dies ist der einzige Faktor, von dem wir abhängen. Es mögen andere Hindernisse da sein. Aber dies allein hängt davon ab, was wir tun oder zu tun unterlassen. So hat der Keren Hajessod heute mehr Bedeutung als je vor der Krise. Chaluzim sind am Vorabend des Tages, an dem das Weißbuch veröffentlicht wurde, ausgezogen. Dies war die beste Antwort auf das Weißbuch. Wir haben Papiere auftauchen und verschwinden gesehen. Aber wir haben weitergelebt. Wir werden auch in Zukunft weiter leben, und nichts kann das jüdische Volk in der Erfüllung seines Schicksals erschüttern, außer wenn dieser Wille des Volkes selbst gebrochen wird. Es hat viele Proteste gegeben, und ich selbst habe Protest erhoben. Aber Palästina lebt, handelt, arbeitet, schreitet voran und braucht Ihre Unterstützung. Wenn Sie, um Ihren Gefühlen der Enttäuschung ein Ventil zu geben, die von uns übernommenen Pflichten bei Seite setzen und den Keren Hajessod künftighin nicht mehr unterstützen, so werden es wir sein, die Palästina verraten haben, und nicht die anderen. Palästina-Linie wöchentlich Die Dampfer der Palästina-Linie des Lloyd Triestino, die bisher jede zweite Woche von Triest nach Palästina und umgekehrt ausliefen, werden ab 31. Dezember 1930 einen wöchentlichen Dienst aufnehmen. Die Schiffe fahren von Triest aus jeden Mittwoch ab und berühren auf der Reise Larnaca (Cypern). Dio Reisedauer beträgt 4y% Tage.